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ALEXANDER & MAXIMILIAN BLUME plus BERND KLEINOW live

in Konzertberichte 2019 und älter 14.08.2019 17:12
von HH aus EE | 1.042 Beiträge | 2522 Punkte

Alexander & Maximilian Blume treffen Bernd Kleinow im Moritzhof Magdeburg (10.08.2019)
"When Old Friends Meet"

Im Juni 1982 hatten wir Stefan Diestelmann, den sie damals den Blues-König nannten, für ein Konzert auf dem Postplatz in Elsterwerda gewinnen können. Neben ihm auf der Betonbühne und am Piano saß der junge ALEXANDER BLUME und drückte den Boogie Woogie in die Tasten. Im Gras davor viele Fans und Kunden, neben ihnen die leeren Flaschen. Der Nachmittag gestaltete sich zu einem kleinen Blues-Fest, das später in unserem Klub „STUBE“ seine feucht-fröhliche Fortsetzung erfuhr. In jenen Stunden konnten wir den Pianisten von Diestelmann für Solo-Konzerte in der „STUBE“ begeistern. Es existiert sogar noch ein selbst gestaltetes Plakat von einem Abend in Elsterwerda. Sein letztes Konzert in der „STUBE“ fand vor der Wende, im Oktober 1988, statt. Seit diesen Tagen kenne ich Alexander, bin ihm aber erst im April 2012, dann im Dixiebahnhof Weixdorf und im Gespann mit seinem Sohn Maximilian, wieder begegnet. Die Jahre sind gegangen und manchmal frage ich mich, wohin. Heute fahre ich nach Magdeburg, denn im Moritzhof haben sich endlich ALEXANDER & MAXIMILIAN BLUME, sowie BERND KLEINOW als Gast, angekündigt. Diesmal unter dem Motto „When Old Friends Meet“. Die Chance auf ein Wiedersehen alter Freunde möchte ich mir nicht entgehen lassen!

Auf dem Hof steht mein Jahrgang schon Schlange, um in den Konzertraum zu gelangen. Mir gelingt es doch noch, einen Platz direkt vor der Bühne zu finden. Kurz vor dem Konzert erscheint der Pianist am Bühnenrand und erkennt mich tatsächlich wieder. Meine Fotoerlaubnis ist gesichert, das Konzert kann beginnen. Einem weiteren, diesem, schriftlichen Rückblick steht nichts mehr im Wege. Bin glücklich!

Wenig später kommen die drei Akteure des Abends unter Beifall auf die Bühne. Die ersten Anschläge der Tasten, die Blues-Harp am Mikrofon, die Felle und Becken vibrieren - es ist Zeit für Boogie Woogie und Blues. Mann oh Mann, es fühlt sich richtig gut an, die beiden Altmeister bei den ersten Takten zu erleben und zu spüren, wie aus Aufwärmen ziemlich schnell Hitze wird. Klar, bei dem Wetter draußen ist es hier drinnen nicht gerade kühl. Da vorn stöhnt der Blues aus der Mundi, er begegnet dem guten „Old Boogie“ eines e-Piano und schon swingt und jazzt es wie in guten alten Zeiten. Nichts verlernt, denke ich, im Gegenteil! BERND KLEINOW agiert am Mikrofon und singt den Blues vom „weinenden Himmel“ („Sky Is Crying“). Er tut es mit seinen Händen, seiner Mimik und dem Körper sowie der Harp tief in den Händen. Was für ein intensives Erlebnis, gleich zu Beginn die scheinbare Leichtigkeit dieses erfahrenen Musikers so nah mitzuerleben und dabei in seinem Gesicht zu „lesen“. Das ist KLEINOW und das hatte und hat er allen anderen voraus.

Das Motto dieses Abends, „When Old Friends Meet“, zelebrieren BERND KLEINOW und ALEXANDER BLUME gemeinsam und instrumental. Den Blues vom „gekrönten Jungen“ präsentieren sie alle drei wieder gemeinsam und der Meister lässt uns wissen, was Blues denn sei: Blues ist das wahre Leben, das verpackt in Halbwahrheiten und Mythen daher kommen (könnte), wie die von dem „der den Jazz erfunden hat“ und der als Robert Johann eigentlich aus Göringen kommt, erzählt der Pianist mit einem feinen Lächeln im Gesicht. So wie er die Legende in Worte packt, möchte man sie gern glauben, wenn man nicht den Schalk im Nacken des Erzählers sehen will. Aber das Erlebnis sollte man sich unbedingt live geben, statt darüber zu lesen. Ich liebe es, wie ALEXANDER zwischen seinen Stücken verbindende unterhaltsame, manchmal trockene, Worte findet mit Facetten, die man sonst nie erfahren oder hören würde. Danach sitzt er wieder, diesmal uns den Rücken zugewandt, am Piano und lässt seine Finger wie wild über die Tasten springen. Ich sehe nur seine linke Hand, wie sie, die Finger weit gespreizt, dem Boogie, mittels der tiefen Tasten, quirliges Leben einhauchen. Für Momente sieht es fast so aus, als würde, statt der Finger, irgendein skurriles Geschöpf mit seinen Beinen übermütig auf den Tasten tanzen. Boogie Woogie eben. Manchmal lockere ich der eigenen Fantasie einfach die Zügel, um Bilder zur Musik zu erleben, so wie ALEXANDER erzählend den Entertainer gibt. Der Blues und Boogie malen Bilder, wenn wir es zulassen. Musik sowieso.

