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TORPEDO LAUBEGAST am 21.08.16 auf dem Theaterplatz zum Dresdner Stadtfest

in Konzertberichte 2016 25.08.2016 19:42
von Kundi | 1.994 Beiträge | 4566 Punkte

Ein sonntägliches Verdauungsschläfchen war mal wieder nicht drin an diesem 21. August 2016. Der Tour- und Zeitplan eines muggenpilgernden Konzertnomaden folgt ja seinen eigenen Regeln oder Gesetzmäßigkeiten und orientiert sich an den zuvor ermittelten Konzertterminen. Manchmal nützen allerdings auch Regeln, Gesetze oder Vorgaben nichts, da entscheidet einfach das Bauchgefühl. So ist es zumindest bei mir. Aber das alles ist ja selbstgewähltes "Elend". Diesmal war sowieso schon lange vorher gebongt, dass ich an diesem Sonntagnachmittag auf dem Theaterplatz zu Dresden am Bühnenrand stehen würde. Das Festprogramm hatte mit den Bandnamen TORPEDO LAUBEGAST und KARUSSELL nach meinem Verständnis nicht nur ein, sondern 3 Machtworte gesprochen. Aber hier soll es vornehmlich um die Band mit dem ungewöhnlichen Namen TORPEDO LAUBEGAST gehen.

Wochenend und Sonnenschein und ich orgelte mit meinem Ceedrik-Gefährt(-en) ratlos und heftig schimpfend durch die sächsische Landeshauptstadt. Weit und breit war kein freier Parkplatz in Sicht. Langsam wurde ich noch mürrischer und die Zeit kannte auch kein Erbarmen. So etwas führt dann ja manchmal zu sogenannten Blitzentscheidungen bei mir. So war das auch in diesem Fall.

Ich entdeckte eine kleine Lücke für meinen Wagen in einer Seitenstraße und stellte ihn dort ab. Das war zwar kein ganz vorschriftsmäßiges Warteplätzchen für meinen Motorgefährten, aber ich hoffte, dass ich bei dieser Ziehung des Parkplatz-Lottos Glück haben würde und die ZettelschreiberInnen der Stadt Dresden in den nächsten Stunden an anderer Stelle in der Landeshauptstadt unterwegs sein würden. Wie sich nach der Mugge herausstellte, hatte das Ordnungsamt Dresden diesmal die besseren Karten und ich einen Zettel hinter dem Scheibenwischer. Na ja, manchmal verliert man halt so ein Spiel auch mal. Dafür brauchte ich ja bei den Stadtfestmuggen des Wochenendes kein Eintrittsgeld blechen, sodass sich die finanziellen Ausgaben /Verluste insgesamt gesehen doch in Grenzen hielten.

Ich hirschte eilig durch den Zwinger und erreichte endlich den Rand der vor der Semperoper aufgebauten großen Stadtfestbühne. Dort hatten die TORPEDO-Festspiele mit dem Melodienreigen aus den Bruderländern, ergänzt mit originalen und originellen Balladenohrwürmern aus der DDR, längst begonnen. Ein kurzer Blick auf die Bühne verriet mir sofort, dass TORPEDO LAUBEGAST dieses musikalische Kaffeekränzchen (zumindest von der Zeit her an der dieser Gig stattfand) in leicht veränderter Besetzung bestritt.

Bandgründer, Gitarrist und Sänger Mattias Wetzel fehlte an diesem sonnigen Nachmittag aus irgendeinem sicher wichtigen Grunde. Warum Mattl an diesem Tag abwesend war, habe ich nicht hinterfragt. Dafür standen mit Janett (phonetisch, möglicherweise schreibt sie sich auch etwas anders z. B. Jeannette) und Kathi gleich 2 Sängerinnen im Blickpunkt des Stadtfestpublikums. Janett ist Mitglied eines Chores, welcher von Bassist Eric Weisheit betreut und geleitet wird. Sie ist eigentlich die Vertretungssängerin für die kleine, quirlige Kathi, die aus familiären bzw. familienplanerischen Gründen ein paar Monate pausieren möchte. Aber zum Dresdner Stadtfest im Herzen der Stadt auf so einer großen Bühne und vor so einer traumhaften Kulisse zu spielen ist für viele Musiker nicht nur eine Ehre, sondern auch ein Traum.

