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PROFT & Gäste 02.07.17 Tag des Bergmannes und Energiearbeiters Hoyerswerda

in Konzertberichte 2017 05.07.2017 20:39
von Kundi | 2.002 Beiträge | 4582 Punkte

Immer wieder Hoyerswerda. In den vergangenen 10 Jahren habe ich eine besondere Beziehung zu dieser Stadt entwickelt. Unsichtbare Bänder verknüpfen mich mit der Stadt, ihrer Geschichte, ihren Menschen und auch mit ihren kulturellen Angeboten. Früher war Hoywoy für mich eine City unter vielen. Besuche hielten sich vor der Wende in Grenzen. In Kinder- und Jugendtagen ging es mit der Familie lediglich ein paar Mal in den Zoo und auch ins Centrum-Warenhaus. Dann war viele Jahre, von Durchfahrten und einem Friedhofsbesuch abgesehen, Ruhe. Es zog mich nicht in die "blasse Blume auf Sand", wie GERHARD GUNDERMANN Hoyerswerda im Lied "Hoywoy" auf seiner 1988 erschienenen AMIGA-Langspielplatte "Männer, Frauen und Maschinen" besang. GUNDI und seine Lieder waren meine Brücke ins Lausitzer Revier und nach Hoywoy. Es war allerdings anfangs nur eine gelegentliche Gedankenbrücke. Das änderte sich für mich ein paar Jahre nach der Jahrtausendwende und sogar ziemlich tiefgreifend.

Es fing mit einer Mugge der OSSIS an und fand seine Fortsetzung mit der damals noch völlig unbekannten Band KLARtext. Plötzlich war die Stadt Hoyerswerda mit ihrer Geschichte, mit ihren Menschen, Problemen und mit der Braunkohle für mich richtig greifbar. Ich sprach mit Menschen, deren Leben jahrzehntelang mit der Braunkohle verbunden waren und ich sah eine Stadt mit ehemals mehr als 70 000 Bewohnern einwohnermäßig langsam auf weniger als die Hälfte ausbluten. Was mich aber besonders berührte und beeindruckte, waren Gesichter und Augen dieser Leute, wenn sie Lieder von GERHARD GUNDERMANN hörten und/oder mitsangen. Ich las in ihnen Schmerz, Trauer, manchmal auch Ratlosigkeit/Wut, dass es in und mit der Kohle nicht weitergeht. Ich nahm aber genauso den Stolz der Menschen von zwei oder 3 Generationen Berg- und Energiearbeiter wahr, die bei Wind und Wetter, schwer schufteten, damit wir eine warme Bude und elektrischen Strom hatten. Ob im Hochsommer, bei Regen oder bei Schneesturm und Frost - diese Leute waren auf ihre Art auch Helden, Helden des Alltags. Diese Leistungen kann ihnen auch niemand nehmen. Womöglich begann ich erst zu diesem Zeitpunkt richtig zu begreifen, wie tiefgreifend und schmerzhaft der Wandel in und für Hoyerswerda und seine Einwohner war und ist.

Die Stadt war ja jahrhundertelang ein verschlafenes Nest mit maximal 7000 oder 8000 Einwohner. Erst der fossile Brennstoff, denn wir Braunkohle nennen, weckte Hoyerswerda in den 50 Jahren des vorigen Jahrhunderts aus dem Dornröschenschlaf. Die Rohstoffknappheit und der Energiebedarf einer kleinen Republik wollten und mussten gestillt werden.
Die Tagebaue der Umgebung und das neu entstandene Gaskombinat Schwarze Pumpe (damals das größte Braunkohleveredelungswerk der Welt) brauchten Personal, brauchten sogar viel Personal. Die Kleinstadt Hoyerswerda wurde dazu auserkoren Wohnungen für diese Arbeiter, Angestellten und ihre Familien zu bauen. Das musste alles ziemlich schnell gehen und die industrielle Bauweise Hoyerswerda mauserte sich und wuchs mit jedem neuen Wohnkomplex mehr. In der Spitze wohnten mehr als 70 000 Menschen in der damaligen Kreisstadt im Bezirk Cottbus. Es gab sogar schon Planungen Hoywoy zur Heimat für mehr als 100 000 Menschen werden zu lassen. Der gesellschaftliche Umbruch 1989/1990 kam allerdings dazwischen. Die viele Braunkohle und die Menschen wurden nicht mehr gebraucht.

Auch wenn nicht mehr viel vom Glanz und Ruhm der großen, modernen Berg- und Energiearbeiterstadt übrig geblieben ist und viele Wohnblöcke inzwischen rückgebaut oder ganz abgerissen wurden, atmen hier noch Menschen, Steine, Beton und Asphalt den Geist der Braunkohle aus. Viele Leute hier haben Jahrzehnte um das schwarze Gold gekämpft. und ihr Husten kommt nicht nur von den dutzenden Karo und Juwel, die sie während der Schichten geraucht haben, sondern auch vom Staub und Rauch vom Gaskombinat Schwarze Pumpe, von den Brikettfabriken und vom Tagebau.