Als ich das Duo Blume vor sieben Jahren in Weixdorf sah, erlebte ich den zwanzigjährigen Jungspund, der begann, sich in die Fußstapfen seines Vaters zu wühlen. Zaghaft noch, aber ernsthaft genug, um den Weg zu gehen. Heute entdecke ich den gereiften Künstler und eine Stimme, die jede Nuance mit Charisma und Seele auszufüllen vermag. Es haut mich, ehrlich gesagt, um, wie er „Feels Like Home“, den Song von Randy Newman, stilistisch sicher und doch eigen, intoniert. Was für ein faszinierender Moment! Es knistert überall im Raum und kaum einer wagt es, sich zu bewegen. Es scheint Magie im Spiel zu sein. Und wenn die drei Musiker danach „Sweet Home Chicago“ anstimmen, wirkt dieses Trio homogen, locker und vom Spaß getrieben. Herz, was willst’e mehr!

Doch, es geht noch etwas mehr. Nämlich dann, wenn die Erinnerungen an Stefan Diestelmann mit der „Bluesgeschichte“ lebendig werden. Dann schweifen die Gedanken weit zurück und ich sehe die Bilder der Konzerte vor mir. Noch heute bin ich stolz und auch glücklich, das damals in die Reihe bekommen zu haben und nun davon zehren zu können. So geht es mir auch, als das Trio bei den „Riders On The Storm“ unmerklich auf die Bremse tritt, den Song quasi entschleunigt und das pure Gerüst aus Blues durch den Raum schwebt. Dies ist einer der intimsten Momente des Abends, genau wie jene, da beide einstige Bluesgrößen der DDR allein und miteinander auf der Bühne stehen, in einen Blues versunken und sich Augenblicke lang nur treiben lassen. Den anderen Moment weiß MAXIMILIAN mit „Stranger“ zu zaubern. Diesen langsamen Blues hat er selbst geschrieben und in den taucht er ein, wenn er singt „He says he’s Mr.Blues“. Großartige gesangliche Performance!

Wer BLUME sagt, muss auch ZENIT erwähnen. Jene Blues-Kapelle, die mit Mr. Big Joe Stolle noch so ein Urgestein hervorbrachte, mit dem ALEXANDER musizierte. Wir hören „Rolling Home“ von der Blues Band in der Trio-Variante des heutigen Abends. Das Teil stampft und donnert über die Bühne und es mündet quasi direkt in „Walking On Sunset“, mit dem zwei Mal BLUME plus KLEINOW schon das Ende ansteuern, aber nicht ohne dass sich jeder noch einmal solistisch präsentieren kann. Danach bricht ein Sturm der Begeisterung und überquellender Freude los, denn keiner hier will, dass der Abend schon ausklingt. Was sich wie eine Zugabe anfühlt, ist tatsächlich ein ausgiebig gefeierter letzter Höhepunkt des „Freundetreffens“ in Magdeburger Moritzhof. Ich selbst fühle mich wie bei einem Klassentreffen, als BERND KLEINOW den „Bye Bye Blues“ voller Hitze in den Saal jagt und ALEXANDER den „Stormy Monday Blues“ aus bluesigen alten Zeiten folgen lässt. Da wünscht man sich, es möge noch so weiter gehen und das tut es auch. Die völlig neu und entschleunigt arrangierte Version von „After Midnight“ ist für mich der absolute leise Knaller! Die Nummer ist ja ohnehin schon ein Traum, aber in diesen Minuten wird sie zum Nonplusultra, vom Blues völlig durchtränkt und hingebungsvoll zelebriert. What a feeling! Nur gut, dass der „Slim Slam Boogie“ den Abend beschließt und abrundet, sonst würde ich vermutlich emotional völlig übersteuert in die Nacht gehen müssen.

Es ist nicht nur die Erinnerung, nicht nur (N)Ostalgie und gleich gar nicht Verklärung, sich gemeinsam mit den Helden eigener jüngerer Jahre am Vergangenen zu erfreuen sowie sich neu Geschaffenes aus dem Heute anzuhören. Es ist das Erlebnis MUSIK, das Erlebnis Blues & Boogie und damit der Genuss von Ursprünglichkeit in Zeiten oberflächlicher Chart-Besteigungen. Was bin ich froh, nach Magdeburg gefahren zu sein und das Pianospiel des Meisters aus Eisenach, das alle Grenzen zwischen Blues und Boogie aufzulösen vermag und zudem unüberhörbar dem Jazz zugewandt ist, so hautnah zu erleben. Dazu KLEINOW, der in seinem Metier hierzulande schlicht und ergreifend das Maß der Dinge darstellt und mit BLUME Senior ein hochexplosives Gespann auf jeder Bühne abgeben kann. Mögen uns beide Musikanten noch viele Jahre mit ihrer Musik erfreuen und über die Zukunft von BLUME Junior mache ich mir auch keine Gedanken. Der wird irgendwann seinen eigenen Weg gehen und vielleicht in vielen Jahren ähnliche Assoziationen, dann bei anderen Fans, auslösen können, wie sie mir beim Schreiben kamen. Sicher noch nicht zum letzten Mal, denn alte Freunde kann man zu jeder Zeit wieder treffen!

Angefügte Bilder:
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www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
zuletzt bearbeitet 14.08.2019 17:13 | nach oben springen

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RE: ALEXANDER & MAXIMILIAN BLUME plus BERND KLEINOW live

in Konzertberichte 2019 und älter 15.08.2019 08:57
von Kundi | 3.250 Beiträge | 7335 Punkte

Das wird man ja als Nichtbesucher der Mugge richtig neidisch.
Herzlichen Dank für Deinen lebendigen Bericht, lieber Hartmut.

Gruß Kundi


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