Da der Name Mattias "Mattl" Wetzel gerade fiel, möchte ich gleich mal etwas über den Ursprung von TORPEDO LAUBEGAST schreiben. Matt spielt ja noch in anderen Bands (das tun die anderen TORPEDIANER übrigens auch), zum Beispiel in der für ihre Faschingsveranstaltungen berühmten Dresdner Bergsteigerband SCHLAPPSEIL. DER SCHLAPPSEIL-FASCHING genießt seit Jahren Kultstatus. Der Kollege Wetzel hatte im Jahre des Herrn 2009 die Idee das Kulturprogramm dieser Veranstaltung mal mit Liedern der auch in der ehemaligen DDR bekannten und beliebten polnischen Sängerin MARYLA RODOWICZ zu bereichern. Dafür wurde mit Freunden im Vorfeld intensiv geprobt. Der Auftritt war dann ein voller Erfolg und die beteiligten Musiker hatten dabei so viel Spaß, dass es einfach nicht bei diesem Faschingsintermezzo bleiben konnte. Das war der Urknall für die Gründung von TORPEDO LAUBEGAST.

In der Folge wurde das Programm der neuen Band dann weiter mit Liedern anderer Künstler aus den ehemaligen Bruderländern wie GJON DELHUSA, KATI KOVASZ, FONOGRAF, DIE ROTEN GITARREN auf- und ausgebaut. Wie sich zeigte, fand sich auch ein dankbarer und begeisterter Publikumskreis für diese Musik und das nicht nur in der sächsischen Heimat, sondern auch im benachbarten Polen. Eines Tages im Jahr 2012 (es war der 23.06.12 beim Elbhangfest) traf mich die Musik aus Freundesland, die von spielfreudigen und sympathischen Musikern dargeboten mit voller Wucht wie ein Torpedo. Ein U-Boot-Kapitän würde in so einem Fall wohl die Erfolgsmeldung "Treffer, versenkt" absetzen. Fortan hatten die LAUBEGASTer gelegentlich einen "Verrückten" mehr vor ihrer Bühne, nämlich mich. Inzwischen haben auch weitere Muggenpilger, Konzertnomaden und Konzertgänger gefallen an den musikalischen Zeitreisen mit TORPEDO LAUBEGAST gefunden.

Übrigens bemerkenswert ist aus meiner Sicht auch der folgende Umstand: im Laufe der Zeit änderte sich die Bandbesetzung mehrmals aus gesundheitlichen, familiären oder beruflichen Gründen. Kerstin Riehle, Rüdiger Weisheit und Eino Haase schieden zwar aus dem Ensemble aus, aber das freundschaftliche Verhältnis zu den anderen Musikern blieb bestehen. Alle 3 waren auch schon gern gesehene und herzliche begrüßte Gäste von TORPEDO LAUBEGAST- Konzerten. Für mich ist das ein deutliches Anzeichen dafür, dass diese Trennungen sauber über die Bühne gingen. Zu beklagen hatte ich höchstens, dass sich dadurch das Klangbild der Formation etwas geändert hat. Wenn ich alleine an Rüdigers sensibles, warmes und punktgenaues Cello-Spiel denke, wird mir ganz anders. Das vermisse ich schon ein wenig. Kann man eigentlich Heimweh nach so einem Klang haben? Ich bin fast geneigt ja dazu zu sagen.

