#1

Mike Kilian am 22.11.2012 in Dresden

in Konzertberichte 2013 und älter 30.04.2013 22:49
von Mary | 204 Beiträge | 457 Punkte

Musik im Seelsorgezentrum im Uniklinikum Dresden

Ich weiß nicht, wann ich davon las, dass Mike Kilian in Dresden spielen würde. Ich weiß nur, dass für mich sofort klar war, da bin ich dabei. Nun ist eine "Musikverrückte" wie ich ständig unterwegs, vergisst mal Termine und auch die Eintrittskarte früh genug zu kaufen... Bei einem Konzert fiel die Bemerkung: "Kilian ist fast ausverkauft", das brachte mein Blut in Wallung. Zum Glück kennt man den einen oder anderen, und so hielt ich doch noch glücklich die Eintrittskarte, die optisch schon vielversprechend war, in den Händen. Yeah, auf zu Mike Kilian...! Natürlich dachte auch ich wie andere immer wieder an ROCKHAUS... Mike Kilian ist nun mal die prägnante Stimme dieser Band. Solo habe ich ihn (Asche auf mein Haupt) allerdings noch nie erlebt. Ich war gespannt.

Viel zu früh vor Ort - eigentlich wie immer - hatte ich genügend Zeit, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Das Konzert fand im Seelsorgezentrum des Uniklinikums Dresden statt. Ich setzte mich auf eine Bank, zündete mir (leider wieder) eine Zigarette an und ließ meinen Blick schweifen, die Gedanken laufen... Seelsorgezentrum, mich fröstelte... Das klingt so sehr nach Abschied, nach Trauer, nach "Ende"... Und nun sollte hier wieder (ich habe hier schon Musik erlebt), ein Konzert stattfinden. Vielleicht war es das Herbstwetter, das meinem Gemüt eher dunkle Wolken zuschob, so war ich froh, als ich endlich im warmen Vorraum stand und bekannte Gesichter sah.

Erste Reihe war gebongt, klar! Das Licht eher matt, unaufdringlich und trotzdem darauf hinweisend, gleich passiert hier was... und es passierte was! Mike Kilian und Christian Sorge, Begleitmusiker für diesen Abend, betraten nach der offiziellen Ansage die Bühne. Der Applaus erinnerte mich an "Klassentreffen": laut, fröhlich, erwartungsvoll... Pfiffe hier und da... Die Gitarren begannen zu klingen, Kilians Stimme füllte den kleinen, aber (sehr) gut gefüllten Raum und mit "Stur auf Kurs" begann der Konzertabend. Christian Sorges Gitarre hier im Seelsorgezentrum sorgenvoll? Nein, ich glaube nicht. Und Kilian schickte einen ersten, hier noch sanften "Schrei" in den Abend. Der Plauderer Mike Kilian fing sein Publikum nach wenigen Augenblicken ein, Lacher waren auf seiner Seite. Mhhh... ich frag' mich, hat er denn recht wenn es heißt, "...nimm dir 'n reichen alten Mann"?
"Knuffig" wie Kilian seine Ansagen macht. Er stellt Christian Sorge als Hologramm vor. Kurze Zeit grübeln, dann musste auch ich breit grinsen. Dieser Mike Kilian, der im Laufe des Programms die "alternden Kollegen" aufs Korn nahm (schon in ganz frühen ROCKHAUS-Jahren schrie er in die Welt, dass ROCKHAUS die PUHDYS vom Thron stürzen würde, was nicht "ganz" gelang, aber zumindest ist auch ROCKHAUS immer noch da), hatte es faustdick hinter den Ohren. Das Publikum dankte ihm mit erheitertem Lachen. Und trotzdem vermochte er auch sensible Titel mit viel Herz und Seele an Frau/Mann zu bringen. Ein rotzfrecher, schillernder Vogel, der unter diesem "Gewand" seine Seele und ganz viel Herz verbirgt.
"Freunde" von der CD "Immer anders", der gänsehautmachende "Kilian-Schrei", erklang, wenn auch noch eher sanft... Und ich war für kurze Augenblicke weit weg... "Worte finden, die dir helfen wieder aufrecht zu gehen", ich schlucke und bin froh unter Freunden zu sein. Danke Jörg und Simone für all die Aufmerksamkeit, danke kleiner "Ampel-Tomi" und Jenny. Freunde sind Menschen, die Fehler haben dürfen (warum auch nicht), aber man weiß, im Notfall sind sie da. Ein akustisches Konzert lässt Raum für Gedanken, man ist mittendrin und dabei, und doch manchmal gaaanz weit weg... "Helfen wieder aufrecht zu gehen" erklingt Mike Kilians "Schrei", und ich bin glücklich hier zu sein. "Ich brauch noch 'n bisschen Zeit / alles zu versteh 'n / wieder klar zu denken / wie wird es weitergehen / gib mir noch 'n bisschen Zeit / dann kann ich dir wieder in die Augen sehen". Mikes Gesang berührt mich mehr, als ich mir eingestehen will.
Zum Glück ruft Mike an dieser Stelle äußerst witzig zum CD Verkauf auf, und ich habe die Gelegenheit, in die Wirklichkeit zurückzukehren. Kilian hat eine ganz eigene Stimme, die Gänsehaut macht und die berührt. Nach wenigen Augenblicken schließe ich die Augen, als er singt, "du brauchst wieder Land unter deinen Füßen". Eine Pause konnte die Einheit von Publikum und Musikern nicht zerstören, es war als hätte es keine Pause gegeben.
Auch ich bin eins dieser "Stehaufmännchen", die Mike nach der Pause besang. Witzig zwar, aber doch irgendwo bitter ernst. Wer mich kennt weiß, dass ich Cäsar sehr mag. Und als Mike hier den Apfeltraum sang, so völlig anders, schaffte er es trotzdem, mich tief zu berühren. "Nur ein Traum", führte das Publikum tiefer in die musikalisch umgesetzte Wirklichkeit. Ich hoffe, der anhaltende Applaus galt nicht nur der Interpretation des Songs, auch wenn der unbezweifelbar "traumhaft" war.
"Gefühle" haben alle Menschen, "Gefühle" ist ein ROCKHAUS-Titel, der natürlich auch an diesem Abend lief. Das Publikum sang mit, nur an einer Stelle mokierte sich Mike und nannte uns "Feiglinge", denn den "Schrei" traute sich keiner vom Publikum. Manchmal denke ich, dieser Ton, dieser Schrei hat etwas von Tarzan - so muss dieser Jane eingefangen haben.

