#1

SHAWUE 14.06.13 Cahnsdorf bei Luckau

in Konzertberichte 2013 und älter 15.06.2013 18:58
von Kundi | 2.003 Beiträge | 4584 Punkte

Ein paar erste und kurze Sätze zur gestrigen Mugge:
Wieder einmal war es eine sehr kurzfristige Entscheidung. Ich setzte mich gestern am Abend und fuhr ins "Ausland". Cahnsdorf in Brandenburg sollte das Ziel meiner Reise werden. Cahnsdorf sagte mir gar nix, von dem Ort hatte ich nie zuvor gehört Reisen bildet ja bekanntlich manchmal, deshalb weiß ich jetzt auch, dass Cahnsdorf zur Stadt Luckau gehört. Rainald Grebe singt zwar in einem seiner Lieder "Es gibt Länder, wo was los ist und es gibt Brandenburg", aber manchmal ist sogar in der Brandenburger Provinz was los.

Die Folkrocker von SHAWUE kommen aus der Luckauer Gegend und gestern spielten sie mal wieder in der Heimat. Auf der Webseite der Band war als Veranstaltungsort für die Mugge Luckau / Cahnsdorf Festwiese im Park ausgewiesen. Ich hatte da schon eine bestimmte Erwartungshaltung und dachte an einen Auftritt im Rahmen eines Volksfestes. Ich sah vor meinem geistigen Auge Karussells, Losbuden und eine Menge Freßbuden. Doch in Brandenburg scheinen wirklich die Uhren etwas anders zu ticken.

Mein technischer Wegerklärer führte mich bis zuverlässig bis kurz vors Ziel. Kurz vor einem Verbotsschild stellte ich brav mein Auto ab. Hm...wo war ich hier gelandet? Nach Fest sah das auf dem ersten Blick nicht aus. Kaum Leute zu sehen und vom bunten trubel eines Jahrmarktes oder ähnlichem war auch nichts zu sehen und zu hören. Ich stieg erstmal aus und plötzlich hörte ich ein paar Fetzen von Musik, die mir bekannt vorkamen. Das klang für mich wie der Soundcheck von SHAWUE. Ich folgte diesen Klängen in ein Waldstück bis ich auf einer großen Wiese landete. Dort am Rand war ein Kassentisch aufgestellt und ich zahlte brav meinen Eintritt. Auf der Wiese standen ein mittelgroßes Festzelt, ein Bierausschankwagen, eine Grillstation und etwas weiter entfernt ein paar Miet-Toiletten. Abgesperrt durch einen Zaun oder etwas anderem war der ganze Bereich nicht. Das wars also. Mir rutschte beim Bezahlen raus " wo bin ich denn hier gelandet, mitten im Wald?". Mit heimatlichen Stolz antwortete die Kassiererin, "das ist kein Wald, das ist unser Park". Die Antwort gefiel mir. Die Butter ließen sich die Leute hier also nicht so einfach vom Brot nehmen. Ich testete erstmal die Getränkelage und probierte aus wissenschaftlichen Gründen den Gerstensaft, der aus sächsischer Produktion stammte. Die maßvollen Preise für Eintritt, Getränke und Verpflegung gingen völlig in Ordnung.

Dann lauschte ich dem restlichen Soundcheck der Band und beobachtete das Geschehen auf der Bühne aus der Ferne. Nach und nach trafen dann doch noch eine stattliche Anzahl von Besuchern im und um das Zelt auf. Es war schon 21.30 Uhr durch als die Musiker von SHAWUE auf die Bühne kamen und mit "Scharlatan" loslegten. Es wurde ein langes und schönes Konzert bis weit nach Mitternacht. Störend war nur die Nebelmaschine, die fast ununterbrochen lief. Es sah im Zelt bald aus wie in der Waschküche, weshalb ich auch keine besonderen Fotos habe. Der Nebel wurde nach der Pause sogar der Band zuviel und Gitarrist Ronny bat die Techniker darum die Höllenmaschine abzuschalten, weil er nicht mal mehr etwas vom Publikum erkennen kann. Aber der Nebel hielt sich danach noch hartnäckig. Gegen 00.15 Uhr war der Zugabenteil noch im Gange, aber ich hatte ja noch ein gutes Stück weg vor mir und deshalb machte ich mich schon vor dem Ende auf die Socken.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 15.06.2013 19:00 | nach oben springen

#2

RE: SHAWUE 14.06.13 Cahnsdorf bei Luckau

in Konzertberichte 2013 und älter 15.06.2013 20:48
von Hans | 50 Beiträge | 116 Punkte

Mein Lieblingsbeamter,

ach so schön, Du bringst mich zum Lächeln und zum Nachdenken.