Ich werde jetzt gar nicht so sehr auf den ganzen Liedern herumreiten, die am Sonntag auf dem Theaterplatz von TORPEDO LAUBEGAST gespielt und gesungen wurden. Das gesamte Konzert der Band kann man auch als buntes Programm oder noch besser als Estrade der Musik, der Lebensfreude und des Humors bezeichnen. Das bis auf den letzten Titel, die letzte Note und die letzte Textzeile aufzubrechen halte ich jedoch nach den vielen bereits geschriebenen TORPEDO LAUBEGAST-Berichten meinerseits für sinnlos. Beinahe zwanghaft immer wieder wortgleich den gleichen Käse in den Berichten zu schreiben, ist nicht mein Ding.

Wer mag schon hundertprozentig wissen, was in Körper und Geist abgeht, wenn man nach Jahrzehnten die Schlager und Hits seiner Jugend hört? Vielleicht bringen sie uns unterschwellig auch ein Lebensgefühl von damals zurück. Ich hatte ja als Kind und heranwachsender ein schönes, behütetes Leben in dem ich trotzdem sehr viele persönliche Freiheiten genoss. Möglicherweise ist auch ein gutes Stück Sehnsucht nach früher dabei. Außerdem sind es schöne Lieder mit tollen Melodien und Texten, die bildhaft sind und/oder kleine Geschichten erzählen. Wenn ich weiterhin schreibe, dass es lebensbejahende Lieder sind, ist das bestimmt auch nicht falsch.

Ich kann aber auch eines sagen, dass ich damals die Lieder von MARYLA RODOWICZ, KATI KOVASZ, GJON DELHUSA, FONOGRAF, DIE ROTEN GITARREN oder ZSUZSA KONCZ überhaupt nicht mochte. Es wäre mir 1977 oder 1982 nie in den Sinn gekommen freiwillig eine Schallplatte dieser ganzen Künstler aufzulegen oder meine heißgeliebten Musikkassetten mit diesem Liedgut zu befüllen.
Das war so und das verschweige ich auch nicht.

Ich weiß aber auch noch, was mit mir bzw. in mir abging als ich das erste Mal bei TORPEDO LAUBEGAST war. Ich hörte die Band da vorne Lieder singen, die konnte ich sofort von der ersten bis zur letzten Zeile mitsingen. Das muss man sich mal vorstellen, diese Songs fristeten Jahrzehnte ein trostloses und vergessenes Dasein in den dunkelsten und hintersten Gängen meiner Gehirnwindungen und belegten eigentlich nutzlos physischen Speicherplatz. In den Dudelfunkmedien kamen diese Lieder auch nicht vor, kommen sie auch heute noch nicht. Der Staub des Vergessens wird immer dicker und dicker. Plötzlich kommt so eine Kapelle, die sich TORPEDO LAUBEGAST nennt, und stört diese "Totenruhe".

Den Knall diese Initialzündung in meinem Körper und meiner Seele müssen die Musiker doch damals eigentlich auf der Bühne gehört haben. Plötzlich liebte ich diese Liedchen auch, ich hatte Freude an den Melodien und den Texten. Wie ist das zu erklären? Magie? Gehirnwäsche? Oder liegt es einfach daran, dass „Berge und Steine", "Die Bouzouki und ihr Lied", "Eine Insel der Liebe" von GJON DELHUSA oder ""Ein guter Tag", "Hochzeit" und Draußen bei den Weiden" von den "ROTEN GITARREN" und all die anderen Songperlen einfach teil meines Lebens sind??

Auch nach diesem Konzert bestätigten mir einige Besucher im Gespräch, dass sie diesen ganzen Liederreigen der TORPEDianer auf Anhieb mitsingen konnten. An dieser Stelle staunte ich aber nicht mehr, weil es mir vor 4 Jahren ja auch so ging.

