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LEONARD COHEN, der stille Gigant ist tot

in Bands, Musiker, Musikstile 11.11.2016 19:22
von HH aus EE | 832 Beiträge | 2031 Punkte

Ein letztes Hallelujah für Leonard Cohen

Dies ist ein diesiger Morgen, feucht und ungemütlich. Der Kaffee neben mir ist frisch und draußen ist es noch duster. Dieser Tag scheint verschlafen zu wollen. Mein Hund hat sich, nachdem draußen alles erledigt war, wieder in die Wärme verkrochen. Mein Morgenkaffe schmeckt nur leicht süßlich, als ich die bittere Nachricht vom Schirm ablese: LEONARD COHEN ist tot. -

„Suzanne“ und „Marianne“, zwei Schönheiten von seinem ersten Album „Songs Of Leonard Cohen“ (1967), plus sein „Sisters Of Mercy“ wurden Teil der Empfindsamkeit einer ganzen Generation und darüber hinaus. Wohl kaum einer, der damals mit Musik in Berührung kam, wird jemals diese Lieder vergessen können, die der Kanadier in seiner unverwechselbaren traurigen Stimmung sang. Zum mit Mitheulen schön! Er sollte mich mit seinen Liedern, so wie einige andere auch, durch mein ganzes Leben begleiten. Doch davon ahnte ich 1967/68, als ich diese Songs das erste Mal hörte, noch nichts.

Mit „Songs From A Room“ griff der damals fast 40jährige LEONARD COHEN tief in meine Seele und berührte mein Herz. Ich war hingerissen von seiner Art, diese melancholischen Songperlen zu singen und erstaunt auch, wie die Poesie, die ich erst langsam begriff, unter die Haut ging. Mit „Songs of Love And Hate“ (1971) vermochte er uns in romantischen Stunden zu berühren und das sollte so bleiben, ganz gleich, ob er „Lover, Lover, Lover“ (1974) oder später „Dance Me To The End Of Love“, „Hallelujah“ oder „Heart With No Companion“, alle vom Album “Various Positions” (1984), sang, LEONARD COHEN blieb mit seinen Melodien und Texten stets an meiner Seite, auch wenn der natürlich nichts davon ahnte. Schließlich zählen sich seine Verehrer weltweit in Millionen.

LEONARD COHEN war einer der letzten Giganten des vergangenen Jahrhunderts, die ihre Poesie und einzigartige Musik auf eine besondere Ebene zu heben vermochten. Seine Lieder sind extravagante und dennoch schlichte Mischungen aus betörender Lyrik, ehrlicher Melancholie und manchmal auch stillem Sarkasmus, dem man sich nur schwerlich entziehen konnte. Aus den eigenen emotionalen Tiefschlägen schuf er klingende Magie, er verzierte seine Songs mit tiefer Spiritualität, ohne nur ein einziges Mal aufdringlich zu wirken. Er vermochte uns mit offener Ehrlichkeit und harmonischer Tiefe zu berühren und zu verzaubern. Er war einer derjenigen, die Rockmusik erwachsen machten.

Eine jener Platten, die mich fast zwei Jahre später, nun schon im neuen Jahrtausend, wieder mobilisierten, waren seine zehn neuen Lieder, „Ten New Songs“ (2001). Die zehn Songs schrieb COHEN gemeinsam mit SHARON ROBINSON, die mit ihm zusammen den Zen-Buddhismus studiert und seine Platten produziert hatte. Aufgenommen und produziert quasi im Alleingang, kam das neue Album schlicht und unfassbar berührend daher. Es hat mich damals fast umgehauen, als „In My Secret Life“ und „A Thousand Kisses Deep“ aus den Rillen erklang. Es war die pure Schönheit von Liedern und eine Lyrik, die nach meinem Herzen griff. Cohen war endlich wieder da!

Als er endlich Deutschland besuchte, die O2-Arena in stille Begeisterung versetzte und die Waldbühne mit seinen Liedern zum Glühen brachte, wollte oder konnte ich nicht dabei sein. Ich weiß nicht warum ich ausgerechnet eines seiner letzten Konzerte nicht besucht habe. Beide Male war mein Freund dabei und beide Male hat er mir was vorgeschwärmt. Nun ist es zu spät für eine neue Chance und wieder muss ich erkennen, dass man nicht alles haben kann. Selbst dann nicht, wenn man gern möchte. Der Mann mit dem magischen Timbre in seiner charismatischen Stimme ist für immer gegangen und viele haben einen Freund für’s Leben verloren. Wieder einmal wird in der Abenddämmerung im Fenster für einen meiner Helden eine Kerze brennen und ein leises „Hallelujah“ aus den Boxen klingen. Ich denke dann an eine der letzten großen Ikonen unserer Epoche, einen Künstler mit ehrlichen Visionen von der Menschlichkeit und Liebe in seinen Liedern. Dann werde ich mich, still in meinem Kämmerlein, von ihm verabschieden und leise weinen - so long, Leonard, Du wirst Liebhabern, wie ich einer bin, sehr fehlen ……

Angefügte Bilder:
L. Cohen - Various Positions.jpg

www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
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#2

RE: LEONARD COHEN, der stille Gigant ist tot

in Bands, Musiker, Musikstile 13.11.2016 09:47
von SN-Nittel | 130 Beiträge | 292 Punkte

Hallo Hartmut...wie immer passende Worte von Dir.
Lustig oder traurig fand ich, als ein großer Radiosender einen kurzen Beitrag zum Tod von Loenard Cohen brachte und natürlich mit ganz viel lobenden Worten und dann einen Songs für paar Sekunden einspielte.
Große Worte und dann nicht mal Zeit für einen ganzen Song!?!?....so macht man sich unglaubwürdig.
Dagegen gab es am Freitag nach dem Blueskonzi von Erja Lyytinen in Lichtentanne "Hallelujah" in voller Länge aus den Boxen!

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