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ROD STEWART zum 70. Geburtstag

in Bands, Musiker, Musikstile 10.01.2015 11:36
von HH aus EE | 832 Beiträge | 2031 Punkte

Rod "The Mod" Stewart ist 70 geworden (10.01.2015)

Die meisten hierzulande haben wohl seinen Überflieger-Hit „Sailing“ im Ohr, wenn sie seinen Namen hören und die blonden Damen schwenken gedanklich ihre Hüften zu „Baby Jane“ oder „Do Ya Think I’m Sexy“. Meine Assoziationen sind andere, denn ich stamme aus einer Generation davor und bin ein Kind der wilden 1960er Jahre, mit deren Musik meine Sozialisation einher ging. Wir haben Westplatten getauscht und manche zu überhöhten Preisen auch gekauft, weil wir verrückt nach guter Rockmusik waren. So eine Platte von JEFF BECK habe ich heute immer noch und der darauf zum bluesgetränkten Spiel von Beck’s Gitarre mit rauer Kehle den post-apokalyptischen Wortwechsel des letzten lebenden Mannes und der letzten verbliebenen Frau im „Morgentau“ stöhnt und röchelt, ist ROD STEWART, ein Rohdiamant, ungeschliffen und noch nicht aufpoliert. Damals kannten ihn hier nur die Puristen und Eingeweihten. Doch seine Version von „Morning Dew“ und auch die vom „Ol’ Man River“ auf der LP „Truth“ (1968), haben Maßstäbe gesetzt, an die er sich heute wohl selbst nicht mehr recht erinnert, denn ROD STEWART ist heute 70 geworden.

Dessen Karriere als Sänger begann mit den FACES, die sich gerade von Steve Marriott getrennt und das „small“ aus ihrem Namen getilgt hatten. Deren neuer Gitarrist wurde Ron Wood und als Sänger holten sie ROD STEWART. So aufgestellt machten sie dort weiter, wo sie als Small Faces aufgehört hatten – sie wurden eine grandiose Live-Band, tranken viel Alkohol und ließen es nebenbei außerdem ordentlich krachen. Gemeinsam spielte diese fröhliche Trinkergemeinschaft Album für Album ein und hatte mit „Cindy Incidentally“ sogar einen mittelmäßigen Hit. Allerdings hatte ROD STEYART schon nebenbei seine Solo-Laufbahn gestartet und als die erfolgreicher wurde, als die der Band, degradierte er die FACES kurzerhand zu seiner Begleitkapelle. Die brach 1975 auseinander, nachdem der Sänger als Solist erfolgreicher wurde, als mit den trinkfesten FACES.

Schon ein Jahr nach „Truth“ veröffentlichte der Mann mit der Reibeisenstimme mit „An Old Raincoat Won’t Ever Let You Down“ (Ein alter Regenmantel wird dich nie im Stich lassen) seine erste eigene Solo-Scheibe, auf der sich immerhin mit „Handbags And Gladrags“ ein späterer Klassiker von „Rod the Mod“ findet. Ein weiteres Jahr später folgt „Gasoline Alley“, dem wiederum ein Jahr darauf sein drittes Werk „Every Picture Tells A Story“ (Jedes Bild erzählt eine Geschichte) folgt. Spätestens mit dieser Langrille hat ROD STEWART seinen ganz eigenen Stil, angesiedelt irgendwo zwischen Country, Blues, Folk, Rock und Soul gefunden. Mit „Maggie May“ koppelt er einen Hit aus und die Ballade „Mandoline Wind“ ist für mich noch immer eines seiner intensivsten Lieder. Diesen Stil setzt er auch mit „Never A Dull Moment“ (Nie Langweile, 1972) konsequent fort und singt mit „You Wear It Well“ ein weiteres Kleinod für die Ewigkeit ein. Diese vier Alben, zwischen 1969 und 1972 entstanden, sind für die Fans meiner Generation noch immer das Nonplusultra dessen, was den heißblütigen Schotten mit der blonden Struwelmähne von allen anderen seines Fachs abhebt. Wenn er auf „Truth“ von Jeff Beck seine Gesellenprüfung bestand, darf man „Every Picture“ und „Dull Moment“ unangefochten als seine beiden großen Meisterwerke in künstlerischer Hinsicht betrachten. Nie wieder danach ist ihm eine so beeindruckende und glückliche Symbiose unterschiedlicher Spielarten auf höchstem Niveau gelungen. Nie wieder danach wird seine Stimme so urban, rau und prickelnd unter die Haut gehen.

