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WIND, SAND & STERNE 09.09.17 Open Air Vollmershain

in Konzertberichte 2017 12.09.2017 19:19
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Hier ist nun ein ganz kurzer Bericht vom WIND, SAND und STERNE-Auftritt:

Nach der öffentlichen und schönen MONOKEL KRAFTBLUES-Beschallung ging es nahezu ohne Verschnaufpause mit der Zeltmugge von WIND, SAND UND STERNE weiter. Dieser legendären Band aus dem Erzgebirge fiebere ich schon ziemlich lange entgegen.

Wenn man sich als Musikfan intensiv mit der Rockmusik und den Bands der ehemaligen DDR beschäftigt, stolpert man zwangsläufig irgendwann auch mal über solche Kapellen. Auch wenn sie in den 70er Jahren auf Grund ihrer eher regionalen Berühmtheit an einem vorbeigingen. Jede Gegend hatte da ja auch seine eigenen lokalen Musikhelden. Es vergingen Jahrzehnte und es bedurfte der Hilfe von unserer Petra, von der Webseite Blueser 54 bis ich etwas von den Erzgebirgsbands, ihren Musikern etwas hörte, sah bzw. las und mir das Thema nicht mehr aus dem Sinn ging. Diese Gedanken behielt ich im Gedächtnis und ich vervollständigte nach und nach auch einige Wissenslücken.

Bands wie SATORI, WANDERER oder eben W, S & S reisten in den 70er /80er Jahren Scharen von Trampern, Kunden und Bluesern vorzugsweise aus der Erzgebirgsgegend, aus Westsachsen und aus Südthüringen zu den Konzerten hinterher. Sie galten als unabhängige und unangepasste Bands und sie erreichten mit ihrem Folkrock hunderte Jugendliche. Diese unkontrollierte und unorganisierte Muggen-Spielerei auf den Dorfsälen und die dort auftauchenden langhaarigen, sich der staatlichen Ordnung und Kontrolle entziehenden Horden von Fans in ihren Jeans, Klettis und Shell-Parka sahen die Partei- und Kultur-Oberen natürlich nicht so gerne. Die Kunden, Tramper und Blueser waren den Funktionären bekanntlich ein Dorn im Auge. Fans und Bands liebten sich aber innig. Diese Verbundenheit festigte sich immer mehr und der Ruf der Bands steigerte sich ebenfalls deutlich je mehr die Musiker, die gesamte Szene und/oder die Fans von den staatlichen Organen angefeindet und behindert wurden.

Dass einige der Protagonisten von damals auch heute noch als Musiker aktiv sind und auch die Kunden, Tramper und Blueser noch nicht ausgestorben sind, wissen wir auch nicht erst seit heute. Auf WIND, SAND & STERNE hatte ich terminmäßig seit etwa 4 - 5 Jahren immer mal ein Auge geworfen. Es musste jedoch erst die 17. Auflage des Vollmershain open airs über die Bühne gehen, um Stefan Gerlach mit seinen Musikerkollegen leibhaftig zu erleben.

Im Zelt und an den beiden Eingängen des Zeltes versammelten sich viele Fans um WIND, SAND & STERNE zu lauschen. Sänger Stefan Gerlach hatte sich zu seinem 70. Geburtstag ja gewünscht, noch mal vor der Kulisse von Vollmershain auftreten zu dürfen und an diesem Sonnabend, den 09. September 2017 war es endlich soweit.

Die Band um Stefan Gerlach (Gesang, Gitarre, Mundharmonika) besteht mit Unterbrechungen seit dem Jahr 1975. WIND, SAND & STERNE hatte schon frühzeitig in ihrer Entwicklung begonnen eigene Folkrocksongs mit eigenen deutschen Texten zu schreiben. irgendwann steigerte sich das sogar und die Formation sang in erzgebirgischer Mundart und so ist es bis heute. Die Band spielte in Vollmershain davon natürlich einige Stücke wie "Tramptour" oder "De 169" und ergänzte ihr Programm mit einigen ROLLING STONES- und BOB DYLAN-Coversongs.

Das Ergebnis klang nicht nur gefällig, sondern richtig gut. WIND, SAND & STERNE spielt astreinen akustischen Folkrock, der sofort ins Ohr geht. Als Oberlausitzer habe ich zwar Schwierigkeiten den Dialekt beim Hören auf Anhieb zu verstehen. Aber alleine der Wohlklang der Stimmen und Instrumente sowie die Sprachrhythmik dieses erzgebirgischen Singsangs bereitete Vergnügen und Wohlbefinden. Wenn man die Lieder mehrmals hört, wird das Verstehen natürlich besser.

