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MasterPeace 14.11.15 Gasthof "Zur Linde" Spremberg-Cantdorf

in Konzertberichte 2015 20.11.2015 17:24
von Kundi | 2.003 Beiträge | 4584 Punkte

Cantdorf ist seit Jahrzehnten schon ein Ortsteil von Spremberg. Bisher hatte ich jedoch keine Veranlassung bis in diese kleine und ländliche Idylle am Rande der Stadt vorzudringen. Das änderte sich am vergangenen Sonnabend, denn da spielte MasterPeace im Saal des Gasthofes „Zur Linde“ dort. Ich hatte das im Frühjahr von Sängerin Steffi Breiting und Gitarrist Tobias "Tobi" Hillig, neu ins Leben gerufene internationale Bandprojekt bereits am 29. Mai 2015 in Dresden erlebt und auch einen ausführlichen Bericht darüber geschrieben:
MasterPeace -The Dylan Project- 29.05.15 Dresden.

Natürlich war ich heiß auf die, Fortsetzung dieser öffentlichen Verbeugung der Musiker vor einem der größten und zum Teil auch umstrittensten Sänger, Komponist und Texter der Geschichte der populären Musik. Robert A. Zimmerman hat ja viele schöne und auch eine ganze Reihe wichtiger Lieder geschrieben und interpretiert. Seine Friedens- und Protestlieder begleiten schon Generationen von Menschen und sie sind leider immer noch aktuell, wie wir tagtäglich aus den Nachrichten erfahren müssen. Die Bilder von Krieg, Gewalt und Terror flimmern ja fast rund um die Uhr über die Nachrichtenkanäle. Gerade am letzten Wochenende erschütterten uns die Informationen, Fotos und Filmaufnahmen von den fruchtbaren Terrorangriffen in Paris. Ich selbst war fassungs- und sprachlos über diese feigen Attentate auf unschuldige Menschen. Darin mischte sich Hilflosigkeit und unsagbare Wut.

Immer wieder,schob sich eine Fotomontage von John Heartfield vor mein inneres Auge. Ich hatte sie schon zu meiner Schulzeit im Geschichtsbuch der 9.der 10. Klasse immer wieder betrachtet, weil sie zwar irgendwie auf dem ersten Blick furchteinflößend war, aber mit ganz simplen bildlichen Mitteln die Nutznießer von Kriegen anprangerte. Das Bild zeigt einen riesigen am Hals mit Orden geschmückten und mit einem Zylinderhut bekleideten Köter, der über Leichen geht. Diese Hunde des Krieges bellen immer noch und sie verdienen Milliarden mit ihren Waffenverkäufen in aller Herren Länder. Die Rüstungsproduktion ist ein profitables Geschäft für sie und alle Kriegsparteien brauchen ja Nachschub an Munition, Waffenteilen und ganzen Waffen. Bob Dylan schrieb in den 60er Jahren einen großartigen und wütenden Song, der sich „Masters of war“ (sinngemäß übersetzt Herren der Kriege) nannte. Diese Anklage ist leider heute noch aktuell und ich wollte dieses Lied an diesem Abend unbedingt hören, um ja auch meine Wut etwas abzukühlen bzw. in die richtigen Bahnen zu lenken. Entschuldigt bitte, das sollte jetzt keine Agitationsrunde werden, aber manchmal muss man sich auch so etwas von der Seele schreiben. Denn sonst geht man als denkender Mensch ja innerlich kaputt, wenn man das alles schluckt. Ausschmücken möchte ich das Thema jedoch jetzt nicht weiter. Ich möchte lieber noch ein paar Zeilen zum Konzert in Cantdorf schreiben.

Der Gasthof „Zur Linde“ ist schon seit mehreren Generationen in Familienbesitz. Es ist eines dieser Häuser, die ganz eng mit dem dörflichen Leben verbunden sind. Familienfeiern wie Hochzeiten, Geburtstage, Taufen wurden im Saal gefeiert, aber auch Versammlungen der örtlichen Vereine, Parteien oder Bürgerversammlungen können hier stattgefunden haben.
Ebenso dürften Feuerwehrbälle, Betriebsfeiern, öffentliche Tanzveranstaltungen und Konzerte zur Geschichte dieses Hauses gehören. Wer wie ich zur Generation 50 + gehört und in seiner Jugend auf Pirsch zu Diskos und Konzerten in den Dörfern seiner Umgebung war, dürfte ähnliche Einrichtungen kennen. Mir fallen da spontan der Gasthof Medingen, das Zollhaus Ruhland, der Amorsaal in Mülsen St. Niclas oder der Gasthof "Zum Löwen" in Ebersbrunn ein.

