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Egon Linde und Freunde - TRANSIT unplugged am 18.11.2011 im „Alten Teichhaus“ zu Ottendorf-Okrilla

in Konzertberichte 2013 und älter 19.07.2013 05:06
von Kundi | 2.002 Beiträge | 4582 Punkte

Wieder ein Bericht aus meiner persönlichen Mottenkiste. Es war und ist bisher mein einziges Transit-Konzert gewesen für das Egon Linde die Akustikgitarre ausgepackt hat.

Es müsste viel mehr Leute vom Schlage eines Eckhard "Eggi" Proschmann geben. Eggi ist der Wirt vom schönen Landhotel „Altes Teichhaus“ in Ottendorf-Okrilla. Nun ist so ein Hotel an und für sich nichts Besonderes. Für jemanden wie mich, der eigentlich in der Nähe wohnt, schon mal gar nicht. Aber der Eggi hat auch ein Herz für gute Musik und mehrmals im Jahr laufen im Teichhaus Konzerte mit Künstlern, die mitunter auch mich interessieren. Gute Veranstalter und Auftrittsorte kann es meiner Meinung nach gar nicht genug geben. Wie komme ich von Herrn Proschmann jetzt unauffällig zum Thema dieser kleinen Lektion in Sachen Livemusik? Vor Urzeiten hatte die Gruppe Transit mal so einen Gastwirt im Lied „Heinrich der Kneiper“ porträtiert und die Atmosphäre bei den Konzerten in den Sälen von Sassnitz bis Suhl beschrieben. Ältere Musikfreunde werden sich sicher daran erinnern. Nun ist Eggi nicht Heinrich und die Gaststube des „Alten Teichhauses“ hat gar nichts mit den dunklen Räucherhöhlen meiner Jugendzeit zu tun. Doch der Kneiper Proschmann und die Musik des Abends schlagen für mich trotzdem irgendwie die Brücke vom Gestern ins Heute.
Das weiter auszuschmücken bleibt eurer eigenen Phantasie und eventuell euern Erinnerungen überlassen. Ich bin jedenfalls gerne bei Eggi und eigentlich ist er ein Original für sich. Er hat immer einen kessen Spruch auf den Lippen und wir haben bei ihm schon tolle Abende erlebt. Natürlich möchte ein Gastwirt gerne Geld verdienen. Das ist auch völlig legitim. Aber im „Alten Teichhaus“ stimmt wenigstens noch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich habe dort nie das Gefühl abgezockt zu werden. Über den Eintrittspreis für die Mugge und die Kosten für Speisen/Getränke kann man wirklich nicht meckern. Das ganz Spezielle am Teichhaus ist aber dieser kleine, fast familiäre Rahmen bei den Konzerten. Wenn ich an anderen Orten eine Zuschauerzahl zwischen 20 und 40 Leuten als Ärgernis empfinde, im Teichhaus finde ich es gerade deswegen so angenehm. Habt ihr schon mal ein Wohnzimmerkonzert erlebt? So ähnlich fühlt sich das im Teichhaus während der Muggen oft an.

Den Abend des 18.11.2011 hatte ich mir extra für das „Alte Teichhaus“ und die Gruppe Transit freigehalten. Nach anderen Muggen habe ich da im Netz gar nicht erst geäugt. Zurzeit lasse ich es livemusikalisch gesehen sowieso aus verschiedenen Gründen etwas ruhiger angehen. Das Leben ist eben kein rosafarbener Ponyhof und es schadet mir offensichtlich auch nicht, dass ich momentan etwas weniger auf Tour bin. Zumindest habe ich deswegen keine bösen Veränderungen an mir bemerkt ;-). Natürlich hatte ich mächtige Hummeln im Hintern und deshalb brach ich auch besonders zeitig Richtung Ottendorf-Okrilla auf.
Auf der bundesdeutschen Autobahn 4 herrschte das übliche Freitag-Chaos. Man macht sich ja so seine Gedanken wenn man unterwegs ist. Dass die Bundesautobahn 4 eine Transit-Autobahn ist fiel mir zum Beispiel ein. Die BAB 4 führt ja von Aachen an der holländischen Grenze bis Görlitz. Wer also von Holland über diese Piste bis nach Polen oder sogar noch weiter gen Osten fährt, durchquert Deutschland im Transit. Die vielen ausländischen Kfz-Kennzeichen waren nicht zu übersehen. Ich fühlte mich aber auch als Transit-Reisender, denn ich fuhr ja zu einem Transit-Konzert. Übrigens habe ich während der Fahrt auch den einen oder anderen Ford Transit gesehen und es waren unter den hunderten Reisenden sicher auch ein paar Leute dabei, die den Roman „Transit“ von Anna Seghers gelesen haben.
Es ist sogar möglich, dass einige von ihnen mal mit der Fluggesellschaft Air Transit bis nach Kanada geflogen sind. Aber genug von solchen Gedankenspielen.

