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Stern Combo Hoyerswerda 29.3.2014

in Konzertberichte 2015 und älter 31.03.2014 19:40
von toms-daddy | 70 Beiträge | 163 Punkte

50 Jahre Stern Combo Meißen in der Kulturfabrik Hoyerswerda 29.3.2014

Meine erste Konzert-Begegnung mit der Stern-Combo-Meißen hatte ich im Jahr 1975 auf dem Sportplatz in Sermuth, einem kleinen Ort in der Nähe von Colditz/Sa., als sich die Band gemeinsam mit den Klosternbrüdern aus Magdeburg mit großem Eifer in das Projekt FUSION stürzte. Das dort Dargebotene unterschied sich deutlich von dem, was ich als damals 16-Jähriger sonst so hören konnte.
Mein Interesse an der Stern-Combo-Meissen war geweckt und ist seitdem nicht erloschen. Ich verfolgte den Weg der Band intensiv, viele Lieder, die Sounds und die Arrangements haben mich begeistert. Manche personelle Entscheidung konnte ich zum jeweiligen Zeitpunkt nicht verstehen, auch wenn sie sicherlich dem Zeitgeist geschuldet oder aus menschlichen oder ökonomischen Gründen getroffen wurden. Doch in jeder Etappe der Sterne gab es für mich musikalisch Bleibendes, Besonderes, Einzigartiges.
Immer wieder besuchte ich die Konzerte, jede Besetzung hatte ihren Reiz. Im vergangenen Jahr erschien das DVD/CD-Set des Konzerts am Potsdamer Platz, das in jeder Hinsicht Maßstäbe setzt und die Band in Bestform dokumentierte.
Und dann die Hiobsbotschaft kurz nach Neujahr 2014... ich schäme mich meiner Tränen nicht ... ich habe TK als Komponist, Arrangeur und als ungekrönten König der moog-Philosophie und der Hammondorgel sehr geschätzt, habe oft mit ihm vor und nach den Konzerten geschwatzt, und ich hab immer noch sein Lachen im Ohr...schnief...

März 2014. Die Stern Combo Meißen hat die Tour 2014 gerade erst begonnen, ich hab die ersten kurzen Rezensionen gelesen, aber das neue Programm noch nicht gesehen oder gehört.. Aha, es gibt keinen neuen Keyboarder, stattdessen übernimmt Sänger Manuel auch die linke Bühneseite, die vorher die Heimat von Thomas Kurzhals war. Oha, da gehört nicht nur großes Können, sondern auch eine gehörige Portion Mut dazu. Mein Sohn hatte vor 2 Jahren die Stern Combo auch für sich entdeckt und freute sich ebenso wie ich seit Wochen auf dieses Konzert - aber wie würde die live-Umsetzung funktionieren?

Ich bringe es mal auf einen kurzen Satz: es war ein Abend voller Überraschungen für uns. Die Kulturfabrik Hoyerswerda ist ein kleiner Laden, den ich gern besuche, weil man hier richtig dran ist an den Bands. Er erinnert mich an viele Clubs, in denen wir damals selbst gespielt hatten und die eigentlich auch alle nach dem gleichen Muster aufgebaut waren. Alle Leute sind freundlich, egal ob es die Jungs vom Einlass oder das flinke Team hinterm Tresen ist.
Und der Besuch eines Stern-Konzerts ist für mich immer etwas Besonderes. Das beginnt bei der Wiedersehensfreude und der herzlichen Begrüßung durch den Manager Detlef Seidel, der sich für alle Interessenten Zeit für kleine persönliche Gespräche nimmt.
Soundmann Rene Niederwieser ( danke für die Setliste ) lässt sich geduldig mit Fragen zu technischen Details löchern ( auf diese Art habe ich mir schon manche Anregung geholt oder konnte eigene Probleme lösen ). - Einschub für die Interessenten: gemischt wurde auf einem kleinen, aber feinen 32-Kanal-Digitalmixer der Firma mit dem großen Ohr. Und es gibt wirklich keinen Grund, jetzt in das branchenübliche Aufstöhnen einzustimmen, im Gegenteil: seit Ulli die Firma Midas aufgekauft und die Effektsektion mit Klark-Produkten besetzt hat ist hier was richtig Schnuckliges entstanden. -

In der kleinen Kufa war ein druckvoller, transparenter, aber nie zu lauter Sound, der die Kraft der Synthesizerflächen genauso transportierte wie die crispen Höhen der HiHats, ein sauber zu ortender Bass ohne Matsch und keine schmerzhaft knallende Basssdrum. Gesang und Moderation waren jederzeit glasklar zu verstehen. Die Lichtregie war stimmig und wurde fast ausschließlich über Moving Heads realisiert, kein hektisches Geflimmer. So müsste das überall sein!!

