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ROBERT PLANT nun auch 65

in Bands, Musiker, Musikstile 20.08.2013 18:57
von HH aus EE | 846 Beiträge | 2063 Punkte

Robert Plant nun auch 65 ( 20.08.2013 )

Der Mann ist mir ungemein sympathisch. Nicht nur, weil er Stimme, optisches Aushängeschild und Texter von LED ZEPPELIN war und mit dieser Band dem Blues ein zweites Leben zur Seite stellte, um auf diese Weise Generationen von Sängern, Musikern und Fans inspirierte, sondern vor allem auch deshalb, weil er sich bisher aus Überzeugung standhaft weigert, eine Re-Union von LED ZEPPELIN aus reinen Geldgründen zuzustimmen und diese oft mit der Bemerkung kontert: „Bloß nicht in der Vergangenheit leben!“ Für den Mann mit den schulterlangen Locken zählen Gegenwart und Zukunft und nicht der Blick zurück in längst vergangene Zeiten, auch wenn sie noch so schön und voller Erfolg waren. Zurück blicken ja, aber dennoch nach vorn schauen – eine Lebenseinstellung, die mir selbst sehr nahe kommt.

Der Blick zurück zeigt die Geschichte von den NEW YARDBIRDS, die sich aus rechtlichen Gründen in LED ZEPPELIN umbenannten und Rockgeschichte schrieben. Den meisten sind die großen Hits zwischen „Whole Lotta Love“ und „Stairway To Heaven“ bekannt. Die eher unscheinbaren Perlen jedoch, wie das Boogie- Stück „Trampled Under Foot“ oder „Bron-Yr-Aur“ aus dem Doppel-Album „Physical Graffity“ (1975) sind den eingefleischten Fans, die den Blues und Boogie zugetan sind, viel lieber, als die Chart-Stürmer von LED ZEP. Ich persönlich mag außerdem die ungeheure Wucht von „Achilles Last Stand“ und das dazu gehörige Album „Presence“ (1976).
Die Band agierte wie eine verschworene Gemeinschaft von Freunden, wie es JIMMY PAGE mal formulierte, und deshalb ist es kein Wunder, dass nach dem Tod des Schlagzeugers JOHN BONHAM, am 25.09.1980, die Band äußerte, ohne ihn nicht mehr weitermachen zu können und auch nicht zu wollen. Dieser Einstellung blieben sie, trotz einiger gemeinsamer Produktionen und seltener Auftritte, bis heute treu.

Fortan gingen die drei verbliebenen Musiker eigene Wege. ROBERT PLANT startete eine Laufbahn als Solist und veröffentlichte 1982 das Album „Pictures Of Eleven“ dem bis heute neun weitere reine solistische Projekte ohne JIMMY PAGE oder JOHN PAUL JONES folgten. Herausragend aus meiner persönlichen Sicht sind „Now And Zen“ (1988) sowie “Fate Of Nations“ (1993), bei denen sich die große Bandbreite, die es schon bei LED ZEPPELIN gab, widerspiegelt, die PLANT jedoch immer mit neuen aktuellen Facetten ergänzte, indem er sie in seine eigene Musik einfließen und sich von der Zusammenarbeit mit anderen Musikern inspirieren ließ. Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung scheint mir das wunderschöne Album „Raising Sand“ (2007) zu sein, das in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Bluegrass – Ikone ALISON KRAUSS entstand und eine weitere neue Seite des Sängers ROBERT PLANT offenbart. Die Kollaboration beider ist quasi ein Treffen in der Mitte, bei dem der erfahrene ex-Shouter seine sanfte Seite zum Tragen bringt, während die Amerikanerin über die Grenzen des Bluegrass hinaus mit deftigeren Tönen brilliert. Entstanden ist eine Scheibe voll schöner Roots-Musik, die solche alten Perlen wie „Your Long Journey“ in völlig neuem Glanz erstrahlen lässt. Diesen Weg, weit weg von der Erfolgsspur des alten Zeppelins gegangen zu sein, macht den Sänger und neugierigen Sucher PLANT ein weiteres Mal sympathisch. Sein vorläufig letzter Coup ist „Band Of Joy“ (2010), in dem der Sänger eigene Interpretationen von Songs zum Klingen bringt, die ihm, quer durch die Musikgeschichte, nahe sind und die er mit der ihm eigenen Intensität neu und anders interpretiert.

Im Jahre 2012 habe ich mit einem Kumpel im Kino von Riesa gesessen und mir den Film „Celebration Day“ angesehen. Es muss die Menschen im Stadionrund schlicht umgehauen haben, diese drei Heroen des Rock mit dem Sohn von JOHN BONHAM, JASON, an den Drums noch einmal live und in voller Länge erlebt zu haben. Mir im Kinosessel, und später vor der heimischen Flimmerkiste noch einmal, ging es jedenfalls so. Mir war schlagartig klar, dass ich etwas sah, das ich nie erleben durfte und – wahrscheinlich – auch nie erleben werde. Eigentlich schade, glaube ich, und dann denke ich mir mit meinen bald 64 Lenzen, dass jemand mit 65 kaum großen Drang verspüren dürfte, noch einmal, als wäre er Mitte 30, während einer Live-Tour wirken zu wollen. Warum auch. Eine Legende bleibt nur dann eine solche, wenn sie nicht zu ihrer eigenen Parodie auf der Live-Bühne, und das nur des Geldes wegen, wird. Das sollen sie anderen überlassen und um Himmels willen mit 65 nicht plötzlich der Eitelkeit anderer erliegen!

Bleibe bitte der, der Du bist und fang’ ja nicht doch noch an, in der Vergangenheit zu musizieren, so verlockend diese Vorstellung auch sein mag. Ihr habt der Musikwelt mehr gegeben, als andere nach Euch jemals imstande sein werden. So soll es auch in Zukunft bleiben und deshalb in diesem Sinne, herzlichen Glückwunsch ROBERT PLANT zum heutigen 65. Geburtstag – it’s your celebration day.

Angefügte Bilder:
www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
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