#1

FREE LITTLE PIGS am 27.08.16 in Dresden

in Konzertberichte 2016 01.09.2016 19:05
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Bericht Teil 1:

Wenige Tage nach dem großen Dresdner Stadtfest folgt mit dem Hechtfest am letzten August-Wochenende gleich die nächste Feier für Einheimische und Gäste.
Es gehört ja zu den Besonderheiten einer Großstadt wie Dresden, dass die verschiedenen Stadtteile auch noch ihre eigenen Feste feiern. Diese finden zu unterschiedlichen Terminen statt und deshalb kann man in Dresden auch mehrmals im Jahr solche Veranstaltungen in den verschiedenen Wohngegenden besuchen.

Einige dieser Feste seien hier nur stellvertretend für alle genannt wie die Bunte Republik Neustadt, St. Pieschen, das Brunnenfest in Gorbitz oder das Westhangfest. Insbesondere die BRN im Juni hat längst überregionale Bedeutung erlangt. Ende Juni folgt dann auch noch das Elbhangfest, welches sich von Dresden-Loschwitz entlang der Elbe auf der Pillnitzer Landstraße bis Pillnitz erstreckt. Solche Veranstaltungen sind wegen ihres reichhaltigen Kulturangebotes ja für uns Muggenpilger, Konzertnomaden und Konzertgänger oft lohnende Ziele.

Das Dresdner Hechtfest ist nicht das feierliche jährliche Raubfischangeln der Dresdner, sondern die Party der Bewohner des Hechtviertels. Der Name hat auch nichts mit dem beliebten Süßwasserraubfisch (lateinisch Esox lucius) zu tun, sondern geht auf den Förster und Weinbergbesitzer August Hecht zurück. Durch das Gebiet eines ehemaligen Artillerie-Schießplatzes führte früher ein Weg zu Hechts Weinberg in Trachenberge und zu seinem bekannten Gasthaus "Zum blauen Hecht" führte. Die richtige Erschließung und Bebauung als Wohngegend begann Mitte des 19. Jahrhunderts.

Heute ist der Flecken Dresden, der sich Hechtviertel nennt, Bleibe und Heimat für mehr als 8000 Menschen. Der Hecht bietet mit seinen lebendigen Kneipen- und Kulturangeboten viele Vorteile eines Szeneviertels ohne so laut, pulsierend und niemals schlafend wie die angrenzende Neustadt zu sein. Das macht das Hechtviertel besonders auch für junge Familien interessant. Die vorhandene Infrastruktur bietet alles, was eine Familie brauchen könnte wie Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Schule, Spielplätze, Park und Grünflächen, medizinische Versorgung usw. Außerdem sind die Wege ins Stadtzentrum oder bis zur Autobahn nicht allzu lang.

Das Stadtteilfest wird immer rund um die Hechtstraße gefeiert. Das Festgelände erstreckt sich über die Seitenstraßen, bindet die Theaterruine St. Pauli, den großen Park an der Schanzenstraße mit seinem Spielplatz und Grünflächen mit ein und führt auf der anderen Seite bis an den Bischofsplatz ran. Die auf Höhe des Dammweges verlaufende Bahnstrecke scheint nach meinen Beobachtungen die östliche Grenze gewesen zu sein.

Manchmal ist es gar nicht so verkehrt, wenn man aus Unkenntnis am falschen Ende parkt. Plötzlich sieht man nämlich viel mehr von so einem Fest

Als ich am frühen Sonnabendabend durch das feiernde Hechtviertel schlenderte, habe ich mich selbstverständlich auch umgeschaut. Für meine Begriffe ist die Sache noch nicht übermäßig auf Kommerz ausgerichtet bzw. diesem auch nicht untergeordnet. Es ist ein buntes, lebendiges Fest mit vielfältigen Angeboten für groß und klein.