Als ich ankomme und meinen Kilometerfresser aus Korea vor dem Gasthof parke, ist es fast menschenleer auf dem kleinen Dorfplatz. Ich sehe nur zwei oder ,drei PKW auf dem Hof des Kneipengrundstückes. Aber ich werde sofort in den Saal gelassen und fühle mich gleich irgendwie heimisch. Irgendwie sind die Säle in den Dörfern sich alle irgendwie ähnlich bzw. haben sie alle die gleiche Aura. Man scheint den in der Luft den unsichtbaren Sud tausender Karo-, Juwel-, Cabinet-Zigaretten, von abgestandenen Bier, von Action-Deospray welcher sich gelegentlich mit dem Gestank von Kotze und Pisse mischen konnte, förmlich noch zu riechen. Ganz so extrem geht es heute ja nicht mehr zu, aber vielleicht hängen ja doch noch winzig-kleine Partikel davon in der Saalluft, die unser Unterbewusstsein zielsicher erspürt?

Eine kleine Bühne an der Stirnseite des Saales erregte zunächst meine Aufmerksamkeit in dem zu dieser Zeit noch fast menschenleeren Saal. Dort waren Burghard Kühn und Carsten große vom Bluestift-Duo gerade mit dem Soundcheck beschäftigt. Ich suchte mir einen Platz um kam erst mal zur Ruhe. Nach und nach rückten weitere Konzertbesucher an. Ich kam mit zwei Paaren aus Hoyerswerda ins Gespräch, welche durch einen Konzertbericht auf MasterPeace aufmerksam wurden. Als dabei der Name des Internetmusikmagazins Deutsche Mugge fiel, war es klar, dass mein Bericht vom Konzert in Dresden der Auslöser für ihr Interesse war. Da war ich schon ein bissel stolz. Der Saal nahm zwischenzeitlich immer mehr Besucher in sich auf und war zu Konzertbeginn sehr, sehr ordentlich gefüllt.

Dem BLUESTIFT-Duo fiel diesmal die Rolle des Anheizers zu und das war eine gute Wahl. Viele Musikfans kennen Burghard Kühn und Carsten Große ja schon von BLANK, BLUESTIFT oder sogar von METROPOL. Ich sah beide zum Beispiel im Jahr 2010 in Dresden mit METROPOL(www.deutsche-mugge.de/live-berichte/2010...in-dresden.html). Burghard erlebte ich auch beim Konzert zu CCÄSARs 60. Geburtstag im „ANKER“ Leipzig. Beim STATUS QUO-Konzert im August 2012 auf der Kamenzer Hutbergbühne stand hingegen Carsten mit SPEICHEs MONOKEL auf der Bühne www.mission-buehnenrand.de/t19f20-STATUS...hne-Kamenz.html

Das BLUESTIFT-Duo entführte uns mit 2 Gitarren und 2 Gesangsstimmen musikalisch in die anglo-amerikanische Rockwelt. Klassiker wie „A Horse With No Name“ (AMERICA) oder „Long Train Runnin‘“ von den DOOBIE BROTHERS tauten das Stimmungseis im Saal ziemlich schnell auf. Mit dem hervorragendem Satzgesang (sofern man bei 2 Stimmen von Satzgesang sprechen will) und toller Gitarrenarbeit beindruckte das Duo nicht nur mich.
Sehr toll kam auch „Love the One Your with“ von CROSBY, STILLS und NASH rüber. Ich bin mir in der Erinnerung nicht mehr ganz sicher, aber „Teach Your Children“ könnte auch dabei gewesen sein. Bei den beiden BLUESTIFT- Leuten stand die Musik im Mittelpunkt und man spürte auch die Liebe zu den Songs. Burghard und Carsten sind so gut aufeinander eingespielt, dass sie sich „blind“ verstehen und dabei auch nicht in Routine erstarren. Wieselflink bauten beide nach dem Auftritt ihre Technik ab und räumten die Bühne für den Hauptact des Abends.

MasterPeace kam, sah und siegte beim anwesenden Publikum. So in etwa könnte man das Konzert mit einem einzigen Satz beschreiben. Mir ging beim Auftaktsong „Ballad of The Thin Man“ aber noch das Wortspiel MasterPeace durch den Kopf. PEACE, FRIEDEN, PAIX, мир – wie weit ist diese Welt von einem friedlichen Miteinander entfernt und wie lange soll dieser unhaltbare Zustand noch andauern?

Doch ich ließ mich dann ziemlich schnell in das von Steffi Breiting (Gesang), Tobias Hillig (Gitarre, Hintergrundgesang), Wolfram „Boddi“ Bodag (Piano, Gesang, Mundharmonika, Kuma Harada(Bass) und Jeff Allen(Schlagzeug) gespannte Netz aus Noten und Tönen fallen und landete weich in den Maschen aus DYLANs Liedern.

Ja, es war wieder ein spitzenmäßiges MasterPeace-Konzert. Ehrlich, gefühlvoll und mit viel Herz zelebrierte das Ensemble einen DYLAN fast wie im Rausch. Die Vorlagen des Altmeisters wurden dabei Master(-ge-)Peace(-d), denn die Musiker steckten dabei so viel eigene Musikalität und Kreativität in die Songs, dass man manchmal fast den Eindruck gewinnen konnte, dass da das Original verbessert wurde. Das so absolut zu schreiben, ist natürlich Quatsch, denn verbessern kann man diese Lieder nicht. Sie sind in der Originalfassung von BOB DYLAN legendär geworden, aber MasterPeace holt die Lieder unterschiedlicher Epochen mit ihren Mitteln in die Jetzt-Zeit. In ihrer anderen modernen Art handgemachter Musik und ihrer speziellen (Spiel-)Weise machen sie die Lieder sogar einem neueren, jüngeren Publikum zugänglich. Das ist ein weiterer Baustein dazu, DYLANs Lieder unsterblich zu machen.

