#1

Bruce Springsteen in Berlin

in Konzertberichte 2016 21.06.2016 15:47
von SN-Nittel | 133 Beiträge | 298 Punkte

Bruce Springsteen in Berlin
Vorneweg: Ein Konzert mit 50 Zuhörern kann mich genauso begeistern wie ein Megaevent mit 50 000 Fans, aber auch enttäuschen...
Beides habe ich mehrmals erlebt..., war begeistert und auch enttäuscht. Die Bekanntheit der Musiker spielte für mich dabei nie eine Rolle.
Bruce Springsteen ist mehr als bekannt, also stand ein großes Konzert an und da musste ich einfach hin.
Seit über 35 Jahren befasse ich mich nun schon mit Rockmusik.
Ich sage einfach mal: Ein Konzert der „Stones“ muss man erlebt haben, ein Konzert von
„AC/DC“ sollte man live erleben und Bruce Springsteen ist ein MUSS - das sollte man
genießen... - für mich oberste Liga – vielleicht sogar ganz oben.
An die großen Events, die ich persönlich erlebt habe, kommen eigentlich nur „Aerosmith“
und „Grönemeyer“ ran. Die „Stones“, „AC/DC“, „Metallica“, „Fleetwood Mac“ oder
„DeMo“ sind eine Klasse tiefer.
Im Jahr 2013 war ich zum letzten Mal beim „Boss“ in Leipzig. Das setzte Maßstäbe und war
für mich DAS Konzert überhaupt, da stimmte fast alles. Das Event mit „Boss“ im Juni 2016
in Berlin war geil, kam meiner Ansicht nach jedoch nicht an das in Leipzig 2013 ran.
Warum?
Der Sound in Berlin war einfach nicht der Beste. Am Anfang war ich fast ein bissel
schockiert, später wurde es dann etwas besser. Trotzdem war da etwas schief gelaufen. Nach
Recherchen auf Portalen sahen dies viele Fans auch so - leider und das ist sehr schade.
Traurig ist auch, dass ein Großteil der Journalisten und Zeitungen diese Sache ausblendeten.
Ein Journalist einer Berliner Tageszeitung schrieb: „... der Sound für Stadionverhältnisse
brillant!“ Nun ja…, da schmunzle ich etwas. Nur ein Mann von RBB war da ehrlicher...
OK, jedenfalls kann der Klang besser sein als in Berlin. Da habe ich schon Besseres auch vom
„Boss“ gehört - wie bereits erwähnt z.B. 2013 in Leipzig, aber dies bleibt meine einzige
Kritik.
Springsteen - der ehrliche Arbeiter auf der Bühne - mittlerweile 66 Jahre jung - begleitete
mich mein ganzes bisheriges Musikerleben, und beim Konzert beginnt bei mir auch immer
eine Zeitreise mit schönen Erinnerungen. Langsam fragt man sich, wo die Zeit hin ist und
schaut auch traurig in die Zukunft. Wer soll in 10 Jahren noch solche großen Events spielen?
Jetzt wird mir mulmig.
Zum Konzert
Rund 67 000 Fans strömen an diesem warmen Sonntag ins Olympiastadion. – ja, von Jung bis
Alt war alles vertreten, aber die Generation 45 bis 65 überwog - gut so...
Bei tollem Wetter fuhren wir mit Bahn und Bus nach Berlin und auch das Bett war bereits
vorgebucht.
Zum Warm Up gehörte ein Biergartenbesuch mit Essen, Wein und Bier, Entspannen und gute
Laune tanken für den besonderen Rockabend. Erwatungen bzgl. Songs gehen einem da schon
durch den Kopf; man ist gespannt. Danach ging es in die Arena - kein Warten trotz der
Menge, ja, so muss es sein. Ein Lob auch an alle Ordner, die einen guten Job machten.
Pünktlichkeit ist Pflicht, denn 19.10 Uhr ging es schon los.
Der Boss und die E-Street - Band kamen leise, ohne aufwendiges Intro und rockten in der
Abendsonne sofort los - auch keine Lightshow, die eh bei der Helligkeit untergegangen wäre.
Über den Klang habe ich ja schon geschrieben; der wurde besser später.
