#1

GUNDERMANN-Party 18.02.2012 KUFA Hoyerswerda

in Konzertberichte 2013 und älter 26.12.2016 16:17
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Heute erinnern wir uns hier an die GUNDI-Party 2012 mit WunderbunTd, Rühmann & Rohloff in Hoyerswerda.

Bericht Teil 1:

Heute möchte ich meine lose Folge von Konzertberichten mit einer kurzen Darlegung meiner Eindrücke von der GUNDERMANN-Party am vergangenen Sonnabend (18. Februar 2012) in Hoyerswerda fortsetzen. Diese Veranstaltung beginnt in Hoywoy zur Tradition zu werden und sie findet seit ein paar Jahren zeitnah zum 21. Februar, dem Geburtstag von Gundi statt. Sie wird gemeinsam vom Kulturfabrik e.V. (www.kufa-hoyerswerda.de), dem Soziokulturellen Zentrum für Hoyerswerda und Umgebung, in Zusammenarbeit mit Gundermanns Seilschaft e.V. (http://gundi.de) organisiert. Im Gundi e.V. engagieren sich übrigens seit 1999 Freunde und Fans von Gerhard GUNDERMANN um sein künstlerisches Werk lebendig zu halten. Wer mehr Informationen möchte, kann gerne den obigen Links folgen. Selbstverständlich erst, wenn mein Bericht zu Ende gelesen wurde *g*;-).

GUNDERMANN-Partys gibt es aber auch immer mal wieder und zu unterschiedlichen Terminen in anderen Städten. Meine erste Veranstaltung dieser Art besuchte ich zum Beispiel am 16.11.2002 im Klubhaus „Peter Edel“ in Berlin. Da ich damals noch nicht an der Leine ins weltweite Datennetz hing, hätte ich von diesem Ereignis womöglich nichts erfahren, wenn nicht eine mir bestens bekannte Band dort gespielt hätte und im Vorfeld mit dem berühmten Zaunpfahl allerdings nur in Streichholzgröße gewunken hätte. Gundermann-Party - was soll das denn werden? Die schlichte Neugier und „meine“ Band trieben mich damals dann doch nach Berlin. Der Abend hat sich dann sehr nachhaltig in mein Gedächtnis eingegraben und weitere GUNDERMANN-Partys folgten.

Woran das liegt? Eigentlich ist das ganz einfach. Diese Veranstaltungen sind sehr abwechslungsreich, informativ und spannend. Sie haben nichts mit sinnloser Abfeierei oder Anbetung eines verstorbenen Antistars zu tun. Diese Partys sind eher ein Treffpunkt vieler interessierter Menschen, die sich aktiv mit Gundis Gedankenwelt und seinem künstlerischen Schaffen auseinandersetzen um es somit für die Zukunft zu bewahren. Auch für Leute, die bisher keine oder wenig Berührungspunkte mit Gerhard GUNDERMANN hatten, sind diese Events eine gute Möglichkeit ins Thema einzusteigen. Jede Party ist inhaltlich etwas anders aufgebaut und es sind keine reinen Musikveranstaltungen. Es gibt dabei Vorträge, Filmvorführungen, Gesprächsrunden, Ausstellungen und natürlich auch die Livemusik. Übrigens haben die musikalischen Gäste nicht immer „nur“ GUNDERMANN-Songs im Programm. Auch das finde ich sehr gut, denn frischer musikalischer Wind aus anderen Richtungen hat noch keinem Menschen geschadet.

Am 18. Februar 2012 strömten viele Menschen in die Hoyerswerdaer KUFA. Ausverkauft konnten die Veranstalter mittels Hinweis an der Eingangstür noch weit vor Beginn der musikalischen Beiträge stolz vermelden. Da der Saal zunächst komplett bestuhlt war und dadurch weniger Menschen aufnahm, wurden Wartende darauf vertröstet, dass in der Pause vor der letzten Band des Abends dann die Stühle entfernt werden und dann auch noch Platz wäre.

Den ersten Programmpunkt, einen Vortrag von Dr. Alexander Naumann (Vorstandsmitglied der Ernst Busch Gesellschaft e.V.) zum Thema „Gundermann und die Lieder von Ernst Busch“ in einem Nebenraum habe ich leider verpasst, weil ich mich im Saal mit Freunden, Bekannten und Musikern festgequatscht hatte. Dabei hätte der mich wirklich interessiert, denn GUNDI sang überzeugend Lieder von Ernst Busch und er experimentierte auch mit ihnen.