Ich weiß ja, so ein Staatsdiener lebt am Rande der Sozialhilfe, aber Du solltest vielleicht Deine Prioritäten einmal überprüfen ... -prust-

Also nach diesem Bericht habe ich kein schlechtes Gewissen mehr, dass ich dem Bub das Geld für ein 211 PS Monstrum gegeben habe. -lächel- Darin kann man nämlich bestens auch mal eine Nacht verbringen, fast so wie im eigenen Bett. -grins- Gut, die Spritkosten, aber das it seine Sache ...

Wie kann man zu einem Konzert fahren, das Bier einmal kosten und dann an die Heimfahrt denken? Man(n) muss sich ja nicht besaufen, aber die Zugaben kann man dann noch mitnehmen, nach einem 2-ten, 3-ten, gut vielleicht auch nach ein paar Bier mehr. Vor allem in solcher Umgebung wo mit 99,9 % nicht irgendein Staatsdiener mitten in der Nacht an die Scheibe des Autos klopft und blöde Fragen stellt! Also denk mal darüber nach! Es könnte in Zukunft mehr Genuss bringen.

Gut, es war trotzdem schön und das Thema besprechen wir nächstes Wochenende genauer.

Lieb Dein Freund

Hans

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#3

RE: SHAWUE 14.06.13 Cahnsdorf bei Luckau

in Konzertberichte 2013 und älter 18.06.2013 20:04
von Kundi | 2.003 Beiträge | 4584 Punkte

Lieber Hans,

Dein Beitrag hat meine Mundwinkel automatisch nach oben gezogen und nun steht ein breites Grinsen in meinem Gesicht. Ich liebe Deinen Humor. Aber Du brauchst Dir um mich keine Sorgen machen, denn der Mantel des Beamten ist zwar eng, aber warm. Wenn Du magst, darfst Du aber trotzdem für mich spenden

Natürlich hätte ich während der Mugge das eine oder andere Hopfenkaltgetränk mehr schlürfen können und anschließend im Auto pennen können. Unlängst beim Cäsar-FT habe ich ja auch in meiner Kalesche übernachtet, weil ich zu faul war mein Zelt aufzubauen. Wenn die entsprechenden Leute da sind und der Anlass stimmt, kann man auch mal in gemütlicher Runde (ab-)feiern. Das kann und muss aber nicht bei jeder Mugge der Fall sein. Es ist einfach auch so, dass ich nach dem Konzert im Normalfall lieber die paar Kilometer bis nach Hause fahre, weil ich da einfach mehr vom nächsten Tag habe. Ich kann Dir aber versichern, ich hatte auch so genug Spaß an der Mugge;-).

Liebe Grüße

Kundi


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#4

RE: SHAWUE 14.06.13 Cahnsdorf bei Luckau

in Konzertberichte 2013 und älter 18.06.2013 20:10
von Kundi | 2.003 Beiträge | 4584 Punkte

Jetzt möchte ich aber doch noch ein paar Sätze zum Konzert schreiben. SHAWUE gehört ja nun schon seit ein paar Jahren zu meinem erweiterten Favoritenkreis. Die Band hat ihren ganz eigenen Stil und bleibt ihm auch immer treu. Mit Schubladen ist das ja immer so eine Sache. Ist das nun reiner Folkrock oder nicht, was Lutz Neumann und seine Mitstreiter fabrizieren? Sie selbst haben ja für ihre Musik den Begriff message folk geprägt. Das trifft es mal mehr und mal weniger. Auf jeden Fall ist die Shawue-Musik absolut rockig, tanzbar, mitreißend und abwechslungsreich. Mann kann auch sagen, dass es handgemachte, melodiebetonte Rockmusik ist, die durch Zutaten aus Blues, traditionellem Folk, Country und sogar Punk verfeinert wird. Stars wie Neil Young und Bob Dylan haben es der (Musik-)Welt ja vorgemacht und haben damit die veralteten musikalischen Grenzen überwunden. SHAWUE hat allerdings den Vorteil, dass die Band deutsch singt, was es uns leichter macht die Texte zu verstehen.

Nun stand ich also nach dem Soundcheck auf der Wiese des Park's in Cahnsdorf und harrte der Dinge, die noch kommen sollten. Erstmal trafen nach und nach weitere Besucher aus der Umgebung ein. Ich hatte das Gefühl, dass die sich fast alle mehr oder weniger kannten. Übliche Verdächtige aus Konzertnomaden-Kreisen waren jedenfalls weit und breit nicht zu sehen. Von mir aus hätte die Band anfangen können, aber bis gegen 21.30 Uhr stellte SHAWUE uns noch auf die (Warte-)Probe.

Bei meinem bisher letzten SHAWUE-Konzert am 1.Weihnachstfeiertag 2012 in Medingen kündigte die Band ja offiziell Besetzungswechsel der Rhythmus-Fraktion (Bass und Schlagzeug) an. Vielleicht hatte mich ja auch meine Neugier auf die neuen Bandmitglieder an diesem Abend im Juni nach Cahnsdorf getrieben?

