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TRANSIT und SHAWUE 09.05.15 Waldbühne Gehren

in Konzertberichte 2015 14.05.2015 18:11
von Kundi | 1.994 Beiträge | 4566 Punkte

Manchmal ist meine Inkonsequenz himmelschreiend, wenn es um die Muggenpilgerei geht. Die Mär vom Kürzertreten nimmt mir schon lange niemand mehr ab. Aber was soll man denn auch tun, wenn zwei Bands, die man unheimlich schätzt an einem Abend auf einer Bühne spielen? Eigentlich wollte ich vor meinem Live-Jahreshighlight, dem AC/DC-Konzert in Dresden am 10.05.15, etwas pausieren. Aber dann fand ich mich doch wieder in meinem koreanischen Fahrwunder und auf der Bundesautobahn wieder. Der Wunsch nach TRANSIT und SHAWUE war stärker als der Ausruhgedanke.

Bestimmt habe ich vor mich hingelächelt als mir während der Fahrt die zwei Zitate des irischen Schriftstellers Oscar Wilde (1854-1900) einfielen: "Das einzig Konsequente an mir ist meine ewige Inkonsequenz." Das passte schon irgendwie zu mir und irgendwie hat der Mann auch da Recht: "Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiß, ob sie wiederkommen." Keiner kann ja wissen, ob es die Konstellation TRANSIT und SHAWUE in einer Mugge jemals wieder geben wird.
Ich schlürfte nebenbei einen heißen Kaffee und schwamm im fahrenden Strom der Blechkarossen auf der A 13 ganz einfach und relaxt mit. Ich hielt steil Kurs auf das Brandenburger Land und zwar Richtung Luckau. Scheiß drauf, irgendwie werde ich die beiden Tage schon durchhalten, dachte ich und im Nachhinein bewahrheitete sich das auch.

Da machte mir der Blick Richtung Himmel deutlich mehr Sorgen. Vor meinen Augen wurde es deutlich grauer und dunkler. Wie es aussah, fuhr ich geradewegs in eine Gewitterfront und die hatte sich gewaschen. Genau als von der Autobahn auf enge Brandenburger Landstraßen und Alleen wechselte, prasselte es regennass aus vollen Kannen hernieder. Alter Falter, ist das der Weltuntergang?? Kurzzeitig überlegte ich, ob ich die Reiseunternehmung abbrechen sollte. Aber der einsame Kapitän hielt mit seinem Kia-Motorboot dann doch Kurs Richtung Gemeinde Heideblick zu welcher auch der Ortsteil Gehren zählt.

Als ich Gehren endlich erreichte, war das Unwetter vorbei. Doch jetzt war erstmal die Suche nach der Waldbühne angesagt, denn die im Internet angegebene Adresse führte zu einer Gaststätte mitten im Ort. Irgendwann fuhr ich in Richtung Ortsausgang und dort entdeckte ich ein Hinweisschild zur legendären Bühne. An der nächsten Weggabelung hieß es dann fifty-fifty, denn ein Hinweisschild fehlte hier und natürlich wählte ich zunächst die falsche Richtung. Aber nachdem ich dann einen kleinen Waldweg mit weiteren Wegweisern fand, erreichte ich endlich mein Ziel und parkte ganz unkompliziert gleich vorm Eingang. Die Waldbühne ist wirklich ein verstecktes Schmuckstück für schätzungsweise 500 oder 600 Zuschauer.

Die Bühnenrandmissionare Sybille und Holger waren die ersten bekannten Gesichter, die ich entdeckte. Natürlich tauschten wir zunächst die aktuellen Neuigkeiten von den Bühnenrändern dieser Republik aus. Auch ein versprengtes Häuflein vom Transit-Fanclub war anwesend. Ich habe ja ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Fanclubs. Ich trenne Bands und ihre FC ganz bewusst für mich, denn das sind einfach zwei verschiedene Schuhe. Ich verschließe mich einer Zusammenarbeit zwar nicht, aber ich halte doch eine gesunde Distanz. Fanclubs sind sicher Ansichtssache. Ich habe für mein Hobby nie solche Fanclubs gebraucht und alle, die ich kenne, sind auch Jahre bis Jahrzehnte nach meinen ersten Konzerten mit den Bands entstanden. Dass ich heute mal ein paar Sätze dazu verliere, hat einen ganz bestimmten Grund.

