#1

Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

in Konzertberichte 2020 und 2021 26.09.2020 14:22
von Tina mit Hut | 329 Beiträge | 742 Punkte

Ich versuche allgemein nicht zu sehr in den „Alltagstrott“ zu geraten. Aber manchmal vergisst man trotzdem, was gut für die Seele ist.
Gestern war ich seit Ewigkeiten das erste Mal wieder auf einem Konzert. Das Tivoli in Freiberg hatte den Mut und das „richtige“ Gesundheitskonzept, um auch in dieser schweren Zeit Konzerte durchzuführen.

Die Seilschaft spielte gestern im laufenden Jahr ihr letztes Konzert. Alle anderen Muggen wurden leider coronabedingt verschoben.
Ich hab den gestrigen Abend so sehr genossen. ich konnte endlich mal wieder alles um mich herum vergessen und einfach den Akku wieder füllen.
DANKE für diesen schönen Abend und die liebevollen Umarmungen.

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#2

RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

in Konzertberichte 2020 und 2021 26.09.2020 19:17
von genitiv64 | 196 Beiträge | 450 Punkte

Musste heute leider arbeiten, sonst wäre ich auch mal da gewesen. Habe die Seilschaft schon lange nicht mehr erlebt. Aber das wird auch mal wieder.

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#3

RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

in Konzertberichte 2020 und 2021 09.10.2020 19:16
von Mary | 327 Beiträge | 726 Punkte

Es war ein Herz erwärmendes Konzert...
Schwer zu sagen, wer glücklicher war, die da oben auf der Bühne oder wir unten im Saal,
die sitzend an kleinen Tischen den Abend genossen...

Schöne Fotos Tina..., hätte auch gern was beigetragen, aber meine sind erst mal weg...
SICHERT ALLES, was auf Eurer Festplatte ist!!! Mehr muss ich nicht sagen


"Ihr lacht weil ich anders bin. Ich lache, weil Ihr alle gleich seid."
Kurt Cobain
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#4

RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

in Konzertberichte 2020 und 2021 13.10.2020 10:38
von Kundi | 3.250 Beiträge | 7335 Punkte

Am 25. September 2020 trafen im altehrwürdigen „Tivoli“ zu Freiberg DIE SEILSCHAFT und das vorwiegend sächsische Publikum wieder zu gemeinsamen Singstunden aufeinander. Diese Konzerte sind nun auch schon Tradition. Ungewöhnlich war aber, dass diese Mugge heuer unter dem finsteren Stern von Corona stand und damit ein Konzert mit einschränkenden Regeln war. Das Team vom „Tivoli“ hat sich aber sehr viel Mühe gegeben, den Anwesenden den Aufenthalt in den heiligen Hallen so angenehm wie möglich zu gestalten. Tische und Stühle sind bei der SEILSCHAFT zwar ungewöhnlich, aber so konnten die Abstandsregeln wohl am besten eingehalten werden.

Aber es gab noch einen positiven Nebeneffekt, denn ich hatte am 25. September Geburtstag und so wurde dieses Gastspiel von Christian Haase, Mario Ferraro, Tina Powileit und Co. Für mich zu einer musikalisch berauschenden Geburtstagsfeier. Es war besonders schön, dass unter den Gästen so viele Freundinnen und Freunde waren.

Es ist eigentlich unmöglich einen Muggenbericht über DIE SEILSCHAFT zu schreiben, ohne wenigstens ein paar Gedanken zu GERHARD "GUNDI" GUNDERMANN einfließen zu lassen. Schließlich war diese Combo ab 1992/93 bis zu seinem tragischen und viel zu frühen Tod am 21.06.1998 GUNDIs Begleitband - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das drückte auch der damalige Name GUNDERMANN & SEILSCHAFT oder auch GUNDERMANNs SEILSCHAFT aus. Heute heißt es DIE SEILSCHAFT und etwas hintendran folgt manchmal fast wie verschämt von Gundermann. Es gibt heutzutage auch den Verein GUNDERMANNS Seilschaft e.V. und so beugt man Verwechslungen und möglicherweise auch Konflikten vor? Die Fans wissen selbstverständlich trotzdem, wer sich hinter der SEILSCHAFT verbirgt.
Kundi schreibt wieder mal über GUNDI. Ich befürchte wieder mal das totale Schreibchaos. Sagt hinterher bitte nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Damit hier niemand etwas in den falschen Hals bekommt, möchte ich drauf hinweisen, dass ich sehr froh bin, dass DIE SEILSCHAFT seit rund 10 Jahren wieder live spielt und ich gehe auch sehr gerne zu ihren Muggen.