Ich empfehle euch als Beispiel gerne das Lied „Old Dixie Down“ von der CD "Werkstücke II - Gerhard Gundermann & Die Wilderer“. Das Album erschien im Jahr 2004 und belegt das Schaffen von Gundi und den Wilderern zu Wendezeiten. Bei dem Stück „Old Dixie down“ verknüpft er das Originallied mit eigenen Gedanken sowie mit Textauszügen der „Internationale“ und dem „Lied der Jaramafront“ von Ernst Busch. Der Titel hat mich fast umgehauen als ich ihn erstmals hörte. Gundis Stimme, der schwer verdauliche Text und die musikalische Umsetzung durch die Wilderer hatten mich in gemeinsamer Wucht fast erschlagen. Eigentlich unbeschreiblich, das Lied hat mich auf Anhieb in der Seele getroffen und hat sich für immer dort eingenistet. Ich war aufgewühlt, sprach- und fassungslos und sogar heute noch überfällt mich oft ein Schauer, wenn ich „Old Dixie Down“ von Gundi höre. Es sind ganz persönliche Gedanken, Eindrücke und Erinnerungen, die ich mit diesem Lied verbinde.

Doch ich möchte jetzt fortfahren im Text und komme nun zum musikalischen Teil des Abends. Man könnte ihn auch überschreiben so überschreiben: Neil Young trifft Gerhard Gundermann und einen WunderbunTd(-en) Rio Reiser auf einer Bühne.

Den Anfang machten Thomas Rühmann und Rainer Rohloff mit ihrem Neil Young-Projekt „Jung und Young“. Ich mag Neil Young’s Musik, bin da jedoch kein ausgewiesener Experte. Auch Gundi bediente sich ja gerne mal bei den Melodien des Kanadiers. Aber wenn ich Livealben wie „Weld“ oder „Year of the Horse“ höre, wie der Meister da streckenweise mit dem „verrückten Pferd“ (Crazy Horse) durch die Songs galoppiert und kräftig-deftigen Gitarrenrock abliefert, tropft mir schlicht der Sabber der Begeisterung vom Kinn. Natürlich schätze ich auch die Balladen bzw. Hymnen wie „Heart Of Gold“, „Helpless“, „Old Man“ oder „After the Gold Rush”. Nun war ich gespannt, wie Rohloff und Rühmann sich der Lieder von Young annehmen würden.

Thomas Rühmann habe ich beim Gundermann-Tribut am 21.05.2008 in Berlin schon kurz als Musiker zusammen mit Tobias Morgenstern (L’ART DE PASSAGE) erlebt. Ansonsten ist der Mann Schauspieler und vielen sicher als Dr. Heilmann aus der TV-Serie „In aller Freundschaft“ bekannt. Ich gestehe freiwillig, dass ich davon noch nie einen Teil gesehen habe. Der Gitarrist Rainer Rohloff ist Gründungsmitglied von L’ART DE PASSAGE und er hat lange Jahre an Tonträgern von Mikis Theodorakis sowie dessen Tourneen mitgewirkt. Dazu kommen noch diverse eigene Produktionen und Projekte.

Nun saßen die zwei Künstler auf der Bühne der KUFA und waren von diversen Gitarren umgeben. Sie spielten natürlich viele Lieder von Neil Young. Dazwischen erzählte der Schauspieler, was er mit Neil Young verbindet zum Beispiel die Geburt seiner Tochter und andere Episoden. Außerdem wird „Das Buch der von Neil Young Getöteten“ von Navid Kermani in das Programm eingebunden. Kermani ist eigentlich Islamwissenschaftler und Publizist. Er zählt zu den führenden Iran-Experten in Deutschland. Rühmann erzählt zum Beispiel die Geschichte, wie ein nächtelang wegen Bauchkrämpfen geplagtes, schreiendes Baby und dessen Eltern endlich zur Ruhe kommen. Der kleine Schreihals wird ausgerechnet beim Hören des Liedes „The last Trip to Talsa“ von Neil Young ganz still und friedlich. Man merkt Thomas Rühmann an, dass er ein Profi des gesprochenen Wortes ist. Redetempo, Verständlichkeit und Betonung waren allererste Sahne. Rohloff würzt das Ganze spärlich aber sehr gekonnt mit Kommentaren. Das hat mir schon Spaß gemacht. Musikalisch kommen sowohl laute als auch leise Lieder von Neil Young zu Gehör. Man könnte auch sagen die Palette reichte vom sanften Rock mit Akustikgitarren bis zu hin zum lärmenden Rock mit 2 E-Gitarren. Rainer Rohloff spielte überragend seine Instrumente. Da durfte man ruhig mal staunen, was der Mann so alles anstellte und was er an Tönen aus den Klampfen holte. Er ist wirklich ein absoluter Gitarren-Tausendsassa und Saitenhexer.

