#1

,, STERN COMBO MEISSEN " in Schwerin

in Konzertberichte 2015 03.09.2015 23:28
von Günthi | 143 Beiträge | 313 Punkte

Liebe Freunde der guten alten Ostrock-Musik, am letzten Freitag, dem 28.August war es wieder mal soweit.
Zum zweiten Mal hatte ich jetzt das Vergnügen, eine der ältesten Bands aus der ehemaligen DDR live in einer Kirche zu erleben. Im letzten Jahr erlebte ich die Sterne aus Meissen ja
zum ersten Mal in der St. Georgen Kirche in Wismar. Als ich zufällig in ihren Tour-Plan sah, stach mir gleich der Termin in Schwerin ins Auge. Nichts lag näher als Netti anzurufen, um sie zu fragen, ob sie wieder dabei sein wollte.Natürlich wollte sie, und somit bestellte ich sofort die beiden Eintrittskarten.

Ich war ja schon vier Mal zu Konzerten in Schwerin, aber die Schelfkirche in Schwerin kannte ich bisher noch nicht. Das sollte sich dann am letzten Freitag ändern.
Während der Donnerstag hier oben recht kühl und verregnet war, sah es am Freitag doch wesentlich besser aus.
Am frühen Nachmittag so gegen 15.30 Uhr wurde noch schnell das Navi programmiert, und dann konnte uns nichts mehr aufhalten. Für die Hinfahrt entschied ich mich wieder für die Fahrt
über Bad Oldesloe und Ratzeburg. Leider war das die falsche Entscheidung, denn schon nach 13 km war erst mal Schluss. Eine Baustelle auf der B432 in Nahe machte mächtig Stress.
Die Behelfsampel zeigte nahezu Dauerrot. Für die 300m brauchte ich eine satte halbe Stunde. Endlich hatten wir freie Fahrt, und bis Ratzeburg ging es dann auch zügig voran.

Auf der B208 bis zur B104 bei Gadebusch gab es dann ein weiteres Hindernis. Ein Schwertransport mit irgendwelchen Metallteilen machte mir das Leben schwer, denn dieser befand sich gerade auf dem Streckenabschnitt, wo ein langes Überholverbot galt. Das nervte sicher nicht nur mich, denn hinter mir fuhren noch jede Menge genervter anderer Autofahrer.
Nach vielen Kilometern nutzte ich dann eine kleine Möglichkeit zum Überholen, und so gegen 18 Uhr erreichten wir dann die B 104 bei Gadebusch. Um diese Zeit wollte ich längst in
Schwerin sein, zumal ich schon 2 1/2 Stunden unterwegs war.Um 19 Uhr sollte schon Einlass sein, und ich war noch nicht mal in Schwerin angekommen. Es lagen noch 25 km vor uns,
und gegen 18.30 Uhr waren wir auch schon kurz vor unserem Ziel. Laut Stadtplan sollte ich in die Schelfstr. einfahren, und dann kurz vor der Puschkinstr. nach rechts abbiegen, da die Schweriner Altstadt durch ein Wirrwarr von Einbahnstraßen geprägt ist. Mei Navi führte mich auch in die Schelfstr. , aber nach kaum 100 m war Ende. Baustelle, und die Straße war gesperrt.Also ging es nach Gefühl doch noch in die Puschkinstr. zu finden. Ich verließ mich erneut auf mein Navi, und folgte dem Einbahnsrtraßensystem. Nach fünf Minuten hatte die Sucherei tatsächlich ein Ende gefunden. Um 18.40 Uhr stand ich nun endlich vor der Schelfkirche St. Nikolai.Gegenüber der Kirche gab es keine Parkmöglichkeit mehr, da es da nur mit Parkkarte oder mit Berechtigungsschein für Anwohnerparken gestattet war. Nur direkt vor dem Haupteingang der Kirche gab es eine kleine Lücke. Rund um die Kirche gab es nichts mehr, und somit nutzte ich diese kleine Lücke. Hier galt nur ein eingeschränktes Parkrecht von 8-18 Uhjr. Nun war es bereits 18.45 Uhr, und ich hatte nun das große Glück direkt vor dem Haupteingang zu parken. So dicht habe ich noch nie vor einem Einlass zum Konzert parken können.

Während wir noch im Auto saßen. überquerte Martin Schreier die Straße, und gesellte zu den Leuten vor dem Kirchenbüro. Ich hatte das Gefühl, das er immer zu uns rübersah, denn mein Autokennzeichen war wohl doch die Ausnahme. Vielleicht war es auch ein ungewollter Blick, aber auffällig war es trotzdem. Kurz vor 19 Uhr standen wir dann direkt vor dem Eingang.
Die Warteschlange wurde schnell länger, und den wartenden Fans wurde mitgeteilt, das es noch einige Minuten dauern würde, bis es dann endlich in die Kirche gaht.

