#1

The FUCKING BUCKAROOS mit Bluegrass-Speed-Punk in OSL

in Konzertberichte 2013 und älter 11.08.2013 19:16
von HH aus EE | 846 Beiträge | 2063 Punkte

The Fucking Buckaroos live - Bluegrass-Speed-Punk in OSL ( 10.08.2013 )

Who the fuck is a buckaroo? Das war die Frage, als ich diese Wortkombination zum ersten Mal las und dann dachte ich an Smokie und „Alice“. Woran sonst. Doch im gleichen Augenblick kam der Gedanke, dass da sicher nichts dran wäre. Ist es auch nicht, denn Alice ist nicht in San Francisco, Kalifornien, zu Hause. Dort findet man bestenfalls ein paar verrückte, „durchgeknallte Cowboys“, sprich die FUCKING BUCKAROOS.
Die meinen ihr musikalisches Treiben vielleicht ein wenig ironisch und nicht ganz so ernst, wie das voran gesetzte „fucking“ vermuten lässt und es hat bei Weitem nichts damit zu tun, was da gleich viele denken. Und weil das so ist und in mir eine versteckte Liebe zum Bluegrass und Country in der Art der NITTY GRITTY DIRT BAND steckt, bin ich sofort neugierig geworden und kurz entschlossen in den „Real Music Club“ nach Lauchhammer gefahren. Wieder einmal das „Wagnis“ einer mir bisher völlig unbekannten Band. Die einheimischen kann ich hier quasi fast jedes Wochenende haben, falls ich denn möchte. Ob die „verrückten Cowboys“ jemals noch einmal aus dem fernen Kalifornien nach OSL (wie: Oh Scheiße Lauchhammer, meinte einst meine Tochter) kommen, darf bezweifelt werden und wenn schon Deutschland, dann aber sicher nicht mehr OSL oder gar EE.

Wenn man nach Lauchhammer-Ost kommt - nein, keine vergessene Enklave, das heißt so – steht man nach einigen Kurven vor dem Haus, in dem seit 2005 der REAL MUSIC CLUB sein Domizil hat. Die Ecke des Hauses schmückt ein großer Hinweis auf die Örtlichkeit und oben darüber prangt in voller Schönheit ein neosozialistisches Wandbild in Putz. Dort war einstmals ein Wirtshaus mit Tanzsaal und seit dem Start der DDR, so um 1950, eine katholische Kirche mit allem Drum und Dran beheimatet. Was für eine sozialistische Metamorphose weit weg von (Ost)Berlin! Hier, im Niemandsland zwischen Sachsen und Brandenburg, sagten sich nicht nur Fuchs und Hase „Gute Nacht!“, sondern manchmal auch der Pfarrer und der Parteisekretär.
Im Innern ist dort, wo lange Zeit die Kirchenorgel thronte, eine Galerie, von der man das Geschehen auf der kleinen Bühne einsehen kann und an den Seiten laden die stilvoll, im amerikanischen Stil gestalteten, beiden Bars zum Verweilen ein. Wer mag, kann von dort aus und mit einem Bier in der Hand, die Shows der Abende verfolgen.

Manchmal bekommen hier junge Künstler die Chance, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Diesmal sitzen zwei zarte Ladies mit Akustikgitarren auf der Bühne. Das junge Duo JeM69, MELANIE FISCHER und JENNY UMLAND aus Lauchhammer, spielt ganz eigene Versionen ihrer Lieblingslieder zwischen Sportfreunde Stiller und anderen deutschen Pop-Idolen, mit denen deren „Ellis“ nicht viel anfangen können. Jedenfalls geht es mir während des sitzenden Auftritts so. Dennoch, Hut ab, sich da vorn den kritischen Blicken auszusetzen und Kompliment dem Club-Team, das ihnen die Möglichkeit dafür gab.