Womit ich mich nicht so ganz anfreunden konnte, war die Geschichte, dass Rühmann und Rohloff einige von Gundi’s Liedtexten mit neuen Melodien von Neil Young-Liedern versahen. „Sehnsucht nach dem Rattenfänger“ erhielt die Noten und Töne von Greendale“ und „Steinland“ die von „Crime in the City“. Das klang für meine Ohren, sagen wir es mal ganz vorsichtig, sehr ungewöhnlich. Nur bei „Alle oder Keiner“ brauchten sie die Musik nicht verändern, denn da hatte sich Gundi ja schon bei Neil Youngs "Rockin' in the Free World" bedient. Ich hätte es gut gefunden, wenn Rohloff und Rühmann den Originalrefrain von Young am Schluss des Liedes noch drangehangen hätten. Denn da hätte sich deutlich hörbar und sehr symbolisch der Kreis zwischen beiden Künstlern geschlossen. Aber insgesamt gesehen war „Jung und Young“ schon ein kurzweiliges und unterhaltsames Programm und die beiden Protagonisten hatten sich die Zugaben und den Schlussapplaus redlich erarbeitet.

---Ende Bericht Teil 1---

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 26.12.2016 16:31 | nach oben springen

#2

RE: GUNDERMANN-Party 18.02.2012 KUFA Hoyerswerda

in Konzertberichte 2013 und älter 26.12.2016 16:22
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Bericht Teil 2:

Während der nun fälligen kurzen Umbaupause wurde im Saal auch endlich die Bestuhlung fix entfernt. Einige ältere Besucher, die wahrscheinlich nur mal sehen wollten, was ihr geliebter „Dr. Heilmann“ aus der Flimmerkiste denn sonst so macht, schienen erleichtert zu sein, dass der Krach endlich aufgehört hat und suchten schleunigst das Weite. Dabei ging der Abend jetzt erst so richtig los. Die Musiker und Musikerinnen von WunderbunTd aus Freiberg standen endlich auf der Bühne im Schein des farbigen Lichtes. Die Band feiert dieses Jahr übrigens ihren 25. Geburtstag. Neben ihren ganzen anderen Programmen und Projekten sind sie mit der Rio-Reiser-Rocknacht auch schon 10 Jahre unterwegs. An diesem 18.Februar 2012 spielten sie ihre eigenen Lieder sowie die Songs von TSS und Rio Reiser auf der GUNDERMANN-Party in der KUFA. Ich war sogar ein paar Augenblicke gerührt als es mit dem WunderbunTd-Lied „Immer wieder“ losging. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Refrain auch wie die Faust aufs Auge zu den Freiberger Musikern passt:

„Wir müssen immer wieder und wieder von Neuem beginnen,
ich werde immer wieder und wieder hier stehen und singen,
und auch Scherben gibt es immer und immer wieder;
hier nimm mein Blut, meine Hoffnung, mein Leben!
Nimm meine Lieder!"

Ich habe ganz stark den Eindruck, dass diese Worte besonders Jens und Isolde „Soldi“ Lommatzsch aus dem Herzen sprechen. Ich beziehe das jetzt mal nur auf die Band, ihre Geschichte und auf das, was ich mit WunderbunTd die letzten Jahre erlebt habe. Dabei sagt das ganze Lied ja eigentlich noch viel mehr aus, denn jeder muss sich im Leben nach Tiefschlägen wieder aufrappeln und von vorn beginnen, wenn er nicht untergehen möchte. Den Text hat Soldi selbst geschrieben und der Frontmann singt den Refrain so ausdrucksstark und glaubhaft, dass es daran auch keinen Zweifel geben kann.

Überhaupt sind mir die eigenen Werke der Band mittlerweile auch richtig ans Herz gewachsen. Mit den Texten kann ich was anfangen und sie stehen meiner Meinung nach ganz in der Tradition von Rio oder Gundi. Die haben nichts mit Wischiwaschi-Gelaber zu tun, sondern sie liefern Denkanstöße ohne Ende zu Fragen, Problemen von Mensch und seiner Welt. „Frontbrief“ und „Soldiers“ beispielsweise sind in Zeiten wo Kinder deutscher Eltern als Soldaten in Afghanistan sterben, sogar erschreckend aktuell. Natürlich packte die Band auch eine ordentliche Portion Scherben- und Rio-Songs drauf.
Obwohl Jens gesundheitlich sehr angeschlagen war und mächtig mit einer Erkältung zu kämpfen hatte, gab er körperlich und stimmlich alles. Mir kam es so vor, als wenn er sich an den Liedern aufrichtete und aufpushte. WunderbunTd änderte trotzdem aus diesem Grund auch die Setlist während der Mugge, um es dem Frontmann etwas leichter zu machen. Trotz Handicap konnte Hoyerswerda bei „Der Turm stürzt ein“ abhüpfen, beim „Rauchhaus-Song“ den Refrain und bei „der Traum ist aus“ die Zeile “dieses Land ist es nicht“ lautstark mitsingen. Das „Zauberland“ brannte immer noch lichterloh und jeder konnte sich darüber seine eigenen Gedanken machen.

