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KARAT in Derenburg - Support: Sunbeat, Quotime & BlackRosie

in Konzertberichte 2016 07.08.2016 19:52
von HH aus EE | 846 Beiträge | 2063 Punkte

Karat in Derenburg (06.08.2016)
Support: Sunbeat, Quotime & Black/Rosie

Seit knapp zwei Jahren lebe ich jetzt in Sichtweite zum Brocken und entdecke beinahe ständig neue Ecken, werde ich spontan angesprochen, fühle mich langsam angekommen. So etwas wie ein Harzer allerdings, werde ich wohl nicht mehr werden, aber ich kenne kleine Besonderheiten, die in keinem Reisprospekt zu finden sind. Die Harzer Blitzergruppe ist so etwas wie der „Robin Hood der Straßen“ und diese Enthusiasten hängen neuerdings auch große Werbebanner an die Kreuzung: „KARAT live in Derenburg“ ist darauf zu lesen. Ein guter Grund, dabei zu sein.

In Derenburg gibt es richtig schöne Winkel, die man beim Durchfahren nicht sehen kann. Die Straße einwärts, wenn man aus Halberstadt kommt, vermittelt jedem eher ungläubiges Staunen, zumal man 30 fahren muss. Nichts deutet darauf hin, dass hier neue Zeiten die Landschaften schöner gestaltet hätten. Der Ortsausgang in Richtung Wernigerode allerdings prahlt mit einem dieser obligatorischen Gewerbegebiete. Hier hat sich auch ein Festservice angesiedelt, auf dessen Gelände das Open Air mit KARAT, sowie drei lokaler Bands, stattfinden wird.

Als ich dort ankomme, sind die letzten Klänge der jungen Band SUNBEAT bereits verklungen. Vor der Bühne drängen sich die Fans von QUOTIME, um der Musik von Status Quo zu lauschen, der sich die Lokalmatadoren verschrieben haben. Das Outfit, Jeans, weißes Hemd und Weste, stimmt zumindest beim Frontmann, der durchaus gekonnt in die Rolle von Francis Rossi geschlüpft ist. Von der Bühne ballern mir die typischen Boogie-Riffs entgegen, von dem ich mich im einsetzenden Regen mitreißen lasse: „Whatever You Want“. QUOTIME zupfen sich durch einige der großen Quo-Hits von „Wanderer“ bis „What You’re Proposing“ und lassen sogar die Uralt-Nummer „Pictures Of Matchstick Men“ nicht aus. Da ist der inzwischen betagte Beat-Jünger in mir für zwei Minuten wieder jung. Die Herren von QUOTIME lassen den Regen vergessen und streuen Heiterkeit in die Massen. Schöner Auftritt!

Der Regen ist vorüber. Fünf in grelles Outfit gekleidete Rockerladies stehen auf der Bühne, kehren uns Rücken und Po zu, doch mit den ersten Akkorden rocken da vorn BLACK/ROSIE. Die Ladies haben sich der Musik von AC/DC verschrieben und weiß Gott, genau die bekommen wir gnadenlos auf die Ohren und die Augen dürfen sich an einer hinreißenden Show erfreuen – „High Voltage“! Das kurze Set ist mit all dem gespickt, was man an großen Gesten, wilden Posen und geiler Musik, ehrlich gesagt, nicht zwangsläufig von einer Cover-Band erwartet. Mal davon abgesehen, dass die großen Knaller wie „Hells Bells“ oder „Whole Lotta Rosie“ ganz von selbst funktionieren, lassen es KARO am Mikrofon und GABY als Agnus Young gnadenlos krachen und rocken, dass die Fetzen und Haare fliegen. Headbanging und Bühnenstunts inklusive. Auf dem Höhepunkt der Show besteigt die Frontfrau sogar die Bühnenbauten und rockt aus luftiger Höhe das Rund. Die Zeit vergeht auf dem „Highway To Hell“ blitzschnell und als sich das Quintett unter tosendem Applaus verabschiedet, bin ich beinahe wieder in trockenen Tüchern und der Himmel deutet Versöhnung an.

Pünktlich zwei Stunden vor Mitternacht ist die Bühne in rotes Licht getaucht. Es ist schon eine Weile her, dass ich KARAT im Konzert sah. Dennoch klingen die ersten Töne sofort vertraut. Die Band, die sich einst aus Panta Rhei löste, hat mittlerweile auch schon mehr als 40 Jahre auf ihrem Buckel und wer sich auskennt, der weiß, dass von den damaligen Gründungsmitglieder kein einziger Musiker mehr dabei ist (so wie bei Silly auch). Ich habe das Gefühl, dass ich hier mit vielen anderen stehe, um ein paar der alten großen Hits live zu hören, ein wenig in Nostalgie und Erinnerung zu schwelgen. In den nächsten zwei Stunden bekommen wir genau das.