Schön und einladend waren auch die vielen Verkaufsstände Speisen und Getränke, die eben nicht nur das übliche Einerlei aus Bier, Limo, Bratwurst, Bockwurst und Langos hatten. Wer wollte konnte auch Spezialitäten wie Pelmeni und Schaschlik aus Russland, oder gebackene Bananen und Couscous mit verschiedenen Beilagen aus Afrika probieren. Selbst die selbsternannten Ökoaktivisten ließen es sich nicht nehmen und servierten Smoothies, die ganz frisch im Mixer mit ökologisch korrekt erzeugten(fahrradbetrieben) elektrischem Strom zubereitet wurden. Ob das Obst und Gemüse auch aus ökologischen Anbau von glücklichen Feldern, Bäumen und Sträuchern stammen und fair gehandelt wurden, habe ich aber nicht abschließend geprüft *g*

Mein Ziel war die Hechtbühne, die während des Hechtfestes an der Kreuzung Hechtstraße/Erlenstraße von den Leuten von Rosis Amüsierlokal betrieben wurde.
Rosis Amüsierlokal ist im Hecht ja auch eine richtige und wichtige Institution. Gerade auch für uns Livermusikjunkies ist die unter der Adresse Eschenstraße 11, 01097 Dresden zu erreichende Kneipe das ganze Jahr über eigentlich ein lohnendes Ziel. Das Haus verschließt sich nämlich guter Livemusik nicht und immer wieder treten dort interessante Bands auf.

Übrigens war das das Programm auf der Hechtbühne an dem gesamten Wochenende nicht von schlechten Eltern. Da waren einige Bands dabei, die nicht zu verachten waren. Trotzdem, vielleicht auch gerade deswegen, habe ich mir diesmal ganz gezielt nur eine einzige Band herausgesucht. Nach dem vergangenen Musikmarathon-Wochenende wollte ich es so mal insgesamt etwas ruhiger angehen lassen.

Gegen 20:00 Uhr ging das musikalische Lärmgewitter auf der Bühne mit 4 munteren Herren los. Die Band hieß FREE LITTLE PIGS und diese Formation ist beileibe kein unbeschriebenes Blatt im deutschen Rockmusikzirkus und schon gar nicht im Rock-Schmelztiegel Dresden.

Die Band FREE LITTLE PIGS tauchte das erste Mal im Jahr 1998 auf. Das ist ziemlich lange her und war außerdem noch im vergangenen Jahrtausend. Wir erinnern uns, damals zahlten wir noch mit D- Mark und in Sachsen regierte noch der schwarze König Kurt (Kurt Biedenkopf). Jetzt bleiben wir aber bei doch lieber bei der Band.

Mir sind die FREE LITTLE PIGS aus der Vergangenheit zumindest nicht gänzlich unbekannt. Die Band sorgte hier und da schon für Aufsehen und ihr schnelles und hartes musikalische Brett war auch nicht zu verachten. Dieser offene Rock'n Roll-Schweinestall hatte eigentlich das Zeug dazu, ganz nach oben durchzustarten. So eine freche, chaotische und laute Truppe hatte der Welt doch eigentlich noch gefehlt.
Fleißig und präsent waren die Jungs damals auch. Sie gaben eigene Konzerte, spielten auf kleinen Festivals und heizten auch für namhaftere Kollegen als Vorband die Läden an. Auch eigene Studioproduktionen konnten die FREE LITTLE PIGS schon vorweisen von der EP bis hin zum fertigen Album „Fat Boy“ aus dem Jahr 2006.

Sogar eine Sporthymne für das American Football-Team der Dresden Monarchs mit dem Titel „Football is Sex, Baby“ haben die FREE LITTLE PIGS Anfang des neuen Jahrtausends geschrieben, zusammen mit der Mannschaft und den Cheerleadern eingespielt, produziert und aufgelegt. „Football is Sex, Baby“ ist so etwas wie der Schlachtruf der Monarchs und der geht auf den im Jahr 2014 verstorbenen Ex-Trainer Bob Guice zurück. Der Mann war von 1997 bis 2000 der erste hauptamtliche Cheftrainer der Monarchs. Mit ihm feierte das Team erste Erfolge wie den Aufstieg in die Regionalliga (im Jahr 1997) und in die 2. Bundesliga (1999). Nun bin ich ja kein ausgewiesener Fan dieser seltsamen Sportart, aber die Hymne der FREE LITTLE PIGS geht ab und haut schweinisch rein.
Ich wusste gar nicht, dass in Dresden auch Eishockey gespielt wird . Für mich buchstabiert sich in Sachsen traditionsreiches Eishockey immer noch W-E-I-S-S-W-A-S-S-E-R und allerhöchstens noch C-R-I-M-M-I-T-S-C-H-A-U. Die FREE LITTLE PIGS sollen in der grauen Vorzeit zwar auch mal ein Liedchen für ein seltsames Gebilde namens Dresdner Eislöwen geschrieben haben, aber das hatte wohl keine weitreichenden Folgen. Über diese offensichtliche Jugendsünde der FREE LITTLE PIGS sehe ich mal großzügig hinweg