Mir ist schon klar, dass ich damit einigen Leuten auf die Zehen trete und mir deren Unmut zuziehe. Aber so eine Kritik nehme ich mir einfach mal heraus und das muss einem langjährigen Musikfan auch erlaubt sein. Ich fand es nämlich ungehörig und respektlos, dass das Häuflein anwesender Fans bzw. Mitglieder des TRANSIT-Fanclub die Gastgeberband SHAWUE mit Missachtung straften und sich nach dem Gig ihrer Band gleich wieder verkrümelten. Noch dazu wo es dieses Konzert ohne SHAWUE sicher nicht gegeben hätte. Die Waldbühne Gehren ist nämlich so etwas wie das offene Wohnzimmer der Band um Lutz Neumann. Wesentlich offener als ihre Fanclub-Leute waren da einige Bandmitglieder von Transit, die sich wenigstens ein paar Songs der nachfolgenden Band anhörten und das durchaus auch interessiert. Sicher würde ich nicht so hart urteilen, wenn das Konzert vor 500 oder 600 Leuten über die Bühne gegangen wäre. Aber leider war dem nicht so. Gerade deswegen wäre es sympathischer gewesen, wenn das Häuflein auch noch geblieben wäre. Der Gewitterguß hatte sicher auch noch viele abgeschreckt.

Wie aus meinem Bericht unschwer zu erkennen ist, begann an diesem Abend auf der SHAWUE-Hausbühne TRANSIT mit der Mugge. Egon Linde (Leiter, Gitarre, Gesang), Hans-Jürgen Beier (Schlagzeug), Eghard "Egge" Schumann (Keyboards) und Peter Kipp (Bass) starteten mit „Back Again“. Der Song dient TRANSIT ja schon seit dem Comeback-Konzert am 12. Juni 2009 auf der Parkbühne in Berlin-Biesdorf als Eröffnungstitel.

„Hallo Freunde“ rief Egon und führte wieder gekonnt mit informativen Ansagen durch den Programmablauf. Wie ein Kapitän sein Schiff über die Meere lotst, so führte der Herr Linde seine Mitmusiker und die Konzertbesucher damit durch das aus alten und neuen Liedern bestehende TRANSIT-Set. Es ging wieder munter durch den Schaffens-Ozean von TRANSIT. Wir hörten Lieder aus allen Schaffensphasen der Band. Das waren Lieder von Menschen und Meer ("Vorbei an Dänemark", "Blaue Lagune"), Lieder aus der Rubrik Sagen, Mythen und Legenden (Schimmelreiter“, „Bernsteinhexe“, "Vineta") sowie Alltagslieder („Ich fahr an die Küste“, „Burnout“, Es kam deutlich rüber, dass die Band Spaß an der Sache und vor allem auch den Mut hat Neues („Geisterschiff“) zu präsentieren und das ohne irgendwelchen Trends hinterherzujagen. Die Musiker beherrschen ihr Handwerk und sie führen es auch mit Lust und Liebe aus. Übrigens sind die Arbeiten am neuen TRANSIT-Album auch schon ziemlich weit fortgeschritten, wie mir der Herr Linde in einem Gespräch vor der Mugge verriet. Ich freue mich schon jetzt auf den neuen Longplayer.

Über den Vergleich bzw. die Ähnlichkeit der Stimmen von Lindenberg, Udo und Linde, Egon wurde schon viel gesprochen und geschrieben. Wie wir heute wissen, war diese Ähnlichkeit in der DDR von den Kulturfunktionären und Rundfunkproduzenten einige Zeit durchaus gewollt. Als Udo Lindenberg bei ihnen aber wieder in Ungnade fiel, traf das auch die Gruppe TRANSIT. Auch da erzähle ich euch sicher nichts Neues. Die wunderschöne Ballade „Der Junge sitzt am Ufer“ ist für mich so ein Lied, das auch bedenkenlos von Udo Lindenberg sein könnte. Text und Melodie sind für mich wirklich auf Anhieb Lindenberg-kompatibel. Ich habe mich sehr gefreut mit diesem Lied, aber auch zum Beispiel mit „Schulzeit“ und der wunderschönen Ballade "Ein Mädchen wie du" in die Vergangenheit der Gruppe TRANSIT und in meine eigene Vergangenheit abtauchen zu können. Auch das Lied „Mein Dörfchen“ erzählte aus unserer und meiner Vergangenheit. Nach den obligatorischen Zugaben wurde ganz fix die Bühne für die nächste Band umgebaut.

SHAWUE kam auf die Bühne und wie wir es von der Band gewöhnt sind, entfachten die Musiker wieder ein herrliches Message Folk(-Rock)-Feuerwerk. Die Spiellaune der Kapelle ist ja schon legendär. Es dauerte auch gar nicht lange, da wurde der Platz vor der Bühne zur Tanzfläche und die Leute sangen auch bald ordentlich mit. Das beschränkte sich übrigens nicht nur auf die Silberrücken-Generation. Auch die jüngere Generation war tanzversessen und vor allem beim Gesang auch textsicher.
Der Frontmann machte den Feierwütigen übrigens das Angebot, wenn es wieder regnen sollte, die Bühne zu entern. Es wäre an diesem Ort nicht das erste Mal, dass SHAWUE auf der Bühne direkt von Fans umgeben wäre.
Natürlich ging es auf der Bühne auch optisch rund, denn bis auf den Schlagzeuger Lucas Hilbrich(auch Backroundgesang) hielt es die Musiker kaum auf ihren angestammten Plätzen. Vor, zurück, links rechts – die gesamte Bühne diente Lutz Neumann (Gesang, Gitarren, Mandolinen, Mundharmonika, Ukulele), Heike Neumann(Violine, Gesang), Burkhard Mette (Bassgitarre, Gesang) Friedrich Gierach (Gitarren, Gesang) als Podium. Nur bei den Gesangsparts waren sie an die Standmikrofone gebunden.