Mike Kilian arbeitet an einer neuen CD, sie ist (für mich) schon gekauft. Mag er auch viele meiner Lieblinge noch so durch den Kakao ziehen, ROCKHAUS 2013 in Dresden ist gebongt, und auch was sich sonst noch ergibt: ich bin dabei!
Ein Konzert im Seelsorgezentrum zeigt, es gibt keine Prinzen mehr, aber Musiker mit Herz und Seele. "Unberührbar" ist "Mächtig verdächtig". Gut, wenn neben all dem Leid, Leben einzieht in ein Seelsorgezentrum.
Was den "Herbst" angeht: verflixt, auch ich bin schon dort angekommen, musst Du das rausschreien Mike??? Dann lehne ich mich doch lieber zurück und denke an den Rausschmeißer... "I.L.D.", seit 1988 unerreicht. Mitsingen und freuen auf ROCKHAUS 2013! Ein Seelsorgezentrum ist eine Begleiteinrichtung für Menschen, die trauern, in Not sind, doch für mich ist noch bedeutender, dass es ein Zentrum für Musik ist, die Freude bringt, Leben weckt. Danke für das Einverständnis zu diesen Events. Ich erlebe leider tagtäglich wie Live-Musik von der Bildfläche verschwinden muss.

Angefügte Bilder:
"Ihr lacht weil ich anders bin. Ich lache, weil Ihr alle gleich seid."
Kurt Cobain
zuletzt bearbeitet 30.04.2013 22:51 | nach oben springen

#2

RE: Mike Kilian am 22.11.2012 in Dresden

in Konzertberichte 2013 und älter 03.05.2013 21:58
von Kundi | 2.003 Beiträge | 4584 Punkte

Mike Kilian? Das ist doch der Sänger von Rockhaus, werden jetzt einige von euch denken. Stimmt ja auch, aber er ist nicht nur die Stimme von Rockhaus. Kilian ist ein sehr umtriebiger Musiker. Er tourt mit Starfucker auf den Spuren der Rolling Stones und ist auch bei der von
Tobias Künzel ins Leben gerufenen Band Final Stap dabei. Künzel (Die Prinzen, ex-Amor & Die Kids) spielt in dieser Band Schlagzeug. Leider ist Final Stap ganz selten auf Tour, aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, würde ich mir dieses Spektakel auch gerne mal live zu Gemüte führen. Man könnte jetzt noch über vergangene Projekte wie „Wagnerama" oder „Der Messias“ schreiben oder darüber, dass er die Hymne für einen gänzlich unbedeutenden himmelblauen Chemnitzer Fußballclub eingespielt hat. Es gibt sicher noch mehr projekte bei denen Mike Kilian seine Stimme im Spiel hat. Aber ich möchte euch nicht
überstrapazieren und diesmal auch keinen „Roman“ schreiben.

