#1

FALKENBERG 15.06.13 Bautzen

in Konzertberichte 2015 und älter 16.06.2013 13:42
von Kundi | 2.332 Beiträge | 5302 Punkte

FALKENBERG war gestern im Exil, genauer gesagt im Bautzener "Steinhaus im Exil". Da das "Steinhaus" derzeit aufwändig erneuert wird, weichen die Betreiber für Veranstaltungen in eine andere Location aus.
Sogar für uns Eingeborenen ist das "Exil" etwas Neues. Als Veranstaltungsort ist der kleine Saal gar nicht mal so schlecht. FALKENBERG hat am gestrigen Abend in dem gut besuchten Haus ein wirklich schönes Konzert gegeben.

Zunächst gibt es hier erstmal ein paar optische Eindrücke.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 16.06.2013 13:45 | nach oben springen

#2

RE: FALKENBERG 15.06.13 Bautzen

in Konzertberichte 2015 und älter 20.06.2013 18:14
von Kundi | 2.332 Beiträge | 5302 Punkte

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mir die Hitze geschadet hat, aber hier ist endlich mein Bericht:

Als der Mann in schwarz am Sonnabend in Bautzen die Bühne des „Steinhaus im Exil“ betrat, wurde er mit herzlichen Beifall empfangen. Dieser respektvolle Empfang galt weder einem der „Men in Black“ noch einem Schiedsrichter. Obwohl ich mir gut vorstellen kann, dass mancher Fußball-Schiedsrichter nichts dagegen hätte, wenn die Fußballfans ihn auch so offen und freundlich gesinnt beim Betreten des Spielfeldes begrüßen würden. Natürlich war es an diesem Abend der Sänger, Komponist und Texter FALKENBERG, der die doch recht große Bühne des “Steinhaus im Exil“ betrat. Das ist ja auch unschwer an der Überschrift dieses Themenfadens zu erkennen.

Was fällt mir zu Ralf Schmidt bzw. FALKENBERG eigentlich so ein? Ich lasse jetzt mal ganz bewusst die Ur- und Frühgeschichte des Künstlers weg und konzentriere mich auf das hier und Jetzt. Für mich ist FALKENBERG einer der talentiertesten Songschreiber und Sänger dieses Landes. Als Sänger und Texter hat der Mann uns auch etwas zu sagen. Seine Lieder erzählen Geschichten aus dem Leben, sie haben Tiefgang und Seele. Falkenberg nimmt dabei kein Blatt vor dem Mund und legt sprichwörtlich den Finger in so manche menschliche und /oder gesellschaftliche Wunde. Falkenberg ist ein sehr guter Beobachter, Formulierer und Sänger / Erzähler. Was für mich auch besonders wichtig ist, ist seine Glaubwürdigkeit. Ich nehme Ralf Schmidt einfach ab, was er singt.

Falkenberg lässt sich in keine Form und kein Schema pressen. Künstlerischer Stillstand und eingefahrene Gleise sind absolut nicht sein Ding. Mir scheint es so, als ob Falkenberg Herausforderungen sucht. Das belegen seine Alben, seine Solo- und Bandkonzerte sowie Projekte wie Stern Akustisch, Ostende, Auftritte im Duo mit Michael Lehrmann, mit den CRAZY BIRDS oder sein Mitwirken in der Rolle des Eddie im Musical The Rocky Horror Show“ an der Staatsoperette zu Dresden.

Der Künstler nahm die Akustikgitarre auf und begann sein Konzert mit „Freiheit“, dem Titelsong seines aktuellen Albums. Die schnellen, harten Gitarrenanschläge ließen das Lied kämpferisch, fast etwas trotzig, klingen. Es erschien mir so, als ob er uns alle im Saal wachrütteln wollte. Die klaren Worte des Liedes lösten in mir schon mehr als einmal Betroffenheit und sogar Scham aus. Den sprichwörtlichen Spiegel hielt er uns nicht nur mit der folgenden Strophe vors Gesicht. Wer hat das im Leben nicht schon erlebt oder praktiziert, für Nichtigkeiten öffentlich aufzubegehren. Das ist relativ leicht. Aber bei den wirklichen Krebsgeschwüren unserer Gesellschaft fehlt oft unsere Bereitschaft aktiv Protest auszudrücken. Da bleibt von Kampfeswillen und Mut keine Spur übrig oder es siegt manchmal auch schlicht unsere eigene Bequemlichkeit. Ich nehme mich da überhaupt nicht aus. Da gibt es gar nichts zu beschönigen.

„Es geht uns gut, es geht uns gut
wir zelebrieren den kleinen Mut
doch drückt die Kette bis ins Blut
dann setzen wir uns erstmal hin
und diskutieren das aus.“ ...
...
„Der erste Schritt (zur Freiheit) ist das erste NEIN“.

Ich bin an dieser Stelle mal so keck und frei und behaupte, dass wir momentan den besten Falkenberg aller Zeiten erleben. Das Konzeptalbum „Freiheit“ ist sicher keine seichte Kost Die Komplexität und der Tiefgang der Scheibe erschloss sich mir nicht sofort beim ersten Hören vollumfänglich. „Freiheit“ gefiel mir über weite Strecken zwar sofort, aber mit jedem neuen Abspielen der CD wurde ich aufgewühlter und nachdenklicher. FREIHEIT – ein Wort, welches uns oft schon um die Ohren geschlagen wurde und dieser FALKENBERG machte daraus einfach so eine ganze Platte. Vielleicht kam die Scheibe bei mir auch genau zum richtigen Zeitpunkt und es hatte einfach dieser Denkanstösse gebraucht, um mich mal intensiv mit dem Thema FREIHEIT auseinanderzusetzen. Was ist eigentlich FREIHEIT??? Was bedeutet sie für mich? Ich glaube, jeder versteht etwas anderes darunter. FREIHEIT beginnt im Kopf. Ich verbinde mit FREIHEIT zunächst Selbstbestimmung über mein Leben und Unabhängigkeit. Das bedeutet aber nicht, dass ich nur dass tun kann, was mir gefällt. FEIHEIT bedeutet auch Verantwortung für sich zu übernehmen.