SHAWUE präsentierte uns einen absolut rockigen, tanzbaren und abwechslungsreichen musikalischen Blumenstrauß. Elemente aus Rock, Blues, amerikanischen (Folk-)Rock und sogar etwas Punk wurden zum unverkennbaren und unverwechselbaren SHAWUE-Sound zusammengebunden. SHAWUE steht nicht umsonst für modernen, zeitlosen und geistreichen Folkrock. Man kann bei der Musik richtig gut Party machen, aber im stillen Kämmerlein auch mal in Ruhe über die Texte nachdenken. Die Truppe um Kapellmeister Lutz gab wirklich wieder alles und hatte das Programm dramaturgisch auch sehr gut aufgebaut.

Die beliebtesten und bekanntesten Songs der Band SHAWUE wie "Scheißkerl", "Sie hatte diese Welt nicht gern", "Dann schrei", "Ich komm heim" und "Sie tanzt auf ihren Rädern" folgten demzufolge auch erst ziemlich am Ende des Abends. Doch auch über „Der Wind weint um Mary“ (das eingedeutschte Hendrix-Cover) und „Wie ein Stein“ (die deutsche Version des Dylan-Klassikers gab es im Zugabenteil)) durften wir uns freuen.
Neueren Datums war das Lied „Schwarz und Weiß“, was Lutz dazu verleitete von einer neuen CD zu sprechen. Sein Bassist Burkhard bezeichnete diese künftige Scheibe schon jetzt scherzhaft als Neumanns Renten-CD.

Kurz vor Ende der Mugge bat Lutz Neumann alle Anwesenden für ein gemeinsames Erinnerungsfoto auf die Bühne. Inzwischen hatte übrigens auch der regen wieder eingesetzt. Mitternacht war auch schon erreicht, was mich daran erinnerte, dass da ja noch das AC/DC-Konzert vor mir lag und ich langsam heim müsste. Also winkte ich der wieder spielenden Band noch einen Gruß zu und wendete mich meinem Auto zu. „Mach‘s gut, Kundi und Danke, dass du da warst“ waren die letzten Worte, die mir von der Bühne vom Frontmann hinterher gerufen wurden Ich habe mich auch darüber gefreut.

Gruß Kundi

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zuletzt bearbeitet 14.05.2015 18:15 | nach oben springen

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RE: TRANSIT und SHAWUE 09.05.15 Waldbühne Gehren

in Konzertberichte 2015 14.05.2015 18:19
von Kundi | 1.994 Beiträge | 4566 Punkte

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#3

RE: TRANSIT und SHAWUE 09.05.15 Waldbühne Gehren

in Konzertberichte 2015 14.05.2015 18:28
von Kundi | 1.994 Beiträge | 4566 Punkte

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RE: TRANSIT und SHAWUE 09.05.15 Waldbühne Gehren

in Konzertberichte 2015 14.05.2015 18:33
von Kundi | 1.994 Beiträge | 4566 Punkte

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#5

RE: TRANSIT und SHAWUE 09.05.15 Waldbühne Gehren

in Konzertberichte 2015 14.05.2015 18:43
von Kundi | 1.994 Beiträge | 4566 Punkte

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Gruß Kundi

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#6

RE: TRANSIT und SHAWUE 09.05.15 Waldbühne Gehren

in Konzertberichte 2015 14.05.2015 19:49
von Drachenuli | 706 Beiträge | 1517 Punkte

Das Verhalten des Fanclubs ist intolerant und beschämend.
Mein Ding war es noch nie, einer Gruppe oder Musikrichtung zu frönen, deshalb war ich schon immer in den einzelnen Gruppierungen, wie den Rock N Rollern, Folkies oder Bluesern der Aussenseiter. Aber egal, Hauptsache die Mugge war gut, Transit würde ich auch gerne mal wieder sehen, allerdings ohne meilenweit hinterher fahren zu müssen. Shawue kenne ich nicht, wenn die mal in meiner Nähe spielen, werde ich die mir mal ansehen.

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#7

RE: TRANSIT und SHAWUE 09.05.15 Waldbühne Gehren

in Konzertberichte 2015 14.05.2015 22:38
von PMausM | 1.520 Beiträge | 3202 Punkte

Habe ich mit Interesse gelesen. Leider hatte ich Gehren geografisch an der Ostsee eingeordnet und so gar nicht in Erwägung gezogen, da hin zu fahren. Habe Transit ewig nicht gesehen und das wäre eine Gelegenheit gewesen.


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