Für mich wurden Kilian und Rockhaus erst 1988 richtig interessant. Das war die Zeit als die Band dem Pubertäts-Rock adé sagte und sich mit der LP „ I.L.D:“ in die oberste Liga katapultierte. Rockhaus war erwachsen geworden und rüttelte tatsächlich ein bisschen am Thron der PUHDYS. „I.L.D.“ wurde Lied des Jahres in den DDR-Hitparaden und die schwarze Langrille wurde „LP des Jahres“. Die Birr-Männer (sehr schöne Wortschöpfung vom Forenmitglied Julius v.A.) hatten 1988 allerdings auch kein neues Material veröffentlicht. Trotzdem bewies Rockhaus im Folge-Jahr, dass sie sich auch gegen die ganz großen Bands wie PUHDYS, SILLY, KARUSSELL durchsetzen können. 1989 schaffte es die Band nämlich mit dem Song „Mich zu lieben“ wieder an die an die Spitze der Rundfunk-
Charts im Osten. . Die PUHDYS landeten mit „Kleiner Planet“ auf Platz 4. Lange ist es her, die Zeit ist nicht stehen geblieben und Rockhaus bringt immer noch neue Alben auf dem Markt und tourt zuweilen auch zur Freude der Fans durchs Land. Aber jetzt erstmal genug von Rockhaus.

Mike Kilian hat nämlich auch schon 3 Solo-CDs mit eigenen Songs veröffentlicht:
- „Immer anders“ (2002),
- „Macht mich reich (2004),
- Mächtig verdächtig (2007).

Ich habe Mike schon mit Rockhaus und Starfucker live erlebt. Sein Soloprojekt habe ich nun erstmals am Donnerstag in Dresden genießen dürfen. Der Veranstaltungsort war eher ungewöhnlich, aber nicht uninteressant. Es ging in das Seelsorgezentrum des Uniklinikums Dresden. In einem Saal, wo sonst eher andächtige Stille herrscht, waren alle Stühle bis auf den letzten Platz gefüllt. Obwohl es richtig eng zuging, passten aber nicht mehr als ca. 100 -120 Stühle dort rein. Gezählt habe ich sie aber nicht ;-). Mike Kilian rückte mit seiner Band an, das heißt, dass es auf der Bühne auch eng wurde. Ich möchte euch jetzt die Bandmitglieder mal vorstellen: Christian Sorge – Gitarre, Backroundgesang. Ende der Bandvorstellung ;-). Kleiner Scherz am Rande von mir…hi hi. „Sorje“, der mit Kilian auch bei Starfucker spielt, ersetzt aber durch sein variantenreiches Gitarrenspiel wirklich eine ganze Begleitband. Langweilig wurde die Mugge mit den 2 Akustikgitarren, der Hauptstimme von Kilian und dem unterstützendem Gesang von Sorge überhaupt nicht.

„Stur auf Kurs“ war der erste Song und natürlich klang er etwas anders als auf der CD, aber das war gerade spannend. Wenn man so will, wurden die Lieder so auf den Kern gebracht und diese Akustikmugge fühlte sich verdammt gut an. Der Text über das treibende
Schiff und die Besatzung lässt dem Zuhörer genug Spielraum, um ihn ins reale Leben zu übertragen und sich darüber Gedanken zu machen. Wenn man so will, ist dass ganze Lied auch als eine Metapher für die typischen Mitläufer zu sehen.

„Besser leben“ vom 2009er Rockhaus-Album „Positiv“ war so abgespeckt ein völlig neues Klangerlebnis. Es ist klar, dass bei Kilian auch ein paar Rockhaus-Songs im Programm sind, schließlich ist er der Sänger dieser Band und viele Texte stammen auch aus seiner Feder. Er
reizt aber den Rockhaus-Joker nicht vollends aus, sondern setzt hauptsächlich auf seine Solo-Titel und das ist durchaus gut so.

