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STERN-COMBO Meissen im Kaiserhof zu Quedlinburg

in Konzertberichte 2017 07.05.2017 19:55
von HH aus EE | 846 Beiträge | 2063 Punkte

Stern-Combo Meissen live in Quedlinburg (06.05.2017)

Quedlinburg ist ein schönes Städtchen. Das merkt und sieht man vor allem dort, wo man durch die Innenstadt gehen kann. Seitdem ich im Dreieck Halberstadt, Wernigerode, Quedlinburg „gelandet“ bin, weiß ich die historischen Flecken mit ihren alten Fachwerkhäusern und dem Atem von Historie zu schätzen. Am Tage sprudelt und pulsiert hier das Leben in den Gassen und Plätzen. Abends ziehen, wenn man Glück hat, Geselligkeit und kulturelles Erleben ein, findet Gäste, Zuschauer und Zuhörer. Ich bin heute mit Freunden unterwegs und entdecke dadurch neue und reizvolle Winkel. Wir laufen auf engen verschlungenen Wegen zum Kaiserhof, einem ehemaligen Kulturhaus, um ein Konzert der STERN-COMBO MEISSEN zu besuchen. Für mich wird es ein Treffen mit alten Freunden und der Musik sein, die mich schon fast durch mein ganzes Leben begleitet.

Um den Kaiserhof zu finden, braucht der ungeübte Fußgänger etwas Glück. Der alte Bau ist versteckt im „Hinterhof“ und wird vom aufkeimenden Grün getarnt. Drinnen empfängt den Besucher die Pracht von längst vergangenen Zeiten, die eher verstaubt, denn prächtig wirkt. Auch der Saal ist irgendwie eine Nummer zu groß und hoch geraten. Da müssen eine Menge Besucher her, um ihn ausverkauft wirken zu lassen. Dazu wird es heute leider nicht kommen. Man macht für Quedlinburg nicht Werbung in anderen Städte (Halberstadt, Wernigerode, Thale) und umgekehrt natürlich auch nicht. Kulturpolitik schafft hier Befindlichkeitsgrenzen und Kunst- und Kultursuchende sowie auch die Künstler haben das Nachsehen. Man wurschtelt hier viel zu oft im eigenen Saft. Zumindest ist das mein ganz persönlicher Eindruck.

Wir sitzen alle vor einer viel zu hoch ausgefallenen Bühne, die erste Reihe die Köpfe im Nacken, als das Konzert mit einem Instrumentalstück, das noch keinen Namen hat, beginnt. Sofort sind die Wucht und die Finesse der Band spürbar. Das Stück klingt kunstvoll gestrickt und dennoch spannt es sich mit leichtem Bogen über die ersten Minuten des Abends. In absehbarer Zeit, habe ich mir sagen lassen, wird es auch einen Text haben. Darauf bin sicher nicht nur ich neugierig.

Danach geht es quasi nahtlos über zu Auszügen aus „Bilder einer Ausstellung“ nach Mussorgski. Diese Musik, die in großen Teilen neu ausgearbeitet wurde, fasziniert mich nach all den Jahren immer noch und immer wieder neu. Mit MANUEL SCHMID am Gesangsmikrofon und den Tasten durchschreiten wir die „Promenade“, erleben die beeindruckende „Nacht auf dem kahlen Berge“ mit dem Hexensabbath und dem morgendlichen Glockenläuten und andere Bilder aus dem berühmten Songzyklus. In diesen Minuten macht die Artrock-Legende aus Meissen ihrem Beinamen wieder alle Ehre und ganz im Stillen träume ich noch immer davon, dieses Klangspektakel, mit allem Drum und Dran, doch noch in meine neue Heimat Halberstadt holen zu dürfen, so Verwaltungen, Entscheidungsträger und Sponsoren sich überzeugen lassen (wollen).

