#1

CÄSAR - das Jahr Fünf danach - nämlich sind wir glücklich

in Bands, Musiker, Musikstile 23.10.2013 08:41
von HH aus EE | 840 Beiträge | 2050 Punkte

Cäsar – nämlich sind wir glücklich 3.10.2013

Das Telefon klingelt. Es ist frühmorgens, kurz nach Sieben und eine traurige Stimme am anderen Ende der Leitung sagt nur: „Heute Nacht ist er verstorben.“ Dann kommen die Tränen, ich kann sie nicht mehr halten, denn von nun an würde CÄSAR fehlen. Das war der Morgen vor fünf Jahren, am 23. Oktober 2008. Er hätte es so gerne gehabt, dass „es noch einmal rundelt“ und seitdem es bei mir gerundelt hatte, steht ein kleines Apfelbäumchen in meinem Garten. Sicher ist er dort, wohin ich auch noch komme. Doch vorher möchte ich, dass es auch bei mir noch mindestens ein Mal, besser zwei Mal, rundelt.

Fünf Jahre nach diesem Morgen ist er bei vielen noch immer so allgegenwärtig, als wäre er da. Nicht weil sie alle gläubig wären, sondern weil dieser Typ es geschafft hat, überall seine Spuren und seine Gedanken zu hinterlassen und weil diejenigen, denen er über den Weg lief, sich gern anregen und mitnehmen ließen. Mit solchen Geschichten, von Musikern, Weggefährten und Fans erzählt, könnte man sicher ein ganzes Buch füllen. Mit seinen Noten und Partituren sicher auch. Mit den vielen Fotos hätte man einen Bildband und für einen Dokumentarfilm würde es wahrscheinlich auch reichen. Dies alles wäre das etwas frischere Zeitenbild, der sicher etwas weitere Blickwinkel, als der beschränkte Focus, den die sensationsgeile und nach Geld gierende Journaille seither über der Rockmusik und deren Protagonisten im Staate DDR genüsslich ausschüttet. Als CÄSAR-ARCHIV wird dieser Fundus irgendwann der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Der Anfang dafür ist bereits gemacht.

Irgendwie, so scheint mir, ist es geschichtliche Tragik, dass uns noch immer bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit die staatlichen Repressalien und Auswüchse der DDR um die Löffel geballert werden, die vielen kleinen menschlichen Wunder und guten Taten vieler aber, die hier lebten und mit ihrem Schöpfertum jeden Tag neu ausfüllten, um ihn lebenswert zu gestalten, werden von dem einen Teil schlicht vergessen und vom anderen bewusst ignoriert. Nur einige „Unverbesserliche“ meinen stur, auch weiterhin ihre Sichtweise bewahren zu müssen, die Lebensleistungen von Menschen, wie PETER CÄSAR GLÄSER einer war, inbegriffen.

Deshalb ist CÄSAR für mich noch immer präsent. Mir hätte das auch mit jedem anderen passieren können, nur hat mich seit dem Ende der 60er Jahre keiner so sehr innerlich berühren können, wie er. Ich bin nun mal 1949 von meiner Mutter in dieses Land hinein geboren und von meinem Vater über die Jahre geprägt worden. Mit allen Widersprüchen, denen einer sich hier aussetzen und stellen konnte. Perfekt war ich dabei nie und klug scheißen war und ist auch nicht mein Ding. Wohl deshalb schwanke ich noch heute „zwischen Liebe und Zorn“, mag nicht blind mitjubeln, versuche auf meine Art anders zu gestalten und wenn es denn sein muss, werde ich „im Bauch des Riesen“ mit anderen ein wenig für Unruhe sorgen. Auch das hat CÄSAR vielen mit auf den Weg gegeben. So sehr ich die Ruhe schätze, so sehr braucht es Veränderung, um sie scheinbar zu erreichen.

Heute ist für mich so ein Tag der scheinbaren Ruhe. Ein Tag, an dem ich mir die Zeit nehme, darüber nachzudenken, ob „der Mensch des Menschen wert ist“ und was ich tun kann, damit ein Traum, der auch meiner ist, dass der „Mensch den Menschen ehren“ möge, einst wahr sein wird. Dies und noch viel mehr verbinde ich heute mit CÄSAR.
Ich verbinde es mit den Liedern, die er zur Gitarre sang und dem Gefühl, dass sie hier im Osten des Landes entstanden, weil sie, gewollt oder ungewollt, einen ganz intimen Teil der Denke hierzulande spiegeln. Hier wurden und werden sie gehört und eben auch verstanden und von vielen gefühlt. Einer bin ich, der im Jahre fünf nach seinem Tod heute, aber auch sonst, an CÄSAR und all die anderen „Renfts“ denkt. Und wisst ihr was, damit bin ich nicht allein. DANKE für die Unruhe, mein CÄSAR, und für die „Rose“ sowie das „Apfelbäumchen“ auch. Was dein Lied gesät, geht auf in fremden Köpfen, es findet Lachen, findet Weinen und nämlich sind wir glücklich.

