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Ein Satz heißer Ohren oder Kundi's neu erworbene Metal-CDs aus Deutschland

in CD-, DVD- und Buchveröffentlichungen 12.05.2020 12:06
von Kundi | 3.211 Beiträge | 7247 Punkte

Wir wollen in Zeiten der coronaerzwungenen Liveabstinenz die Musik nicht ganz außen vor lassen. Deshalb schreibe ich heute mal ein paar Zeilen zu meinen aktuellen Neuerwerbungen.
Wenn man diese Scheiben hört, bekommt man als gelegentlicher Fan lauter Klänge automatisch einen Satz warmer (Metalfan-)Ohren .

Aus dem Ostmetal-Shop von Hendrik Rosenberg (http://www.shop-027.de/shop-ostmetal.html) habe ich nämlich unlängst so richtig etwas auf die Ohren bekommen. Hendrik betreibt auch die Internetpräsenz http://www.ostmetal.de/. Dort findet man unwahrscheinlich viele Informationen über die Metalbands des Ostens. Die Seite ist ein Muss, wenn man sich über den Metal in unseren Breiten damals und heute informieren möchte.

Übrigens war das ein schneller und kundenfreundlicher Service vom Ostmetal-Pabst inklusive telefonischer Rückruf wegen eines kleinen Bestellfehlers meinerseits.
Vielen Dank dafür.

Das hier werden absichtlich keine vollständigen CD-Rezensionen, sondern ich werde zu allen 4 Alben bzw. 3 Bands ein paar lose Gedanken aufschreiben. Alle drei Bands singen auf diesen Veröffentlichungen überwiegend bzw. konsequent in unserer Muttersprache.

Von der Band SAXORIOR habe ich gleich 2 Alben gekauft. Der Bandname setzt sich aus den englischen Bezeichnungen für Krieger und Sachsen zusammen.
So richtig aufmerksam bin ich vergangenes Jahr auf die Kapelle geworden. Da hatte ich die Metal-Coverband PENTAN in Lohmen (PENTAN und BLIND BANKERS am 29. Juni 2019 beim Bikertreffen in Lohmen) gesehen hatte. In dieser Truppe, die sich Mitte der 90er Jahre aus Musikern der ehemaligen Pirnaer Bands TITAN und PENT zusammensetzte, spielen auch die beiden Ex-TITANen Kai-Uwe Schneider und Matthias "Eschi" Eschrich. Kai und Eschi sind aber auch die Urheber von SAXORIOR, welche ebenfalls seit mehr als 15 Jahren ihr "Unwesen" treiben.

Ich habe mir nun die Scheiben "Saksen" (2015) und "HEM" (2019) von SAXORIOR zugelegt. Was kann man von diesen Scheiben erwarten?
SAXORIOR haben sich dem melodischen Blackmetal, aber mit gelegentlichen Prisen von Paganmetal (und/oder Vikingmetal?) verschrieben. Die Herren singen auf beiden Alben konsequent deutsch, das gefällt mir besonders. Musikalisch geht es hart zur Sache und auch der "Grunzgesang" fehlt an einigen Stellen nicht. SAXORIOR bieten ein breites, hartes Klangbett an. Aber die Band arbeitet auch mit melodischen Klängen. Ebenso sind hymnische Lieder bei SAXORIOR zu hören.

Textlich verarbeiten die Männer geschichtliche Themen, aber auch Mythen und Sagen ihrer sächsischen Heimat. Sehr gut kommt zum Beispiel auf dem aktuellen Album "HEM", welches man ruhig als Hommage an ihre Heimat, die Sächsische Schweiz" deuten kann. "Hexenpest" greift auch die Geschichte einer angeblichen Hexe auf, die zu Pestzeiten in Pirna hingerichtet wurde. Der Titelsong des 2015er Albums "Saksen" beschreibt die Wanderung/Ausbreitung der Sachsen bis nach Britannien. "Blutbad von Verden" beschäftigt sich mit einem Strafgericht Karls des Großen im 8. Jahrhundert, bei welchem nahe von Verden an der Aller bis zu 4500 Sachsen hingerichtet worden sein sollen.