Was für mich das Besondere dieser Band ausmacht, ist auch hier in Quedlinburg deutlich zu spüren. Es sind die durchdachten längeren Werke, die Themen der Geschichte aufgreifen, sie in heutige Tage übertragen und dem Spiel der Tasten genügend Raum einräumen. Es sind die filigranen Balladen und solche Lieder wie „Was bleibt“, deren Schönheit sicher nie verblassen wird. Heute erinnert die Combo aus Meissen mit gerade diesem Lied an ihre ehemaligen Bandmitstreiter Thomas Kurzhals, Reinhard Fißler und den erst kürzlich verstorbenen Norbert Jäger. Dass der erfahrene Mann an den Percussions auch einen Hit und viel Humor hatte, wird noch einmal mit dem „Alten (von der Müllkippe“ deutlich hörbar.

Der Konzertabend bietet wieder eine gelungene Mixtur aus genau diesen Klassiker, zu denen ich auch „Licht in das Dunkel“ und „Der weite Weg“ zähle, und ihren großen Hits aus den 1980iger Jahren, jene Zeiten, die große Pop-Songs wie „Stundenschlag“ oder „Wir sind die Sonne“ hervorbrachte. Besonders diese rhythmusbetonten Nummern reißen dann auch die Generation der ehemaligen 1980er von ihren Stühlen. Fast schon traditionell läutet das Mini-Opus „Der Kampf um den Südpol“ langsam den Schluss des Konzertes ein. Seit einiger Zeit sitzt dann auch MARTIN SCHREIER, Bandgründer und letzter Mann aus frühen Jahren, hinter dem Schlagzeug und gibt den Rhythmus des Meisterwerkes („Masterpiece“ und Temptations lassen grüßen) vor. Ich sitze hier und genieße, auch wenn der Sound des Klassikers heutzutage ein wenig anders daher kommt. Es sind einfach nur die Erinnerungen, die meinereiner mit so einem Song in Verbindung bringt. Dass sie dann ganz zum Schluss, und nach den Zugaben, doch noch einmal den alten „Motor“ anwerfen, empfinde ich als anrührende Geste. Mir ist warm ums Herz!

Wie oft ich die STERN-COMBO MEISSEN inzwischen auf einer Bühne erlebt habe, ist längst nicht mehr nachvollziehbar. Warum auch? Mir bereitet es noch immer Vergnügen, die Band um MARTIN zu sehen und den typischen Sound zu hören. Das war auch diesmal in Quedlinburg nicht anders. In mir wühlen stets die Emotionen und ich bin sehr dankbar für jeden Abend, den ich so erleben darf. Nach all den unerfreulichen Nachrichten weiß man ja nie, ob ein solches Erlebnis wiederholbar sein wird. Vielleicht ist dies auch eine der Motivationen, die DETLEF SEIDEL und MARTIN SCHREIER treiben, ihre Combo auf das nächste große Jubiläum, 55 Jahre in 2019 auf den Bühnen zu musizieren, vorzubereiten. Egal wo und wie, dann möchte ich auch einer der Gratulanten sein, wünsche ich mir, während die Schritte durch die engen Gassen und über kleine Plätze des nächtlichen Quedlinburg führen.

Angefügte Bilder:
www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
zuletzt bearbeitet 07.05.2017 19:56 | nach oben springen

#2

RE: STERN-COMBO Meissen im Kaiserhof zu Quedlinburg

in Konzertberichte 2017 09.05.2017 19:29
von Kundi | 2.002 Beiträge | 4582 Punkte

Vielen Dank für Deine persönlichen Eindrücke, lieber Hartmut,
Zur von Dir angesprochenen Problematik des "Wurschteln im eigenen Saft" möchte ich noch anmerken,
dass es manchmal vielleicht auch nur daran liegt, dass die Nachbar-Städte schlicht und einfach vom Veranstalter/Management der Künstler
zuviel Kohle verlangen in Form von Gebühren für die Erteilung der Genehmigung entsprechende Plakate im öffentlichen Raum aufhängen zu dürfen.

Gruß Kundi


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