Ein Konzert mit Bruce Springsteen ist immer wie eine Bergfahrt. Es steigert sich ständig und
jeder Song ist ein weiterer Höhepunkt - keine Pausen. Die Mucke hatte einige Parallelen zu
Leipzig 2013 und das war gut so. Der Boss setzt auf Bewährtes, das hatte ich auch gehofft.
Der 2. Song war schon ein Klassiker mit „Badlands“, aber so richtig in Euphorie kam das
Publikum dann bei „Hungry Heart“ - naja - ein echter Hit.
Das wollen die Leute natürlich hören, aber auch unbekannte Songs - meist rockig - wurden
gespielt, wie ebenfalls einige des „River“ Albums - so nannte sich ja die Tour.
Die 3 Videoleinwände zeigten die Show groß und besonders gut war immer der Boss zu
sehen..., Videos und Effekte waren tabu. Auch die E-Street - Leute wurden eher selten
eingeblendet - das war 2013 in Leipzig etwas anders. Springsteen - noch mit 66 topfit - sah
man an, dass er mit Lust arbeitete. Bruce suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum,
ging auf die Fans zu, klatschte ab, trank Bier und mischte sich auch einmal unter die Fans...,
immer wieder schön anzusehen. Das gefällt mir, ist ehrlicher und angenehmer, als wenn
Musiker den Blickkontakt meiden.
Die Dämmerung brach langsam heran, als einer meiner Lieblingssongs: „Im My Fire“ endlich
zu hören war. Alte Hits erklangen, die 67 000 Fans schwelgten in Musiklaune und träumten,
rockten oder genossen die Songs. So langsam gab es dann auch Lichteffekte in zu sehen.
Der Abend neigte sich dem letzten Drittel zu.
Das Stadion wurde hell erleuchtet, und der ehrliche Arbeiter Springsteen mit seiner
legendären E-Street -Band stimmten DEN Hit schlechthin an. „Born in the USA“ Die Massen
tobten natürlich und spätestens hier waren alle der 67 000 Besucher in Ekstase, Hände gingen
die Höhe und der Sound krachte mit voller Wucht in die Menge.
Springsteen blieb sich treu…. Ja.
Ein toller Anblick, wie tausende Arme im beleuchtenden Olympiastadion nach dem Boss und
dem Himmel griffen - das passte.
Jetzt wurde auch mitgesungen und jeder hatte seine eigenen, aber doch auch gemeinsamen
Gefühle – Rockherz, was willst du mehr!
Bei „Dancing in the Dark“ wurde es ruhiger im Publikum...; ich glaube, hier wurde mehr
geträumt und im Stillen genossen. Dennoch holte Bruce eine Zuhörerin auf die Bühne und
tanzte lächelnd mit ihr - das kennt man.
Alle wirkten zufrieden und nach über 3 Std. Spielzeit beendete der Hauptdarsteller langsam
den Abend. „Thunder Road“ - der leise Song erklang intensiv, aber unplugged.
Die 33 Songs waren nach 3h 17min abgearbeitet oder besser gesagt, den Leuten geschenkt
worden.
Danke an Bruce Springsteen und seinen Leute an Gitarre, Bass, Saxophon und Drums....
Danke, dass der Boss die Harp so gut spielte und Danke, dass das Wetter so gut mitspielte, es
hat Spaß gemacht.
Zufrieden gingen wir aus dem Stadion und ich fragte mich: Wann kommt wohl das nächste
große Stadionhighlight ? Diese Frage konnte ich nicht beantworten.
Die großen Namen werden langsam rarer und ich hoffe sehr, wir sehen den Amerikaner mit
seinen Mannen noch einmal wieder.
Anschließend ließen wir den tollen Abend in einer Bar in Charlottenburg ausklingen ….
Es war ein Konzerthöhepunkt 2016 trotz mäßigen Sounds und ohne „Streets of Philadelphia“.
Auf Wiedersehen Bruce Springsteen + E-Street Band.











