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Торпедо Лаубегаст 23.06.12 beim Elbhangfest in Dresden

in Konzertberichte 2013 und älter 14.05.2013 19:57
von Kundi | 2.003 Beiträge | 4584 Punkte

Торпедо Лаубегаст ist übrigens die kyrillische Schreibweise von Torpedo Laubegast Es ist fast ein Jahr da stolperte ich über diese Band beim Elbhangfest in Dresden.. Torpedo Laubegast hat mich so fasziniert, dass ich mir die Kapelle bis zum September insgesamt 4x angesehen habe. Lust hätte ich jetzt schon wieder Torpedo Laubegast zu hören, aber ein paar Wochen dauert es noch bis wir wieder die Gelegenheit bekommen Im Juni 2013 hat die Band 3 Auftritte in Dresden und im August spielen sie auch wieder beim Laubegaster Inselfest. Die genauen Termine findet ihr hier: http://www.torpedo-laubegast.de/termine/termine.html Vielleicht macht euch mein alter Bericht ja wieder neugierig.

Torpedo Laubegast? Das klingt ja wie eine Fußballmannschaft aus alten Zeiten oder aus der heutigen linksalternativen Szene. Doch Torpedo Laubegast hat weder etwas mit Torpedo Moskau noch mit Roter Stern Leipzig zu tun. Natürlich dreht es sich in diesem Bericht wieder um ein Konzerterlebnis. Man könnte vielleicht auf die Idee kommen, dass sich so eine Punkband nennt, aber auch das ist nicht zutreffend. Nun werde ich das Ganze mal aufdröseln.

Im Dresden wurde mal wieder das ganze Wochenende gefeiert. Das 22. Elbhangfest zog die Menschen in Scharen an. Das kilometerlange Festgebiet erstreckte sich vom „Blauen Wunder“ in Dresden-Loschwitz bis nach Pillnitz. Neben den üblichen Ständen für die leiblichen Genüsse bittet dies Fest auch immer ein enormes kulturelles Programm. Natürlich hatte ich im Vorfeld meine Hausaufgaben gemacht und das ausführliche Festprogramm intensiv unter die Lupe genommen. Ich entschied mich für den Sonnabend und hatte mir zwei Veranstaltungsadressen aufgeschrieben. Dort sollten jeweils Kandidaten von meiner persönlichen Wunschliste spielen. Ich war mir aber noch nicht ganz schlüssig, welchen der beiden Musikervereinigungen ich mir ansehen würde. Eigentlich war ich ja auf beide gespannt. Unterwegs kam mir dann der rettende Einfall. Da man zum Elbhangfest immer mit Verkehrseinschränkungen rechnen muss, wollte ich austesten, wie nah man mit dem Auto an die Auftrittsorte herankommt. Fahrziel erste Bühne angesteuert und schon ging das Drama los. Parkmöglichkeit fand ich in etwa 2 Kilometer Entfernung. Das war schon mal unakzeptabel. Ich bin doch kein Landstreicher. Also habe ich fix das Navi umprogrammiert und fuhr in die andere Richtung. Das Glück war mir hold. Mein Weg führte mich über eine abenteuerliche Bergstraße und die Meterangaben im Navigationsgerät zählten bis auf 400 Meter Zielentfernung herunter bis es mit dem Auto nicht mehr weiter ging. Immerhin konnte ich dort mein Fahrzeug auch gleich abstellen. So einfach können manchmal Entscheidungen sein.

Nach dem kurzen Fußmarsch erreichte ich den Elbhangtreff, ein sozio-kulturelles Zentrum. Auf dem Freigelände waren eine Bühne, Versorgungsstände und außerdem eine Videoleinwand für die Fußball-Fans aufgebaut. Das herrliche Wetter, die Nähe zur Elbe und ein kühles Getränk stimmten mich nun ganz friedlich. Auch der sich verschiebende Programmablauf änderte nichts daran. Ich warf da eben auch eine Halbzeit lang den Blick auf das Spiel Frankreich gegen Spanien. Auf der Bühne wurde derweil Technik aufgebaut und man hörte erste Töne vom Soundcheck.

Endlich bevölkerte sich die Bühne mit den drei Frauen und fünf Männern von Torpedo Laubegast(www.torpedo-laubegast.de). Die ersten Lieder hörte ich mir noch aus sicherer Entfernung an. Mir wurde jedoch schnell klar, dass zu einer Flucht überhaupt kein Grund bestand. Ganz im Gegenteil, mir gefiel das Gehörte auf Anhieb. Diese Band gibt es erst seit dem Jahr 2009. In ihr sind aber ausgebildete und erfahrene Musiker vereint, die zum Teil auch in anderen Bands spielten oder spielen. Letzte Woche hatte Torpedo Laubegast ein paar Auftritte in Polen absolviert und das nicht zum ersten Mal.

Was ist nun dran an den Torpedo’s aus dem Dresdner Stadtteil Laubegast? Sind sie eine x-beliebige (Ostrock-)Coverband unter vielen und sind sie eigentlich überflüssig wie ein Kropf? Von meiner Seite aus kann ich da ganz laut und klar NEIN sagen. Sicher gibt es in diesem Musikrevier beispielsweise mit den OSSIS, SPLiTT und P 70 schon sehr gute Kapellen, die auf dem Markt erfolgreich sind. Torpedo Laubegast hat sich aber im Gegensatz zu diesen auf Lieder aus den ehemaligen Bruderländern der DDR wie Polen und Ungarn spezialisiert und nur wenige Titel von ostdeutschen Künstlern im Programm.