Es gleicht einer Erlösung als SHAWUE endlich die Bühne enterte. Die Band hielt sich auch gar nicht erst mit einer langen Vorrede auf. Zur Einstimmung gab es "Scharlatan" und „Das Paradies“. Es folgte mit „Kinder der Angst“ ein eher selten gespieltes Stück aus der langen Bandgeschichte. Das liebe ich an der Kapelle auch, dass sie eben nicht bei jeder Mugge immer haargenau dieselben Songs spielen. Jedes Konzert ist anders, es werden bei jedem Auftritt einzelne Titel ausgetauscht und auch die Reihenfolge der Lieder gestaltet sich variabel. Das ist sicher für Band und Stammgäste gleichermaßen eine Wohltat. Nichts ist ja schlimmer, als jede Mugge nach Schema F abzuspulen. SHAWUE ist eine Band, die live unheimlich abgeht. Das Programm enthält viele mitreißende Rocknummern und auch ein paar balladeske Lieder zum Verschnaufen. Neben den typischen Rockinstrumentarium E-Gitarre, Bassgitarre und Schlagzeug sorgen auch immer wieder mal akustische Gitarre, Violine und Mandoline für ein echtes Folkfeeling. Das Lied „Silbermond“ zum Beispiel wird durch eine ganz markante Mandolinen-Melodie veredelt. Frontmann Lutz Neumann ist auf der Mandoline ein wahrer Virtuose. Wenn SHAWUE auf der Bühne rockt, dauert es naturgemäß nie lange bis sich die ersten Tänzer vor der Bühne einfinden. Die von Band und Musik überträgt sich so wohl auf das Publikum. Der message folk mit den deutschen Texten ist aber nicht nur was für die Beine, sondern auch etwas für den Kopf und die Seele. SHAWUE gaukelt uns keine heile Welt vor, sondern singt über die kleinen und großen Probleme dieser Welt und ihrer Menschen.

Natürlich standen die beiden Neuen unter meiner besonderen Beobachtung. Wobei Bassist Burkhard Mette gar kein echter Neuer ist, sondern eher der zurückgekehrte und verlorene Sohn ist. Burkhard spielte bereits von Ende 1992 bis 1999 bei SHAWUE. Die damalige Bandbesetzung mit Lutz Neumann (Gesang, Gitarre, Mandoline und Mundharmonika), Christian „James“ Müller (Gitarre, Gesang), Burkhard Tischer (Schlagzeug) und Burkhard Mette(Bass, Gesang) kann man heute ruhig schon als legendär bezeichnen. Mette widmete sich später anderen Projekten. Er spielte zusammen mit Tischer unter anderem bei den Bands Schröders Erben und Blackbird. Übrigens heißt das Bandmaskottchen von SHAWUE (ein Papagei) rein zufällig Schröder. Der neue Schlagzeuger heißt Steffen Melcher. Ich finde beide passen super in die Band. Ich hatte am Freitag den Eindruck, dass SHAWUE mit der neuen Rhythmus-Gruppe live noch etwas kräftiger und druckvoller klingt. Burkhard Mette passt auch von der Bühnenpräsenz ganz hervorragend zur Band. Er rockt richtig ab oder springt zeitweise wie ein Tennisball auf und ab. Man merkt und sieht ihm die Freude, mit SHAWUE wieder auf der Bühne zu stehen, deutlich an
Die Band gab kurz vor der Pause noch mal richtig Gas und spielte die Kracher „Dann schrei“, „7 Days“ und „Sie tanzt auf ihren Rädern“. Ich schätze in den beiden regulären Konzert- Blöcken zusammen hat SHAWUE ungefähr 25 Songs gespielt.

Nach der etwa 20 minütigen Erholungspause gaben Lutz Neumann, Heike Neumann, Ronny Janka, Burkhard Mette und Stefan Melcher gemeinsam noch mal richtig Zunder. Schlag auf Schlag folgten Perlen wie „Macht die Leinen los“, „Fernsehabend“, „Kein Limit“ oder „Nach Haus“. Den letztgenannten Song hatte bis letztes Jahr immer Bassistin Charlott „Lotti“ Neumann gesungen. Lutz erzählte in der Ansage davon, dass seine Tochter jetzt in Halle studiert und momentan Sandsäcke gegen die Saaleflut füllt.
Zum Ende des regulären Sets griff SHAWUE noch mal tief in die eigene Schatzkiste. Mit „Wie ein Stein“, „ Scheißkerl“ und „Ich komm heim“ spielten sie zufällig einige meiner Lieblingslieder. Ich fand, dass war ein schöner Abschluss für mich und verzichtete wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit und dem weiten Heimweg ausnahmsweise mal auf die Zugaben.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 18.06.2013 20:18 | nach oben springen


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