Bin ich persönlich heute freier als 1989? Bedeutet bedingungslose FREIHEIT Anarchie oder ist sie am Ende nur ein Selbstbetrug? FREIHEIT hat auch viel mit Mut oder Angst zu tun. Aber auch persönliche Vorstellungen und Werte spielen eine große Rolle. Ohne diese würde FREIHEIT in Anarchie münden.
Die FREIHEIT eines Öff-öff, der in einem Wald bei Löbau ohne elektrischen Strom, ohne Ausweis und Geld lebt, ist nicht die meine. Die FREIHEIT eines Arbeitgeberpräsidenten Hundt ist nicht die meine. Die Freiheit einer FDP ist nicht die meine. …

Schließen sich FREIHEIT und Staat aus? Meiner Meinung nach nicht grundsätzlich, denn der Staat hat die Aufgabe die entsprechenden Rahmenbedingungen für größtmögliche individuelle FREIHEIT zu schaffen und andererseits beispielsweise die FREIHEIT des Marktes in vernünftige Bahnen zu lenken. Das Thema FREIHEIT beschäftigt mich jetzt schon seit Wochen und wird es weiterhin.
Vielleicht sucht man ja auch bewusst oder unbewusst das ganze Leben nach Antworten.

Ich schreibe jetzt mal lieber weiter etwas zur Mugge, sonst wird Mission Bühnenrand noch zu einem Philosophie-Forum.

„Vor den Kathedralen“ widmete FALKENBERG den Demonstranten, die kürzlich in der Bankenstadt Frankfurt am Main gegen die Macht der Finanzmärkte und der EZB demonstrierten. Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Teilnehmer dort ihr Grundrecht nach Artikel 8 des Grundgesetzes ausübten. Außerdem beleuchtete er kurz die Rolle der Medien, die mehr über die Erdogan-Proteste in der Türkei berichteten als über das Geschehen in Frankfurt.

Das aktuelle Album bildete den absoluten Schwerpunkt des Konzertes. FALKENBERG’s Lieder und Gedanken zum Thema FREIHEIT sind umfangreich und tiefgründig. Man merkt, dass ihm der Drang nach FREIHEIT inne wohnt und dass er konsequent SEINEN eigenen Weg geht.

FALKENBERG schmierte uns mit den Songs an diesem Abend sicher auch manche unangenehme Wahrheit aufs Butterbrot. Aber er tat das nicht oberlehrerhaft und mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern in seiner bekannt sympathischen und locker erzählenden Art. Im Lied „Wo alle sind“ machte er deutlich, dass man seine persönliche FREIHEIT nicht findet, wenn man mit dem Strom der Gleichgültigen schwimmt, die nur ihre Ruhe haben wollen oder versucht der Masse zu gefallen. „Wo alle sind, will ich nicht sein. Wo alle sind ist alles egal und wo alles egal ist, ist Freiheit nur Schein.“

Angst ist ein Hindernis auf dem Weg zur Freiheit. Das betrifft nicht nur die eigenen Ängste, sondern auch Ängste, die immer wieder geschürt werden. Das erleben wir ja fast in aller Regelmäßigkeit. Beispiele gibt es genug: Schweinegrippe, Vogelgrippe, Angst vor Terroristen usw. Der Meister fand in „Da ist die Angst“ klare Worte, die einem förmlich erschlagen mit ihrer Wucht: „Ich habe Angst vor der Angst der Menschen, die sie dumm und gefährlich macht. Ich habe Angst vor der Angst der Menschen. Angst macht klein und gemein.“

Es waren aber auch die etwas leiseren Lieder, die an die Seele gingen. Bei „Immer bei mir“ war das besonders der Fall. In diesem Lied singt FALKENBERG über seine Eltern, die er leider schon sehr früh verloren hat. Dieses langsame Lied ist eine sehr persönliche Liebeserklärung und strahlt so viel Dankbarkeit aus. Da mein Vater auch schon von uns gegangen ist, kann ich das gefühlsmäßig ganz innig nachempfinden. Ja, auch mein Vater ist in Gedanken immer bei mir und es tut gut mit ihm manchmal stumm Zwiesprache zu halten.

Das Publikum hing an Falkenbergs Lippen und sparte auch nach jedem Lied nicht mit Beifall.
Natürlich spielte FALKENBERG auch noch einige seiner Hits aus früheren Tagen wie „Mann im Mond“, „Taufrisch“, oder „Osten“.
Ich weiß nicht, ob es Absicht war, dass er dieses Mal sehr viele Lieder mit Pianobegleitung darbot oder ob die gerissene Gitarrensaite daran ihren Anteil hatte. Aber eigentlich spielt dies gar keine so große Rolle, denn FALKENBERG war einfach überwältigend gut.
Die allerletzte Zugabe war nach längerer Zeit mal wieder „Besoffen und verliebt“. Ich schrieb weiter oben etwas vom besten FALKENBERG aller Zeiten. Das stimmt bis hierher auch, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Ralf Schmidt den Gipfel seiner Kreativität und seiner Karriere noch längst nicht überschritten hat. Insofern steht uns der beste FALKENBERG aller Zeiten noch bevor und darauf freue ich mich schon heute.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 20.06.2013 18:16 | nach oben springen


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