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DIE MEDLZ auf Tour - im Bürgerhaus von Bad Liebenwerda

in Konzertberichte 2015 und älter 07.03.2014 18:39
von HH aus EE | 865 Beiträge | 2112 Punkte

Medlz – „Unsere Zeit“ - live im Bürgerhaus ( 06.03.2014 )

Sachsen ist da, „wo die schönsten Mädchen (auf den Bäumen) wachsen“, sagt ein altes Sprichwort. Die Tatsache, dass damit eigentlich Niedersachsen, genauer Hildesheim, gemeint sein soll, kann jedoch spätestens seit 1989 getrost außer acht gelassen werden. Sachsen ist nun einmal der Schönen wahre Heimat, das kann man drehen und wenden, ob nieder oder hoch, wie man will. Hier sind schon immer die schönsten Mädchen zu Hause und woher die schönsten Stimmen kommen, müssen wir auch nicht mehr diskutieren. Als Paradebeispiel und Beweis mögen Namen wie Uschi Brüning, Regine Dobberschütz und Christiane Ufholz, alle drei in Leipzig geboren, genügen. Deren Blütezeiten sind leider vorüber, aber in Sachsen wachsen die Mädels (auf den Bäumen) nach, sagt das Sprichwort. Es tauchen immer mal wieder neue Talente auf, deren Schönheit kaum zu übertreffen ist und die mit besonderen Stimmen überraschen.

Sie kommen aus Dresden, der Sachsen Hauptstadt, und sie sangen in einem Kinderchor. Als NONETS gründeten sie in einer anderen Zeit eine eigene Band und sangen 2002 vor 30.000 Menschen auf dem Theaterplatz, um sich danach einfach nur noch MEDLZ zu nennen. Unter diesem Namen begannen sie bald, Preise einzusammeln und sie produzierten CDs, dem Lebensgefühl ihrer Zeit gemäß. Irgendwann in diesen Jahren sind sie auch mir dann aufgefallen. Ein Brandenburger, der ich mittlerweile wohl bin, hat es nicht gerade leicht, alle schönen Ereignisse, die in Dresden stattfinden, zu erfahren oder gar zu besuchen. Nun also wollte es der Zufall, dass die MEDLZ ausgerechnet in eines dieser verschlafenen Provinzstädtchen im Elbe-Kreis-Kreis kommen, den vielen (Spar)Kunden der Sparkasse sei gedankt, und ich darf, zwei Tage vor dem Frauentag, auch dabei sein. Passt doch.

Dies ist mein dritter Besuch im Bürgerhaus der ehemaligen Kreisstadt Bad Liebenwerda. Die Bühne ist von leichter Hand mit bunten Luftballons dekoriert, die, an unsichtbare Fäden gebunden, zur Decke streben. Was es damit wirklich auf sich hat und welche dramaturgische Funktion ihnen im Laufe des Abends zukommen wird, lässt sich in diesem Moment noch nicht erahnen. Man müsste schon sehr genau hinsehen, um in einigen von ihnen die kleinen Zettel zu entdecken, die uns wenige Minuten später durch das Programm „Unsere Zeit“, die popmusikalische Zeitreise der MEDLZ, führen werden. Die Neugier auf das Kommende ist im Saal ganz gut zu spüren.

Mit Kleidern im schicken glitzernden Outfit der Pop- und Technogeneration tanzen die Damen endlich, nach überstandenem akademischen Viertel, auf die Bühne und plötzlich füllen Pop-Rhythmen und liebliche Frauenstimmen den Raum. Kein flackerndes Licht, kein Glitter, keine zuckenden Spots, nur ein wenig Nebel – Überraschung gelungen! Es ist diese Art von Musik, die in die Beine geht, aber mir damals, wohl, ob meines gehobenen Alters, nicht mehr im Kopf hängen blieb. Dennoch kommt mir „Jungle Drum“ mit diesem „my heart’s beating like a drum“ irgendwie sehr bekannt vor und damit haben die vier „Golden Girls“ mit ihrem a capella – Gesang den Saal im Handumdrehen erobert.