Es war (nicht nur) für mich ein ganz emotionales Ereignis als beim GUNDERMANN-Tribut anlässlich seines 10.Todestages am 21.06.2008 in der Columbiahalle Berlin nach Jahren der Stille DIE SEILSCHAFT erstmals wieder gemeinsam öffentlich auftrat und das mit dem damals jungen, dynamischen und aufstrebenden Musiker Christian HAASE aus Leipzig. Mann, ich weiß heute noch, wie das unter der Haut kribbelte, wie sich die Gänsehaut bildete und wie sich das anfühlte als der HAASE barfuß tanzend über die Bühne tobte und die Band dazu rockte.

Dieses GUNDI-Tribut war sowieso eine der emotionalsten Veranstaltungen meines Lebens. Heute denke ich manchmal, dass an diesem Abend in Berlin die Gänsehaut fast die normale Haut war. Wenn ich da an "Gras" zum Ende der Mugge denke und den eindringlichen, innigen Gesang des Publikums - da werde ich schon durch die Erinnerung wieder ganz kirre und die Schauer jagen im Wettlauf über meine Haut.
Damals keimte der Wunsch nach mehr SEILSCHAFT-Auftritten in mir und sicher auch bei vielen anderen Besuchern dieses Tribut-Konzertes. Aber es brauchte noch einige Monde, und zwar bis zum Jahr 2011 bis die Saat einer wieder aktiven SEILSCHAFT aufging.

Heute kann meiner Meinung nach keine andere Band GUNDERMANN's Lieder authentischer als DIE SEILSCHAFT spielen. Ganz besonders trifft das auf die Lieder der 3 gemeinsam geschaffenen Studioalben ("Der 7te Samurai", "Frühstück für immer", "Engel über dem Revier") zu. Zumal die SEILSCHAFTer dort auch aktiv beim Komponieren mitwirkten.
Was mir auch manchmal zu kurz kommt oder gar fällig untergeht, ist die Tatsache, dass der Bassist der SEILSCHAFT Thomas "Thommy" Hergert leider auch schon im Jahr 2007 verstorben ist. Das wird mir im Zusammenhang mit GUNDERMANN & SEILSCHAFT zu oft vergessen.

Ich denke jedoch, dass Christoph Frenz weit mehr als ein "Ersatz" für Tommy ist. Chris ist ein erfahrener und mit allen Rock-, Blues-, Polka- sowie Punk 'Roll-/ Psychobilly-Wassern und - Wässerchen gewaschener Bassist, der die Bassgitarre beherrscht sowie auch noch famos den Kontrabass spielen und beklettern kann.

Er spielte bereits zur Wendezeit bei den WILDERERN mit Mario Ferraro. DIE WILDERER arbeiteten zu dieser Zeit auch sehr eng mit GERHARD GUNDERMANN zusammen und begleiteten ihn auch bei Konzerten. Die im Jahr 2004 erschienene CD "Werkstücke II - GERHARD GUNDERMANN & DIE WILDERER" legt übrigens über diese fruchtbare Zusammenarbeit ein beeindruckendes Zeugnis ab. Auch nicht zu verachten und deshalb erwähnenswert ist der Umstand, dass Christoph, Andy und Mario (also die halbe aktuelle SEILSCHAFT) sonst bei POLKAHOLIX spielen. Das erleichtert die Terminplanung auch ein wenig.

GUNDIs Lieder sind heute allgegenwärtiges Liedgut, welches von vielen Künstlern interpretiert wird. Was mich nun dazu verleitet, die Begriffe Volkslied und Heimatlied in diese Runde hier zu werfen. Ich weiß sehr wohl, dass meine Ansicht, dass GUNDERMANNs Lieder wahre Volkslieder sind, nicht von offiziellen Definitionen/Auslegungen dieses Begriffes gedeckt sind und dass einige Lieder, die GUNDI sang, auch andere Komponisten aufwiesen, aber das ist mir jetzt ziemlich Latte.