Das Programm unterschied sich eigentlich nicht von dem der Konzerte im Frühjahr. Das ist bei der Anzahl der bisher gemeinsam absolvierten Konzerte noch okay und gibt mir außerdem die Möglichkeit mich diesmal ganz kurz zu fassen. Auf längere Sicht verträgt das Programm aber sicher auch die eine oder andere Auffrischung bzw. Ergänzung.

Der Karat-Gitarrist Bernd Römer war leider dienstlich verhindert, vom angekündigten Vertreter Ronnie Johnson weit und breit nix zu sehen. Das fand ich schade, denn ich war in der „Tante Ju“ von dem Wechselspiel der zwei „Lead“-Gitarren mehr als begeistert. Dieses I-Tüpfelchen fehlt hier leider. Besonders habe ich das von Bernd Römer gespielte Solo bei „Masters of War“ (erster Song nach der Pause) vermisst. Trotzdem möchte ich ganz klar festhalten, dass das in Cantdorf von MasterPeace gebotene Konzert ein Festmenü aus Tönen, Takten, Noten, Melodien sowie Gesang für Ohren, Hirn und Seele war. So empfanden das auch die Zuhörer, die die Band den ganzen Gig lang auch kräftig unterstützten.

In diesem Cantdorfer Saal spielen sonst PUSTEBLUME, MONOKEL-KRAFTBLUES oder ENGERLING. Dass die Leute ENGERLING hier kennen und lieben merkte man, als Boddi „Watching the River flow“ singen wollte, denn eine Gruppe im Publikum stimmte plötzlich „Mama Wilson“ an. Aber dieser kleine Ausbruch aus dem MasterPeace-DYLAN-Land war ganz schnell wieder vorbei. Die Band traf ja mit den DYLAN-Songs doch den Nerv aller Zuhörer auch und das ganz ausgezeichnet.

Das reine MasterPeace-Konzert hatte eine Spielzeit von ungefähr 2 Stunden. Etwa nach der Hälfte gab es eine Verschnauf-, Rauch- und Nachfüllpause für alle Beteiligten.

Steffi Breiting ist nicht Bob Dylan. Sie nuschelt und singt auch nicht wie der Altmeister, sondern sie überzeugt mit ihrer eigenen etwas rauen, warmen Gesangsstimme. Das tat und tut dem MasterPeace-Projekt auch gut. Wenn man an Lieder von Mister DYLAN denkt, hat man ja sonst immer auch gleich seine Stimme im Ohr. Steffi mit ihrem blues-/bluesrock- und soulgeschwängerten Sopran ist da ein ganz anderes Kaliber, aber auch ihr Gesangsorgan passt bestens zu den Liedern.

MasterPeace hatte in der „Linde“ zu Cantdorf wieder einige Masterpieces aus dem Gesamtwerk des Altmeisters Robert A. Zimmerman zu einem gelungenen und schlüssigen Programm zusammengefügt. Aber einen Song muss ich einfach noch mal herausheben und das ist „Masters of War“. Ich weiß, dass ich das Lied schon mehrmals in diesem Bericht erwähnte, aber das muss einfach sein. Steffi hat das Stück wirklich sehr gut interpretiert. Ihr wütender und anklagender Gesang stimmte irgendwie mit meiner Gefühlslage überein und das tat mir in diesen Augenblicken einfach gut.

Selbstverständlich spielten die MasterPeace-Musiker mit „The Times they Are a changin‘“, „All along The Watchtower“ und „Forever Young“ auch einige von DYLANs bekanntesten Werken. Doch das vom Publikum erwartete und auch schon mehrmals erbetene „Like A Rolling Stone“ gab es erst in der Ehrenrunde. Dabei wurden die Zuhörer plötzlich selbst zu aktiven Sängerinnen und Sängern, denn den Refrain wollte Frau Breiting nicht alleine singen. Der Cantdorfer Gasthof „Zur Linde“-Chor hat seine Sache dann auch ganz gut gemacht. MasterPeace hat Cantdorf ordentlich gerockt und die Musiker hatten sich den finalen Beifall der Konzertbesucher und den folgenden Feierabend redlich verdient.

Gruß Kundi

Fotos Bluestift-Duo

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RE: MasterPeace 14.11.15 Gasthof "Zur Linde" Spremberg-Cantdorf

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Fotos MasterPeace Teil 1

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Fotos MasterPeace Teil 2

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RE: MasterPeace 14.11.15 Gasthof "Zur Linde" Spremberg-Cantdorf

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Masterpeace-Bilder Teil 3

Gruß Kundi

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