Ohne Wartezeit begann das Programm pünktlich mit dem Einspiel des Intros von „TNTK“. Ich erwartete den Einsatz der Band zum live-Teil, stattdessen Meeresrauschen und „Der weite Weg“. Dies sollte nicht die einzige Verblüffung bleiben. Gut gelaunt führte Martin Schreier durchs Programm, er reagiert oft spontan auf Einwürfe seiner Bandkollegen oder Zurufe aus dem Publikum. Hier in der Kufa macht es eben einfach Spaß, es ist ein Miteinander, das in großen Sälen so nicht möglich ist. Wir erfuhren nicht nur, dass Manuel der Professor der Stern Combo ist ( der den Chef gleich mal bei der Moderation in den Jahreszahlen korrigiert ), sondern auch, wie das bei der Grenzkontrolle in Zinnwald ablief oder dass auf der Albrechtsburg Meißen der Böttcher gesessen und geforscht hatte und nicht - wie vom Publikum geraten - das erste private Tonstudio der DDR seinen Sitz hatte. Und Martin wehrte auch - bescheiden wie er ist - die von einem Fan zugerufene Bemerkung „Du bist unser Meißner Porzellan“ ab - nein, er sei nur etwas weißhaariger geworden ( weshalb er in Bandkreisen nun auf den Namen „Gandalf“ getauft worden sein, so Franky aus dem Hintergrund ). Er leitete über zu „Der eine und der andere“ - ja aber wo war den der eine oder andere Manuel? Der hatte doch glatt das „Charakterutensil“ ( die Brille ) in der Garderobe vergessen - gut, dass in der Kufa die Wege so kurz sind. Aber so ist das eben, und live is live!

Die Band war bestens aufgelegt, hatten sichtbar Spaß an ihrer Arbeit. Es wäre eine eigene Abhandlung wert, das Lachen, die schelmischen Blickwechsel oder die Gesten der Musiker untereinander zu analysieren. So locker habe ich die Band selten erlebt. Manuel hatte 3 Gesangsmikrofone, zwei in der Keyboard-Burg und eines in der Bühnenmitte, zwischen denen er hin und her pendelte. Hier sollte man allerdings mal prüfen, ob man nicht auf die permanenten Wechsel innerhalb eines Liedes verzichten kann, die Unruhe ist mir zu groß. Vom Handwerklichen hat er mich aber voll überzeugt - Respekt! Nein, ich werde keine Vergleiche anstellen. Stattdessen war es fesselnd zu beobachten, wie intensiv Manuel in der Musik drin ist, da geht der ganze Körper mit. Nicht nur, dass er neben sicherem Spiel als kleine Showeinlage mit dem Ellenbogen in alter Rock’n’Roll-Manier das Piano malträtiert, sondern voller Konzentration arbeitet sogar seine Zunge mit, wenn er die Regler der Oszillator- und Filterbänke seines moog-synthesizers bedient. Bei der Anmoderation zu „Was bleibt“ im ersten Teil des Konzerts erinnerte Manuel mit einem Kloß im Hals an Thomas Kurzhals. Ja, TK wird immer dabei sein- nicht nur, weil sein Name noch auf dem Keyboardstativ steht...

In der Songauswahl wurde wieder aus dem reichhaltigen Fundus geschöpft, kredenzte nicht nur Liebgewonnenes, sondern brachte auch echte Perlen wieder ans Licht. Beim Bolero konnte Sebi am anderen moog wirklich interessante Klangbilder formen. Ich will hier nicht alle Lieder aufzählen, aber besonders habe ich mich über „Du komm her“ gefreut, eines der schönste Lieder von Reini. Faszinierend waren für mich nicht nur der Ruf-Antwort-Dialog der beiden Keyboardseiten, sondern auch die filigrane Bassfigur, die Lexa hier spielte. Hatte er kurz zuvor bei „Licht in das Dunkel“ überraschend noch mit einem verstimmten Bass, Knack- und Brummschleifenproblemen zu kämpfen, setzte er hier nur wenige Minuten später solistische Farbtupfer im sehr gefühlvollen Arrangement. Höchstes Lob von mir für den durchweg stimmigen Satzgesang, der vielen Titeln einen zusätzlichen Glanz verleiht. Und Franky, der unermüdlicher Arbeiter an der Schießbude, gibt jedem Song die nötige Präzision und immer ein Augenzwinkern. Natürlich war der „Kampf um den Südpol“ das eigentliche Finale. Aber Martin kürzte das bei anderen Bands übliche Prozedere Abgehen-Rausklatschen-Abgehen-nochmal Klatschen usw. einfach ab: „ also wir würden dann noch was aus den lustigen 80ern spielen - wenn ihr wollt“. Natürlich wollten wir!

