#1

Über sieben Brücken - Das Ostrock-Musical (02.04.2017 in Chemnitz)

in Konzertberichte 2017 03.04.2017 21:12
von ove | 91 Beiträge | 213 Punkte

Obwohl Reihe 6 auf der Eintrittskarte aufgedruckt war, fand ich mich am 02.03.2017 am Bühnenrand wieder. Die ersten 5 Sitzreihen des kleinen Saals der Stadthalle Chemnitz wurden abgebaut, um zusätzliche Spielfläche zu gewinnen. Für Micha, Nicole, Tommy, Tante Erna, Carola und Peter - Hauptfiguren im Ostrockmusical „Über sieben Brücken“. Ja, jetzt oute ich mich auch noch als Musical-Fan und stelle vielleicht (?) den ersten Bericht dieses Genres - hoffentlich an die richtige Stelle - ins Forum. Habe schon sehr viele tolle Musicals in Hamburg und Berlin gesehen. Chemnitz braucht sich mit den Eigen-Produktionen im Opernhaus auch nicht verstecken. Diese schließen immer hervorragend in einschlägigen Bewertungsportalen ab. Um so eigenartiger ist es, dass ich bisher diesem Musical wenig Beachtung oder Bedeutung beimaß. Warum auch immer. Vielleicht habe ich darauf gewartet, dass mir jemand mal dafür eine Eintrittskarte schenkt. Und ich muss sagen, das Warten hat sich gelohnt. Seit Dezember letzten Jahres lag die Karte zwischen anderen und konnte gestern eingelöst werden.

Kurz zur Geschichte des Stückes:
In einem Warnemünder Strandcafé arbeitet Nicole. Ihr Freund Tommy ist Rockmusiker. Sie träumt von einem eigenen Café, er von einer neuen Gitarre, beide von einer Weltreise. Alles wäre kein Problem, wenn die Geschichte nicht in der Vorwendezeit, auf der falschen Seite der Mauer spielen würde.
Von der anderen Seite kommt Micha in einem fetten Mercedes daher. Will seine liebe Tante Erna besuchen, aber auch die anderen Annehmlichkeiten mitnehmen. Billiges Essen z.B. Erna arbeitet im Hotel Neptun aus Klofrau, putzt auch im Strandcafe. Ihr Lieblingsgetränk scheint „Pfeffi“ zu sein. In unbeobachteten Momenten geht sie zur Bar und genehmigt sich gleich mal n Schluck aus der Pulle. Micha versorgt sie regelmäßig mit weichem Klopapier, einigen DM-Scheinchen und Whisky.
Nicole und Tommy lernen Micha kennen. Dieser zeigt sich sehr großzügig. Tauscht immerhin im Kurs 1:4, macht beiden das Leben im Westen schmackhaft und organisiert mit Hilfe seines Kumpels Peter aus Dresden, einem seiner Knastbrüder, die Flucht. Der Preis ist nicht gerade gering bemessen. 80000 Mark müssen erstmal zusammengeborgt werden. Allerdings kann zunächst nur Tommy im umgebauten Mercedes über die Grenze gelangen. Bis Nicole nachkommen kann, vergeht eine herzzerreißende Zeit des Wartens und der Sorge im Wissen um die vielen Toten an der deutsch-deutschen Grenze.
Beide im Westen wieder vereint, erleben nun den Fall der Mauer.

Vielleicht sagt ihr nun „So ein Schmarrn.“ und vielleicht habt ihr damit recht. Ich jedenfalls brauche zwischen zwei Arbeitswochen kein tiefgründiges, schwer verständliches Theaterstück über das man noch tagelang sinnieren muss, um endlich zu erfahren, was der Künstler damit sagen wollte.

Die Leichtigkeit des Spiels, die Unmengen von Gags, die durchaus realistische Handlung, Lichteffekte, das Einbeziehen des Publikums (ich denke hier vorrangig an die durchaus beängstigende Szene, als NVA-Soldaten brüllend durchs Publikum rasten, Suchscheinwerfer die Zuschauer anstrahlten, weil der flüchtige Tommy aufgegriffen werden sollte), das leicht wandelbare Bühnenbild und die tolle Musik machten 3 Stunden zu einer sehr kurz empfundenen Zeitspanne.

Ja... Die Musik... Nicht umsonst wurden Rollen z.B. „Micha“ genannt. Der hatte eben den Farbfilm für Tante „Erna“, welche natürlich „kommt“, vergessen. Peter ist Sachse, den kann in Berlin niemand leiden. Da woll'nsen ehne drüberzieh'n, da woll'nse mit ihm streiten.
Diese vorhersehbaren Parallelen ließen sich fortsetzen, bereiten aber trotz der Ernsthaftigkeit Spaß.
Aber andere eingeflochtene Stücke wie z.B. „Als ich fortging“, „Der blaue Planet“, „Der Himmel schweigt“, „Doch die Gitter schweigen“, „In jener Nacht“, „Jede Stunde“, „Jugendliebe“, „Lebenszeit“, „Nie zuvor“, „Wie weit ist es bis ans Ende dieser Welt“, „Wir sind die Sonne“ und natürlich „Über sieben Brücken“ waren sehr geschickt platziert und erzeugten gesanglich in perfekt Musical-typischen Interpretationen und Arrangements Gänsehaut pur. Eigentlich kein Wunder, da alle Interpreten auf diesem Gebiet sehr erfahren sind. So spielte z.B. Dirk Soukup (Micha) bereits den Graf von Krolock in „Tanz der Vampire“ oder das Phantom in „Das Phantom der Oper“. Judith Zürcher (Nicole) wurde mit Rollen in „Fame“ und „Linie 1“ besetzt. Julia Lehmann (Tante Emma) spielte in „Romeo und Julia“ und „Evita“.

Vielleicht habe ich euer Interesse etwas geweckt, das Musical einmal zu besuchen. Die Tournee-Termine und viele interessante Infos findet ihr unter http://www.ueber-sieben-bruecken.de. Die Tour wird fortgesetzt. Am 25.02.2018 wird noch einmal in Chemnitz gespielt, gesungen, getanzt und gejubelt!

Am 08.04.17 gegen 00:40 Uhr durch Admin. Kundi auf Wunsch des Beitragserstellers eine kleine redaktionelle Änderung vorgenommen

zuletzt bearbeitet 08.04.2017 00:43 | nach oben springen

#2

RE: Über sieben Brücken - Das Ostrock-Musical (02.04.2017 in Chemnitz)

in Konzertberichte 2017 04.04.2017 19:56
von PMausM | 1.524 Beiträge | 3211 Punkte

Also es ist dir auf jeden Fall gelungen, mit deinem tollen Beitrag hier Interesse zu wecken. Hatte schon oft von diesem Musical gehört, sie sind damit ja schon einige Jahre auf Tour. Selbst gesehen habe ich es noch nicht. Ostrocktitel, die zu einer Handlung verknüpft wurden. Stelle ich mir interessant vor. Danke fürs Erzählen.


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#3

RE: Über sieben Brücken - Das Ostrock-Musical (02.04.2017 in Chemnitz)

in Konzertberichte 2017 06.04.2017 20:31
von Kundi | 2.002 Beiträge | 4582 Punkte

Schön geschrieben, lieber Ove.
Dein Bericht macht wirklich neugierig.
Herzlichen Dank, dass wir durch Deinen Bericht ein wenig an dem Musical teilhaben konnten.

Gruß Kundi


zuletzt bearbeitet 06.04.2017 20:31 | nach oben springen


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