Der Wechsel der Akteure ist gleichzeitig auch ein sTiLbRucH. THE FUCKING BUCKAROOS sind sieben Musiker und sieben gänzlich unterschiedliche Typen. Vielleicht auch ein Spiegelbild ihrer Heimatstadt San Francisco. Die Amis sind eine Mixtur aus Gaucho, Hippy, Folkie, Rocker und einem Ausgeflippten, nur mit Slip und Hemd bekleideten. Auf dem Hinterteil das Stars Spangled Banner und vorn steckt, frei nach Mick Jagger, zusätzlich ein Handtuch drin, das er später auch benutzen wird – „who the fuck is a buckaroo“? Da glotzt der gute alte Punk aus allen Poren. Die Stimmung ist aus dem Stand locker und als er dann noch der Aufforderung „shake your ass“ gern nachkommt, tobt die Menge zu den ersten wilden Takten der Musik.

Die wilde Show der sieben Amis beginnt, zumindest für mich, mit einer Überraschung. Den alten Hank Williams – Klassiker „I Saw The Light“, der schon über 60 Jahre auf dem Buckel hat, hätte ich hier und jetzt nicht erwartet und schon gar nicht in diesem höllischem Tempo. Die machen aus dieser Gospel –Hymne, die auch Johnny Cash gern gesungen hat, eine Nummer, die an Trash & Punk erinnert, ohne den Gospel völlig auszulöschen. Ich bin total begeistert und ehe ich mich noch recht besinnen kann, schieben sie das 70 (!) Jahre alte „Danville Girl“ von Woody Guthrie hinterher, ohne dabei vom Gas zu gehen. Das nenne ich mal Traditionspflege, ohne den Staubwedel zu nehmen. Klasse gemacht!

In der ersten Reihe geben TIM SANDBERG mit seinen flinken Finger am Banjo sowie RICHARD PUGH mit seiner Gitarre den Ton und den Speed vor und, wenn ich das richtig geschnallt habe, heißt der Mann mit den Knöpfen am Akkordeon und den spanischen Vokalisen, die keiner versteht, RODRIGO CALVO-LENI, der mit seinem Hut, und dem vom Schweiß getränkten Hemd, an die Cauchos erinnert.
Die drei geben das Höllentempo vor und werden dabei aus dem Hintergrund von ANDY „Apfelbaum“ APPLETON an den Drums zusätzlich getrieben. Die Band erinnert mich mit ihrer ungestümen Art recht schnell an die frühen Pogues. Auch die Bierflaschen zwischen den Kabeln sind ein Zeichen dafür, dass die Jungs nach deren Vorbild außer Musik auch noch prima Party machen können.

Ich denke, die Band holt sich ihre Anregungen aus den frühen Country-Songs sowie dem Bluesgrass und verpasst beiden mit einer Menge Spaß, viel Speed und dem Nachhall des Punk ein frisches Outfit. Aber das ist nur die eine Seite der Wahrheit. Auf der anderen sind ihre eigenen Songs, die sie mit im Gepäck haben und die man als CD oder Vinyl „Fucking Buckaroos II“ käuflich erwerben kann. Und so streuen sie zwischen die alten Klassiker auch ihre neuen Lieder wie „Toto James“ oder „The 29“ und überraschen dabei schon auch mal mit zarten romantischen Walzertönen, wie bei „Ya Despnes“ (?), das der Mann am Bass und dem Americana-Slip geschrieben hat.
Immer, wenn ich mir denke, jetzt läuft die Show einfach so weiter, schaffen die „glorreichen Sieben“ da vorn einen neuen sTil-bRucH. Entweder wird das Tempo neu angeheizt oder sie überraschen die Leute im Saal mit der Ballade vom „Casey Jones“ als Punk-(mit)Gröhler. Prompt wird der Refrain mitgesungen und wenig später bei „Down By The Riverside“ traut man sich vereinzelt gar zu tanzen. Zwischendurch wird auch auf der Bühne gehüpft und herum gesprungen sowie ordentlich geblödelt, als wolle man uns steife Deutsche daran erinnern, dass Musik eine Menge mit Lebensfreude zu tun hat. Recht so!

