#1

Der Roman "Bluessommer" von Kay Lutter

in CD-, DVD- und Buchveröffentlichungen 18.08.2018 22:01
von genitiv64 | 196 Beiträge | 450 Punkte

Ich muss an dieser Stelle meine erste Buchbesprechung veröffentlichen. Es hat etwas mit dem Bühnenrand zu tun, deshalb ist das der richtige Ort.

Es ist der Roman „Bluessommer“ mit dem Untertitel „Eine Geschichte von Freiheit, Liebe und Musik hinter dem Eisernen Vorhang“ von Kay Lutter, der erste Roman von ihm.

Von Kay Lutter wusste ich bereits, Bassist in den 80ern bei „Freygang“, „Kerschowski“ und „Blankenfelder Boogieband“. Bassist bei „Tausend Tonnen Obst“, „Noah“, und jetzt Bassist bei „In Extremo“, einer der gegenwärtig international bekanntesten deutschen Bands. Da ist eigentlich alles zum Autor gesagt.

Der Roman ist dieses Jahr, 2017, erschienen. Extra dazu wurde eine Lesetour mit der Band „Monomann“ veranstaltet, die leider an mir vorübergegangen ist.

Ich glaube, Tausend Tonnen Obst in der Sendung Parocktikum bei DT 64 gehört zu haben. Die Blankenfelder Boogieband durfte ich mal in der Mensa in Chemnitz erleben, das muss 88 oder 89 gewesen sein. Leider kann ich mich nicht daran erinnern ob Kay Lutter am Bass war, auf alle Fälle aber Peter Gläser, da damals vereinzelt „Renft lebt!“ gerufen wurde. Das ist aber schon wieder eine andere Geschichte.

Auf das Buch bin ich von zwei Seiten aufmerksam gemacht worden. Bekannte, die man oft bei Blueskonzerten trifft, ganz bestimmt einmal im Jahr in Altzella, haben mir das Buch ans Herz gelegt. Dann habe ich mal auf ein Video bei Youtube gepostet, „da fehlt aber Tatjana und Egon, aber Kay Lutter ist auch gut“, wo prompt die Antwort kam, das ist ja auch nicht die Freygangband, sondern Monomann. Und im Übrigen sollte ich doch mal das Buch „Bluessommer“ lesen, und noch „Bye Bye Lübben City“. Dieses Buch habe ich in den 2 Versionen konsumiert. In „Bye Bye Lübben City“ hat Kay Lutter den Beitrag über Freygang beigesteuert.

Also bin ich zum Buchladen und habe den „Bluessommer“ bestellt, 2 Tage später war er da. Es hat noch ein paar Tage gedauert, bis ich es aufschlug. Als ich die ersten Seiten gelesen hatte, habe ich es in einem Stück gelesen. Mal davon abgesehen, das ich ja auch werktätig bin.

Es ist die Geschichte von Mike, Floyd und Porni. John und Nina spielen auch eine wichtige Rolle. Mike erzählt seine Story vom Bluessommer 86 und 87 in der Ich-Form. Von der ersten Bandgründung, von seiner Freundschaft zu Floyd und Porni. Es handelt von der ersten Liebe. Von Eifersucht, Hoffnung und Enttäuschung. Von Vertrauen und Verrat. Der Einfluss der Stasi auf das Leben der Protagonisten. Wie man versucht hat, sich durch das System zu schlagen, ohne groß anzuecken, die Kompromisse die man eingehen muss aber auch wiederum möglichst klein zu halten. Legendäre Auftrittsorte werden beschrieben, das Bluesfestival in Ketzin wird geschildert. Nicht zu kurz kommt auch wie Mike noch als Musikstudent Mitglied bei „Monomann“, den „Monomann“ wird, obwohl die Band gerade ein Auftrittsverbot hat. Großen Raum nimmt auch John, der exzentrische Sänger von „Monomann“ ein. Mehr möchte ich aber an dieser Stelle nicht verraten. Es ist jedoch auch die Story der Selbstfindung von Mike.