----Ende Bericht Teil 1----

Gruß Kundi

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zuletzt bearbeitet 01.09.2016 19:07 | nach oben springen

#2

RE: FREE LITTLE PIGS am 27.08.16 in Dresden

in Konzertberichte 2016 01.09.2016 19:11
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Bericht Teil 2:

Die FREE LITTLE PIGS nahmen im Jahr 2001/2002 auch am damals größten Nachwuchs-Bandwettbewerb f6 -Musikaward teil. 600 Bands beteiligten sich daran und die PIGS erreichten das Finale in der Hauptstadt. Sie rockten Berlin ordentlich, auch wenn sie letztendlich nicht gewannen, sondern letztendlich „nur“ unter die Top 6 Bands des Wettbewerbes kamen. Aber die Nr. 6 von 600 ist doch auch nicht schlecht.

Auf dem anlässlich des 25. Jahrestages der Ermordung des EX-BEATLES JOHN LENNON ( 08.12.1980) erschienen Album „Give'm A Chance - A Tribute To John Lennon“ waren die FREE LITTLE PIGS mit dem Lied „Instand Karma“ vertreten. Die PIGS befinden sich auf dieser Scheibe in guter Gesellschaft, denn auch Bands wie MuSix, MOTHERS LITTLE HELPERS oder MARIANNENPLATZ coverten bei diesem Projekt jeweils einen LENNON-Song. Dieses Album ist Ende 2005 bzw. Anfang 2006 bei SECHZEHNZEHN Musikproduktion GmbH veröffentlicht. Das ist eine Firma von AMIGA-Papst und -Nachlassverwalter JÖRG STEMPEL.

Die FREE LITTLE PIGS machten geile Musik, waren damals mit Konzerten, mit Tonträgern und Aktionen richtig präsent und trotzdem lösten sie sich Ende 2006 auf.
Der ganz große Durchbruch war ihnen leider nicht gelungen. Vielleicht war ja die Zeit für die FREE LITTLE PIGS auch noch nicht reif??? Oder es fehlte einfach auch nur ein Quäntchen Glück.

Doch seit vergangenem Jahr geht die Schweinerei nach fast 10 Jahren Pause munter weiter. Die FREE LITTLE PIGS lassen es auf verschiedenen Bühnen wieder ordentlich krachen. Vor einigen Wochen spielten sie sogar in unserem Nachbarland Polen auf dem Wrocławski Festiwal Dobrego Piwa (das übersetze ich mal frei Schnauze mit Wroclawer Festival des guten Bieres)

Diese rockwilden, vorlauten kleinen Schweinchen konnte man am Sonnabend auf der Hechtbühne "for free" erleben. Das ist ja ein angenehmer Nebeneffekt vieler Stadt-, Stadtteil- oder Dorffeste, dass die Muggenbespielung für die Besucher gratis ist. Den FREE LITTLE PIGS stand zwar nur rund eine Stunde Spielzeit zur Verfügung, aber die nutzten sie auch ordentlich und gnadenlos aus. Laut, frech, witzig und chaotisch mit leichtem Hang zur Bühnenanarchie - so fiel das Kleeblatt der FREE LITTLE PIGS-Musiker über das doch recht zahlreich versammelte Publikum her.

Sie spielten kurze, schnelle und knackige Songs aus eigener Feder, die in englischer Sprache gesungen werden wie "Fallen Hero", "Girl Control", "Bad Day (Where Are My Pants)“, „Pyromanic Woman" oder "Supersonic" von ihrem damals erschienenen Album. Auch der Titelsong der Scheibe "Fat Boy" reihte sich in das auf der Hechtbühne abgespulte FREE LITTLE PIGS-Programm ein. Andere Songs hießen zum Beispiel "Leather Face", "No Way" oder "Day of Pigs".

