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KARAT 16.11.2017 Kulturpalast Dresden

in Konzertberichte 2017 17.11.2017 15:53
von Mary | 233 Beiträge | 521 Punkte

Es gab eine Zeit, da war ich regelmäßig zu den Konzerten von Karat.
Begonnen hat alles in den 70igern, als die Band noch mit „Neumi“ als Sänger zum Tanz aufspielte. In den 80igern trat eine längere Pause ein, der Grund, Familie, Kinder, ich hatte nun Pflichten, die mich ausfüllten. Doch jede LP, die von Karat erschien, wurde gekauft und drehte sich immer und immer wieder auf unserem Plattenspieler. Ich glaube, die Rille der Schallplatten liegt inzwischen etwas tiefer…
Nicht nur Karat füllte natürlich unseren Plattenschrank, viele, viele andere gehörten auch dazu.

Aber heute, heute schreibe ich nun mal über Karat. Irgendwann waren die Kinder flügge und es war eine „Leere“ in mir. Mir fehlte etwas, das mich ausfüllt, mir Kraft für den Alltag gibt. Mein Hobby Musik wurde das, was diese Leere füllte. Um vieles älter als „damals“ stand ich nun wieder regelmäßig vor den Konzertbühnen. Ich lernte dabei Menschen kennen, einen bunten Haufen „verrückter Musikliebhaber“, die mein Hobby teilten. Inzwischen sehen wir uns nicht mehr so oft, aber die Liebe zur Musik teilen wir immer noch. Und begegnen wir uns vor den Bühnen des Landes, ist Freude angesagt.

Zurück zu Karat, ich erinnere mich an viele Konzerte, die ich nach meinem „Neueinstieg“ erlebt habe, besonders auch an das Benefizkonzert 2002, das Jahr, in dem Dresden in den Fluten versank.
Zahlreiche Bands, und eben auch Karat halfen meiner Stadt mit ihrem Auftritt. Heute noch danke ich allen dafür.
2003 weiß ich noch, stürzte ich nach dem Spätdienst zur Konzertbühne von Karat und landete noch in der 1. Reihe… und in der Zeitung.
2004 dann, der Tiefschlag, Herbert Dreilich starb. Ich dachte, nun ist es vorbei mit der Band.
Aber 2005 stieg Claudius Dreilich ein und sorgte dadurch dafür, dass es die Band heute noch gibt.
2005 folgte dann auch der Namenstreit, der Name Karat wurde verboten und die Band nannte sich nur noch „K….!“
Auch unter diesem Namen habe ich sie besucht. Ich kann mich nicht mehr im Einzelnen erinnern, wann und wo.
Dann 2007 hieß die Band wieder Karat.
Ein Konzert werde ich nie vergessen.
Genau vor 10 Jahren, im November 2007 erlebte ich sie im Theater „Die Wühlmäuse“. Meine Freundin ermöglichte mir, mit nach Berlin zu fahren.
Wer mich kennt, weiß von meinen Schwierigkeiten, Konzerte außerhalb des Raumes Dresden zu besuchen.
Nun will ich nicht weiter in der Geschichte blättern, sondern endlich zum gestrigen Abend kommen.