Oder kann ich diese Problematik ganz galant umgehen, wenn ich GERHARD GUNDERMANN als Volkssänger bezeichne? Nein, ich werde hier jetzt keine lückenlose, hieb- und stichfeste Beweiskette für diese Volkssänger-These aufstellen. Volkslieder werden bekanntlich von Generation zu Generation weitergegeben. Früher war das halt mangels Tonspeichermedien etwas komplizierter als heute. Weite Teile des Volkes konnten auch nicht schreiben. Da wurde Gehörtes eben einfach nachgesungen, gegebenenfalls der Text verändert, manchmal erfuhr auch die Melodie eine Wandlung. Die Mundpropaganda trug so manches Lied durch halb Europa und von Generation zu Generation.

In der neuen Medienwelt haben wir es heute in der Beziehung etwas einfacher, denn eine CD, ein paar mp3- Dateien oder einige Videolinks sind heute schnell weitergegeben. Die Musiker CHRISTIAN HAASE und HEINER KONDSCHAK (RGC) erhielten zum Beispiel vor Jahren von Dritten Musikkassetten mit Aufnahmen von GERHARD GUNDERMANN und erst nachdem sie diese Lieder hörten, begannen sie sich für GUNDI und sein Werk zu interessieren.

Mittlerweile kann man auch von Generationen sprechen (mindestens von den (Großeltern bis zu den Enkeln), die mit GUNDERMANNschen Liedgut vertraut sind und damit etwas anfangen können. Seine Lieder werden absolut freiwillig (mit-)gesungen.

Für mich sind die Lieder eines GERHARD RÜDIGER GUNDERMANN ein nahezu unfassbarer künstlerischer, emotionaler und geschichtlicher Reichtum. GUNDI war für viele DIE Stimme des Ostens. Besonders in der Wende-, Nachwende-, Wiedervereinigungszeit war er das, weil er aussprach, was viele dachten.

Es waren damals eben nicht alle einheitsbesoffen und es dachten auch nicht alle, dass die harte D-Mark vieles besser machen würde und trotzdem das Liebgewonnene aus 40 Jahren DDR bleiben würde. Das war eine merkwürdige Zeit damals. Es gab mehr als genug Menschen, die sich auf einmal aus heiterem Himmel heraus outeten, schon immer dagegen gewesen zu sein und sich als es nicht mehr gefährlich war, sogar plötzlich als Widerständler in Szene setzen wollten.

Jeder kleine Hühnerdieb, jeder Schläger und viele Mitläufer teilte der Welt mit, der wichtigste Sargnagel des untergehenden Systems zu sein. Da konnte einem manchmal schon das Kotzen kommen bei so viel Falschheit, Verlogenheit und Selbstbeweihräucherung. Von den menschlichen Enttäuschungen, die man in diesem Zusammenhang erlebte, will ich da jetzt gar nicht reden.

Da ziehe ich lieber meinen Hut vor Leuten wie GUNDI und vor meinem leider auch schon verstorbenen Großvater. Beide kommentierten die Wirren und Irrungen der damaligen Zeit auf ihre eigene Weise und gegen den herrschenden Zeitgeist. Über GUNDERMANN wurde in diesem Zusammenhang schon viel geschrieben oder gesagt. Deshalb beziehe ich mich jetzt mal auf Opa.

Der alte Herr war in meinen Augen nie ein Fan der DDR und er schimpfte auch gerne über Konsummängel oder auch mal über die Qualität von Produkten. An seinem Haus hing zu den staatlichen Feiertagen wie 1. Mai oder 7. Oktober auch keine Fahne. Sanktionen hat er übrigens deswegen nicht erfahren. Er hielt sich aus allem, was nach Politik roch, raus. Ich glaube, das hatte auch mit seinen Erlebnissen und Erfahrungen aus 2 Weltkriegen, Kaiserreich, Weimarer Republik, Nazidiktatur zu tun. Aber er hat immer seine Arbeit ordentlich gemacht. Mein Großvater hat keine höhere Schule in seinem Leben besucht, war auch nie freiwillig in Parteien/ Massenorganisationen vertreten, aber er war bauernschlau und er hatte seine Lebenserfahrung.