Angefügte Bilder:
www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
zuletzt bearbeitet 23.10.2013 10:55 | nach oben springen

#2

RE: CÄSAR - das Jahr Fünf danach - nämlich sind wir glücklich

in Bands, Musiker, Musikstile 23.10.2013 09:47
von PMausM | 1.510 Beiträge | 3180 Punkte

Ich hatte mir schon gedacht, Hartmut würde heute an Cäsar erinnern. Ich selbst habe sein Schaffen nur die letzen zwei Jahre verfolgen können. Die Zeit war viel zu kurz.
Besonders ist er mir in Erinnerung geblieben durch seinen Auftritt in Mittweida mit Hans die Geige. Genau an dem Tag hab ich durch meine Freundin Hartmut kennen gelernt.


zuletzt bearbeitet 23.10.2013 10:55 | nach oben springen

#3

RE: CÄSAR - das Jahr Fünf danach - nämlich sind wir glücklich

in Bands, Musiker, Musikstile 23.10.2013 10:40
von Kundi | 1.951 Beiträge | 4470 Punkte

Ich habe so viele Erinnerungen an Cäsar und besonders an seine Konzerte. Manches verblasst leider im Laufe der Zeit. CÄSAR und seine Musik haben mich auch ein Stück weit geprägt. Er war kein abgehobener Star, sondern ein Mensch mit Stärken und Schwächen, wie wir alle.
Heute ärgere ich mich manchmal, dass ich erst sehr spät (Ende 2006) damit angefangen habe Konzertberichte zu schreiben und zu fotografieren. Der Auslöser in die Tasten zu hauen, war übrigens ein Konzert von CÄSAR UND DEN SPIELERN am 23.06.2006 in Singwitz.

CÄSAR hat tiefe Spuren in unseren Herzen hinterlassen. Es ist gut, dass es Menschen gibt, die sein Erbe bewahren und weitertragen.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 23.10.2013 10:55 | nach oben springen

#4

RE: CÄSAR - das Jahr Fünf danach - nämlich sind wir glücklich

in Bands, Musiker, Musikstile 23.10.2013 21:34
von Drachenuli | 704 Beiträge | 1513 Punkte

Ich bin nicht so gut im Fotografieren, und Konzertberichte schreiben, deswegen halte ich mich da auch meistens zurück.
Aber Cäsar vermisse ich am meisten, da mich seine Musik von Anfang an begleitete, seit ich 1977 13 Jahre alt war, und bei Karusell in der Linde Markkleeberg mein erstes Rockkonzert hatte. Also hat er mich 30 Jahre begleitet. Ich zog dann mit um zu Cäsars Rockband, die es leider nicht lange gab, denn Karussel gefiel mir nach Weggang von Cäsar und Oschek nicht mehr. Auch die Blankenfelder Boogieband und die AMIGA Bluesband mit Cäsar habe ich gesehen, und Cäsar und die Spieler I so gegen 1986 (war die Band von Cäsars älterem Sohn Robert), dann war er kurz vor der Wende weg nach Westberlin als Taxifahrer. Kurz nach der Wende war er wieder da mit dem superstarken Cäsar Trio mit dem fantastischen Volkmar Grosse, und Jürgen Schötz, das sich dann zu den Spielern II mauserte. Da faszinierte mich so, das er die besten Songs von Renft, Karussell, Cäsars Rockband, und den neuen Songs so gut mischte. Spieler III fand ich dann nicht mehr so doll, bin aber wegen Cäsar noch ein paar mal da gewesen. vergessen habe ich noch so gegen 96/97 die Auftritte mit der ehemaligen Renft Combo mit Pannach ohne Monster, da habe ich Ihn zum letzten mal mein Lieblingslied von Renft (zwischen Liebe und Zorn ) singen hören. Und sein Auftritt mit Andre Herzberg kurz nach der Wende in Leipzig. Auch bei seinem letzten Weihnachtskonzert 2007 im Anker war ich dabei, als auf einmal Oschek für 4 Songs mit auf die Bühne kam, die Stimme wie früher, merkte ich wieder schmerzlich, wie ich Karussell mit Cäsar vermisste. Kurz drauf machten die Ihr Comeback, ich bin wieder Ihr Fan, aber zu geplanten Auftritten mit Cäsar kam es leider nicht mehr. Hans Graf an der Gitarre,und Joe Raschke an Gesang, Mundi und Keyboard ersetzen ihn zwar gut, aber ich vermisse Ihn trotzdem.
Uli.

zuletzt bearbeitet 23.10.2013 23:07 | nach oben springen

#5

RE: CÄSAR - das Jahr Fünf danach - nämlich sind wir glücklich

in Bands, Musiker, Musikstile 24.10.2013 14:35
von HH aus EE | 840 Beiträge | 2050 Punkte

Mir geht es ähnlich wie Dir, Uli, was die vielen Stationen von Cäsar betrifft. An das Konzert zu Weihnachten 2007 mit den Spielern, als Oschek zu Cäsar auf die Bühne kam, kann ich mich auch noch gut erinnern. Plötzlich war das alte Gefühl aus den frühen Karussell-Zeiten, so wie ein Deju Vu, wieder da und viele hatten die Hoffnung, es würde weitere gemeinsame Aktivitäten geben. Es kam leider anders.

Ich kann mich auch noch gut an das Fanclub-Treffen 2008 in Torgau erinnern, als Cäsar und Simone plötzlich völlig unerwartet auftauchten. Damals hatten wir alle große Hoffnung, er würde die Krankheit überwinden können. Als Erinnerung an jenen letzten „öffentlichen Auftritt“ habe ich einige schöne gemeinsame Fotos und sehr persönliche Erinnerungen.

Anbei eines meiner Fotos von Cäsar & Oschek im Leipziger „Anker“, Weihnachten 2007.

Angefügte Bilder:
www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
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