Dienstlich bedingt, habe ich mich spät für den Kauf der Eintrittskarte entschieden, und erschrak, denn der Kulti war fast ausverkauft.
Ich entschied mich für ein einsames Plätzchen ganz oben, direkt mittig zur Bühne. Den Platz hatte ich sicher, wohne ja fast um die Ecke und ging also ziemlich spät los.
Als ich ankam, stutzte ich, keine Menschenseele am Kulturpalast. Hatte ich mich im Tag geirrt? Soll ja im Alter vorkommen…
Nein, nur im Konzertbeginn, nicht 20:00 Uhr, sondern schon 19:30 Uhr!
Gehetzt kam ich etwa 7 Minuten später auf meinem Platz an.
Das Programm hieß „Karat akustisch“, ich wurde also von den 5 Musikern, die auf diversen Hockern saßen mit „Karat-Musik“ empfangen.
Mein Herz klopfte und ich ließ mich davon tragen, flog wie so oft in solchen Augenblicken viele, viele Jahre zurück.
Mein Blick glitt über die Musiker, mhhh von so weit oben erkenne ich inzwischen Details nicht mehr, aber etwas fiel mir sofort auf, am Schlagzeug saß nicht Michael Schwandt!
Claudius teilte später dem Publikum mit, Josh (Jürgen Ochmann) aus Chemnitz hatte Michaels Part übernommen. Michael Schwandt ist inzwischen 70 geworden und hat von der Band bis 2018 „frei“ bekommen.
Diese Aussage beruhigte mich. Irgendwie habe ich inzwischen immer mehr Angst, dass die „Helden meiner Jugendtage“ immer weniger werden…
Erstaunlich für mich ist immer wieder, dass ich sofort alle Texte mitsingen konnte, egal wie lange ich sie nicht hörte.
Im weichen Sessel sitzend, ist solch ein Konzert für mich allerdings immer noch sehr gewöhnungsbedürftig. Gern hätte ich mehr getan als nur im Sitz wippend, mitzusingen.

Claudius erklärte bei seiner Ansage, er sei gespannt, ob wir auch diesen älteren Titel noch kennen… Und dazu hätten sie auch einen Gast dabei…,
Quaster von den Puhdys, der am Samstag in Freiberg auftritt, war der Zufallsgast. Das Publikum klatschte sich die Finger wund!
Zusammen sangen sie dann, „Blumen aus Eis“.
Aber klar doch kannten alle diesen Titel noch und viele sangen mit, auch meine linken und rechten Nachbarn!
Auf Akustik-Tour“ gehen die „Karater“ weit zurück in die Anfangsjahre der Band.
Einen Titel widmet Claudius allen Frauen im Saal, erklärt, auch er gehöre zu den alten Titeln, süße 5 Jahre alt wäre er gewesen, als ihm sein Vater diesen vorsang, „Und ich liebe dich“.
„Leute welch ein Tag“, „Suche ein Zimmer“…, damals gesungen von „Neumi“ ließen in meinem Kopf wieder Vergangenheitsbilder entstehen.
Ich sah "Neumi" vor meinem inneren Auge singend in Hellerau, während ich an ihm vorbeitanzte. Mugge zum Tanz war das eben damals.
Claudius schickte liebe Grüße an „Neumi“, als er den Titel „Leute welch ein Tag“ sang.
Wehmütig erinnerte er auch an Herbert Dreilich, seinen Vater. Papa du fehlst mir…, sagte er und sang, nur begleitet von Martin Becker am Keyboard, „Mich zwingt keiner“.
„Gewitterregen“, „Albatros“ fehlten natürlich nicht. Bei letzterem Titel gingen Bernd Römer an der Gitarre und Christian Liebig am Bass aus sich heraus, spielten am Bühnenrand wie schon viele, viele Jahre vorher.
Diese Emotionen beim Spiel! Ich liebe das, …immer noch. Bernd`s Gitarrenspiel zu lauschen, ist für mich immer ein unbeschreibliches Erlebnis.
Wenn er zu anderen Rock- und Blues-Events, z.B. in Spremberg, als Gast dabei war, habe ich mich immer besonders gefreut.

Claudius spricht von der heutigen Politik, was und ob man überhaupt noch einem glauben kann.
Mit den Worten, 1982 hätte keiner daran gedacht, dass dieser Titel heute aktueller denn je ist, … Schlagzeug, dann die so bezeichnenden Bassklänge…, „Der blaue Planet“ erklingt.
Und ich kenne wieder jedes Wort, singe leise mit. Nach diesem Titel erklärt Claudius, dass sie ja eigentlich akustisch unterwegs sind, aber es geht eben nicht bei jedem Titel…
Ich lächle, denn alles, was wir inzwischen als „Akustik-Tour“ hören, ist ja nicht wirklich akustisch, sondern nur „etwas abgespeckte Power“.
Akustisch ist doch eigentlich, wie englisch, „unplugged“, was so viel wie „Stecker herausgezogen“ bedeutet. Gemeint ist der Stecker des Kabels, das elektrisch verstärkte Instrumente mit dem Verstärker verbindet.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Veranstaltung 2010 im Dresdner SZ-Treffpunkt, als die Band mit Christine Dähn unterwegs war und das Buch, „KARAT – Über sieben Brücken musst du gehn“, vorstellten.
Dort erklärte Claudius, dass sie hier wirklich akustisch spielen. Kein Stecker weit und breit, der zu einem Verstärker führte!
Natürlich weiß ich, dass so etwas in einem so großen Saal gar nicht möglich ist! Ich hätte dann dort oben auf meinem Platz nichts, aber wirklich gar nichts verstanden!