Endlich öffnete sich die Tür, und nun galt es schnell nach vorne zu gelangen. Diese Kirche war nun völlig anders, als die St. Georgen Kirche in Wismar. Viel kleiner, und auch die Bühne war ebenerdig. Dazu gab es noch die alten festen Holzbankreihen, in denen man doch sehr eingeengt sitzen kann. Die vorderen Reihen auf der rechten Hälfte waren bereits reserviert, und somit entschieden wir uns, wieder links zu sitzen. Nur ein Ehepaar vor uns reagierte schneller, und setzte sich auch gleich in die erste Reihe. Wir nahmen dann die 2. Reihe mit schlechterer Sicht, zumal die beiden vor uns nicht gerade vom Zwergenwuchs befallen waren. Kurz nach 19.30 Uhr waren alle Bänke besetzt.
Richtig zufrieden war ich aber nicht. Da diese Kirche recht klein war, und es keinen Abstand von der ersten Bankreihe zur Bühne gab, stand die gesamte Musikanlage zum greifen nah am Bühnenrand. Der große Gong stand diesmal nicht neben oder hinter Martin Schreier, sondern quer zur Bühne direkt vor uns. Und das bekamen wir auch gut zu spüren.

Punkt 20 Uhr war die Bühne leicht eingenebelt, und unter großem Applaus betraten die ,, STERNE " aus Meissen die Bühne. Martin Schreier nahm gleich den Platz vor dem Micro direkt am Bühnenrand ein, und begrüßte das Publikum. Er verkündete nun den Konzertablauf, der diesmal doch ein anderer sein sollte, als noch vor einem Jahr in Wismar. Diesmal sollte es ein zweigeteiltes Konzert sein, da die Band kürzlich ihr neues Projekt ,, Mussorgski " Bilder einer Ausstellung mit einem 100 Mann starken Orchester eingespielt hat, und das dieses Werk im Herbst als CD und DVD veröffentlicht wird. Daraus sollte nun im ersten Teil des Konzerts Ausschnitte zu hören sein.
Nun trat Manuel Schmid ans Micro und eröffnete den Konzertabend eher mit gesprochenen Worten zum neuen Projekt. Nun konnte nichts mehr diesen Konzertabend aufhalten.
Die erste halbe Stunde dieses Abends gab es nur Instrumental- Musik ohne jegliche Gesngseinlagen. Dafür gab es richtig was auf die Ohren, denn der Gong direkt vor uns wurde kräftig von Martin Schreier in Anspruch genommen. Auch die beiden Keyboarder hatten mächtig viel zu tun. Ich hatte so manchmal das Gefühl, das sie ihre Musikinstrumente eher vergewaltigen würden, als gute Musik aus ihnen zu entlocken. Ich glaube, ihr ahnt es schon. Das neue Projekt fand kaum den Weg in meine Gehörgänge.Viele Passagen gefielen mir nicht so richtig. Laut
und zum Teil recht gewöhnungsbedüfig. Und das eine halbe Stunde lang. Sorry, das ich hier nicht gerade in Euphorie ausarte, aber das ist nicht so die Musik, die ich gerne höre.

Nach einer halben Stunde wurde zumindest ich erlöst, denn nun kündigte Martin Schreier den zweiten Teil des Abends an, und er versprach, das es jetzt viele Songs zu hören gibt, die das Publikum bestens kennt, und auch mitsingen kann.
Es ist die Set-List vom letzten Jahr, nur in völlig anderer Zusammenstellung. Leider fielen auch fünf Songs vom letzten Jahr aus dem Programm. Dafür gab es einen anderen älteren Song, und einen neuen Song von Manuel.
Hier erst nun die neue Setlist, mit dem Programm nach der ersten halben Stunde.