An diesem Sonntag, den 02. Juli 2017 fuhr ich wieder mal nach Hoywoy und wer sich angesichts meiner vorstehenden Zeilen wieder krampfhaft gefragt hat, was meine bisher getätigten Einlassungen denn mit Livemusik zu tun haben, sollte ruhig weiterlesen und zwar frohen Mutes.

In der größten DDR der Welt gab es ja allerlei Feiertage. So gab es für verschiedene Berufsgruppen auch einen entsprechenden Ehrentag. Die Lehrerinnen/Lehrer wurden zum Beispiel am 12. Juni gefeiert, die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter der Deutschen Volkspolizei am 01. Juli und die Mitarbeiterinnen/ Mitarbeiter des Gesundheitswesens am 12. Dezember. Wie weit das ausuferte zeigten auch solche Festtage wie Tag der Nationalen Volksarmee (01. März), Tag des MfS (08. Februar), oder Tag der Grenztruppen (01. Dezember).

Den Bergleuten und Energiearbeitern blieb der erste Sonntag im Monat Juli als Feiertag vorbehalten und zwar bereits seit 1950. Dieser Festtag erlebte allerdings eine dreimalige Umbenennung. 1950 war es der Tag des deutschen Bergmannes, 1968 wurde umbenannt in Tag des Bergmannes der DDR, und ab dem Jahr 1975 hieß es dann Tag des Bergmannes und Energiearbeiters.

Für die Bergleute und Energiearbeiter war das eine feine Sache. Der Tag begann mit einem offiziellen Teil in Form eines Festaktes/einer Feierstunde in welcher neben langen Reden über Planerfüllung und Weltfrieden die besten Mitarbeiter prämiert und ausgezeichnet wurden. Die andere Seite bzw. der zweite Teil des Tages blieb dann tatsächlich der Feierei vorbehalten, denn nun folgte der Teil mit Volksfestcharakter. Bei Musik, Tanz und kultureller Umrahmung traf man sich um gemeinsam zu essen, zu trinken und ein paar Stunden Spaß zu haben.

So aufgepasst, liebe Freundinnen und Freunde, der Kundi fuhr am ersten Sonntag im Monat Juli in die Bergleute- und Energiearbeiterstadt Hoyerswerda. Der wird doch nicht? Ach neee, geht ja gar nicht, die DDR gibt es ja nicht mehr. Den Tag des Bergmannes und Energiearbeiters folglich auch nicht mehr? Die Menschen der Lausitz sind ein besonderer Menschenschlag. Sie sind liebenswert, herzlich, manchmal etwas rau und stolz. Das trifft auch und im besonderen Umfang auf die "ehemaligen" Berg- und Energiearbeiter zu. Besonders den Stolz auf ihre Lebensleistung lassen sie sich nicht nehmen.

In Hoywoy wurde auch noch am Sonntag, den 02. Juli 2017 vor dem Irish Pub Black Raven der Tag des Bergmannes und Energiearbeiters im Rahmen eines kleinen Volksfestes gefeiert. Thomas "Ecki" Eckhardt, der umtriebige und nette Wirt des Pubs wollte die Volksfesttradition dieses Festtages wiederbeleben und so viel kann ich an dieser Stelle schon schreiben, es ist ihm auch eindrucksvoll gelungen. So einen Typen wie Ecki kann man eigentlich jeder Stadt nur wünschen. Was hat er nicht schon alles eingerührt und organisiert vom Schachturnier, über das Flusslandfestival bis hin zu open air- und Indoor-Konzerten. Dieser 02. Juli 2017 war ein weiterer Meilenstein von Thomas Eckhardt und dieser passt richtig gut zur Berg- und Energiearbeiterstadt Hoyerswerda.

Eine breite Palette an Angeboten vom Frühschoppen mit Blasmusik, Essen aus der Gulaschkanone, Eisstand, Getränkestand, Kaffeetafel bis hin zur Hüpfburg für die Kinder lockte wirklich viele Menschen aus ihren Wohnungen. Ich war angenehm überrascht, wie viele Menschen letztlich am Black Raven auftauchten. Auch der Traditionsverein "Schwarze Pumpe" war mit einem Informationsstand zugegen. da war er wieder der Stolz der Lausitzer und Bergleute. Sie feierten "ihren" Tag aus freien Stücken. Die alten Bergleute kamen an den ehemaligen Einsteinclub um mal wieder in Erinnerungen zu schwelgen sowie mit alten Kollegen und Weggefährten zu quatschen.