Dieser Mann, den ich liebte, sagte also eines Tages im Jahr 89/90 die folgenden Worte: "Die, die heute nach D-Mark, Einheit, Banane und Westauto schreien, werden sich eines Tages noch mächtig umgucken. Denn wenn das alles kommt, sind die sorglosen und behüteten Zeiten vorbei. Dann kommen auch Arbeitslosigkeit, hohe Mieten und viele soziale Errungenschaften werden fallen. Wahrscheinlich kommen sogar die alten Herrschaften zurück und übernehmen Betriebe, Schlösser und Rittergüter wieder ".
Die politische Tragweite dieser Entwicklung war mir schnell klar, schließlich kam ich auch nicht auf der Wurstsuppe hergeschwommen. Dass der Vater meiner Mutter aber das alles ebenfalls sehr kritisch sah, überraschte mich dann doch.

Ich hatte damals einen riesigen Kloß im Hals, weil ich begriff, dass tief drinnen in meinem Großvater Enttäuschung, Ratlosigkeit, Trauer und Wut steckten und dass er im Herzen mehr DDR-Bürger war, als er seine Umwelt jahrezehntelang glauben ließ. Dass dieser alte, knurrige Mann am Abend seines Lebens diese Worte sprach, erfüllte mich noch heute mit Schmerz und auch mit leisem Stolz. Wenn ich heute an Opa und seine Worte denke, habe ich auch gleich wieder einen kürbisgroßen Kloß im Hals.

Was will ich damit eigentlich sagen und sind wir in diesem Text überhaupt noch bei GUNDI?? Mein Opa war eine Stimme aus dem Volk und GERHARD GUNDERMANN war es ebenfalls.
Wir sind also immer noch beim Volkslied bzw. dem Volkssänger GERHARD RÜDIGER GUNDERMANN. GUNDI benutzte die ganz normale hier geläufige Umgangssprache für seine Liedtexte und er hatte ein ungewöhnliches Talent mit einigen, wenigen Worten wunderbare sprachliche Bilder zu skizzieren und er lieferte seinen Zuhörern auf diese Weise auch schon viele Impulse mit um das Kopfkino anzuschieben. Träumen und (Mit-)Denken waren bei ihm ja nicht verboten.

Das macht für mich einen weiteren Reiz aus, seine Lieder immer wieder zu hören. Je mehr ich darüber nachdenke, umso aktueller kommen mir viele seiner Songs vor. War er soweit vorausschauend oder hat sich bei mir einiges in der Betrachtungsweise im Laufe der Zeit verändert? Vielleicht beides, aber man muss das ja nun auch nicht bis ins letzte ausphilosophieren.
GUNDI war sicher nicht der neue Messias und unfehlbar war auch er nicht. Festzustellen bleibt aber, dass er seine Gedankenwelt zu vielen brennenden Themen wie Krieg, Elend und Unterdrückung, soziale Ungerechtigkeiten, Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung und Verschwendung natürlicher Ressourcen mit seinen Zuhörern teilte.

GUNDI war nach klassischen und technischen Gesangsmaßstäben sicher kein exzellenter und sauberer Sänger. Aber die reine Gesangslehre ist ja bei Rockmusik nicht immer das entscheidende Merkmal. Kann denn ein Bob Dylan ordentlich singen, ein Brian Johnson oder ein Udo Lindenberg? Diese Leute singen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und das macht sie auch authentisch.
Meiner Meinung nach ist es besonders wichtig, dass man bei einem Volkslied /Volkssänger die Texte versteht. Deshalb müssen die Verse auch eine einfache Sprache sprechen, was natürlich poetische, bildhafte Formulierungen mit einschließt. Die Texte müssen inhaltlich auch nachvollziehbar, (be-)greifbar sein und die Gefühlswelt des Hörers ansprechen. All das trifft auch auf die Liedtexte aus der Feder von Herrn GUNDERMANN zu.