1. Was Bleibt
2. Die Sage
3. Der Eine Und Andere
4. Schnee Und Erde
5. Lebensuhr
6. Kein Einziges Wort
7. Der Alte Auf Der Müllkippe

Pause

8. Stundenschlag
9. Lebensfluss
10. Mütter Geh`n Fort, Ohne Laut
11. Harte Worte (?) das war der neue Song von Manuel Schmid. Leider ohne Ansage wie der Somg heißt. Ich hab`s dem Refrain entnommen.
12. Der Weite Weg
13. Was Soll Aus Mir Werden
14. Kampf Um Den Südpol
15. Eine Nacht
16. Weißes Gold
17. Mein Weg
18. Wir Sind Die Sonne

Bei der Pause bin ich mir nicht ganz sicher, ob es jetzt nach dem 7. oder dem 8. Song war. Ist aber auch nicht so wahnsinnig wichtig. Schade fand ich es nur, das diesmal nicht ,, Die Zeder Von Jerusalem " und auch der ,, Bolero " nach der Pause nicht gespielt wurden. Diese beiden Titel hätte ich gerne noch einmal gehört. Es sollte wohl nicht sein.

Wie schon im letzten Jahr gab es zu jedem Song von Martin Schreier eine kleine Geschichte zu fast jedem Song zu erzählen. Auch über die Entstehung zum Song ,, Die Sage ". Immer wenn es von Sachsen nach Thüringen ging, fuhren sie an drei Burgen vorbei. Martin Schreier schlug den anderen Mitgliedern vor, das man daraus auch einen Song machen müsste. So entstand eben dieser Song von der geheimnisvollen Sagenwelt in den Burgen. Jedenfalls habe ich es so verstanden. Inzwischen habe ich mir ,, Die Sage " schon mehrere Male angehört, und mir gefällt auch dieser Song sehr gut.

Im Laufe des Abends erzählte uns Martin Schreier während der Bandvorstellung auch den Neuzugang von Manuel Schmid. Nach dem Tode von Thomas Kurzhals suchte die Band einen würdigen Nachfolger an den Keyboards und für den Gesang. Diese alteingesessene Band hatte keineswegs damit gerechnet, das sich ausgerechnet so ein Jüngling wie Manuel Schmid sich für die alten ,, STERNE " aus Meissen interessieren würde. Er bewarb sich um den Platz an den Keyboards, und musste erst mal sein Können und Wissen nachweisen. Martin Schreier war sichtlich gerührt, das ein 31jähriger junger Musiker sich so sehr mit der Musik einer Band beschäftigt, die er erst kennenlernte, als sie schon rund 30 Jahre auf der Bühne steht.
Beeindruckend fand es Martin Schreier, das Manuel sogar die Texte der ersten LP alle beherrscht, die er schon längst nicht mehr kennt. Aber es kam nicht von ungefähr, denn Martin Schreier erwähnte auch, das schon die Eltern von Manuel Schmid zu den allerersten Fans dieser Band gehörten. Der Apfel fällt nun mal nicht weit vom Baum.

Mit Manuel hat die Band nicht nur einen würdigen Nachfolger von Thomas Kurzhals bekommen, sondern ein außergewöhnliches Talent, welches sich als Jungbrunnen für eine alt eingesessene Band gibt. Diese tolle Stimme stellte er mehrere Male ohne jegliche musikalische Unterstützung dem Publikum vor. Und das wurde auch entsprechend gewürdigt. Mit Manuel
Schmid hat diese Band wohl auch noch eine Zukunft, wenn irgendwann auch die Stimme von Martin Schreier verstummen sollte.So einen Glücksgriff hat man nur einmal im Leben, und somit wird es die ,, STERNE " aus Meissen wohl noch eine gute Zukunft geben.

Mit ,, Wir Sind Die Sonne " verabschiedete sich die Band. Aber ohne Zugabe geht nun mal gar nichts. Natürlich versprach uns Martin Schreier, das der Abend noch nicht ganz zu Ende ist.
Die Band macht noch etwas Musik für uns. Manuel übernahm nun die Regie, und forderte das Publikum immer wieder zum mitsingen auf. Er gab auch nicht eher Ruhe, bis alle seinen
Aufrufen folgten. Mal sollte die rechte Seite singen, mal die linke Seite. Erst als Manuel mit dem Ergebnis zufrieden war, durften alle einstimmen, und die Band gab noch mal ihr letztes
an diesem langen Abend.

Um 23.10 Uhr ging dann ein doch sehr eindrucksvolles Konzert zu Ende. Auch wenn die erste halbe Stunde nicht so mein Fall war, dafür gefiel mir der zweite Teil des Abends um so besser.
Nach vier Stunden auf der harten Holzbank möchte ich lieber nicht schreiben, was mir alles weh tat. Jedenfalls war mein Autosessel reichlich bequemer.
Reichlich ungewöhnlich war es dann, als wir aus der Kirche herauskamen. Da es in der Kirche keinen Vorraum gab, wurde der Fanstand kurzerhalber draussen vor der Tür aufgebaut. Es
war ja trocken,windstill, und somit war es auch möglich. Nur bei Regen hätte es wohl diesen Stand nicht gegeben.