Ecki hatte auch das richtige Händchen für die kulturelle Umrahmung des Nachmittages. FRANK PROFT, einer der hier mit der Kohle aufgewachsen ist, der im Chor des Hauses der Bergmannes und der Energiearbeiter gesungen hat, der seinen ersten Auftritt mit eigener Band vor 25 Jahren genau hier im ehemaligen Einsteinclub hatte, spielte für die Hoyerswerdaer.

PROFT ist hier bekannt und beliebt. Er kehrt immer wieder gerne zu Muggen in seine Heimatstadt zurück. Seine Musik spricht die Leute auch an, weil er ihre Sprache spricht.
FRANK weiß auch wie die Leute ticken. Die Probleme der Menschen und der Stadt sind ihm ebenfalls nicht fremd.


Wenn der Sänger und Gitarrist auf der Bühne steht, gibt er alles was er hat und kann. Das war auch an diesem Nachmittag in Hoywoy so. FRANK ackerte und rackerte, um den Leuten eine paar tolle Stunden zu bereiten. Immer wieder ging er auf das Publikum zu, sprach die Leute an und forderte sie auf mitzumachen, mit zuklatschen und/oder mitzusingen. Zur Unterstützung hatte sich der Kollege PROFT natürlich SANDRA GROßE (Gesang, Cajón) mitgebracht.

PROFTs Art und Weise kam erwartungsgemäß gut beim Publikum an. Er hatte für den ersten Teil der Mugge einen bunten Blumenstrauß bekannter Melodien aus Ost und West mitgebracht. Da wären zum Beispiel "Altes Fieber" von DIE TOTEN HOSEN, UDO LINDENBERGs "Ich mach mein Ding" und die von SANDRAS gesungene SPORTFREUNDE STILLER-Nummer "Applaus, Applaus" zu nennen. Von hier kamen Lieder wie "Am Fenster" von CITY, "Nie zuvor" von electra, die grandiose ROCKHAUS-Ballade "I.L.D." und zu meinem persönlichen Leidwesen wurde auch wieder KEIMZEITlich ge-"Kling Klang"-t.

Dass FRANK PROFT gerade an diesem Feiertag sein GERHARD GUNDERMANN gewidmetes Lied "Engel" spielte, fand ich sehr gut. GUNDI arbeitete ja selber lange im Tagebau. Sein Lieder wie "Engel über dem Revier", "Brigitta" oder "Frühstück für immer" beschrieben das Sterben die Braunkohleförderung und die Gedanken eines betroffenen Bergarbeiters ja sehr deutlich und einfühlsam. Vielleicht dachten einige anwesende Kumpel in diesen Minuten bei PROFT's "Engel" tatsächlich auch an Kollegen GUNDERMANN oder "Helmut, Wyschek und wer sonst noch draufgegangen war".

Der letzte Teil der Mugge war besonders spannend und der hatte sogar PUHDYS-Fans aus Hessen und Dresden bis nach Hoywoy gelockt. EX-PUHDY PETER "Eingehängt" Meyer und sein 10 bzw. 11 Jahre alter Enkel Ludwig unterstützten FRANK PROFT und SANDRA GROßE bei einer PUHDYS -Runde. Die Fans durften sich über Lieder wie "Alt wie ein Baum", "An den Ufern der Nacht", "Rockerrente" oder " Hey, wir wolln die Eisbären sehen" freuen. MEYER und sein Enkel wechselten sich am Tasteninstrument ab. Der Großvater zeigte allen Anwesenden außerdem, dass er noch genug Puste hat für sein Saxofon. Sogar sein bekanntes "Yaketi Sax" blies er in die Kanne. Der Nachwuchs zeigte derweil, dass die Tasten nicht alles sind, sondern, dass er auch mit dem Cajón umgehen kann.

Als Zugabe spielte die Truppe mit „Rock around the Clock“ noch einen echten Rock'n Roll-Klassiker, welcher durch BILL HALEY AND HIS COMETS anno 1955 seinen Siegeszug um die Welt antrat. Auch der alte Holzmeyer wurde wieder zum Leben erweckt. Danach hieß es jedoch Schicht im musikalischen Schacht und stattdessen die Autogramm- und Fotowünsche der Fans am umlagerten Fanstand zu befriedigen. Auch diese Aufgabe lösten die beteiligten Musiker geduldig und souverän.

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RE: PROFT & Gäste 02.07.17 Tag des Bergmannes und Energiearbeiters Hoyerswerda

in Konzertberichte 2017 05.07.2017 20:48
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in Konzertberichte 2017 05.07.2017 20:55
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RE: PROFT & Gäste 02.07.17 Tag des Bergmannes und Energiearbeiters Hoyerswerda

in Konzertberichte 2017 05.07.2017 21:12
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