Ich glaube, nur Lieder, die gemeinsame Empfindungen auslösen bzw. ähnliche Erlebnisse / Träume thematisieren, können Volkslieder werden. Gerade auf die Texte von GUNDI trifft das im besonderen Maße zu.
Ich bin jedoch überzeugt davon, dass einige Feinheiten der Wortkunst eines GERHARD GUNDERMANN sich nicht allen gleich bzw. überhaupt erschließen. Die Menschen der Generation 50+, die auf den 108 000 Quadratkilometern zwischen Kap Arkona und Fichtelberg, zwischen Zittau und Suhl lebten und die ohne ihr Zutun in das damalige eigenständige Land namens DDR hineingeboren wurden, haben für manche Textstellen einfach feinere Antennen als die später Geborenen und /oder die in der alten BRD geborenen Mitbürger.

Das berühmte zwischen den Zeilen lesen hatte /hat deshalb in beiden Teilen des nun gemeinsamen Landes auch einen unterschiedlichen Stellenwert und ebenfalls eine unterschiedliche Ausprägung. Auch dafür können weder die einen noch die anderen Betreffenden etwas. Wir sprechen zwar alle die deutsche Sprache als Muttersprache, aber verstehen nicht immer alles auch gleich. Ich denke, das ist ein ganz normaler Vorgang und der wächst sich mit der Zeit und den kommenden Generationen aus.

GUNDI verschluckte übrigens auch schon mal einzelne Buchstaben und Silben, was ortsüblich beim Sprechen ja auch von fast allen Leutenpraktiziert wurde und wird. Diese Umgangssprache sprach GUNDI nun mal tagtäglich auch. Sein Gesang kam dadurch unverkrampft und besonders glaubhaft rüber. Da sang praktisch einer von uns.

Was ich eigentlich auch noch schreiben wollte, ist der Gedanke, dass GUNDIs Lieder für mich selbst auch ein Stück Heimat geworden sind. Die Dimension dieser Aussage möchte ich da jetzt gar nicht mal vollständig ausleuchten. Ich stürze mich jetzt darauf, welche Wirkung die Lieder des Herrn GUNDERMANN auf mich haben. Dieser Aspekt ist auch nicht ohne. Ich meine sogar, dass er höchst bemerkenswert ist.
Dazu muss ich auch noch mal auf die Texte eingehen. Diese waren vielschichtig, manchmal auch widerborstig, sogar trotzig und sie deckten eine ganze Palette von Gefühlsregungen ab. Einige Lieder von ihm klangen mutlos, andere wieder mutmachend. Aus einigen hört man die Bitterkeit, Ratlosigkeit und sogar Wut förmlich heraus. Es gab aber auch den träumerischen und hoffnungsvollen GUNDI. Viele seiner Werke hängt eine gewisse Trauer, Melancholie an und auch das Thema Tod sparte er nicht aus.

Eigentlich müsste man bei so vielen Negativthemen beim Hören in die totale Depression verfallen, aber genau das passiert nicht. Zumindest für mich war und ist das mehr als ein kleines Wunder, dass selbst die negativ besetzten Lieder in mir positive Reaktionen auslösen. Kraft, Motivation und positive Stimmungen aus solchen Liedern zu schöpfen, ist eigentlich schon ein Widerspruch an sich. Das ist doch sehr faszinierend, oder etwa nicht?

Ups, da sind wir aber böse, böse vom Thema abgeglitten und das dafür in aller Ausführlichkeit. oder etwa doch nicht? Na ja, egal. Vielleicht kann jemand auch mit meinem ellenlangen Vorgeplänkel etwas anfangen. Weiter oben hatte ich euch ja vorsorglich gewarnt.
Das ehrwürdige Konzert- und Ballhaus zu Freiberg konnte sich über den Besucherandrang nicht beklagen. Die Tische waren alle besetzt und auch auf dem Rang waren noch einige Besucher zu erkennen. Ich denke mal, dass der Laden nach dem Verständnis der aktuellen Corona-Regeln knüppeldicke voll war.

Als dir Band die Bühne betrat, jubelte und klatschte das Publikum. Die nach der Musik und den Texten der GUNDERMANN-Songs gierenden Seelen der Fans öffneten alle ihre Hör-, Seh- und Fühlkanale, um keine Sekunde, keinen Ton und kein Wort dieses Konzertes zu verpassen. Sie sollten auch einem besonders feinen Konzert ihrer Lieblinge belohnt werden mit.