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#2

RE: Bruce Springsteen in Berlin

in Konzertberichte 2016 22.06.2016 04:58
von Kundi | 1.993 Beiträge | 4564 Punkte

Ich habe den Boss noch nie live gesehen, finde ihn und seine Musik trotzdem gewaltig.
Vielleicht werden wir uns auch nie an einem Bühnenrand begegnen,trotzdem wird er mit seinen Songs immer ein Teil meines Lebens sein.

Dein toller Bericht sagt sehr viel aus und er spart auch nicht mit sanfter Kritik,wo es angebracht ist.
So muss es auch sein.

Herzlichen Dank für diese Einblicke, lieber Steffen.

Gruß Kundi


zuletzt bearbeitet 27.06.2016 04:52 | nach oben springen

#3

RE: Bruce Springsteen in Berlin

in Konzertberichte 2016 25.06.2016 14:39
von HH aus EE | 846 Beiträge | 2063 Punkte

Ich gehöre zu denen, die damals nach Weißensee unterwegs waren, aber nie dort ankamen. Die Nachrichten waren schon vor dem Konzert verwirrend und deshalb sind wir damals wieder ohne Konzerterlebnis nach hause gefahren und haben nachts das Konzert vor der Flimmerkiste gesehen. Vielleicht liegt es genau daran, dass mich nie wieder ein Konzert von Springsteen hinter dem Ofen hervor gelockt hat. Das Ticket habe ich noch, aber das gilt wohl heute nicht mehr . Hinzu kommt, dass man bei den Preisen heutzutage sehr genau überlegen muss, welche Konzert man sich gönnen und auf welches man verzichten möchte. Auch bei Paul McCartney in der Waldbühne habe ich mit Abwesenheit geglänzt.

Ich mag viele Songs von Springsteen, weil sie sehr ehrlich daher kommen. Beispiel "Philadelphia". Für einen Konzertbesuch wird es wohl trotzdem nicht mehr reichen. Danke für Deine Eindrücke, Steffen.


www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
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#4

RE: Bruce Springsteen in Berlin

in Konzertberichte 2016 27.06.2016 16:45
von SN-Nittel | 133 Beiträge | 298 Punkte

Hallo Hartmut.
Ja, Berlin 88 hätte ich gern auch gesehen...da war reinste Euphorie.
Trotzdem ist Bruce Live wirklich ein bleibendes Erlebnis für mich...das sind die kleinen individuellen Unterschiede die jeder hat.
zB. Lindenberg Songs mag ich auch...aber Konzert mit Lindenberg, einmal und nie weider. Das war Zirkus mit schlechten Gästen und dürftiger Präsentation vieler seiner Songs.
Sorry, da kann ich die Lobeshymnen von Presse nicht verstehen. Naja.
LG, Gruß in den Harz

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#5

RE: Bruce Springsteen in Berlin

in Konzertberichte 2016 27.06.2016 20:09
von Drachenuli | 706 Beiträge | 1517 Punkte

Ich war 1999 das erste und bisher einzige mal bei Springsteen in Leipzig im Bruno Plache Stadion (25000 Zuschauer), Sound war gut, Konzert sehr gut.
http://www.lvz.de/Foto/Bilderstrecken/Br...ache-Stadion#p1
Deine Kritik an Lindenberg teile ich nicht, war gestern seit 1990 zum 8.en mal bei Udo, der hat mich von den Konzerten her noch nie enttäuscht.
(anders sieht es mit CD Veröffentlichungen nach dem guten Album 96-bis zum Comeback Album 2008 aus, dazwischen war kaum was hörenswertes)
naja, so verschieden sind die Geschmäcker.

zuletzt bearbeitet 27.06.2016 20:29 | nach oben springen


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