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CRAZY BIRDS 29.07.17 Ortrand

in Konzertberichte 2017 03.08.2017 21:14
von Kundi | 1.946 Beiträge | 4459 Punkte

Dass der Abend so angenehm und toll wird, hatte ich im Vorfeld gar nicht erwartet. Aber es gibt Tage, Menschen, Situationen und Rahmenbedingungen da passt einfach alles zusammen. So geschah es mal wieder am vergangenen Sonnabend. Die CRAZY BIRDS spielten in Ortrand (Landkreis Oberspreewald Lausitz).

Die unmittelbar an der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen gelegene Kleinstadt hat eine wechselvolle sächsisch-preußische-brandenburgischen Geschichte. Mehr als 700 Jahre gehörte Ostrand zu Sachsen. Da die Sachsen jedoch 1812/1813 (u.a. Völkerschlacht bei Leipzig) an der Seite von Napoleon Bonaparte kämpften, wurde auf dem Wiener Kongress durch die Sieger die Neuordnung Europas vorgenommen. Die Sachsen traf es hart mehr als 2 Millionen Menschen und mehr als 60 Prozent des Staatsgebietes verfiel an die Siegermächte. So kam unter anderem auch die Gegend um Ortrand zu Preußen. Die Preußen waren ja die großen Profiteure des Wiener Kongresses, denn sie wurden durch diese Verträge und die damit verbundene Angliederung von Gebietsteilen und die Übernahme der dort ansässigen Einwohner zur europäischen großmacht, zumindest für einige Zeit.

Die Bewohner von Ortrand blieben im Herzen jedoch Sachsen und sie wollten immer wieder zurück in den sächsischen Herrschaftsbereich. Das gefällt mir natürlich. Bisher waren ihre Bemühungen aber nicht von Erfolg gekrönt.
Sämtliche Versuche der Ortrander in der Folge wieder zu Sachsen zu kommen, schlugen fehl. Nach dem 2.Weltkrieg kam die Stadt zum Bezirk Cottbus. Selbst als nach der Wende der überwiegende Teil der Einwohner bei einem Bürgerentscheid für die (Wieder-) Angliederung an Sachsen stimmten, musste Ortrand dann im Land Brandenburg verbleiben. Das war für die Einwohner das erste und schmerzhafte Lehrstück wie Demokratie eigentlich nicht funktionieren soll. Ihr Bürger- und Wählerwille wurde ignoriert. Das Thema Geschichte soll jetzt hier aber beendet werden. Bleiben wir lieber bei den erfreulichen Ereignissen des 29. Juli 2017.

Ursprünglich sollten die CRAZY BIRDS zum Geburtstag des örtlichen Jugendclub spielen. So hatte ich es im Vorfeld jedenfalls gehört. Ich bin aber nicht so richtig schlau geworden, warum das nichts geworden war. Auf jeden Fall traten die "Verrückten Vögel" an besagten Sommerabend open air auf einem privaten Grundstück mit schönem Garten auf. Es schien früher mal ein Bauerngehöft gewesen zu sein. Vorbereitet und organisiert war die ganze Sache sehr liebevoll und bis ins Detail gehend.

Eine kleine Bühne mit einem Pavillon als Dach war für die Band vorbereitet. Sitzgelegenheiten, Getränke und Verpflegung waren für die Gäste 8und für die Musiker ebenfalls reichlich vorbereitet. Vor der Grundstückseinfahrt parkte ein zu einem Hähnchen-Grill umgebauter Lieferwagen und verbreitete einen verführerischen Duft nach Broiler, Spareribs und Bratwurst. Das gute Stück von Auto passte einfach nicht durch die Toreinfahrt. Die Rippchen waren übrigens der superleckere Hammer. Ich habe sie in einer Konzertpause höchstpersönlich probiert. Außerdem gab es noch ein Kaffee-/Kuchen-/Süßspeisen-Buffet in der umgebauten Scheune. Am Getränkestand wurde frisches Fassbier gezapft und auch die unverbleiten Kaltgetränke gingen schnell über die Theke.

Die anwesenden Gäste und Bewirter waren durch die Bank weg nette, aufgeschlossene und höfliche Mitmenschen. Sogar das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Zu vorgerückter Stunde gab es auch noch ein sehr schönes Feuerwerk zu bestaunen. Nicht nur ich habe mich in dieser ganzen entspannten, herzlichen und fröhlichen Atmosphäre sehr wohl gefühlt. Die ganze Zeit über kamen immer wieder neue Gäste herbei.

