#1

Quaster bereut nichts in Weinböhla

in Konzertberichte 2016 01.10.2016 18:48
von PMausM | 1.524 Beiträge | 3211 Punkte

Quaster in Weinböhla

Ein trotziges „Ich bereue nichts“ schleudert uns Quaster von seinem Werbeplakat für seine Solo Tour entgegen. Klar, ist ein Hingucker und machte mich neugierig, mal herauszufinden, was Quaster alles nicht zu bereuen hat. Für einen langjährigen Puhdysfan ein interessantes Unterfangen.

Ausgesucht hatte ich mir kurzfristig den Zentralgasthof in Weinböhla. Für mich mental schwierig, denn an dieser Veranstaltungsstätte hängen viele Erinnerungen an tolle Puhdysmuggen, an Freunde und Begebenheiten. Ich gebe es mal zu, ich war nicht versöhnt mit dem Ende einer meiner absoluten Lieblingsbands. Ich haderte immer noch mit dem Schicksal.

Quaster setzt mit seinem Programm genau hier an. Es ist nicht der dritte Aufguss einer Rocklegende.
Dieter Hertrampf öffnet sein Archiv und sein Herz und nimmt das Publikum mit auf eine Zeitreise in die Rockgeschichte. Anders kann man dieses Event nicht beschreiben. Ich will hier keine Nacherzählung starten oder eine Aneinanderreihung von gespielten Titeln. Erzähle mal, was ich empfunden habe.

Die Bühne in Weinböhla war aufwändig gestaltet und das Ganze multimedial angelegt.
Als Dieter die Bühne betrat, war ich richtig von den Socken. Ihr werdet es an den Bildern sehen, es ist ein ganz anderer Quaster, als wir ihn kennen. Er hat sich mal fix neu erfunden und das mit 72 Jahren.
Umbenannt hat er sich zum Glück nicht, wir dürfen immer noch Quaster zu ihm sagen.

Einer älteren Dame sei es gestattet, mal anzumerken, Dieter sieht flotter und erholter aus denn je. Man merkt es ihm auch äußerlich an, dass er mit dieser Veränderung leben kann und gut in seinem neuen Leben nach den Puhdys angekommen ist.

Andere schreiben Bücher, Quaster setzt mit dieser Show sein Leben in Bildern, Klängen und viel Humor in Szene. Dabei nimmt er sich doch sehr zurück und mimt nicht den großen Star. An seiner Seite agiert total gekonnt sein Kumpel, der Schatten. Wie er wirklich heißt, weiß kaum jemand, aber da er nicht den Anspruch hat, ein 6. Puhdy zu sein, ist das auch egal. Aber er ist ein langjähriger Freund und Berater von Dieter Hertrampf. Schatten fungiert in diesem Programm als Stichwortgeber. Er sorgt dafür, dass Dieter sein Leben geordnet vor dem Publikum ausbreitet und nichts vergisst.

Außerdem darf er an bestimmten Stellen auch musikalisch aushelfen. Er spielt Flöte, Maultrommel und Mundharmonika.

Richtig gefiel mir, dass in dem Programm schon am Anfang die Techniker vorgestellt wurden und ihnen der gebührende Dank zukam. Genau das ist das große Plus dieser Show, perfekter Sound und gekonntes in Szene setzen der Programmpunkte auf der Bühne.

Um es kurz zu machen, Quaster erzählt sein Leben in Bildern, die in Großformat auf der Bühne zu sehen sind und hat für die einzelnen Stationen immer den passenden Song parat, der ihn damals inspiriert hat. Wie man weiß, ist Dieter Hertrampf Gitarrenfetischist und die Objekte seiner Begierde sind auch auf der Bühne zu bewundern und in Aktion zu erleben.

Viel Wert wird darauf gelegt, das Publikum einzubeziehen und Rituale zu schaffen.

Eine Dame wird immer auf die Bühne gebeten und darf Geburtstag haben. Es gibt vom großen Meister ein Glas Sekt und es wird gefeiert. Diesmal war es Angela, die Partnerin von Bernd Teichert und da sie etwas zu klein geraten ist, durfte sie anstatt auf dem Barhocker auf einem Schlagzeugstühlchen Platz nehmen. Überhaupt kommt hier Quaster dem Publikum viel näher, als er es früher konnte. Die Leute wurden auch einbezogen, in dem man am Verkaufsstand, betreut vom Quaster Fanclub, Fragen an den Künstler abgeben konnte, die dann von der Bühne aus beantwortet wurden.

Was soll ich euch sagen, hat doch so eine ältere, „hinterhältige“ Dame gefragt: „Quaster, was würdest du tun, wenn Meyer ein drittes Mal vor deiner Tür steht?“ Auf dieses Stichwort hin tobte der Saal. Vom Zusammenhang her muss man erzählen, Quaster hatte bemerkt, dass es immer Mayer war, der an seine Tür klopfte und ihn nach Unterbrechungen in die Band zurückgeholt hat.
Natürlich zog sich der große Meister geschickt aus der Affäre, anders hatte ich es nicht erwartet. Er antwortete: „ Ich würde sagen, Meyer komm rein und trinke einen Whisky“.

In jeder Veranstaltung bringt Dieter Hertrampf auch Gäste mit, die musikalisch aus ihrem Leben erzählen. Es war diesmal sein Ziehsohn Carsten Mohren, besser bekannt als Beethoven. Er sitzt bei Rockhaus und einigen anderen Bands an den Tasten und erzählte aus seiner Zeit im Hause Hertrampf. Bei den Puhdystiteln unterstütze er Quaster musikalisch. Überhaupt spielt die Einbeziehung seiner musikalischen Familie eine große Rolle im Programm. So durfte der Zuschauer optisch an der „stürmischen“ Hochzeit von Liane und Dieter in Sri Lanka teilhaben. War echt lustig, jedenfalls für die Zuschauer.

