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No more "Candlelight" - eine stille Erinnerung an EDDIE HARDIN

in Bands, Musiker, Musikstile 07.09.2015 18:55
von HH aus EE | 849 Beiträge | 2070 Punkte

Kein Kerzenlicht mehr – Eddie Hardin zum Gedenken (07.09.2015)
(19.02.1949 – 22.07.2015)

Steve Winwood hatte die Spencer Davis Group von 1963 bis 1967 mit einer Serie von Hits wie „Keep On Running“ und „Somebody Help Me“, beide Cover-Versionen, berühmt gemacht. Nach dem Erfolg seiner eigenen Kompositionen „I’m A Man“ und „Gimme Some Lovin’“ stieg er 1967 aus, um Traffic zu gründen. Seinen Platz hinter den Tasten nahm damals für kurze Zeit EDDIE HARDIN ein, ein Musiker mit einer ebenso markanten Blues-Stimme, wie Stevie, und mit einer großen Vorliebe für den Sound der Hammond_Orgel. Doch wie Winwood fühlt sich EDDIE HARDIN bald schon eingeengt und verlässt gemeinsam mit Drummer Pete York die Spencer Davis Group 1968 wieder, um eigene Ambitionen zu verwirklichen. Schon ein Jahr später gründet er mit PETE YORK das Rock-Duo HARDIN & YORK, um nun als „kleinste Big-Band der Welt“ Rock-Geschichte in die Plattenrillen pressen zu lassen.

Der Sound von „The World’s Smallest Big Band“ (1970), so der Titel ihres zweiten Albums, ist geprägt vom dichten und ideenreichen Orgelspiel EDDIE HARDIN’s sowie den vielseitigen effektiven Facetten, die der exzellente Drummer PETE YORK seinem Instrument zu entlocken versteht. Als ich damals ihr „Candlelight“ (Kerzenlicht), mit dem schwebenden Leslie-Sound von Orgel und Drums im Radio hörte, war ich schlichtweg begeistert und bin es bis heute. Mit ihrem am Blues, Jazz, Rock und mit Einflüssen von Klassik geprägten Stil trafen sie exakt den Zeitgeschmack der beginnenden 1970er Jahre. Das war neu, innovativ und auch der breiten Masse ein Stückchen voraus, indem sie, ähnlich wie Jon Lord von Deep Purple, zwar in Rockstrukturen musizierten, sie aber mit Klassik anreicherten, um das Ergebnis dann mittels freiem Spiel musikalisch in Improvisationen weiter auszuleben. HARDIN & YORK waren das Kleinstmögliche, all das Können zweier Ausnahmekünstler, über alle Genregrenzen hinweg, sich frei entfalten zu lassen. Bis heute macht ihnen das kaum einer nach, streitig sowieso nicht.

Die Live-Auftritte des Duos wurden von den Fans gefeiert, heimlich mitgeschnitten und gar als Bootleg veröffentlicht. Nach ihrem dritten Album trennten sich die beiden, um sich danach immer wieder mal in unterschiedlichen Konstellationen im Studio oder auf den Bühnen zu treffen. Zu ausgeprägt waren die individuellen Charaktere beider Musiker, zu unterschiedlich aber auch ihre Bestrebungen, sich stets musikalisch neu auszuprobieren. Dennoch schafften es beide, immer wieder einmal bei Festivals oder besonderen Konzerten gemeinsam auf der Bühne ihren einzigartigen Sound für kurze Zeit zum Leben zu erwecken. Sehr zur Freude ihrer Fans

Anfang dieses Jahres war die Spencer Davis Group wieder auf Tour in deutschen Landen und diesmal wollte ich bei einem Termin unbedingt dabei sein. Am 7. März dieses Jahres gaben die Herren um den Altmeister Spencer Davis, inklusive EDDIE HARDIN und PETE YORK, in Kulturhaus von Neuruppin eines ihrer seltenen Konzerte. Beinahe in Originalbesetzung. Steve Winwood hatten wir beide schon im Juli 2013 erleben dürfen. Nun also die ehemalige Band und die beiden Originale HARDIN & YORK auf einer Bühne. Das waren quasi zwei Highlights an einem Abend und der wurde zum Erlebnis! Wir standen direkt vor EDDIE und vor Spencer Davis. Wir haben EDDIE in die Augen und auf die Finger gesehen, ohne zu ahnen, dass dieses erste Mal auch unser letztes Mal mit ihm sein würde.