Doch KARAT ist eine Live-Band. Wenn die losgelassen, dann klingen die vertrauten Melodien kräftiger, als auf Konserve, rockt die Gitarre von BERND RÖMER deftig trocken oder kann gefühlvoll bezaubern und die Band verdichtet den Sound, passt ihn heutigen Hörgewohnheiten an. KARAT rockt die eigene Vergangenheit vom „Albatross“ bis zu den „Sieben Brücken“ mit Claudius „3lich“ Junior am Mikrofon. Ich genieße die treibenden Stakkato-Folgen bei „Jede Stunde“, mit der Mundharmonika-Einlage von MARTIN BECKER, und ich folge dem „Narrenschiff“ auf seiner Reise durch vergangene Zeiten. Nur ab und an wird diese Reise von aktuellen Klangtupfern wie „Seelenschiffe“ und „Weitergehn“ ergänzt und live fügen sich die neuen Schöpfungen nahtlos zwischen die Klassiker ein.

Die Musik von KARAT verleitet zu großen Gesten, bei denen sich die Band mit abwechselnd rotem und blauem Licht inszeniert und die Gefühle die weit über tausend Besucher erfassen. Ich selbst liebe das effektive, aber auch extravagante Gitarrenspiel eines BERND RÖMER und ich ertappe mich dabei, wie ich ihm immer wieder zuschaue. Und wenn dann die Band die Ballade vom sterbenden „König der Schwäne“ zelebriert, ist es wieder sein Saitenzauber, der dem Ganzen die „Schwanenkrone“ aufsetzt. Doch auch so ein Kleinod wie „Blumen aus Eis“ hat sich fest im Gedächtnis einer ganzen Generation verankert und man kann gut spüren, wie diese Lieder bei den Fans verinnerlicht sind. Auf kaum einen Song trifft das mehr zu, als auf die „Sieben Brücken“, über die der nächtliche Chor aus tausend Kehlen traumwandlerisch sicher zu gehen (und singen) vermag.

Natürlich erinnert der Junior an den Senior, der über viele Jahre das Gesicht von KARAT war und man kann noch immer den Kloß im Hals nachfühlen, wenn er seinen Gruß „nach oben“ schickt und singt „Mich zwingt keiner auf die Knie“. Die Band lässt sich feiern und die Besucher genießen die schönen Lieder ihrer Jugendzeit, ehe kurz vor Mitternacht die „Edelsteine des Ostrock“ den emotionalen Abend in Rot und Blau ausklingen lassen.

Wer, so wie ich, die vielen Live-Erinnerungen von einst mit sich herumträgt, spürt natürlich, dass sich nicht nur die Zeiten geändert haben. Auch die Musik unserer „gealterten Garde“, so sie noch auf den Bühnen steht, klingt heute anders. Doch sie klingt noch und kaum etwas ist schöner, als das erleben zu dürfen. Für mich spannen solche Augenblicke einen Bogen über große Erlebnisräume, die meinem Leben einen Stempel aufgedrückt haben und dessen Konturen ich in diesen zwei Stunden wieder gut spüren konnte. Was kann jetzt eigentlich noch kommen? Abwarten, mal sehen und dann nichts wie hin!



Am 08.08.2016 Korrektur eines Schreibfehlers in der Themenüberschrift durch Admin. Kundi

Angefügte Bilder:
www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
zuletzt bearbeitet 08.08.2016 08:38 | nach oben springen

#2

RE: KARAT in Derenburg - Support: Sunbeat, Quotime & BlackRosie

in Konzertberichte 2016 09.08.2016 09:08
von SN-Nittel | 134 Beiträge | 300 Punkte

Danke
Karat steht für gute Qualität auf der Bühne und natürlich für Ihre Klassiker....
Ich schaue mir sie gern an, bedauere aber sehr das sie Musikclubs meiden.

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#3

RE: KARAT in Derenburg - Support: Sunbeat, Quotime & BlackRosie

in Konzertberichte 2016 11.08.2016 21:06
von Drachenuli | 707 Beiträge | 1520 Punkte

Ich habe Karat erst 2 mal lie erlebt, einmal ca.1981 Parkbühne Leipzig, und letzten Sommer zum Goitzschefest, wo ich allerdings wegen der Vorband SIX war.
Karat war besser als erwartet. Was ich nicht wusste, das der Keyboarder so eine hesse Bluesmundi spielt, mit Soloeinlage u.a. bei jede Stunde, mit dem Sänger an den Tasten. Von dem Solo war ich geplättet. Und Bernd Römer ist einer der besten Gitarristen. Das habe ich aber schon damals bei den Gitarreros gemerkt.

zuletzt bearbeitet 11.08.2016 21:06 | nach oben springen


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