Mike Kilians Stimme ist unverwechselbar; sie durchdringt sicher auch die härtesten Seelenmauern. Spätestens, wenn er anfängt zu „schreien“, schmilzt jeder Widerstand, wie Butter in der Sonne dahin. Der Mann ist aber auch ein guter und einfühlsamer Interpret von balladesken Songs. Ich bin sicher, dass sich die Nackenhaare vieler Zuhörer im Seelsorgezentrum bei „Gefühle“ ganz von alleine aufgestellt haben.

Dass der Mann dazu auch noch eine alte Rampensau im positiven Sinne ist, kann man bei jedem seiner Auftritte erleben. Selbstverständlich war das in Dresden nicht anders. Der Mann hat Phantasie, Humor und an den richtigen Stellen manchmal auch ganz einfach ein „großes Maul“. Dabei geht er aber nie unter die Gürtellinie. Ich mag solche Typen. Es wird mit Kilian nie langweilig. Schon die Vorstellung seiner „Band „Sorje“ war ein Brüller. Er machte seinen Partner doch glatt zum Hologramm, weil es billiger ist. So ein Hologramm braucht nur etwas elektrischen Strom zum Betrieb, also vergreift es sich auch nicht an Gage, Catering und Weibern. Natürlich hatten wir alle Mitleid mit dem armen Mike und vor allem mit seinem Partner Christian Sorge, der das Spiel mitspielte. Auch als Stimmenimmitator geht der Herr Kilian gut durch. Ich hab fast Tränen gelacht, als er einen bekannten Ostrocker und einen aus Rumänien stammenden Sänger imitierte.

Die Lieder Kilians behandeln textlich das Leben mit seinen großen und kleinen Freuden oder Problemen. Bei manchen Liedern kann man auch mal schmunzeln über gewisse Pleiten, Pech und Pannen-Situationen wie bei „Filmriss“. Dazu gab es auch noch eine kleine Anekdote wie der Meister und sein „Hologramm“ nachts die Minibar in einem Hotel schlachten wollten.
„Macht mich reich“, der Titelsong seines 2. Soloalbums, nimmt einerseits die Glücksritter aufs Korn, die den Leuten Dinge aufschwatzen, die diese gar nicht brauchen und andererseits die Gutgläubigen, die auf diesen Schwindel reinfallen.

Aber ich will gar nicht drumherumreden, dass mir besonders auch solche tiefgründigen Texte, wie „Land“ oder „Freunde“ besonders gefallen, weil sie eben nicht die „heile Welt“ vorgaukeln, sondern auch die vermeintlichen Verlierer thematisieren. Nach meinem Gefühl wirkten diese Lieder im Akustikgewand und in dieser ungewöhnlichen Umgebung des Seelsorgezentrums besonders intensiv. Die beiden Musiker wurden von einer dezenten Licht-und Beamershow aber auch ganz stimmungsvoll in Szene gesetzt. Das sah schon Klasse aus, wie die per Beamer erzeugten Muster und Ornamente im farbigen Licht langsam über Wände und Decke der kleinen Halle wanderten.

Auch das Lied „Herbst“ möchte ich noch erwähnen, weil Mike Kilian da gegen den Jugendwahn ansingt und uns älter werdenden Leuten verdeutlicht, dass man, auch wenn der Lack langsam abblättert, trotzdem noch viele schöne Lebensjahre vor sich haben kann. Man muss nur sich selbst akzeptieren und weiter Gas geben. Der Saal tobte vor Begeisterung und natürlich drehte das Duo Kilian/Sorge dann auch noch eine finale Ehrenrunde bei der das Lied mit drei Buchstaben nicht fehlen durfte.

Das ganze Konzert hatte in der Summe einfach Stil. Veranstalter, Techniker und natürlich die beiden Musiker Mike Kilian und Christian Sorge haben da wirklich ein ganz tolles Konzertpaket geschnürt. Darum sage ich an dieser Stelle auch gerne DANKE!!

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 03.05.2013 22:04 | nach oben springen

#3

RE: Mike Kilian am 22.11.2012 in Dresden

in Konzertberichte 2013 und älter 04.05.2013 12:41
von Anke68 | 301 Beiträge | 697 Punkte

Mike Kilian solo bzw mit "Band" fehlt mir noch, ebenso wie Final Stap. Final Stap zumindest werde ich hoffentlich im Herbst in Rostock erleben können und ich hoffe, wenn Mike Kilian mit seiner neuen CD, die ja im Juni erscheinen soll, auf Tour geht, dass dann auch ein Termin dabei ist, der für mich passt.

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