EDDIE HARDIN drückte in die Tasten und lässt den Blues mal klebrig schwer und dann wieder sehr luftig leicht erklingen. Als er dann auch noch „Can’t Find My Way Home“ aus den Zeiten der „World’s Smallest Big Band“ (1970) anstimmt und zusammen mit seinem damaligen Partner PETE YORK das Instrumentalstück „The Pike“ aus dem gleichen Album zum Besten gibt, bin ich einfach nur noch froh, mit Georg den langen Weg hierher auf mich genommen zu haben. Das ist die Musik, die Anspruch mit Genuss verbindet und vielleicht gerade deshalb unsere Generation so geprägt hat. Im Grunde kann ich es kaum glauben, hier dem Duo HARDIN & YORK zu lauschen, mich dabei jung und glücklich zu fühlen und die Zeit einfach vergessen zu können, während da vorn „Tomorrow, Today“ erklingt. Ich kann mich in die schweren gleißenden Soundkollagen der Hammondorgel fallen und vom filigranen Spiel des Meisters der Becken und Felle treiben lassen. Gute Musik wirkt wie ein Lebenselixier und für Minuten sind HARDIN & YORK wieder die „kleinste Bigband der Welt“ und doch donnert ein Rausch an Klängen und Rhythmen auf uns beide herab. Vor uns spielt einer der ganz Großen die Tasten, auch wenn er von den Medien eher in der zweiten Reihe wahrgenommen wurde. Für mich zählen nur mein Wissen und meine Wahrnehmung, denn Medien(vertreter) haben weder Gefühle noch das Vermögen, Musik wirklich zu genießen.

Nach dem Konzert haben Hans-Georg und ich noch mit einigen Unentwegten ziemlich lange gewartet. EDDIE hat mir zu später Stunde ein Foto des Duos und das LP-Cover der „World’s Smallest Big Band“ signiert. Zur Mitternachtsstunde in einer Kneipe haben Georg und ich beschlossen, HARDIN & YORK noch einmal als Duo live erleben zu wollen, wenn sich denn eine Gelegenheit dazu ergeben sollte. Es gab ja keinen Grund, warum wir das nicht schaffen sollten. Schließlich hatten wir beide ja gerade live gesehen und wir waren noch von Adrenalin und Leidenschaft voll.

Link zum Konzertbericht:

http://www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de/#Spencer%20Davis%20Group%20feat.%20Hardin%20&%20York%20live

Ohne dass wir es ahnten und ohne, dass die Medien, für uns wahrnehmbar, Notiz nahmen, ist EDDIE HARDIN am 22. Juli 2015 zu Hause einem Herzinfarkt erlegen. Einfach so und im blühenden Alter von 66 Jahren, wo das Leben noch einmal beginnen und Musiker in ihre beste Phase eintreten sollten. Nur der blanke Zufall hat mich diese Nachricht finden lassen und sie hat mich geschockt. Sie macht mich betroffen und dünnhäutiger, als ich ohnehin schon geworden bin. Es ist ganz leise und in aller Stille geschehen. Das macht einen wie mich, der die besondere Rockmusik der 1970er Jahre und deren Protagonisten sehr liebt, zusätzlich traurig. Das Kerzenlicht ist einfach so erloschen. Deshalb werde ich heute für EDDIE HARDIN eine neue Kerze entzünden, damit „Candlelight“ brennen und hell leuchten kann. Für mich und alle die an EDDIE denken.

Angefügte Bilder:
www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
zuletzt bearbeitet 07.09.2015 18:57 | nach oben springen


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