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HEARTBEAT - HerzschlagGeschichten & Yeahsterday's Music

in Konzertberichte 2013 und älter 16.09.2013 19:35
von HH aus EE | 846 Beiträge | 2063 Punkte

HeartBeat & Yeahsterday ( 14.09.2013 )

Wenn man, so wie ich, ziemlich intensiv in der Musik“Szene“ unterwegs ist, lernt man allerlei Leute kennen. Man trifft welche, mit denen kann man sich, außer über die Puhdys, Renft und Diktaturen, auch ganz locker über Yes, Niemen, Weltpolitik, Literatur oder die Beatles unterhalten. Früher war so etwas völlig normal, da hat fast jeder Weltliteratur gelesen. Heute kann man solche Momente feiern und wenn man sich in einer kleinen Meute solcher Menschen bewegen darf, ist das ein Glücksfall. Dann kann es auch passieren, dass einem der Zufall so ganz nebenbei einen bis dahin unbekannten Musikliebhaber vorstellt. Genau das passiert mir manchmal und auf diese Weise habe ich auch Andrea getroffen.

Andrea hat eine besondere Vorliebe für die Beatles und die Musik der Fab Four. Sie hat diese Zeit, so wie ich auch, gelebt und knüpft noch heute viele schöne Erinnerungen daran. Wenn es sich anbietet, dann trägt sie auf sehr persönliche Weise einen Teil dieser Erfahrungen in unsere Tage. Besonders gut kann sie das schreibender Weise oder wenn sie von ihren Begegnungen mit Protagonisten der Beatlemania erzählt. Dann strahlen ihre Augen, dann spürt man ihre Begeisterung und man bekommt Lust, tiefer in dieses Umfeld, von Tony Sheridan bis Yoko Ono, einzutauchen. Die Vorhersehung hatte mich offensichtlich erhört und mir, im Namen von Andrea, eine Mail mit Anhang in mein Postfach gelegt: HeartBeat – Herzschlaggeschichten, also Liebesgeschichten; Autorenlesung mit Live-Musik. Deshalb fuhr ich nach Dresden.

Die Stadthalle Johannstadt befindet sich inmitten des Molochs, flankiert von, Etage für Etage in den Himmel gestapelten, Wohneinheiten mit Bäumen davor und der Elbe zu ihren Füßen. Wohnen möchte ich hier sicher nicht und deshalb bin ich von dem bunten Flachbau zwischen den Wohnklötzen auch überrascht. Drinnen ist es modern unterkühlt, geräumig und dennoch einladend. Das ist die nächste Überraschung. In einem kleinen Nebenraum mit Kinobestuhlung und Blick auf diverses Equipment einer Band, finde ich Platz und warte, bis sich der Raum langsam füllt. Die Band nennt sich OCTOBER AFTERNOON, wie ich an ihren T-Shirts erkennen kann, und sie eröffnet den Abend auch musikalisch.

Gedanklicher Ausgangspunkt der nun folgenden kurzen Lesebeiträge ist das kleine Taschenbüchlein „Yeahsterday – Stories In The Sky With Diamonds“, das bereits im Januar 2010 erschien. Hier kann man Geschichten von 31 Autoren nachlesen, die jene Zeiten der Beatlemania, jeder für sich, auf sehr individuelle Weise erlebt haben. Eine von ihnen ist die Dresdnerin ANDREA NOACK, die als erste am Tisch vor den Stuhlreihen Platz nimmt und uns ihre ganz persönliche und besondere Liebesgeschichte zur „Beatlemania in Dresden“ lesend miterleben lässt.
Sie sitzt da vorn und mir ist, als würde sie aus meinem eigenen Leben berichten. Wie sie von den vier Pilzköpfen in Liverpool erfährt, der ständige Austausch von Neuigkeiten und wie sie mit langen Ohren am Radio saß, um die neuesten Songs der Fab Four zu erhaschen. Das alles kenne ich auch, nur dass ich mir das im „Tal der Ahnungslosen“ noch viel schwieriger vorstelle. Ich lausche ihren Worten, als sie von Begegnungen mit Menschen aus dem Beatles-Umfeld erzählt und ein wenig beneide ich sie darum, das erlebt zu haben. Es ist toll, wie sie das da vorn meistert und nichts ist von der Aufregung zu spüren, die sie noch Minuten zuvor kaum verbergen konnte. Respekt.

In der kurzen Pause zwischen Andrea’s Beitrag und dem nächsten Autor, gibt es Musik der BEATLES live auf die Ohren. Die Band OCTOBER AFTERNOON spielt „Lady Madonna“ und in den Reihen wippen die Köpfe im Takt der Musik mit. Man merkt sogar noch Jahrzehnte danach, was für eine Faszination in dieser Musik steckt, selbst dann, wenn sie „nur“ von Amateuren, aber mit Hingabe gespielt wird.