Für mich ist das Buch absolut lesenswert. Es ist flüssig geschrieben, nirgendwo gibt es Längen oder kommt Langeweile auf. Es gibt Geschichten, die sind fast 1:1 in meinem Umfeld passiert, wenn z.B. das Studium in der DDR beschrieben wird. Oder wo man in Prag am besten Schwarzbier trinken konnte, oder was man in Budapest am besten gekauft hat. Die Tristesse der damaligen Zeit wird treffend dargestellt, aber auch, wie man dem Grau der damaligen Zeit entgehen konnte, zumindest für ein Wochenende oder einen Urlaub lang. Treffend wird geschildert, wie man an gängige Instrumente kam. Das Gefühl des Eingeschlossensein in einem Land, in dem man in 4 h von links nach rechts gefahren ist, oder in 5 h von unten nach oben, jedenfalls im Trabant. Ein Land in dem alles vorbestimmt war, Schule – Ausbildung – Arbeit – Familie – Rente ohne große Möglichkeit, einmal nach links oder rechts abzubiegen, geschweige denn auszubrechen. Und brach man aus, dann meist für immer ohne Rückfahrkarte.

Auch wenn der Roman kein Happy End hat, schön wäre es, Kay Lutter würde eine Fortsetzung schreiben, denn zumindest ich möchte wissen, wie es mit Mike weitergeht.

Inzwischen habe ich noch 2 Exemplare bestellt, da habe ich mal etwas, das ich an gute Bekannte verschenken kann. Und es gibt eine weitere Band, die jetzt auf der To Do Liste meines Lebens steht: „In Extremo“.



zuletzt bearbeitet 20.08.2018 20:09 | nach oben springen

#2

RE: Der Roman "Bluessommer" von Kay Lutter

in CD-, DVD- und Buchveröffentlichungen 20.08.2018 19:45
von genitiv64 | 196 Beiträge | 450 Punkte

Ich habe da noch etwas gefunden. Ein Film über so einen legendären Ort, den Gasthof in Lüttewitz. Einmal stand ich davor, das muss 1987 gewesen sein, in der LVZ war Freygang angekündigt. Sie kamen aber nicht. Da sind wir wieder abgereist. Das war wahrscheinlich ein Fehler. Denn so kann ich nicht sagen, wie es dort war. Wenn ich aber das Video sehe, kann ich mir lebhaft vorstellen, was dort abgegangen ist.




Videos am 20.08.18 gegen 20:13 Uhr durch Admin. Kundi ordnungsgemäß eingebettet

zuletzt bearbeitet 20.08.2018 20:13 | nach oben springen

#3

RE: Der Roman "Bluessommer" von Kay Lutter

in CD-, DVD- und Buchveröffentlichungen 20.08.2018 22:01
von PMausM | 1.820 Beiträge | 3861 Punkte

Eine Rezension zum Bluessommer zu schreiben, schiebe ich schon lange vor mir her. Habe das Buch seit Weihnachten und bin total fasziniert. Möchte gern die Lesung dazu sehen. Mal klappte der Termin nicht und dann war es zu weit weg. Möchte ich aber gern noch erleben. Und zu Lüttewitz, wir waren etliche Male nach der Wende dort. Es war etwas ganz einmaliges, auch wenn das die Künstler aus verschiedenen Gründen anders sehen. Den Film hatte ich schon mal gesehen, ein tolles Zeitdokument.

Ein offensichtlicher Doppeleintrag von PM wurde von Admin. Kundi am 21.08.18 gegen gegen 05:16 Uhr gelöscht.

zuletzt bearbeitet 21.08.2018 05:18 | nach oben springen

#4

RE: Der Roman "Bluessommer" von Kay Lutter

in CD-, DVD- und Buchveröffentlichungen 07.09.2018 09:04
von SN-Nittel | 329 Beiträge | 724 Punkte

Das Buch habe ich fast komplett in meinen Sommerurlaub gelesen....es ist einfach STARK und trifftden Zeitgeist schon sehr gut. Natürlich ist es etwas dichter geschrieben, als die Wahrheit sein kann und auch manches Klischee wurde nicht ausgelassen. Es ist aber ein gutes Zeitdokument und wer die Zeit erlebt hat wird begeistert sein. Das Buch hat mich emotional schon sehr getroffen. Es gab aber auch Momente wo ich gedacht habe...He Kay, was schreibst denn da hier....das ist nicht richtig. Jedenfalls war das Feeling früher ein ganz Besonderes und die Zeit wird leider nie wiederkommen. Für mich mich stand das Thema abhauen, Ausreise nie zur Diskussion, auch nach 1990 nicht. Darum finde ich diese Sache etwas zu groß angelegt im Buch. Ausreise ist eher jetzt ein Thema.
Jedenfalls DANKE Kay Lutter für den "Bluessommer" Solche Bücher gibt es viel zu wenige.

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