Ich halte das, was die Männer von W, S & S mit Leidenschaft und Freude immer wieder spielen für echte, handgemachte und ehrliche (erzgebirgische) Volksmusik. Da wird keine verlogene und verfälschte "Heile Welt und der Himmel ist so blau"-Welt vor dem Zuhörer aufgebaut, sondern es werden greifbare, nachvollziehbare Geschichten erzählt. Diesem sympathischen 70 jährigen Stefan Gerlach nimmt man einfach ab, was er singt. Der Typ tritt so freundlich, bescheiden auf, aber seine Liebe zur Musik und zur Heimatsprache spürt man aus jedem Wort, jedem Gesichtsausdruck, jeder Bewegung. Der Stefan ist ein absolut glaubwürdiger Typ.

Dieser Akustikfolk hat das gewisse Etwas, dem kann man sich gar nicht entziehen. Die über weite Strecken eher ruhigen Melodien massierten Denkzentrale und Seele. WIND, SAND & STERNE spielten Mugge, die das Herz erreicht. Feine Akustikgitarrenklänge von bis zu 3 Gitarren, ein zurückhaltendes Schlagzeug, Keyboardtöne, die das Ganze umweben sowie der gelegentliche Einsatz von Mundharmonika, Akkordeon und weiteren Instrumenten zauberten ein selten so gehörtes, harmonisches Klangbild. da waren schon einige Leckerli aus Noten, Tönen und Takten für die Lauschlappen dabei, das kann ich so für mich resümieren.

Das Publikum folgte dem Meister aus Zwönitz und seinen Bandkollegen aufmerksam und mit wachsender Begeisterung. Darunter waren vom äußeren Anschein her und nach meinem Gefühl nicht wenige Altfans. Es wurde gewippt, geklatscht, gelächelt und den einen oder anderen heiteren Zwischenruf gab es obendrein. In diesem Kreis, in diesem Zelt und mit dieser Musik konnte man für einige Minuten abschalten und nahezu wunschlos glücklich sein. Diese freudbetonte, aufgeschlossene und überaus herzliche Atmosphäre zeichnet aber auch das gesamte open air in Vollmershain aus.

Gerlach hat eine bärenstarke, kampferprobte Band um sich geformt. Mit einigen dieser Musiker hat er schon vor Jahrzehnten bei SATORI gemeinsam gespielt. Das betrifft Christoph Rottloff (Gitarre, Bass, Gesang) und Michael Barth (Keyboard, Elektrogitarre, Akkordeon, Gesang). Barth gehörte außerdem bereits 1989 zu WIND, SAND & STERNE. Komplett ist das Ensemble mit Hans-Rudolf Liepold am Schlagzeug und Thorsten Reuter (Gitarre, Gesang).

Einer großartigen Show bedurfte es an diesem Nachmittag übrigens nicht. Die Musiker saßen auf ihren Stühlen, spielten ihre Instrumente und sangen einfach ihre Lieder. Das Musik und ihre Ausführenden waren in dieser Hinsicht also selber die Show. Aber auch die Spielzeit von WIND, SAND & STERNE war an diesem Nachmittag endlich. Die nachfolgenden Bands standen ja bereits in den Startlöchern.

Damit ich gar nicht erst in Versuchung geriet, den ganzen Abend in Vollmershain hängen zu bleiben, trollte ich mich dann aber unauffällig und ziemlich schnell von dannen.

Wenn ich mir abschließend noch etwas wünschen dürfte, wäre das natürlich, dass alle Organisatoren, Musiker und Fans gesund bleiben und dass die open air -Tradition in Vollmershain im nächsten Jahr mit Nummer 18 fortgesetzt wird.


Gruß Kundi

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#2

RE: WIND, SAND & STERNE 09.09.17 Open Air Vollmershain

in Konzertberichte 2017 12.09.2017 19:28
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Fotos WIND, SAND & STERNE in Vollmershain Teil 2.

Gruß Kundi

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zuletzt bearbeitet 12.09.2017 19:29 | nach oben springen

#3

RE: WIND, SAND & STERNE 09.09.17 Open Air Vollmershain

in Konzertberichte 2017 12.09.2017 19:31
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Fotos WIND, SAND & STERNE in Vollmershain Teil 3.

Gruß Kundi

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#4

RE: WIND, SAND & STERNE 09.09.17 Open Air Vollmershain

in Konzertberichte 2017 14.09.2017 16:41
von PMausM | 1.524 Beiträge | 3211 Punkte

Tolle Fotos und ein richtig schöner Konzertbericht. Kann das so sagen, denn Wind Sand und Sterne mag ich auch total. Die "169" haben sie gespielt. Schade, dass ich das verpasst habe.
Hatte Stefan Gerlach vor kurzem bei der Erzgebirgischen Liedertour gesehen. Da war das Konzert aber leider schon fast zu Ende, als wir an der Station der Liedertour ankamen.


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RE: WIND, SAND & STERNE 09.09.17 Open Air Vollmershain

in Konzertberichte 2017 14.09.2017 20:14
von Klaus | 10 Beiträge | 23 Punkte

Für alte Tramper...jährlich zwischen Weihnachten und Silvester W;S&S in der Baldauf villa zu Marienberg

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