Was gespielt wurde, hab ich gar nicht im Detail erzählt und muss ich auch nicht. Geht hin und lasst euch überraschen.

Quasters geniale Stimme und der filigrane Gitarrensound sprechen für sich. Die Lieder klingen anders als gewohnt, das ist sicher beabsichtigt und trägt dazu bei, den Künstler nicht nur als ein ehemaliges Bandmitglied wahr zu nehmen. Quaster pur hat was, das keinen kalt lässt. Er spielte sich auch als Solokünstler in die Herzen der Menschen, was der Beifall in Weinböhla bewies.

Dieter Hertrampf trat mit seinem Kumpel Schatten aus dem Schatten einer Rocklegende. Bei Licht gesehen, macht er in dieser Rolle eine sehr gute Figur.

Als Quaster den Song „Die Welt ist ein Wunder“ anstimmte, musste ich schmunzeln. Er sang die Zeilen „Da wo ich jetzt bin, gehöre ich hin und alles hat seinen Sinn“. Genauso habe ich es empfunden.


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#2

RE: Quaster bereut nichts in Weinböhla

in Konzertberichte 2016 01.10.2016 19:40
von PMausM | 1.524 Beiträge | 3211 Punkte

Bilder

Angefügte Bilder:

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#3

RE: Quaster bereut nichts in Weinböhla

in Konzertberichte 2016 05.10.2016 08:35
von SN-Nittel | 134 Beiträge | 300 Punkte

Danke für den Bericht Petra.
Interessant und wenn ich ehrlich bin, ist das Konzept anders und nicht ganz einfach (zu verstehen). Man sollte vielleicht wirklich mal das anschauen.
Trotzdem wünschte ich mir auch , das Quaster einfach mal die Zeit abhakt, sich 2,3 Leute schnappt und in kleineren Clubs Rock N Roll spielt mit Spielfreude. Das Thema Puhdys ist für mich überstrapaziert, besonders auch in den Medien.
Die letzten Jahre gaben mir wenig, Spielfreude habe ich nicht gesehen. In den 90igern war einfach mehr Lust dahinter.

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#4

RE: Quaster bereut nichts in Weinböhla

in Konzertberichte 2016 05.10.2016 14:15
von HH aus EE | 846 Beiträge | 2063 Punkte

Was das Weitermachen von Maschine und Quaster betrifft, habe ich zwiespältige Empfindungen. Alles, was ich bisher von den ersten Quaster-„Konzerten“ gelesen und gehört habe, lässt mich nicht wirklich euphorisch werden oder in Begeisterung ausbrechen. Für mich fühlt es sich an wie eine matte Kopie des legendären Sachsendreiers im Kleinformat – ein wenig erzählen, ein paar halbakustische Lieder plus ein Blick zurück in die Vita des Künstlers. Alles schon da gewesen, nur abwechslungsreicher. So etwas könnten viele Musiker, nur gehen sie damit nicht auf eine Bühne. Wenn sie es dennoch tun, sollte man wirklich etwas erfahren. Im Grunde hätte ich mir gewünscht, dass Quaster an die früheren Rock’n’Roll – Jahre versucht anzuknüpfen und in kleiner Klubbesetzung – Gitarre, Bass, Tasten und Drums – unverkrampft und ohne diesen blöden Medien- und Fan-Rummel, durch die Lande tingelt und ungeschminkt auf die Pauke haut, spirch, in die Saiten greift. Aus der Nebenrolle bei den Puhdys in die Hauptrolle beim Rock’n’Roll. Einfach weit weg vom alten Bühnen-Primborium und zurück zu den Ursprüngen. Keine Inszenierung, dafür Musik ohne wenn und aber. Im Rentenalter nur noch Musiker sein und 90 Minuten blankes Feuerwerk mit Spaß abfackeln – von „Good Golly Miss Molly“ bis „Schwarz und weiß“. Sachen, die man bisher live nicht mehr gehört hatte. Das würde ich interessant finden und da stimme ich Steffen zu. Ich find’s schade und eine vergebene Chance außerdem.


www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
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#5

RE: Quaster bereut nichts in Weinböhla

in Konzertberichte 2016 05.10.2016 22:29
von Drachenuli | 707 Beiträge | 1520 Punkte

Ich stehe sowieso mehr auf Livemuggen in den kleinen Clubs, und unterschreibe Hartmuts Meinung. Das hat mich schon in den letzten Jahren an den Puhdys gestört, das die nicht wie z.B. Renft, Karussell, Rockhaus, oder Pankow auf den kleineren Bühnen, wie bei uns z.B. im Anker gespielt haben.
Wenn Quaster diesbezüglich noch die Kurve kriegt, gehe ich auch mal hin.

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#6

RE: Quaster bereut nichts in Weinböhla

in Konzertberichte 2016 06.10.2016 11:21
von SN-Nittel | 134 Beiträge | 300 Punkte

Ich stimme da zu...Livemugge in kleinen Clubs und danach sich nochmal sehen lassen im Saal. Das haben Einige "Gutverdiente" mittlerweile vergessen.
Ich glaube auch, manche Selbstinszenierung ist nicht mehr nötig. Und jetzt die letzte Kritik: Viele Musiker haben den (Augen)Kontakt zum Publikum verloren.
So jetzt hab ich genug genörgelt.

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