Leider hatte ich weder Stift noch Zettel dabei, um mir Notitzen zu machen. Denn eigentlich wollte ich nichts über das Konzert zu schreiben. Ich habe das Ewigkeiten nicht mehr getan.
Aber der Abend hat mich tief berührt, ich habe gerade ein paar Tage frei und keine diversen Pflichten, dass ich es nun doch wieder einmal tue. Wenn ich ehrlich bin, mir fehlt es sowieso, meinen Quark hier und da dazuzugeben.
Aber manchmal kann man eben nicht, wie man will oder gern möchte.

Nun muss ich sagen, bei den alten Songs bin ich sattelfest, da bekomme ich viele noch zusammen, die gespielt wurden, auch ohne eine Notiz gemacht zu haben.
Die neueren Titel sitzen leider nicht so tief, deshalb fällt es mir schwer, sie zu benennen. Aber natürlich wurden auch einige davon gespielt.
Eine der Zugaben war „Weitergeh’n“ von gleichnamiger CD. „Du kannst die Welt verändern“, „Immer dann“ von der CD „Seelenschiffe“… Doch das versehe ich mal lieber mit einem Fragezeichen.
Ich glaube, eine Aufzählung der Titel ist auch nicht wichtig. Wichtig ist doch nur, es war ein gelungener Abend, ein Querschnitt des Schaffens der Band über all die Jahre.

Was noch fehlt, beantwortete das Publikum einhellig, „Über sieben Brücken musst du gehen“… Jeder, aber wirklich jeder kennt den Text und sang mit.
Als die Band die Bühne verließ, nahm der Applaus kein Ende. Mit der Ballade „König der Welt“ erschienen die Musiker wieder auf der Bühne.
Wir durften Einblick nehmen in das derzeit in Arbeit befindliche Album, das 2018 im Oktober erscheinen soll, „1000 Karat“ sang Claudius,
rief Quaster noch einmal auf die Bühne. Mit ihm und dem ganzen Saal sangen sie „Rockerrente“ von den Puhdys.

Das sollte eigentlich das Ende des Konzertes sein, fand Claudius. Aber nicht mit dem Publikum im Dresdner Kulturpalast! Mehrmals mussten sich die Musiker noch auf die Bühne begeben.
Ganz sanft, nur begleitet von Martin am Keyboard sang Claudius den allerletzten Titel…, lächel, ich glaube, es war „Kleine Nachtmusik“…
Noch einmal Beifall.. und dann war ein wunderschöner Konzertabend schon wieder vorbei.

Aber die Musiker warteten ja im Foyer auf ihre Fans… Sie nahmen sich Zeit, gaben Autogramme, beantworteten Fragen… und Quaster mittendrin, sorgte mit seinen Witzen wie immer für gute Laune.
Mein Blick wanderte durch die Reihen der Fans und ich musste feststellen, viele, viele jenseits der 50… und älter. Oft vergesse ich in diesen Augenblicken, wie alt ich eigentlich bin.
Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in solchen Momenten immer wie ein Teeny fühle.
Ich werde wohl zu den nächsten Konzerten einen Spiegel mitnehmen müssen… und wenigstens einmal hineinsehen…

Danke an Claudius, Bernd, Christian, Martin und nicht zuletzt Josh, der Michael Schwandt vortrefflich vertreten hat. Herzliches Danke auch an Quaster!