Gegen 18.15 Uhr erreichte ich das Landhotel „Altes Teichhaus“ in Ottendorf-Okrilla. Ich war sehr gespannt, wer von der Band zusammen mit Egon Linde auftreten würde, denn das Konzert war als unplugged-Mugge in Trio-Besetzung angekündigt. Das Rätsel löste sich sogleich, denn die Musiker waren gerade beim Soundcheck. Gemeinsam mit Egon würden also Hartmut Hecht und Hans-Jürgen Beier musizieren. Was ich in diesen ersten Minuten hörte, klang schon mal sehr frisch und spannend. Die Herren waren wieder überaus gründlich bei der Sache und sie ließen nicht locker bis der Sound ihren Vorstellungen entsprach. Es waren noch gut 2 Stunden Zeit bis zum Konzert und daher gab es noch reichlich Gelegenheit um mit den Jungs ins Gespräch zu kommen. Gegen 20.30 Uhr begrüßte Egon die erschienen rund 20 Gäste per Handschlag. Das war ein schöner Gag am Rande, aber was dann folgte war schlicht ein akustisches Transit-Feuerwerk der allerbesten Qualität. Für Egon, Hartmut und Hans-Jürgen war es die Premiere als “Akustiker“. Bisher erlebten wir die Band ja immer sehr rockig. Übrigens erklärte der Herr Linde uns als erstes scherzhaft, dass er ohne Plektrum spielt und dies also faktisch ein unPlektred-Konzert wird und ansonsten unplugged-Muggen heutzutage sowieso überwiegend mit elektrischer Verstärkung gespielt werden. Da hat er natürlich Recht.

Der Egon ist für mich das beste Beispiel dafür, dass man sein ganzes Leben im Herzen ein Rocker bleibt, ob man will oder nicht. Ich erinnere nur mal an die beiden Interviews mit Herrn Linde in den Jahren 2008/2009 bei www.deutsche-mugge.de und was seit dem 12. Juni 2009 so alles bei Transit passierte und noch passieren wird. Die Band beeindruckt und überrascht mich persönlich immer wieder, weil sie immer wieder was Neues aus dem Ärmel zaubert. Trotzdem jagen die Musiker keinem Zeitgeist nach, sondern halten den „alten“ Qualitätsanspruch an Musik und Texte hoch. Diese handgemachte deutsche Rockmusik aus dem Hause Transit mit den nachvollziehbaren Texten begeistert mich ja seit Jahrzehnten. Auch träumen ist bei einigen Liedern der Band durchaus erlaubt. Im Vergleich zu den Konzerten mit dem lauten und großen Besteck haben die Jungs bei ihrer ersten offiziellen unplugged-Mugge gar nicht so viel anders gemacht und trotzdem ein neues Klangerlebnis geschaffen. Die Band spielte völlig ohne E-Gitarren, Bass und Schlagzeug, dafür aber mit Akustikgitarren, Cajón und zeitweilig Keyboard. Ich glaube, ich hatte bis dato den Egon noch nie live mit einer akustischen Klampfe erlebt. Für mich kann ich sagen, dass es trotzdem sagenhaft schöne neue Transit-Töne waren und es war ganz leicht sich auf diesen neuen Sound einzupegeln. Übrigens hatte der eigentliche Drummer Hans-Jürgen Beier noch nie so schnell seine Arbeitsgeräte aufgebaut, wie hier in Ottendorf-Okrilla. Zu so einer kleinen Holzkiste ist ja auch nicht viel dazu. Egon Linde führte angenehm unaufgeregt und locker durch das Programm und mit seiner unverwechselbaren Gesangsstimme verzauberte er die Zuhörer natürlich auch. Egon erzählt ja zu den Titeln auch oft etwas über den Hintergrund oder die Entstehung. So erzählte er auch, dass das neue Album immer mehr Gestalt annimmt und wahrscheinlich „Transit – das ist unser Leben“ heißen wird. Die Setlist war gespickt mit wunderbaren Perlen aus alten und ganz neuen Transit-Zeiten. „Back Again“ war der Einstieg in das abendfüllende zweigeteilte Konzert. „Heinrich der Kneiper“, „Musiker mit Haut und Haar“, Rock’n Roll Zigeuner“ waren die nächsten Stationen der akustischen Transit-Reise. Die wunderschöne Ballade „Der Junge sitzt am Ufer“ verleitet mich unweigerlich dazu den angestaubten Lindenberg-Linde-Vergleich mal wieder hervorzukramen. Aber es ist einfach ein Fakt, dass das Lied genauso auch aus der frühen Udo L.-Zeit stammen könnte und den alten Hutträger mag ich ja auch ganz gerne.