Die Band agierte mit Spielfreude und –stärke. Ich schreibe die nächsten wichtigen Worte, die WunderbunTd live treffend beschreiben mal in Großbuchstaben, weil ich sie kennzeichnend für die Auftritte der Kapelle halte: LEIDENSCHAFT, HERZBLUT und hohe MUSIKALITÄT. Das Gesamtpaket stimmt einfach bei WunderbunTd. Da werden einem die schönsten Gitarrensolos förmlich um die Ohren gehauen, dass es nur so kracht, die Bläser machen bei einigen Liedern Druck ohne Ende und der Rhythmusunterbau stimmt ebenfalls. Man sieht dem Ensemble auch die Freude und den Spaß an der Sache wirklich an.
Lächelnde Gesichter, reichlich Action auf der Bühne und die großartigen Stimmen von Jens und Soldi reißen das Publikum immer wieder mit. Für Kundi gab es bei der Gundi-Party natürlich als Zugabe auch noch den „Junimond“. Obwohl die Band bis nach Mitternacht spielte, entschuldigte sich WunderbunTd noch beim Publikum, dass sie nicht die vollen 3 Stunden spielen konnten, aber Jens war stimmlich und körperlich total am Ende. Hoyerswerda dankte WunderbunTd trotzdem noch einmal mit reichlich Beifall.

Hier hätte der Abend eigentlich zu Ende sein können. Er war es aber nicht und das verdanken wir dem Techniker Maik „Pille“ Pillokat, der in der KUFA mit seiner Firma immer für den richtigen Sound sorgt. Pille war ja auch Techniker bei Gundi und hatte private Filmaufnahmen mitgebracht. In einem Nebenraum konnten wir dann daran teilhaben wie GUNDERMANN & Seilschaft im April 1993 in Fresenhagen auf dem Anwesen von Rio Reiser am Album „Der 7. Samurai“ arbeiteten und deshalb mehrere Tage dort verbrachten.

Wir sahen die Band bei der Probe in Jogginghosen und Badelatschen, wir konnten sie beim Spaziergang am Strand der Nordsee und, beim Abschlussfestschmaus in der Kneipe beobachten. Auch Rio war mehrmals zu sehen sowie sein Hund und seine Schafe. Es gab da auch sehr lustige Momente, zum Beispiel als die Musiker ein dänisches Ferienhaus bestaunten und sich dort an den Fensterscheiben die Nasen plattgedrückt haben oder wie Gundi eine neue Spielart von Billard erfand. Ich denke, solche tiefen Einblicke hinter die Kulissen bekommt man nicht noch mal geboten.
Ich bin dann sehr nachdenklich Richtung Heimat gefahren. Ich dachte an diese Bilder und an viele(Ost-)Rocker, die nicht mehr unter uns weilen. Das sind mittlerweile leider ganz schön viele. Alleine in Pilles Filmaufnahmen sah man mit Gundi, Rio Reiser und Thomas Hergert schon drei…

P.S. die kurze Darlegung ist am Ende doch etwas länger geworden

---Ende Bericht---

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 26.12.2016 16:30 | nach oben springen

#3

RE: GUNDERMANN-Party 18.02.2012 KUFA Hoyerswerda

in Konzertberichte 2013 und älter 26.12.2016 21:38
von PMausM | 1.524 Beiträge | 3211 Punkte

Daran erinnere ich mich auch noch. Mit dem Konzert war eine lustiges Erlebnis verbunden. Ich gehöre nicht zu der Sorte, die Beziehungen zu Künstlern nutzen, um an Karten zu kommen. Aber hier mussten wir mal eine Ausnahme machen, was mir hoch peinlich war. Mit Tina war ich dort angereist, ohne eine Karte bestellt zu haben. Es kam, wie es kommen musste, es war ausverkauft. Wir mussten erst die Soldi von Wunderbundt an die Tür bitten lassen, die mit uns ins Büro des Veranstalters ging und diesen überzeugen musste, uns noch rein zu lassen.


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