#1

LIFT 16.09.17 beim Markersdorfer Herbstfest in Chemnitz

in Konzertberichte 2017 19.09.2017 18:23
von Kundi | 1.993 Beiträge | 4564 Punkte

Das grau bzw. bläulich schimmernde Band der Autobahn lag vor meinen Augen und CEEDriks Reifen surrten an diesem Nachmittag leise vor sich hin. Der Sonnabendausflug führte uns diesmal in die Stadt mit den wechselnden Namen (Chemnitz, Karl-Marx-Stadt, Chemnitz. Von 1953 bis 1990 hieß der Ort ja Karl-Marx-Stadt und war noch dazu Bezirksstadt.

Im Süden der Stadt wurde an diesem Wochenende das Markersdorfer Herbstfest und der Tag der Wohnungsgenossenschaft "Einheit" gefeiert. Einst gehörten diese Plattenbauten zum riesigen Wohngebiet Fritz Heckert. Die Wolgograder Allee ist die längste Straße im Stadtteil Markersdorf. Bis dahin war die Fahrt auch kein Problem. Nur mit der Feinjustierung vor Ort hatte mein technischer Reiseberater leichte Probleme. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Irgendwie erreichte ich letztendlich mein Ziel und den kleinen Verkehrsverstoß eines Ortsunkundigen hat niemand gesehen. Wenige Minuten vor Konzertbeginn stand ich am Bühnenrand. Es blieb sogar noch Zeit für die Begrüßung von Tamara und Achim aus Köthen. Sie betreuten an diesem Tag wieder den Verkaufsstand von LIFT.

Gegen 18:00 Uhr machte ein Moderator noch einmal auf den Höhepunkt dieses Festes aufmerksam und er gab in seiner Ansage auch noch einige Informationen zu dieser Band. Vom Publikumsandrang her war das Fest gar nicht so schlecht besucht. Auch die Bühne inklusive Technik war ganz ansprechend. Da habe ich schon ganz andere Sachen gesehen.

Ich freute mich tierisch auf Werther Lohse und seine Mannen. LIFT spielte an diesem Tag in leicht veränderter Besetzung. Für den terminlich verhinderten René Decker haute Andreas "Bruno" Leuschner in die tasten seiner Keyboards. Das war keine schlechte und sogar eine naheliegende Wahl. Bruno kennt ja einen Teil der Lieder sowieso von den gemeinsamen Konzerten des großen und des kleinen Sachsendreiers.

Das zweite Keyboard-Paket bediente André Jolig und am Schlagzeug saß in altbewährter Weise Peter Michailow. Am Bass war wieder Peter Rasym zu erleben, welcher seit längerer Zeit den erkrankten Jens "Jenne" Brüssow vertritt. Stimme und Chef der ganzen Chose ist seit vielen Jahren Werther Lohse, der einst als Schlagzeuger bei LIFT begann.

Musiker und Fans sammelten übrigens in den zurückliegenden Wochen gemeinsam viel Geld, um Jenne eine hilfreiche Therapie zu finanzieren. Organisiert hatte diese Aktion unsere Freundin Tamara Schulz. Die rege Beteiligung von Musikern und Fans führte zu einer staatlichen Summe für Finanzierung dieser Therapie.

Auch ein Benefizkonzert von LIFT steht in dieser Angelegenheit noch aus. Wegen des Brandes des Restaurants Neu-Helgoland musste der Termin leider in den Dezember verlegt werden. Aber vor den Leuten um Dagmar Tabbert möchte ich an dieser Stelle auch noch meinen Hut ziehen. Nach diesem schweren Schlag (Brand des Restaurants und Hotels) arbeiten sie mit Hochdruck an Wiederaufbau und Wiedereröffnung. Auch dieses arg gebeutelte Haus wird von Musiker und Fans grandios unterstützt.

Doch die folgenden Zeilen drehen sich nun ganz um die Gruppe LIFT und ihr Konzert in Chemnitz. Die Band hatte für diesen Anlass ein kleines Best of-Programm geschnürt. Der ganze Auftritt dauerte nicht ganz 90 Minuten und war für4 meinen Geschmack eigentlich viel zu kurz.

LIFT ist ja neben electra und der STERN COMBO MEISSEN eine der prägenden Artrockcombos des Landes. Mit ihren wunderschönen Rockballaden und den lyrischen Texten hat LIFT ein gehöriges Stück Rockgeschichte ausgefüllt. Ohne einige LIFT-Lieder wäre die Liste der schönsten und wichtigsten Songs des Ostens (und eigentlich auch darüber hinaus) unvollständig.