Umrahmt wurde die ganze Sache auch noch von einem Diskjockey (neudeutsch DJ, "altdeutsch" Schallplattenunterhalter). Der Typ war richtig gut. Bürgerlich heißt er Dieter Bunzel und er hatte in Ortrand ein Heimspiel. Viele Musikfans kennen ihn sicher als DJ Bunzel, denn der Mann ist vielbeschäftigt und im ganzen Land unterwegs. Dieter hat schon die ganzen open air Festivals wie zum Beispiel Oettersdorf, Fraureuth, Forever Woodstock-Festival Waffenrod, Rock im Wald Gehren oder Audigast bespielt. Aber auch die legendären alten Säle vom Schützenhaus Altdöbern, über den WOTUFA-Saal Neustadt/Orla und "Zum Löwen" Ebersbrunn bis hin zum nicht mehr existenten Gasthof Lüttewitz hat Dieter als Unterhalter schon von innen gesehen. Ob Bluesfestival an der "Tante JU" Dresden , Silvester im Real Music Club Lauchhammer - alles kein Problem mit einem guten DJ wie DJ Bunzel. Er ging den Leuten nicht mit dummen Gesülze auf den Senkel und er spielte außerdem ausgesprochen erlesene Musikstücke zur Unterhaltung. DJ Bunzel behielt auch immer den Überblick über den Ablauf und er gab wirklich nur hilfreiche und erklärende Wortbeiträge ab. Der Herr Bunzel ist wahrlich kompetent, sympathisch und rührig - endlich mal ein DJ von Format.

Mit den Verrückten Vögeln gab es im Verlauf des Abends während der Mugge und darum herum ebenfalls sehr viel Spaß. Der Band und dem Veranstalter saß die Zeit nicht im Nacken und die entspannte, freudbetonte Partyatmosphäre übertrug sich ganz schnell auch auf diese.

Da Gitarrist Konrad Hartsch verhindert war, traten die CRAZY BIRDS in Ortrand als Quartett auf. Angela Ullrich (Schlagzeug, Gesang), Tom Vogel (Gesang, Bassgitarre) und Ecki Lipske (E-Gitarre, Gesang, Mundharmonika) wurden in bewährter Weise aber wieder von Gisbert Koreng (Gesang, Gitarre, Schellenring) unterstützt.

Die sprichwörtliche Schmidt'sche Katze hätte an diesem musikalischen Kleeblatt ihre reine Freude gehabt und sie wäre abgegangen, so wie ihr es das Sprichwort nachsagt. Der Mix aus handwerklich guter musikalischer und rockiger Unterhaltung, Spielfreude und -leidenschaft sowie einer gehörigen Portion "verrücktes" Entertainment funktionierte bei den CRAZY BIRDS wieder wie ein Uhrwerk. Wobei man sagen muss, dass das auch die besondere und persönliche Note unseres "verrückten musikalischen Vogelschwarms" ist. So etwas wird jedoch nicht jeder Band gelingen. Den BIRDS nimmt man das ganze Ramba Zamba aus frechen und ulkigen Sprüchen rund im die Mugge einfach auch ab, weil es irgendwie zu ihnen passt und weil sie die Schraube auch nicht überdrehen. Insbesondere Tom Vogel scheint dafür ganz feine Antennen zu haben, wie weit er gehen darf. Aber das muss man auch live erleben, jeden Kalauer oder jeden Spruch in diesen Bericht zu verewigen, würde gar nichts bringen. Das sind halt Augenblicksachen, die man selbst erleben muss.

Wenn die CRAZY BIRDS loslegen und den sprichwörtlichen Riemen auf die (nicht vorhandene) Orgel werfen, geht es rockig ab und zwar quer durch die Rockgeschichte. Das wissen wir ja nicht erst seit gestern. Die CRAZY BIRDS klingen manchmal etwas ungestüm, etwas rau und ungeschliffen, etwas lauter als Zimmerlautstärke sowieso. Das ist halt dirty Rock'n Roll wie von der Straße. Mir fällt dazu passend immer der Spruch ein, den ich bei einem tollen Gitarristen mal gelesen habe: "Rock'n Roll ist kein Kindergeburtstag". Geschönte, gelackte und verweichlichte Rockmugge gibt es ja schon genug auf den Bühnen und vor allen in den Medien dieses Landes.

Als ich die lächelnden Gesichter der Besucher in Ortrand sah und die Beifallsbekundungen hörte, war mir klar, dass es Angela und ihre Jungs wieder mal geschafft hatten. Mit der zunehmenden Dunkelheit trauten sich auch die ersten Tänzerinnen und Tänzer vor die Bühne. Auch einige Mitsinger konnten ausgemacht werden. Die Musiker waren auch in den Pausen und nach der Mugge gefragte Gesprächspartner.

Die CRAZY BIRDS erfüllten ihre Mission, sie ROCKten uNd ROLLten bzw. sie waren selbst der pure Rock n Roll. Der Sologesang wurde brüderlich bzw. schwesterlich zwischen Angie, Gisbert und Tom aufgeteilt. Der brachte Abwechslung durch die unterschiedlichen Stimmlagen und die verschiedenen individuellen Klangfarben.