Nun hatten die Jungs einen Titel ausgegraben , den - so Martin - „die Band besonders gern spielt“ - großes Gelächter auf der Bühne . Es handelte sich um „Kosmos“, ein Auftragswerk für Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn. Hm, das ist echt eine Überraschung, aber es hat mir nicht wirklich gefallen. Das ganze Ding ist zu hektisch, das Synthi-Arpeggio überlagert mir zu viel, die Melodieführung geht fast verloren - bitte das Arrangement ausdünnen!
Auch die zu Beginn des 2. Blocks gespielte Neufassung von „Reiter in der Nacht“ ist überhaupt nicht mein Ding. Das Original hatte in der sparsamen Instrumentierung etwas Märchenhaftes, fast Magisches und war so ein wundervoller Kontrast im Programm. Die Neufassung - Entschuldigung - plätschert so dahin, Sebis E-Piano erinnert an „Riders from the storm“ von den Doors, da ist wirklich nichts mehr übrig von der einstigen Faszination. Ratlosigkeit und Kopfschütteln auch bei anderen Besuchern - meine Herren der Stern Combo: bitte überdenkt, ob ihr nicht wieder zur filigranen CD-Fassung wechselt.

So, aber nun wirklich zurück „ in die lustigen 80er“ ( Zitat Martin ), in denen ja Uwe Hassbecker ( der dann zu Silly wechselte) die Gitarre in das Soundbild von Stern Meißen einbrachte. Das Album „Stundenschlag“ zählt für mich heute noch zu den besten und musikalisch vielseitigsten der Band. Und nun geschah das, was ich nicht für möglich gehalten habe: die Rückkehr dieses Instruments in ein live-Konzert der Stern-Combo-Meißen. Manchmal liegt das Gute eben wirklich nah: ja na klar weiß ich, dass Rene, der immer freundliche Typ am Mixer, dereinst im Videoclip vom Überhit „Zeit, die nie vergeht“ von Perl eine weiße Fender Stratocaster spielte und in Bands wie Wahkonda oder Undercover die Saiten zupfte, aber dass ich den noch mal in Aktion erleben sollte .. Rene holte man jetzt zu einem Medley auf die Bühne. Wer immer auf diese Idee gekommen ist: kräftiges Dankeschön-Schulterklopfen!! Mann, das rockte aber so richtig los. Und natürlich haben wir alle am Ende „Wir sind die Sonne“ gesungen und wollten eigentlich überhaupt nicht nach hause.

Der neue Tag brach bereits an, die Musiker kamen ohne Kunstpause an den kleinen Tisch am Eingang und signierten die CDs oder was ihnen auch vorgelegt wurde und schwatzten mit den Fans. Franky bat uns um Einträge ins Gästebuch oder/und Konzertberichte - Versprechen hiermit eingelöst! Und mit Blick auf den Tourplan haben wir uns verabschiedet mit AUF WIEDERSEHEN - wenn es klappt im Mai in Cottbus und im November in Schleife. Die Sterne leuchten weiter - und wie!!!

Epilog: ich hatte ja ein klein wenig gehofft, Hartmut und Kundi in Hoy zu treffen, aber beide waren im Auftrag der Mission anderweitig unterwegs ;-)

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#2

RE: Stern Combo Hoyerswerda 29.3.2014

in Konzertberichte 2015 und älter 01.04.2014 08:53
von HH aus EE | 908 Beiträge | 2214 Punkte

Wie das so ist im Leben. Diesen Termin der STERNE hatte ich fest im Blick, bis mir Holger zwei Wochen vorher verriet, dass beim Kleinen Sachsendreier in Pirna TILL PATZER dabei sein würde. Ich habe mich per Telefon schlau gemacht und danach stand fest, dass ich mir diese überaus seltene Konstellation nicht entgehen lassen würde. Zum Glück, denn es wurde ein bewegender Abend vor heimischer Kulisse. Dank Petra und Kundi habe ich von der KARUSSELL - Mugge auch etwas mitbekommen und dank Deiner Schilderungen auch von der STERN COMBO MEISSEN in Hoyerswerda. Missionsauftrag erfüllt . Nur ein paar geknipste Bilder hätte ich mir noch aus HoyWoy gewünscht .


www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
zuletzt bearbeitet 01.04.2014 08:53 | nach oben springen

#3

RE: Stern Combo Hoyerswerda 29.3.2014

in Konzertberichte 2015 und älter 01.04.2014 10:54
von toms-daddy | 70 Beiträge | 163 Punkte

Ja, Hartmut, wir hatten auch im Vorfeld geplant, ein paar Bilder zu machen, von Detlef gabs auch das okay dafür. Aber du kennst die kleine Kufa, es war bestuhlt, und nicht ein einziger Gast störte die Veranstaltung durch Blitzlicht oder Dauerlauf, das Bühnenpodium ist ja nur ca. 70 cm hoch, da wollten wir die anderen nicht stören. Gute Bilder hat Reinhard vom Vortag auf die mugge-Seite gestellt.

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