Ich mag TORPEDO LAUBEGAST unter anderem auch deshalb, weil sie diese Perlen aus vergessenen Zeiten, gesucht, für sich selbst neu einstudiert und vom Altersstaub befreit haben. Jeden Ton, jedes Instrument, jede Stimmlage 1 zu 1 kopieren kann jeder, aber die Songs für sich selbst wirklich als Aufgabe und Herausforderung annehmen, das macht eben nicht jeder. Respekt- und liebevoll sowie mit eigener Kreativität und Phantasie haben sich die Damen und Herren dem gestellt. Die Grundsubstanz der ganzen Hits blieb erhalten, jedoch wurden sie durch die Arrangements veredelt. ich meine sogar, dass sie durch das Einhauchen dieses neuen Lebens sogar ihre Zeitlosigkeit unter Beweis gestellt haben.

Wie immer faszinierte mich auch diesmal die Liebe und Leidenschaft für diese Musik, welche man den Künstlerinnen und Künstlern ansah und anmerkte. Da machte eine Truppe Musik, die sich selbst auch nicht so wichtig und bierernst nahm. Die gespielten Lieder waren mal etwas mehr und mal etwas weniger nachdenklich, manchmal sehnsuchtsvoll, manchmal auch heiter und wie ich finde immer lebensbejahend. Auch der Humor kam nicht zu kurz und die Zeit verging bei dieser exzellenten Unterhaltung wie im Flug. Der Zeitrahmen war aber auch knapp bemessen. Das ist halt bei Stadtfesten relativ oft so. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass das Ensemble TORPEDO LAUBEGAST sich viele neue Freundinnen / freunde erspielt hat und sich durch diesen Auftritt auch für neue Aufgaben empfohlen hat. Ich jedenfalls habe noch lange nicht genug von den Liedern aus den ehemaligen Bruderländern in der ganz speziellen Spielweise von TORPEDO LAUBEGAST.

Gruß Kundi

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#2

RE: TORPEDO LAUBEGAST am 21.08.16 auf dem Theaterplatz zum Dresdner Stadtfest

in Konzertberichte 2016 25.08.2016 19:47
von Kundi | 1.994 Beiträge | 4566 Punkte

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Gruß Kundi

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#3

RE: TORPEDO LAUBEGAST am 21.08.16 auf dem Theaterplatz zum Dresdner Stadtfest

in Konzertberichte 2016 25.08.2016 19:53
von Kundi | 1.994 Beiträge | 4566 Punkte

Fotos Teil 3

Gruß Kundi

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#4

RE: TORPEDO LAUBEGAST am 21.08.16 auf dem Theaterplatz zum Dresdner Stadtfest

in Konzertberichte 2016 28.08.2016 18:43
von toms-daddy | 66 Beiträge | 155 Punkte

danke Kundi - so langsam werde ich richtig neugierig auf dies Band, denn im Gegensatz zu dir haben mich Fonograf und Zsusza Koncz ( in der Phase der Zusammenarbeit mit Fonograf ) damals wie heute in ihren Bann gezogen.
Ich habe so ziemlich allle ungarischen LPs von Fonograf, auch ein paar eingedeutschte Versionen vom Rundfunk sowie die Rockoper "Istvan a kiraly", die die Chefs von Fonograf Levente Szörenyi und Janos Brody erstellten und mit der damaligen Creme de la creme der ungarischen Rockwelt 1983 live aufführten. Fonografs Country & Eastern, wie sie ja selbst ihren Musikstil augenzwinkernd nannten, macht mir auch heute noch Spaß, ich hab 2 Titel in ungarischer Sprache ( von der ich selbst leider kein Wort verstehe ) im Programm. Übrigens gibt es eine Doppel-DVD des einmaligen Reuniun-Konzerts dieser Band aus dem Jahre 2004 von Duna-TV, Ausschnitte gibts auf youtube.
Auch Folk-Bands aus dem Umfeld wie Kormoran, Bojtorjan oder 100 Folk Celsius lege ich gern mal ab und an zuhause auf. Aus dem " Mir hadden doch nüscht" erwuchs eben das Interesse an Musik aus den damaligen "Bruderländern".
Umso schöner, dass es eine Band wie Torpedo Laubegast gibt. Sag mir bitte rechtzeitig Bescheid, Kundi, wann wir dort unser nächstes gemeinsames Muggenbierchen trinken werden!

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