Schlagzeugerin Angela übernahm Songs wie "Beast of Burdon" (ROLLING STONES, später u.a. von BETTE MIDLER gecovert), "I love Rock 'n Roll" (von JOAN JETT & THE BLACKHEARTS zu Weltruhm verholfener Song der australischen ARROWS) sowie "Every 1 's A Winner" von HOT CHOCOLATE. Selbstverständlich bekamen die Lieder von der Band auch noch ein ordentlich rockendes, mitreißendes und treibendes Soundgewand. Auch die Mitsingqualitäten der Besucher wurden geprüft. Der JOAN JETT-Hit ist dafür ja geradezu prädestiniert.

Tom Vogel röhrte natürlich die AC/DC-Hits "Hells Bells" und Whole lotta Rosie" in seiner unverwechselbaren Art. Er ist mit seiner strapazierfähigen Stimme der Sangesmann fürs Grobe bei den CRAZY BIRDS. Weitere Songs aus seiner Kehle wie "Sultans of Swing" von den DIRE STRAITS oder "Into the Great White Open" von TOM PETTY & THE HEARTBREAKERS durften natürlich auch nicht fehlen.

Die CRAZY BIRDS haben aber auch noch Lieder wie "Learn to Fly" von den FOO FIGHTERS gerockt. Gisbert bezeichnete das Stück als den Song aller Flugschüler. Der Mann hat ja einen ganz feinen Humor, wie man auch an seinen Stimmimitations-Einlagen wieder deutlich hören konnte.

Der Herr Koreng ist gesanglich eigentlich eine "Allzweck-Waffe" und seit er bei den CRAZY BIRDS als Gast mitmischt hat sich auch das Programm der Band etwas geändert. Die Band klatschte uns zum Beispiel ein dröhnendes und stampfendes "Cocaine" (J.J. CALE , später auch von CLAPTON gecovert) um die Ohren. Gisbert übernahm dabei den Gesangspart.
Ich glaube mich übrigens zu erinnern, dass es ERIC CLAPTON war, der die Zeile „That dirty cocaine“ in das Lied einbaute, um damit den Anti-Drogen-Charakter des Liedes zu unterstreichen.

Der Herr Koreng brachte zum Beispiel auch deutschsprachige Songs ins CRAZY BIRDS-Programm. Diesmal gab es für die anwesende Hör- und Sehgemeinde mit "Frau im Spiegelbild" und "Nie zuvor" aber nur 2 Klassiker von electra. Diese eher ruhigeren Perlen zusammen mit weiteren Balladen wie "Purple Rain " von PRINCE oder "White Horses" von den ROLLING STONES im letzten Drittel des Gigs zu platzieren, war ziemlich schön und clever obendrein. Zum einen zeigten die CRAZY BIRDS damit auch ihre sanfte Seite und zum anderen nahmen die CRAZY BIRDS ganz unmerklich die Fahrt aus der Mugge. Trotzdem ging das Publikum ganz begeistert mit. Besonders als Gisi die electra-Hits sang glänzten viele Augen, sahen sich Paare singend in die Augen oder summten die Leute die Melodie leise mit. Der Applaus war natürlich dann auch entsprechend überwältigend.
Fast nebenbei gelang den CRAZY BIRDS damit das Kunststück, die Mugge inklusive der Zugaben auf dem emotionalen Höhepunkt zu beenden.

Nach Mitternacht wartete die zweite Schicht auf die Musiker, denn sie mussten ihr Besteck wieder abbauen und verladen. Trotzdem nahmen sich Angie und ihre Musikmänner auch immer wieder Zeit um mit den Leuten zu quatschen, ihre Fragen zu beantworten und gelegentlich auch Fotowünsche zu erfüllen. Auch das war schön zu sehen. Ich machte mich aber alsbald in die Spur um meinen CEEDrik die Sporen Richtung Heimat zu geben.

Gruß Kundi

Fotos Soundcheck

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#2

RE: CRAZY BIRDS 29.07.17 Ortrand

in Konzertberichte 2017 03.08.2017 21:23
von Kundi | 1.946 Beiträge | 4459 Punkte

Fotos Teil 2 - CRAZY BIRDS live in Ortrand.

Gruß Kundi

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#3

RE: CRAZY BIRDS 29.07.17 Ortrand

in Konzertberichte 2017 03.08.2017 21:31
von Kundi | 1.946 Beiträge | 4459 Punkte

Fotos Teil 3 - CRAZY BIRDS live in Ortrand.

Gruß Kundi

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#4

RE: CRAZY BIRDS 29.07.17 Ortrand

in Konzertberichte 2017 03.08.2017 21:39
von Kundi | 1.946 Beiträge | 4459 Punkte

Fotos Teil 4 - CRAZY BIRDS live in Ortrand.

Gruß Kundi

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zuletzt bearbeitet 03.08.2017 21:41 | nach oben springen

#5

RE: CRAZY BIRDS 29.07.17 Ortrand

in Konzertberichte 2017 03.08.2017 21:50
von Kundi | 1.946 Beiträge | 4459 Punkte

Hier sind nun die letzten Fotos aus Ortrand.

Gruß Kundi

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