Jedenfalls staune ich nicht schlecht, wie die sieben „Verrückten“ dieses Tempo, das Springen und nebenbei auch noch trinken, schlappe 90 Minuten durchhalten, ohne wirklich Luft holen zu müssen. Vielleicht liegt es an der Luft in San Francisco, vielleicht aber auch schlicht nur daran, dass Musik wirklich zu deren Lebensgefühl gehört und nicht vordergründig als Karrierepflicht erkannt wird. Daraus hat sich ihr eigener Stil, so eine Art Punk-Rock & Americana entwickelt, der rasend schnell und mit viel Spaß über die Rampe kommt. Der besondere Sound entsteht durch die Mixtur von Banjo, Akkordeon und Trompete und vielleicht klingeln ja sogar beim Altmeister Herb Alpert, mit seinem Tijuana – Brass, die Ohren.

Noch einmal gelingt es den FUCKING BUCKAROOS mich zu überraschen und als sie ihre Version von „Will The Circle Be Unbroken“ schmettern, weiß ich, dass diese Entscheidung heute genau die richtige war. Die Jungs da vor mir sind zwar eine ganze Generation jünger, wissen aber sehr genau, in wessen Tradition sie stehen und die pflegen sie auf eine sehr schöne und persönliche Art. Mit zwei Stücken vom aktuellen Album, „Excelsior“ und „Shotgun Slade“, wollen sie dann die Show beenden, aber das aufgeheizte Publikum macht da nicht mit. Es gibt noch einige Zugaben, aber dann verabschieden sich die FUCKING BUCKAROOS vor ihrem Rückflug nach Kalifornien mit dem letzten Song „Heading Back (To San Francisco)“, einer wunderschönen Ballade, die ganz zum Schluss doch noch einmal richtig explodiert. Nach einem Instrumental für Trompete, das wieder sehr nach Tijuana - Sound klingt, ist dann endgültig und leider alles vorüber. Wirklich schade.

Einerseits ist es wirklich schön, die großen Helden von Crosby, Stills & Nash sowie Bob Geldof bis hin zu Steve Winwood, so ein Auszug meiner letzten Wochen, noch live erleben zu dürfen. Andererseits besteht der Reiz dieser kleinen Club-Konzerte mit völlig unbekannten Namen darin, dass man seinen eigenen Erfahrungshorizont wieder ein wenig in die Ferne rücken kann. Mal davon abgesehen, dass diese Musikergeneration auch noch richtig am Kontakt mit Fans und Publikum Interesse hat. Gerade letzteres genieße ich wieder nach diesem Abend und nutze die Gelegenheit für kurze Gespräche. Morgen sitzen THE FUCKING BUCKAROOS im Flieger nach San Francisco und ich lege dann das neu erworbene Vinyl auf, um mich zu erinnern und zu erfreuen. Vielleicht aber, trifft man sich ja doch wieder, irgendwo und irgendwann – wish it should be soon.

Angefügte Bilder:
www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
zuletzt bearbeitet 11.08.2013 19:22 | nach oben springen

#2

RE: The FUCKING BUCKAROOS mit Bluegrass-Speed-Punk in OSL

in Konzertberichte 2013 und älter 11.08.2013 22:51
von Baum (gelöscht)
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Hallo HH aus EE. Schöner Bericht und danke für das vorstellen dieser Band. Aber was ist denn mit den Fotos los? Die Fotos sind so unscharf und es sieht so aus als wäre die Kamera mal nass geworden. Als mir das passiert ist, sind meine Fotos auch so gewesen

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#3

RE: The FUCKING BUCKAROOS mit Bluegrass-Speed-Punk in OSL

in Konzertberichte 2013 und älter 12.08.2013 08:11
von HH aus EE | 846 Beiträge | 2063 Punkte

Mit den Fotos ist eigentlich gar nichts los, lieber Mike. In solchen kleinen Live-Kneipen mit diffusem Licht überall und einer gelb/rot-Mischung direkt von der Bühne, bin ich schon glücklich, mit meiner kleinen Knipse überhaupt etwas sichtbar machen zu können. Und dann strahlt da noch die ganze Zeit der Schriftzug REAL MUSIC CLUB von ganz hinten. Da hat man selbst mit einer guten Kamera Probleme, wie ich von Profis weiß. So gesehen bin ich ganz zufrieden mit dem Ergebnis, mal davon abgesehen, dass ich an keinem Fotowettbewerb teilnehmen, sondern "nur" neugierig machen möchte und das scheint ja so halbwegs gelungen. DANKE für Dein Interesse und den Hinweis.


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