Mir "Und es schuf der Mensch die Erde" öffnete Meister Lohse die LIFTsche Musik-Schatzkiste. Die Band und er verzauberten uns mit den Liedern von erhabener und klanglicher Schönheit. Satte Keyboardteppiche, die Klänge eine taffen Rhythmus-Fraktion und Werthers Stimme gruben sich tief in die Gehörgänge. Die oft gehörten Perlen wie "Jeden Abend", "Meine Schulden" oder "Einmal fällt der erste Reif" schoben erstmal alle Gedanken an Alltag und Pflicht zur Seite. Diese Musik heilte den Weltschmerz und vertrieb die Sorgen, könnte man fast meinen. Zumindest für diese 90 Minuten und noch einige Zeit darüber hinaus war ich mit mir, meiner Welt und der LIFT-Musik im Gleichklang.

Ich sah mich mehrmals in den Zuschauerreihen um. Auch da war deutlich zu spüren, dass die Leute die Lieder kannten, liebten und der Band jede Sekunde der Mugge ihre ganze Aufmerksamkeit schenkten. Die in die Jahre gekommenen Fans bewegten zaghaft ihre Lippen und sangen ganz Lieder von der ersten bis zur letzten Zeile mit. Hier und da half Werther Lohse den Leuten auch liebevoll ermutigend und auffordernd auf die Sprünge. Die großen LIFT-Hits wie "Nach Süden" und "Am Abend mancher Tage" wurden selbstverständlich vom Publikum besonders erwartet und gewürdigt. Bei "Am Abend…" kam der Herr Lohse aber auch nicht eher Ruhe bis die Leute mit in den Gesang einstiegen.

Dass da auf der Bühne außergewöhnlich talentierte Musiker agierten, war an nahezu jeder Stelle des Konzertes zu merken. So zeigten Bassist Peter Rasym und Schlagzeuger Peter Michailow ihr Können in einem Instrumentalsolo. Die beiden Keyboarder brillierten insbesondere bei dem beinahe rocksinfonisch anmutenden Werk "Meeresfahrt". Die Tasteninstrumente ließen diese Fahrt auf dem musikalischen Meer zu einem einzigen Genuss werden. Töne, die an seichtes Wasser erinnerten, wurden von der Gewalt des Sturmes abgelöst. Auch wenn Flöte und Saxofon diesmal fehlten, war das wirklich eine Hammer-Vorstellung. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle besonders Andreas Leuschner, welcher in Chemnitz ja lediglich vertretungsweise für René Decker auf der Bühne stand. Bruno hat als "Auswechselspieler" selbst bei diesem komplexen Musikwerk keine Schwächen gezeigt, er ist eben ein Profi von Kopf bis Fuß.

Das 4. LIFT-Album aus dem Jahr 1987 war ein musikalischer Wendepunkt für die Band. LIFT wendete sich mehr den eingängigen Pop- und leichten Rocknummern zu. Die Zeiten hatten sich geändert und der Artrock war zu dieser Zeit nicht mehr so gefragt. Diesen Richtungswechsel vollzogen in den 80erJahren des vergangenen Jahrhunderts übrigens auch electra und die STERN COMBO MEISSEN. Der gemeine Ossi merkte erst als die großartigen Artrock-Werke der 3 großen sächsischen Bands Anfang der 90er Jahre nicht mehr erklangen, dass ihm etwas fehlt. Doch der Staub der Geschichte bedeckte die alten Songs nicht dauerhaft. Alle 3 Kapellen besannen sich bald auf alte Stärken und sie kehrten in den 90er Jahren mit ihren ganz großen Hits zurück. Mit den Sachsendreier-Konzerten bekam Fan dann viele Jahre lang eine Vollbedienung in Sachen ostdeutscher Artrock. Die Lieder bleiben in den Herzen der Fans dauerhaft.

Zwei Lieder der "Nach Hause"-Scheibe gefallen mir heute noch und sie waren auch Bestandteil der Mugge in Chemnitz. Da wäre zum einen die temporeiche Nummer "Nach Hause" zu nennen und zum anderen die Ballade "Leb deinen Traum". Letztgenanntes Lied ragt für mich sogar noch etwas heraus aus der damaligen Zeit. Für mich ist das sogar ein ganz typischer LIFT-Knüller mit einem lyrischen Text und einer herrlichen, eingängigen Melodie. Bei den gesungenen Worten "Wie ein Tropfen im Ozean, ein Stück Lava im Vulkan. Wie ein Zweig im Lebensbaum, leb deinen Traum…" bekomme ich beim Zuhören fast jedes Mal eine Bürste aufgestellter Nackenhaare und eine Haut, welche jeder gerupften Gans Ehre machen würde. Einfach wunderschön Werther hat bei diesem open air-Auftritt "Leb deinen Traum" auch wieder hervorragend gesungen.