Wie klingt den nun diese ganze Schweinerei eigentlich. Das ist wirklich schwer zu beschreiben. Ich hörte beim Hechtfest von der Band ein Soundgemisch, welches Ähnlichkeiten zum amerikanischen Punk der RAMONES, GREEN DAY oder BLINK 182 sowie zum energiegeladenen heißen Hochgeschwindigkeitsrock mit kräftigen Punkeinflüssen der schwedischen BACKYARD BABIES und der norwegischen Band TURBONEGRO aufwies. Hier und da kamen auch ein paar Spritzer AC/DC oder MOTÖRHEAD zu diesem Soundgebräu. Ich kann es euch auch so sagen, dass die FREE LITTLE PIGS deutlich härter als Götterspeise oder Marmelade klingen und abgehen wie Schmidts Katze. Der Stubentiger der Familie Schmidt würde bei solchen Klängen nicht nur so abgehen, sondern ganz sicher so viele Purzelbäume am Stück schlagen, dass er den gesamten Gig über rollieren würde.

Dass die Mugge tatsächlich auch ordentlich laut gekesselt hat, sah man an den an der Bühne vorbeigehenden Leuten, von denen sich viele ein oder sogar beide Ohren zuhielten. Der Platz vor der Bühne war trotzdem sehr gut mit Leuten gefüllt, die den FREE LITTLE PIGS gerne lauschten und zuhörten.

Etwas buntes Licht und Nebel gab es zur optischen Unterstützung auch. Für meinen Geschmack war das jedoch zu dunkel und zu nebelig. Die Band war schon eine Show für sich. Wilde Action, Bewegungen und Verrenkungen vom Bassisten und vom Leadgitarristen, ein wahres Trommeltier an der Schießbude und dazu kam noch ein neues, gitarrierendes Bandmitglied, welches ruhig wie der berühmte Fels in der Brandung des Ozeans in diesem Meer aus Musik, Chaos und Anarchie stand.

Der Mann wird übrigens auf der Bandseite bei Facebook als „Stevo Le Bit" aufgeführt. Dem Publikum beim Hechtfest 2016 wurde er auch so vorgestellt.
Ganz ehrlich, der Junge hat vielleicht Nerven. Neben ihm scheinen der Bassist und der Leadgitarrist alles in Schutt und Asche zu legen, aber er machte sein Ding ganz easy und entspannt weiter. Das ergab nebenbei auch noch einen schönen optischen Gegensatz. Ich habe mich darüber köstlich amüsiert.

Übrigens habe ich manche Sprüche des Frontbassisten, wie den spaßigen Hilferuf nach einer Security sowie die Aufforderungen an das Publikum Disziplin und Ruhe zu bewahren, schon bei einer anderen band gehört und zwar bei unseren geliebten CRAZY BIRDS. Das wird euch gleichsicher nicht mehr wundern, denn bei dem singenden Bassisten und dem singenden Gitarristen handelt es sich um Tom „Don Tomassimo" Vogel und Sascha "Sergio" Aust, die ich in den letzten Jahren oft mit den CRAZY BIRDS erlebt habe. beide machten ihre bekannten Späße, spielten sich gegenseitig die (Wort-)Bälle zu und sie wechselten sich auch am Hauptgesang mehrmals ab.

Drummer Michael "Mr. Schroeter" Schröter ist nicht nur Gastronom in der Dresdner Neustadt, sondern auch einer der beiden ABC-Stützen der Adler-Brauerei Coswig, welche für das köstliche Lößnitz -Pils verantwortlich zeichnet. Der Mann hat bei den ABC-Brauereifesten auch schon mit den "Verrückten Vögeln" gespielt und auch bei dem berühmten jährlichen Dresdner Neujahrssingen von Musikern und Gastronomen ist er mit dabei.

Die Stunde deftiger, punkiger und schweinischer Schnelligkeits-Rock'n Roll mit den FREE LITTLE PIGS war viel zu schnell vorbei und eigentlich auch nicht genug. Es war eher so wie ein Appetitanreger. Deshalb lautet mein persönliches Fazit auch: wir brauchen noch mehr derartige Schweinereien von Sergio, Don Tomassimo, Mr. Schroeter und Stevo Le Bit - die Zeit für die FREE LITTLE PIGS ist reif.

---Ende Bericht---

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 01.09.2016 19:13 | nach oben springen

#3

RE: FREE LITTLE PIGS am 27.08.16 in Dresden

in Konzertberichte 2016 01.09.2016 19:17
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Fotos Teil 3

Gruß Kundi

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zuletzt bearbeitet 01.09.2016 19:20 | nach oben springen

#4

RE: FREE LITTLE PIGS am 27.08.16 in Dresden

in Konzertberichte 2016 01.09.2016 19:26
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Noch ein paar Fotos.

Gruß Kundi

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