Um 23.15 Uhr ging es dann zügig der Heimat entgegen. Zum Glück war es eine fast wolkenlose Vollmondnacht, und zurück ging es auch über den längeren Weg über die B 104 zur A 20. Nachts ist auf dieser Strecke nicht viel Verkehr, und somit waren wir trotz einiger Nebelfelder nach zwei Stunden Fahrt zu Hause.

Leider gibt`s von mir wieder keine Fotos. Ich hoffe doch sehr, das die Fotos von Netti etwas geworden sind, und sie auch dann bereit ist, diese hier einzustellen. Von mir gibt`s diesmal nur die Eintrittskarte zu sehen, denn diese war mal eine Fan-Karte, von denen es nicht immer eine gibt.


Angefügte Bilder:
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#2

RE: ,, STERN COMBO MEISSEN " in Schwerin

in Konzertberichte 2015 05.09.2015 08:46
von PMausM | 1.524 Beiträge | 3211 Punkte

He Günthi, hat du ja toll erzählt vom Nordtermin der Sterne. Danke dir dafür, ich weiß, wie viel Mühe das macht. Man kann hier auch mal sagen, wenn ein Konzert oder Teile persönlich nicht so gefallen haben. Leider habe ich den von dir beschriebenen Konzertteil noch nicht selbst gesehen. Mag aber die klassischen Sachen. Vielleicht klappt es noch mal.


zuletzt bearbeitet 05.09.2015 08:51 | nach oben springen

#3

RE: ,, STERN COMBO MEISSEN " in Schwerin

in Konzertberichte 2015 05.09.2015 11:34
von ove | 93 Beiträge | 217 Punkte

Mein letztes STERN COMBO MEISSEN-Konzert liegt schon 6 Jahre zurück. Damals spielten sie in Thalheim anlässlich der 825-Jahres-Feier der Stadt. Dein Bericht, @Günthi, erinnerte mich sofort an dieses Ereignis. Es wurden Werke vorgetragen, die mir nur teilweise bekannt waren. Ich glaube, dass die STERN COMBO MEISSEN experimentelle Musik und überlange Werke schon in vergangenen Zeiten komponierte und liebte. So genau habe ich mich mit dieser Musik noch nie befasst. Es ist aber schon interessant, wie diese Band Rückschläge verkraften und Energie für neue Projekte schöpfen kann (vielleicht vergleichbar mit KARAT). Und ich denke, dass Manuel Schmid seine Sache richtig gut macht. Habe bei Petra ein Bühnenrand-Video von einem anderen Konzert gefunden, das mir sehr gut gefällt.
Ich bin froh, dass ich 2009 Thomas Kurzhals erleben durfte. Zur Erinnerung zwei Bilder von diesem Konzert:

Ich hoffe, dass ich mit den "Querschüssen" deinen Beitrag nicht kaputt gemacht habe. Vielleicht kommt Netti mit ihren Bildern auf das Schweriner Ereignis zurück.

zuletzt bearbeitet 05.09.2015 11:42 | nach oben springen

#4

RE: ,, STERN COMBO MEISSEN " in Schwerin

in Konzertberichte 2015 06.09.2015 18:44
von Ingo | 448 Beiträge | 963 Punkte

Danke Günthi. Ich wußte ja im Vorfeld, dass ihr beide dort sein werdet, aber jetzt hab ich endlich die Zeit gefunden deine vielen Beschreibungen des Tages zu lesen. Und es hat sich definitiv gelohnt.
Eine sehr schöne Beschreibung. Vor 1,5 Jahren, kurz nach dem Tod von Thomas Kurzhals, hab ich die Stern Combo, auch schon mit dem neuen Mitglied Manuel Schmid erlebt.
Und ich muss sagen, ich war beeindruckt, wie professionell dieser noch junge Musiker seine Arbeit auf der Bühne machte. Mit dem haben die Sterne wirklich einen Sechser im Lotto gelandet.
Schade nur, dass die neueren Songs "Reiter der Nacht", "Zeder..." und "... Raimund S." nicht dabei waren, wäre vielleicht besser gewesen statt der ersten halben Stunde.
Hauptsache ihr hattet einen schönen Abend und das ist ja eigentlich garantiert, wenn man sich eine der großen DDR-Bands aussucht.
Hier am 21.12.2013 in Berlin.

Angefügte Bilder:
Alles was zu Ende ist, kann auch Anfang sein.
www.pfc-dasbuch.de
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