Die Fans trugen DIE SEILSCHAFT faktisch auf einer Wolke von Sympathie, Freude und positiver Energie von der ersten bis zur letzten Sekunde durch das Konzert. Ja, es ist ungewohnt, dass die Leute bei der SEILSCHAFT brav auf Stühlen sitzen, aber Band und Publikum machten aus dem Abend trotzdem gemeinsam eine Singe-Party.

Bei Liedern wie "Hier bin ich gebor'n" und "Herzblatt" ist das ja auch kein Wunder. Das Publikum kam mit Unterstützung der Band immer besser in Fahrt und immer mehr Augen bekamen diesen Glanz der reinen Freude und Begeisterung. Textsicherheit war für richtige GUNDERMANN-Fans ja noch nie ein Problem.

Es war für DIE SEILSCHAFT selbst wie ein Befreiungsschlag, endlich mal wieder gemeinsam live zu spielen. Es ist auch und besonders für die Kulturschaffenden kein einfaches Jahr. Die Band rockte aber in Freiberg wieder großartig. Mit Können, Spielfreude und Herzblut verwandelten DIE SEILSCHAFTer das „Tivoli“ in einen musikalischen Wohlfühltempel. Jeglicher Alltagsballast blieb vor den Türen.

Licht und Ton waren an diesem Abend ebenfalls absolute Klasse.
Die Dame und die Herren des Musikensembles DIE SEILSCHAFT waren wirklich gut drauf. Zwischen Band und Saalpublikum setzte so eine Art Wechselspiel der gegenseitigen Motivation ein. Man trieb sich gegenseitig immer weiter zu neuen Höhenflügen an.

Das Mauerwerk des altehrwürdigen Gebäudes erzitterte manchmal regelrecht bei den kräftigen und zu Herzen gehenden Gesängen des „Volkschores GUNDI-Fans im Tivoli zu Freiberg“. Ich nenne da mal als Beispiel Lieder wie „Immer wieder wächst das Gras“, „Nach Haus“ sowie „Und musst du weinen“.
Wie erwartet, war es eine großartige Mugge, bei der sich laute und leise Lieder abwechselten. Auch der Gesang wechselte im Verlaufe des Abends mehrmals von HAASE zu ANDY bzw. von ANDY zu HAASE. Auch MARIO FERRARO erlebten wir als Gesangssolisten bei "Niemandsland". Natürlich baute sich der Spannungsbogen mit jeder Sekunde des Konzertes weiter auf. Jedes Lied war wie eine Treppenstufe weiter nach oben zum GUNDI-Liederolymp. Wobei das von mir jetzt etwas vereinfacht wiedergegeben wurde. Denn DIE SEILSCHAFT spielte auch ihre eigenen neueren Lieder („Lebenslied“, „September“ im ersten Zugaben-Block).

Wenn dann so leise Momente wie bei „Vater“ aufkamen, wirkten diese besonders intensiv. Diese Ballade lässt mich niemals kalt und „Vater“ steht in meinen Gedanken wirklich für meinen Papa, aber auch für weitere bereits über die Regenbogenbrücke gegangene Familienmitglieder, Verwandte und Freunde. Schmerz über den Verlust und die positiven Erinnerungen an die gemeinsame Zeit gehen bei diesem Lied für mich Hand in Hand.

Ein besonderes Highlight war für mich außerdem „Wölfe“, ein Klassiker aus dem HAASE-Fundus. Der Refrain „Am Anfang waren wir zwölfe. Dann waren wir vier. Dann kamen die Wölfe und ich bin noch hier. Dann kam ich wieder und baute ein Haus, fühlte mich krank und zog wieder aus“ klingelt mir sogar heute noch wohlig in den Ohren. Das Lied passt meiner Meinung nach sehr gut in das Programm der SEILSCHAFT.
Die Band zog aber auch mit voller musikalischer Energie mit dem „7te(-n) Samurai“ in die Schlacht gegen den Drachen. Außerdem dachten wir mit genauso viel Power und Freude darüber nach, was wäre „Wenn ich ein Räuber wär‘“.

Mit „Nach Haus“ und „Brunhilde“ endete dann die Freiberger Sonderschicht der SEILSCHAFT im Tagebau der GUNDERMANN-Lieder. Am Ende wurden Tina Powileit, Christian Haase, Andy Wieczoreck, Mario Ferraro, Christoph Frenz und Michael Nass von der begeisterten Menge noch ordentlich gefeiert.