Den Kulturpalast möchte ich nicht unerwähnt lassen, es ist schön, dass auch nach dem Umbau derartiges möglich ist.
Allerdings hoffe ich, keiner der Stadtväter sitzt einmal dort ganz oben, wo ich saß!
Dann lieber "Kulti" geht es Dir an den Kragen, dann bekommst Du an jede Sitzlehne ein hohes Schutzgitter, damit kein Besucher in die vorderen Reihen fällt.
Nur 40 cm etwa ist die Lehne der vorderen Reihe hoch…
Als ich die Besucher da stehen sah, wie sie sich im Takt bewegten…, kam mir dieser Gedanke. WARUM wollt Ihr wissen?
Dem historischen Geländer der Albertbrücke in Dresden ging es auch so. Es war nicht hoch genug, obwohl es JAHRHUNDERTE GENAUSO überdauerte.
Und vor allem, keiner stellte es fest, BEVOR das Geländer wieder angebracht war!
30 cm an Höhe fehlten! Fazit, die Stadtväter ließen dahinter ein weiteres Geländer anbringen… Also Kulti, aufgepasst…, Du bist nun auch fertig umgebaut!!!


"Ihr lacht weil ich anders bin. Ich lache, weil Ihr alle gleich seid."
Kurt Cobain
zuletzt bearbeitet 17.11.2017 16:01 | nach oben springen

#2

RE: KARAT 16.11.2017 Kulturpalast Dresden

in Konzertberichte 2017 17.11.2017 19:35
von Mary | 233 Beiträge | 521 Punkte

Hier noch ein paar Fotos zum Konzert. Für die eher schlechte Qualität vieler Bilder möchte ich mich schon vorher entschuldigen. Wie gesagt, ich saß gaaaaanz oben.
Fotografieren von dort, ist etwa so, wie vom 2. Stock eines Wohnhauses auf die Straße. Das ist für meine Kamera sehr bedenklich...

Angefügte Bilder:
"Ihr lacht weil ich anders bin. Ich lache, weil Ihr alle gleich seid."
Kurt Cobain
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#3

RE: KARAT 16.11.2017 Kulturpalast Dresden

in Konzertberichte 2017 18.11.2017 10:47
von Kundi | 2.349 Beiträge | 5340 Punkte

Unsere Mary hat sich zurückgemeldet und das mit einem Paukenschlag von Bericht.
Ich freue mich sehr darüber.
Ganz lieben Dank für Deine Eindrücke, liebe Mary.

Gruß Kundi


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#4

RE: KARAT 16.11.2017 Kulturpalast Dresden

in Konzertberichte 2017 11.03.2018 14:53
von manu411 | 7 Beiträge | 16 Punkte

Ja, Mary es war ein schöner Abend.

Micha war Seite Oktober krank schwer Grippe krank. So wurde es auf der Pressekonferenz am 4.10. mitgeteilt, mit allergischem Schock und Fieber über 41!
Wer mich kennt, weiß wie ich gelitten habe bis zu diesem Donnerstag. Aber ich freute mich auf den Abend, da ich gespannt war auf Josch.
Für mich war die schönste Nachricht an diesem Donnerstag Abend, dass Micha wieder genesen ist. Auf Josch freute ich mich, ich hatte ihn in am 24.8.2012 in Weißenfels mit seiner als Vorband von KARAT erlebt.
Claudius erzählte, dass Micha Josch fragte, ob er ihn vertreten würde und Josch ermöglichte Micha von seiner Seite aus den Urlaub. Ich bin stolz darauf. Vor allem bin ich ihm unsagbar dankbar dafür.
Wie Mary schon schrieb das Publikum war jenseits der 60 vielleicht sogar jenseits der 70.
Es war ein toller Abend. Ich habe mich wohlgefühlt. In meinem Herzen trug ich Micha und vorallem meine Gedanken waren bei ihm. Es war mein erstes Konzert ohne Micha.
Ich habe Micha ein Versprechen gegeben, wenn er aufhört, ist auch für mich Schluss, denn mit ihm fing alles für mich an.

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