Natürlich mag ich viele Titel von Transit, aber so richtig klappte mir das erste Mal an diesem Abend bei „Das Meer ist ganz anders“ runter, weil Egon’s akustische Klampfe einfach göttlich klang. Wenn ihr das Original von der letzten CD oder von den Konzerten her noch im Ohr habt, dann versucht euch mal vorzustellen, wie es nach dem schifferklaviermäßigen Intro mit akustischer Klampfe weitergehen könnte. Ich konnte mir das vorher jedenfalls nicht vorstellen, aber ich bin da ja auch kein Experte.

Es gab zwischendurch eine 15-minütige Pause und die dauerte wirklich nur die versprochene Viertelstunde lang. Wie der Lehrer in der Schule rief Egon uns nach Ablauf der Pause wieder an unsere Plätze. Ja, der Herr Linde hat eben auch Humor und ich fand das wirklich witzig.
Natürlich bauten die Jungs mit der Auswahl und Platzierung der Lieder in den Ablauf des Gig’s geschickt einen Spannungsbogen auf von dem sich das Publikum auch gerne mitreißen ließ. So kamen im zweiten Teil dann auch die beliebtesten Klassiker wie „Bernsteinhexe“, Hildebrandslied“ und „Ein Mädchen wie du“. Seien wir doch mal ehrlich, wer denkt beim sentimentalen „Mädchen“-Lied nicht an eine bestimmte Frau aus den eigenen Jugendtagen. Mir geht es jedenfalls so. „Burn out“ mit der so bedrohlich klingenden Orgel wirkte im zarten Akustikgewand noch intensiver als bei den Laut-Konzerten auf mich. Ach so, 2 ganz neue Titel gab es obendrein auch noch. Ich zumindest hatte die „Inselträume“ und das Lied vom „Rockmusiker“(ich weiß nicht wie der Song richtig heißt) vorher noch nicht gehört. Das zuletzt genannte Musikstück könnte sich meiner Meinung nach aber schnell zu einem neuen Klassiker entwickeln. Da bin ich mal schon jetzt auf die laute Variante gespannt. Zugaben? Klar gab es die. Bodenständige Musiker wie Egon, Hartmut und Hans-Jürgen wissen doch begeisterte Zuhörer zu schätzen. Bei der letzten Zugabe, dem zwanziger Jahre-Cover „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ kam noch mal so ein kleiner Hauch von Udo L. auf, denn uns Udo hat dieses Stück ja auch mal gecovert. Den „Winter an der See“ gab es aber diesmal leider nicht. Abschließend bedanke ich mich hiermit bei Eggi vom gastlichen „Alten Teichhaus“, seinem Team und bei den Musikern für diesen zauberhaften Abend. Das können wir doch nächstes Jahr wiederholen? Ich würde jedenfalls wieder pünktlich auf der Matte stehen ;-).

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 19.07.2013 22:35 | nach oben springen

#2

RE: Egon Linde und Freunde - TRANSIT unplugged am 18.11.2011 im „Alten Teichhaus“ zu Ottendorf-Okrilla

in Konzertberichte 2013 und älter 24.07.2013 14:42
von Mary | 204 Beiträge | 457 Punkte

Jetzt war ich so was von erschrocken!!!
Nur halb hingeschaut und gedacht, Scheiße, das haste verpasst...
Na gut, verpasst hab ich es auch, aber schon vor Jahren...
Ich finde solche Rückblicke irgendwie schön!


"Ihr lacht weil ich anders bin. Ich lache, weil Ihr alle gleich seid."
Kurt Cobain
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#3

RE: Egon Linde und Freunde - TRANSIT unplugged am 18.11.2011 im „Alten Teichhaus“ zu Ottendorf-Okrilla

in Konzertberichte 2013 und älter 24.07.2013 15:07
von Peggy | 320 Beiträge | 669 Punkte

Geht mir auch so, liebe Mary, was die Rückblicke betrifft.

Hatte die Überschrift zu Kundis Berichc nur überflogen und wollte mich schon freuen, dass da ein Konzert, das mich auf jeden Fall interessiert hätte, seine Schatten voraus wirft.
Also ran ans Lesen und feststellen, ups, das war ja schon.

Ich hoffe, es wird irgendwann nochmal ein solches Transit-Akustik-Konzert geben.


"Von jedem Tag will ich was haben, was ich nicht vergesse ..."

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