In der nun folgenden sympathisch und angenehm locker flockigen Begrüßung stellt sich heraus, dass dies das abschließende Konzert ihrer Tour mit den Liedern aus „ihrer Zeit“ sein wird und dann rufen sie ein „Hallo Bad Liebenwerda!“ in den Saal, um nur Momente später, nach kurzer Übungsphase, ein donnerndes „Hallo Medlz!“ als Antwort zu erhalten. Es wird gelacht, Gerhard und ein Mann namens Michelle werden im Publikum entdeckt und sie dürfen sich Lieder wünschen, die auf den Zetteln in den Ballons versteckt sind. Sowohl Gerhard, als auch Michelle (oder doch Michel?), dürfen einen Ballon auswählen. Auf diese Weise ergibt sich ein Fragment der nicht vorhandenen Set-Liste. Mit einem Song zum Thema Fußball kann ich nicht viel anfangen, aber bei „Allein, allein“, einem Cover der Dresdener Synthie-Poper Polarkreis 18, kann ich wenigstens den Refrain mitsingen und der „Free Styler“ versetzt die Körper einfach nur in rhythmisches Zucken. Wenn man bedenkt, dass die vier Ladies, mit Namen MARY, BINE, NELLY und SILLI, das alles nur mit ihren eigenen Stimmen fabrizieren, dass sie die Illusionen von Grooves und Beats nur mit dem Mund am Mikrofon erzeugen und dabei wirklich sehr harmonisch und entspannt daher kommen, dann ist das schon sehr beeindruckend, auch wenn der Sound von „Teschno“, so die sächsisch korrekte Aussprache, nicht wirklich meine musikalische Welt ist. Wie sie dann Enya’s großen Welthit „Only Time“ gefühlvoll intonieren und noch die „Perfekte Welle“, ein Juli-Cover, über uns rollen lassen, verdienen sie meinen Respekt und Anerkennung, der ich ja von gänzlich anderer Pop- und Rockmusik sozialisiert wurde.

Der zweite Teil des Programms kommt lässiger, mitunter beinahe wohltuend schräg mit einem Medley aus Dancefloor-Songs- und Grooves daher. Gänzlich neues Outfit, zwischen Rap, cool sowie Lack und Leder angesiedelt, werden die Augen optisch aufgemischt. Wieder eine gelungene Überraschung. Im Saal wird geklatscht und es kommt richtig Stimmung auf, als so eine Art „Best of der Doofen“ von der Bühne geschmettert wird. Im Anschluss werden noch Rednex mit dem „Cott’n Eyed Joe“ bemüht, was eine weitere Stimmungswelle im Saal auslöst.

Zwischendurch immer wieder freche Moderationen mit Empfehlungen an das Goethe-Institut, wie man den deutschen Wortschatz – mit „einer Lampe ans Knie genagelt“ - bereichern kann und Augenblicke später darf man sich bei tollen Versionen von „Das Boot“ und „Nothing Compares 2 U“ wieder in die Stühle sinken lassen. Die MEDZL spielen mit der ganzen Bandbreite feinster Unterhaltung, sie lassen den großen Gefühlen genug Raum, indem sie Lachsalven erzeugen oder auch mal vorsichtig zynisch werden können und das alles, ohne eine der typischen Linien zu über- oder unterschreiten. Da wird herzhaft „Mein Hund ist schwul“ geblödelt und ein überzogenes „Barbie Girl“ auf die Bühne gezaubert und selbst vor Queen, mit „Show Must Go On“, machen die vier bunten Ladies mit der facettenreichen Show nicht halt. Da rauscht hinter mir der Beifall und manchmal wird auch nur eine stille Sekunde lang gestaunt. Nur in den Chorus vom „Yellow Lemon Tree“ von Fool’s Garden, der hinter mir mitunter völlig falsch gesungen wird, mag ich nicht einstimmen. Aber dafür können die da vorn nun wirklich nüscht. Ich bin einfach nur begeistert von der Vielseitigkeit, von der Perfektion und von den vielen Ideen, mit denen die unterschiedlichen Songs des Abends zu einem Ganzen verschmolzen werden. Alles ohne instrumentale Begleitung und nur mit einem klitzekleinen technischen Trick, der aus einer Frauenstimme einen Bass modelliert. Der stürmische Beifall und die Blumen am Ende der Show sind kleine Zeichen, wie sehr die Sachsen-Medlz in der Südbrandenburger Provinz begeistert haben.

Den MEDLZ aus Sachsen ist anzusehen, wie glücklich sie sind, auch dieses letzte Konzert der Tour für ein begeistertes Publikum gespielt zu haben. Zum letzten Mal kommen die Ballons ins Spiel, die nun von ihrer Verankerung gelöst werden. Die vier MEDLZ setzen sich zu uns vorn auf die Bühnenkante und zum allerletzten Mal erklingen ihre Stimmen. Die Melodie von „Der Mond ist aufgegangen (die gold’nen Sternlein prangen)“ berührt wohl viele der Anwesenden und als die Arme mit den Mikros in der Hand nach unten sinken und die vier Stimmen noch immer singen, werden wir sehr gefühlvoll auf den Weg nach Hause geschickt. Mit den Ballons in ihren Händen geleiten die Damen uns alle nach draußen, wo der eine oder die andere, mit einem der Ballons in der Hand, das Haus in die nebelkalte Nacht verlassen. Auch bei mir schwebt jetzt so ein rundes Ding unter der Zimmerdecke und wird mich wohl noch einige Tage an diesen etwas anderen Konzertabend erinnern.

Angefügte Bilder:
www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
zuletzt bearbeitet 07.03.2014 18:41 | nach oben springen


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