„Mein Herz soll ein Wasser sein“ ging nicht ohne eine kurze und liebevolle Würdigung des Original-Sängers Stefan Trepte über die Bühne. Diese Ansage von Werther fand ich angemessen und sehr gut. Der Gesang stand dem aber nicht nach.

Jedes Konzert hat seinen Höhepunkt und für mich war das wieder mal "Die Tagesreise". Diese Komposition von Michael Heubach zählt zweifellos zu den ganz, ganz großen Hits und Hymnen der deutschsprachigen Rockmusik. Dieser Wechsel von erzähltem Tagesverlauf und den Gedanken des Sängers dazu in den Strophen und den aneinandergereihten Fragen im Refrain geht mir immer wieder tief unter die Haut. Von diesem Lied bekomme ich niemals die Nase voll. Danke, Lift - das war wieder der absolute Matchball in diesem großen grandiosen Musiktennis-Match beim Markersdorfer Herbstfest und Tag der Wohnungsgesellschaft "Einheit" auf der Wolgograder Alee.

Der Kollege Lohse war an diesem Abend auch ausgesprochen gut bei Stimme und gut gelaunt noch dazu. Mister LIFT agierte als Frontmann spritzig, humorvoll und souverän. Auch die Auswahl der gespielten Lieder war in Ordnung. Lediglich die kurze Spielzeit von etwas unter 90 Minuten fand ich suboptimal. Nun ist mir schon klar, dass der Veranstalter das zeitliche Paket so gebucht hat. Das ist ja auch eine Frage der Finanzen. Mit einer Zugabe hätte man die 90 Minuten LIFT voll ausschöpfen können und sich außerdem auf die übliche Art beim Publikum bedanken können.

Ansonsten gibt es über diese LIFT-Mugge absolut nix zu meckern. Die Band hat mit dem letzten großen Besetzungswechsel im Jahr 2014 und der damit verbundenen Rückbesinnung auf alte Keyboard-Stärken zu ihren eigenen Wurzeln zurückgefunden. Das Gastspiel von LIFT in Chemnitz war ein anschaulicher und hörbarer Lebensbeweis. Die Band atmet, lebt und musiziert wieder in Hochform. So kann es von mir aus noch ein paar Jährchen weitergehen.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 08.11.2017 11:10 | nach oben springen

#2

RE: LIFT 16.09.17 beim Markersdorfer Herbstfest in Chemnitz

in Konzertberichte 2017 19.09.2017 18:34
von Kundi | 1.993 Beiträge | 4564 Punkte

Fotos LIFT in Chemnitz Teil 2.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 19.09.2017 18:36 | nach oben springen

#3

RE: LIFT 16.09.17 beim Markersdorfer Herbstfest in Chemnitz

in Konzertberichte 2017 19.09.2017 18:45
von Kundi | 1.993 Beiträge | 4564 Punkte

Fotos LIFT in Chemnitz Teil 3.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 19.09.2017 18:46 | nach oben springen

#4

RE: LIFT 16.09.17 beim Markersdorfer Herbstfest in Chemnitz

in Konzertberichte 2017 19.09.2017 18:47
von Kundi | 1.993 Beiträge | 4564 Punkte

Fotos LIFT in Chemnitz Teil 4.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 19.09.2017 18:54 | nach oben springen

#5

RE: LIFT 16.09.17 beim Markersdorfer Herbstfest in Chemnitz

in Konzertberichte 2017 19.09.2017 19:02
von Kundi | 1.993 Beiträge | 4564 Punkte

Fotos LIFT in Chemnitz Teil 5.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 19.09.2017 19:04 | nach oben springen

#6

RE: LIFT 16.09.17 beim Markersdorfer Herbstfest in Chemnitz

in Konzertberichte 2017 19.09.2017 19:10
von Kundi | 1.993 Beiträge | 4564 Punkte

Hier ist der Rest der Fotoschau.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 6 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Kuno
Besucherzähler
Heute waren 127 Gäste und 1 Mitglied online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 2505 Themen und 10773 Beiträge.

Heute war 1 Mitglied Online :


Besucherrekord: 128 Benutzer (14.08.2016 15:50).

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen