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CÄSAR - Fantreffen anno 2015 im Entenfang zu Torgau

in Konzertberichte 2015 15.06.2015 19:15
von HH aus EE | 846 Beiträge | 2063 Punkte

CÄSAR – Fantreffen Jahrgang 2015 im Entenfang
(13.06.2015)

Es ist Sonnabend, 13.00 Uhr, und in Halberstadt schüttet es vom Himmel, was die Schleusen gerade hergeben. Die Schüttel steht gepackt auf der Straße vor der Haustür, doch jetzt über den Fußweg zu gehen, würde einem Vollbad gleichkommen. Die Aussichten, in Richtung Torgau zu starten, sind trübe und patschnass! Eine halbe Stunde später rollt das Gefährt dann doch aus Halberstadt raus und durch Harsleben hindurch. Vom Regen ist nur noch die nasse Straße zu sehen, aber im Rückspiegel schüttet es immer noch. Auf der Bundesstraße 6 scheint ab Quedlinburg die Sonne, als wäre es hier nie anders gewesen. Irgendwann sind die beiden Staubaustellen auf der Autobahn 14 passiert und kurz vor 15.00 Uhr rollt die Schüttel am Leipziger Messegelände von der Schnellspur runter. Als ich eine halbe Stunde später im Entenfang das Gefährt verlasse, schlägt mir feuchtwarme Tropenluft entgegen. Ich ahne, was, - „same procedure as every year“ -, bald geschehen wird. Bis es soweit ist, trinke ich erst einmal Kaffee mit allen, die auch schon eingetroffen sind. Erst danach versuche ich mich, im Schweiße der tropischen Schwüle, am Nestbau unterm Zeltdach zu beteiligen. Als das Zelt endlich steht, komme ich kaum noch hoch, um mich zum Waschbecken zu schleppen. Mit einem frischen T-Shirt, Marke HH aus EE, auf der Brust, steht endlich der fröhliche Teil in den Starlöchern. Das CÄSAR-Fanclubtreffen 2015 der Weggefährten kann beginnen.

Für mich ist dieser jährliche Sommerabend inzwischen so etwas wie ein Familientreffen geworden und deshalb bin ich gern hier. Wenn man sich das ganze Jahr über vor den unterschiedlichen Bühnen stets verpassen muss, hat man hier die Chance, sich endlich einmal wiederzusehen. Bei Kaffee und Kuchen wird locker geplaudert und manchmal geschehen kleine Überraschungen, wenn, wieder einmal, einer den Weg hierher findet, den die meisten nicht auf der Agenda hatten. In diesem Jahr hat uns Hans, den sie immer noch Wodka nennen, mit seiner Anwesenheit, und einer weiten Anreise aus dem fernen Aschaffenburg, überrascht. Als er plötzlich unter uns am Tisch sitzt, ist die Freude groß, denn Hans ist zwar nicht gesund, hat aber eine zweite Chance geschenkt bekommen. Das weiß man hier besonders zu schätzen.
Während der kleine „Haufen der Unbeugsamen“ langsam wächst, erkundet Lily das Terrain. Nebenan, auf der großen Wiese, dreht ein Kutschgespann mit Kindern viele Runden und Lily begrüßt Freunde, um sich kraulen zu lassen. Manchmal kläfft sie auch wie wild, wenn sie meint, einen Spielkameraden von früher erkannt zu haben. Lily sieht mit ihren zehn Jahren nicht mehr ganz so gut, müsste deshalb eigentlich eine Brille tragen (vielleicht liest das ja einer der Fielmänner). Aber den Aschaffenburger hat sie an der Stimme erkannt und der „Wodka-Hans“ weiß das zu schätzen und freut sich darüber.

Als es dann duster wird, ist die Nacht noch fern, aber die Regenfront verdammt nah. Zum Glück aber nicht direkt über uns. Wir bekommen eine gehörige Dusche ab und dann ist es auch wieder vorbei. Das Blätterdach lässt nur einen Teil zum Boden durch und dennoch sieht Lily binnen kurzer Zeit wie ein Dreckspatz aus. So wird es bis zum Morgen auch bleiben. Während unsere Gäste, die Blues-Band CHERRYFIELD aus Torgau, ihr Equipment sichert, verkosten wir schon einmal das Bier. Es wird für gut befunden und von nun an hat der Durst keine Chance. Was interessiert einen alten Rocker der Regen, wenn er einen fein gebrauten Gerstensaft in seinem Humpen weiß. Mit meinem Kumpel Hans, dem Wodka, nippe ich dann vorsichtig am lauwarmen Kläutel (helmsisch für den Kräutertrunk), schiebe mir noch genüsslich die allererste Bratwurst in den Mund und weiß zugleich, dieser jährliche Abend, mit CÄSAR im Hinterkopf, ist wieder einmal dazu verdammt, gesellig, fröhlich und schön zu werden: „same procedure as every year.“

Der Regenschauer ist seit ein paar Jahren so etwas wie Tradition. Wir warten einfach, mit einem Bier und einer Bratwurst, wahlweise auch einem Steack, in der Hand, bis sich die Tradition verzogen hat. Aus Erfahrung wissen wir, es dauert nicht länger als ein Stündchen. Danach ziehen die Wolken weiter und ärgern an anderen Orten andere Leute. Wir haben CHERRYFIELD auf der Bühne und ein zünftiges Lagerfeuer lodert davor. Die Band rockt und rollt, wir rocken und rollen mit um das Feuerchen herum, gerade so, als wäre an diesem Abend im Juni die Zeit für uns stehengeblieben. Wann es Mitternacht wurde, ist mir entfallen und die Kläutel und Hopfengetränke zu zählen, war nicht meine Aufgabe. Ich wollte fröhlich sein, unserem CÄSAR zuprosten, meinen Hans, denn sie Wodka nennen, in sein Hotel verabschieden und dann wieder fröhlich sein. Es ist schon sehr spät oder früh, wer weiß das schon so genau, da ist auch die Zeit für die Lieder des sächsischen Barden gekommen. CHERRYFIELD greifen beherzt in die Saiten und in die stockdunkle Nacht hinein bekommt CÄSAR seinen musikalischen Gruß, von Band und Weggefährten gemeinsam gesungen, in den ausgeregneten Himmel geschickt. Bevor irgendwann die letzten Töne verklingen, sind wir noch „eine Weile miteinander still“. Ganz leise höre ich nun auch den Lockruf meiner Matratze, dem ich nicht mehr widerstehen kann.

Im Zelt liege ich noch lange wach. Meine Lily neben mir ist nicht nur schmutzig wie ein gebrauchter Handfeger, sie hat außerdem keine Lust, schon einzuschlafen. Ich höre den Klang einer Gitarre und den Gesang einer weiblichen Stimme „irgendwo auf dem Stein muss ihr Hemdchen sein“ singen und mit dieser Vorstellung im Kopf bin ich dann wohl doch in die Arme von Gott Morpheus gesunken.

Früh gegen vier, als ich mit meinen müden Augen einen Baumstamm vor mir sehe, liegt ein Schleier aus zartem Nebel wie ein Hauch über den Wiesen. Ein feines Bild, das ich mit in den nächsten Traum nehme, um gegen 7.00 Uhr morgens von Schlafgeräuschen aus den Nachbarzelten wieder aufgeweckt zu werden. Jetzt bin ich nicht mehr der einzige Frühaufsteher, aber zum Aufräumen fehlt mich jetzt schlicht der Antrieb. Ich lasse Hubse und Reini weitermachen und schleiche mich, mit Dreckspatz Lily im Schlepptau, über die feuchte Wiese. Wir beobachten die Schafe hinter dem Graben beim Frühstück und wie die Weggefährten, einer nach dem anderen, aus ihren Zelten krabbeln und sich die zu kurze Nacht aus den Augen reiben. Dies sind jene Momente, die sich später am besten aus der Erinnerung wieder abrufen lassen, denn hier draußen gibt es weder Dusche noch Fön, nur die nackte Schönheit ungeschminkter und unrasierter Gesichter. Was haben wir in manchen Jahren, wie auch an diesem Morgen, herzlich und viel gelacht sowie mitleidend genickt. Wir sind, bis zum Frühstück und danach, mit den gleichen Düften des Morgens verbunden und nehmen sie, nachdem der Kaffee getrunken und die leckeren Brötchen verspeist sind, sogar mit auf den Weg zurück nach Hause. Niemand wird sie uns, und das gemeinsam Erlebte, nehmen können und wenn die Düfte dann verflogen sind, holen wir uns im kommenden Jahr wieder Nachschub: „same procedure as every year.“

„Was noch zu sagen wär’“: Im Jahre 2007 war CÄSAR mit seiner Biografie „Wer die Rose ehrt“ viel unterwegs auf Lesetour und las am 20. April des gleichen Jahres in der BADER GALERIE in Eilenburg. Zwei von uns, Kuo und Achim, waren mit der Kamera dabei und haben dort einen privaten Mitschnitt machen dürfen, den CÄSAR selbst noch für gut befunden hat. Inzwischen haben wir auch grünes Licht von Simone Dake bekommen. Das Ergebnis ist ein privater Mitschnitt von „Cäsar’s Lesereise“ auf DVD, die während des Fantreffens 2015 erstmals käuflich zu erwerben war und „als persönliche Erinnerung“ an die ersten Interessenten übergeben wurde (copyright by www.caesarfanclub.de). Das Teil wird seine Liebhaber sicherlich nicht lange suchen müssen, denke ich mir. Eine Rarität ist es jetzt schon. So halten wir das Wirken und die Erinnerung an unseren CÄSAR wach.



Thema und Beitrag am 16.06.2015 gegen 18:45 Uhr durch Admin. Kundi in den Bereich Konzertberichte 2015 verschoben. Das sollte später das Wiederfinden erleichtern. Die Berichte von bisherigen Cäsar-FT wurden auch in den Konzertberichten des jeweiligen Jahres abgelegt. Der Themenersteller HHausEE wurde darüber informiert

Angefügte Bilder:
www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
zuletzt bearbeitet 16.06.2015 18:51 | nach oben springen


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