Der nächste am Tisch ist WOLFGANG KIRSCHNER, der eine Liebesgeschichte erzählt, wie sie wirklich nur das wahre Leben schreiben kann. „Death Of A Lady’s Man am Valentinstag“ muss man von ihm lesend gehört haben, um nachvollziehen zu können, wie jemand am Tag der Verliebten Schluss mit seinem Mädchen machen möchte und wie es zu einem Schluss kommt, den er nicht vorausahnen konnte. Ich habe mich über diese Geschichte von Molly, zwischen Möbelhäusern und katholischen Mädcheninternat, im ehemaligen Westen köstlich amüsiert.
Im Anschluss daran spielt OCTOBER AFTERNOON diesmal „Hallelujah“, eine wunderschöne Nummer von Leonard Cohen, von dem ja zumindest die Überschrift adaptiert wurde. Was Cohen ansonsten noch damit zu tun hat, muss der Leser entweder selbst lesen, aber eben nicht hier, oder sich vom Autor WOLFGANG KIRSCHNER erzählen lassen.

Eine Liebesgeschichte in blau und weiß erzählt „Verliebt auf Schalke“, gelesen von ELKE SCHLEICH. Eine gefühlte erste Halbzeit lang höre ich von den Träumen eines Mädchen zwischen Musik von den Stones oder den Lords und den Toren auf Schalke. Mit Fanutensilien, Schal um den Hals und Mütze auf dem Kopf, so begeistert sie die Zuhörer und diejenigen, die etwas mehr vom Fußball verstehen, als ich. Als krönenden Abschluss spielt die Band jetzt – natürlich – „Poor Boy“ von den Lords und auch diesmal zuckt und ruckt es in den Reihen.

Die nächste Autorin, BETTINA BUSKE, verpackt ihre Liebesgeschichte in eine moderne Märchenversion von Rapunzel im Turm und der Wirtin vom Gasthof „Zum Prinzen“ sowie deren Mann. Wären die Orte ihres Spiels nicht so märchennah, könnte ich mir sie auch glattweg im Heute vorstellen, so geschickt ist diese kleine Liebesgeschichte gewoben, deren erstaunlicher Ausgang natürlich auch ganz anders daher kommt, als im richtigen Märchen, denn „die Guten sind ja alle schon weg“, wie sie meint. Den musikalischen Epilog liefert passend dazu wieder die Band OCTOBER AFTERNOON mit Karat’s „Märchenzeit“.

Als letzter Autor präsentiert HOLGER DITTMANN mit „Yeah! Yeah! Yeah!“ eine skurrile Geschichte zwischen den HäuserMauern von Berlin und als vorläufig letzter Song erklingt „A Hard Days Night“ von den Beatles. Der Kreis ist hier geschlossen und der erste Teil des Abends erfolgreich beendet. Immerhin sind inzwischen gut 90 Minuten verstrichen.

Die nachfolgende Pause nutzen viele, um sich am Tresen mit Getränken und Wiener Würstchen zu versorgen. Auf unserem Tisch stehen Gläser mit Weißweinschorle und Wasser, daneben eine frische Bretzel und später noch eine. Es folgt eine kurze Auswertung des gehörten, denn ANDREA NOACK ist für einige Minuten an unseren Tisch gekommen. Später sitzen hier zwei nette Ladies und eine von Ihnen stellt sich mit dem Namen Schikora vor, leugnet aber jede Verwandtschaft, denn, wie sie uns glaubhaft versichert, kennt sie den Uve nur vom Hörensagen.
Inzwischen haben sich die Herren von OCTOBER AFTERNOON draußen im Foyer aufgebaut und nun beginnt die Party zu den Klängen von „Sunny Afternoon“, einer alten Kinks-Nummer. Es folgen Songs wie „Venus“ (Shoking Blue), „All Or Nothing“ (Small Faces) und “Hold Tight” (Dave Dee & Co.) Kein Wunder, dass die Tanzfläche binnen weniger Sekunden voll ist. Nur ich sitze allein vor meinem Glas Wasser und versuche, die Müdigkeit der vergangenen kurzen Nacht zu unterdrücken. Keine Chance.

Die Band OCTOBER AFTERNOON musiziert auf einem kleinen Podium. Vorn an die Kante hat ANDREA eine brennende Kerze gestellt. Die dort spielen sind Freunde, ehemalige Klassenkameraden von der gleichen Schule, die auch ANDREA besuchte. Seit mehr als 45 Jahren rocken sie gemeinsam auf den Bühnen, spielen Songs ihrer Idole. Erst vor wenigen Wochen musste einer von ihnen völlig unerwartet gehen. Der Schock war wohl sehr groß.
Vor der Kerze stehend denke ich an CÄSAR, JOHN, an GEORGE sowie an TONY SHERIDAN und in meinem Kopf höre ich ANDREA’s Worte, als sie nach der Lesung aus „The End“ der Beatles von der „Abbey Road“ zitiert:

„And in the end
The love you take
Is equal to the love
You make“

Angefügte Bilder:
www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
zuletzt bearbeitet 16.09.2013 19:39 | nach oben springen


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