Nach einer kurzen Verschnauf- und Erfrischungspause erschienen anschließend alle Musiker auch noch bei ihren Fans, gaben fleißig Autogramme und holten sich in persönlichen Gesprächen noch viel Lob und die eine oder andere Anregung ab. Alle hofften, außerdem, dass das Corona-Jahr 2020 eine Ausnahme bleiben würde und alle gut durch die restliche Pandemiezeit kommen würden.

DIE SEILSCHAFT wird auch 2021 wieder unterwegs sein und gelegentlich werde ich ebenfalls wieder am Bühnenrand stehen und laut "Immer wieder wächst das Gras wild und hoch und grün. Bis die Sensen ohne Hass ihre Kreise ziehen" und all die anderen GUNDERMANNschen Schmuckstücke mitsingen. Solche Abende sind mir so wichtig und lebensnotwendig wie das tägliche Brot.

Gruß Kundi

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RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

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Gruß Kundi

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RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

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#7

RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

in Konzertberichte 2020 und 2021 13.10.2020 11:22
von Kundi | 3.250 Beiträge | 7335 Punkte

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#8

RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

in Konzertberichte 2020 und 2021 13.10.2020 11:37
von Kundi | 3.250 Beiträge | 7335 Punkte

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#9

RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

in Konzertberichte 2020 und 2021 13.10.2020 11:46
von Kundi | 3.250 Beiträge | 7335 Punkte

Fotos Teil 6.

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#10

RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

in Konzertberichte 2020 und 2021 13.10.2020 18:40
von PMausM | 1.820 Beiträge | 3861 Punkte

Kundi schreibt hier:
"Jeder kleine Hühnerdieb, jeder Schläger und viele Mitläufer teilte der Welt mit, der wichtigste Sargnagel des untergehenden Systems zu sein. Da konnte einem manchmal schon das Kotzen kommen bei so viel Falschheit, Verlogenheit und Selbstbeweihräucherung. Von den menschlichen Enttäuschungen, die man in diesem Zusammenhang erlebte, will ich da jetzt gar nicht reden.*
Wie recht er hat. Das sollte man nach 30 Jahren mal aussprechen.
Der tolle Konzertbericht erinnert mich auch wieder an das denkwürdige Konzert in der Columbiahalle und ein Bild ist mir von diesem Tag auch in Erinnerung geblieben. Ich poste es mal. Wer das Bild gemacht hat, weiß ich nicht mehr. Es ist eine schöne Erinnerung und meine Gedanken dazu kann ich nicht aussprechen.

Angefügte Bilder:
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#11

RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

in Konzertberichte 2020 und 2021 13.10.2020 19:56
von Mary | 327 Beiträge | 726 Punkte

Einfach nur DANKE, Kundi.
Ich streu immer noch Asche auf mein Haupt, dass ich Dich an dem Tag sah, hat mich gefreut, aaaaaber, ich hab Deinen Geburtstag vergessen


"Ihr lacht weil ich anders bin. Ich lache, weil Ihr alle gleich seid."
Kurt Cobain
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#12

RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

in Konzertberichte 2020 und 2021 13.10.2020 22:49
von HH aus EE | 1.042 Beiträge | 2522 Punkte

Das mit dem Foto kann ich aufklären, liebe Petra.
Ich habe damals Tamara oder Achim meine kleine Kamera in die Hand gedrückt und damit hat einer von beiden gleich mehrere Fotos gemacht. Einige sind noch auf meiner Festplatte in Lauerstellung.
So sind einige wunderschöne Momente der Erinnerung festgehalten worden.
Tamara hat übrigens auch dafür gesorgt, dass ich überhaupt hinein kam.
Erinnere Dich, meine Karte war zu Hause geblieben.


www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
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#13

RE: Die Seilschaft in Freiberg am 25.09.2020

in Konzertberichte 2020 und 2021 14.10.2020 06:32
von PMausM | 1.820 Beiträge | 3861 Punkte

Lieber Hartmut, danke für die Aufklärung. Wie hier zum Ausdruck gebracht wird, den Zauber des Gundermann Konzerts in der Columbiahalle werden wir alle nicht vergessen. Kein Konzert seither hat mich wieder so berührt.

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