"Gedankenwächter" ist das neue Album von MACBETH. Die Scheiblette ist vor wenigen Monden erschienen.
Die Geschichte der 1985 gegründeten Band ist wechselhaft und schmerzvoll. Das reicht von Repressalien und Auftrittsverboten sowie der zeitweiligen Umbenennung der Band in CAIMAN zu DDR-Zeiten bis hin zu den Selbstmorden von Sänger Detlef Wittenburg (Dezember 1989) und Schlagzeuger Rico Sauermann (1993). Heute sind mit Ralf Klein und Hanjo Pabst noch zwei Gründungsmitglieder in der Band.

Mit "Gotteskrieger" legten die Männer im Jahr 2009 ein Album vor, welches man getrost als Meilenstein und Maßstab deutschsprachigen Heavy Metals bezeichnen kann.

Wer bei MACBETH auf Themen wie Liebe, Triebe, Sonnenschein wartet, ist auch bei dieser Veröffentlichung an der falschen Stelle.
Salopp gesagt behandelt die Band finstere Themen wie Krieg, Mord, Totschlag und durchwandelt dabei auch die Abgründe der menschlichen Seele.
Genau so dunkel und düster wie die Texte sind, ist auch die Musik von MACBETH. Man bekommt trashigen, doomigen Heavymetal zu hören, welcher mir beim Hören schon sehr oft zusammen mit den düsteren Texten bis in bzw. durch Mark und Bein gefahren ist. Dabei lohnt es sich aber auch auf die Feinheiten zu achten. Da hört man bei "Maikäfer flieg" mal eine Kinderstimme den Refrain des Kinderliedes singen" . "Das Boot" wartet mit Tönen der bekannten Filmmelodie auf. Auch die Akustikgitarre ist für MACBETH kein Fremdwort.

Das neue Album "Gedankenwächter" ist wieder MACBETH par excellence. Schon der Opener "Friedenstaube"ist ein düsterer Hammer. Denn in dem Lied geht es um einen Bomberpiloten, der "seine Pflicht tut" und vermeintlich kein Blut an den Händen hat. "Brandstifter" ist dagegen mal eine richtig scharfe Anklage und Benennung der Kriegstreiber mit Schlips und Kragen, die eifrig ihre Strippen ziehen, aber nie auf dem Schlachtfeld auftauchen. "Demmin" greift den furchtbaren Massenselbstmord von hunderten Bürgern der Kleinstadt Demmin bei Kriegsende und Einmarsch der Roten Armee Ende April/Anfang Mai 1945 auf.
Mehr kann und will ich gar nicht zu dem neuen MACBETH-Megaknaller schreiben, denn ich bin noch dabei das gesamte Werk zu verdauen.

Die Doppel-CD "Heavy Mörtel Mischmaschine" (1985 - 1989) von MCB vereint die gesammelten und wiedergefundenen musikalischen Kronjuwelen dieser Band. An der Veröffentlichung hat übrigens Hendrik Rosenberg ganz, ganz kräftig mitgeschraubt. Die damals produzierten Rundfunkaufnahmen, ein im leeren Becken des Schwimmbades Radebeul mit Kunstkopf aufgenommener Song ("Kontaktklub") und Livemitschnitte von Konzerten in Schönebeck (1985) sowie beim V. Berliner Rocksommer 1988 geben einen klanglichen Überblick über die Entwicklung von MCB. Ein sehr schönes Booklet beschreibt ausführlich die Geschichte der Band bis zum heutigen Tage.

Ich selbst habe MCB ja im Jahr 2016 erleben dürfen: MCB 29.10.16 im "Heavy Duty" Dresden - die Legende lebt -
Die einzige personelle Konstante bei MCB ist Basser Mike Demnitz, der ein absoluter Könner seines Faches ist. Die Finger dieses Mannes tanzen unverwechselbar über die Dicksaiten seines Arbeitsgerätes und entlocken dem Bass die wunderbarsten tiefen Töne. legendär ist auch das Bass-Solo des Meisters bei dem er auch schon mal zum Glas als Hilfsmittel greift. Mir gefällt der motörheadlastige Sound der Band bis heute. Wenn euch MCB interessiert macht ihr mit dem Kauf der Do-CD garantiert nichts falsch.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 04.10.2020 17:15 | nach oben springen

#2

RE: Ein Satz heißer Ohren oder Kundi's neu erworbene Metal-CDs aus Deutschland

in CD-, DVD- und Buchveröffentlichungen Gestern 11:29
von SN-Nittel | 309 Beiträge | 681 Punkte

Auch wenn die Seite schon ziemlich alt ist: http://www.ostmetal.de/ habe ich dort paar interessante Neuigkeiten gefunden...
Danke Kundi

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