Was mich am Sonnabend so an der Band fasziniert hat ist nicht mit ein oder zwei Worten gesagt. Vieles kommt da zusammen. Musikalisch liefern sie keinen billigen Abklatsch von den Originalen, sondern haben sich die Songs sehr eigenständig aufgearbeitet und angeeignet. Es sind so ganz tolle Liebeserklärungen an einige zu Unrecht teilweise in Vergessenheit Interpreten und Bands sowie ihre Erfolgsmelodien geworden. Ich konnte dabei herrlich in Erinnerungen schwelgen und war gleichzeitig erstaunt, dass bei einem überwiegenden Teil der Lieder in meinem Gehirn auch der Text noch abrufbar war. Es ist schon erstaunlich, wie tief diese Lieder in einem selbst nach Jahrzehnten noch verankert sind. Ich war damals noch sehr jung und gerade die schlagerhaften, melodiebetonten Lieder hörte ich mir damals in den 70er Jahren freiwillig gar nicht so oft an. Oder war das nur an der Oberfläche so? Genau weiß ich das gar nicht mehr. Als Nachwuchs-Krawallo setzte man aber nach außen halt gerne andere Prämissen. Wahrscheinlich hat es gereicht, dass ich sämtliche Wertungssendungen im ostdeutschen Rundfunk hörte und diese Künstler auch beliebte Gäste in den Adlershofer TV-Studios waren. Heute im hohen Alter mag ich zwar immer noch zeitweise Krawall, aber meine Vorlieben sind viel breiter gefächert.

Durch die Bank weg haben mich alle Akteure von Torpedo Laubegast auch mit ihrer Spielfreude und ihrer Lockerheit überzeugt. Das Konzert war eine richtige Party und alle Anwesenden hatten ihren Spaß. Vor der Bühne fanden sich auch schnell die ersten Tänzerinnen und Tänzerinnen ein.
Mit Charme, Esprit und einer ganz dezenten Portion Nonsens an der richtigen Stelle versüßten die Protagonistinnen und Protagonisten uns den ganzen Abend noch. Nun möchte ich aber endlich noch mehr über die Musik schreiben und die war wirklich nicht von schlechten Eltern. Übrigens spielten die beiden Gitarristen Matthias „Mattl“ Wetzel und Eino Haase den ganzen Abend über ausschließlich auf Akustikgitarren.

Neudeutsch würde man sagen, dass die Torpedo’s sich gesanglich sehr breit aufgestellt haben. Bis auf Schlagzeuger Michael „Spitz“ Frömmel singen bei der Band alle. Das hat natürlich einige Vorteile. Einerseits kommen mit den vielen Stimmen einige Refrains natürlich viel kräftiger herüber und andererseits versetzt es das Ensemble in die Lage ein wirklich breit gefächertes, buntes Programm zu spielen, denn die Damen und Herren teilen sich bei den vielen Songs auch die Hauptstimme.

Leider kann ich aus dem Gedächtnis nicht mehr alle Titel der jeweiligen Solistin bzw. dem jeweiligen Solisten zuordnen. Ein paar möchte ich jedoch nennen. Gitarrist Matthias „Mattl“ Wetzel sang zum Beispiel die beiden Reinhard Lakomy-Lieder „Und ich geh in den Tag“ und „Autofahren“. Die kesse Sängerin Kathie mit ihrer enormen soul-erprobten Röhre brillierte gesanglich besonders bei „Mary Lou“ und „ne Dame sein“ von Maryla Rodowicz:
Bassist Eric Weisheit gab uns stimmlich unter anderem den Gjon Delhusa bei „Berge und Steine“ und „Die Bouzuki und ihr Lied“. Letztgenannter Song war für mich übrigens das absolute musikalische Bonbon des Tages. Dieses Lied mit dem kräftigen Folklore-Einschlag brachte die Leute auf und vor der Bühne gemeinsam zum Tanzen. Cellist Rüdiger Weisheit spielte dabei stilecht auf der Bouzuki. Die Gleichheit des Familiennamens ist kein Zufall. Rüdiger und Eric sind Vater und Sohn.

Erinnerlich ist mir auch noch das Eric zusammen mit Kerstin Rühle den „Sommernachtsball“ von Vroni Fischer sang. Kerstin schob dann auch noch das „Klavier im Fluss“ nach. „Ab jetzt wird es schwierig. Wer hat eigentlich die Ballade „Regen“ (auch „Autobusse“ genannt) von Maryla Rodowicz gesungen und wer von den Damen verlieh „Irgendwann bin auch ich verliebt“, „He fang mich ein“ von Zsusza Koncz und dem „Kati Kovacs-Lied „ Schaukeljunge“ ihre Stimme? Ich bin mir sicher, dass Keyboarderin Annett Otto auch einen Sologesangs-Part übernommen. Manchmal sollte ich mir doch Notizen machen, aber auf so viele Sänger war ich einfach nicht vorbereitet. Auf jeden Fall war es für mich schön, Torpedo Laubegast rund zwei Stunden auf dieser Zeitreise zu begleiten. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal „Mädchen du Feine“ und „Mädchen in der ersten Reihe“ von Fonograf gehört? Verdammt lang her kann ich dazu nur sagen. Dass die Roten Gitarren mit „Wir ziehen weiter“, „Hochzeit“ und „Ein guter Tag“ in der Setlist dieser Mugge vertreten waren, freute mich besonders. Übrigens wurde eines dieser Lieder sogar in der Originalsprache gesungen.
Als Zugabe, die natürlich gefühlt viel zu zeitig kam, gab es dann sogar noch die deutsche Version „Mädchen mit den Perlen im Haar“ von Omega’s „Gyöngyhajú lány“.

Ich war nach dieser Mugge voller Erinnerungen, positiver Eindrucke und so in Gedanken versunken, dass ich mich an einer Stelle sogar kurzzeitig verfuhr. Das müsst ihr aber niemandem verraten ;-).


Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 14.05.2013 20:13 | nach oben springen


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