Doch ROD STEWART feilt weiter an seiner Karriere und trennt sich, nach einer Tour 1975, von seinen ständigen Begleitmusikern, den FACES, und veröffentlicht gleichzeitig das Album „Atlantic Crossing“. Die „Atlantiküberquerung“ repräsentiert einerseits den Split mit seiner Folk’n’Blues-Vergangenheit und anderseits den Beginn einer kommerziell äußerst erfolgreichen Karriere, die sich immer mehr dem Mainstream und dem Pop nähert. Die Verkaufzahlen seiner Alben schnellen in die Höhe, aber seine Fans aus alten Zeiten können oder wollen dem musikalischen Wandel nicht mehr folgen. Dem großen Hit „Sailing“ kann ich noch eine gewisse Lässigkeit abgewinnen und „I Don’t Want To Talk About It“ knüpft noch einmal an alte Traditionen an, doch von Album zu Album vergrößert sich die Distanz und irgendwann nehme ich ihn nur noch im Glitterglanz von Pop- und Disco-Welt wahr. Mit dieser Welt aus Pomade, Rouge und Knopfdruckfröhlichkeit kann ich bis heute nicht viel anfangen. ROD STEWART jedoch verkauft damals Millionen, scheint allerdings auch beliebig geworden zu sein. Das Business hat ihn endgültig geformt und zur weltweit gut verkäuflichen Ware gemacht. Aus dem Rohdiamant ist ein kunstvoll eingefasster Glitzerstein geworden.

Nur noch selten blitzt in den Folgejahren dessen wahre Natur durch. So findet sich auf seinem Album „Vagabond Heart“ (1990) eine Cover-Version vom „Downtown Train“, den Tom Waits 1985 auf „Rain Dogs“ veröffentlichte und auch seinen „Tom Taubert’s Blues“ macht ROD STEWART zu einem Welthit, obgleich er an die ruppige Schönheit des Originals, das Waits einer uralten australischen Volksweise nachempfunden hat, nicht heranreichen kann.

Aber man unterschätze einen gestandenen Rocker nicht frühzeitig. Einmal, so sagte er irgendwann, würde er gern jene Songs aufnehmen, mit denen er aufgewachsen ist. Auf dem Album „It Had To Be You“ kramt er amerikanische Entertainment - Standards aus und brennt den alten Swing-Nummern seinen ganz eigenen Stempel in die Haut. Man hört erstaunt die alten Schmachtfetzen, die „Rod the Mod“ in die Rillen raspelt und hat sein wahres Vergnügen dabei.
Was den wenigsten wirklich bewusst ist, ROD STEWART hat sich zum Meister neuer Interpretationen von Fremdmaterial gemausert. Ähnlich wie Joe Cocker gelingt es ihm, vielen dieser Lieder ein frisches Leben einzuhauchen und sie sich derart inniglich einzuverleiben, dass man meinem könnte, sie wären allesamt von ihm selbst. Genau das macht auch den Reiz der Kollektion „Great American Songbook“ mit seiner Stimme aus. Da hat er sich, allen Lästereien zum Trotz, noch einmal selbst übertroffen und eine Menge Leute wieder versöhnt.

ROD STEWART ist ein Besessener. Er lebt die Musik, liebt die Frauen und hat einen Faible für Fußball. Die Namen seiner Frauen kennt kaum einer, den seines Fußballklubs wird man bald vergessen haben, als Rocker allerdings hat er sich schon frühzeitig unsterblich gemacht und seinen Namen in die Lexika eingemeißelt. Wer ihn hören möchte, kann dies (noch) live tun oder sich eines seiner Alben auflegen. Die Reibeisenstimme klingt und die Hüfte schwingt noch. ROD STEWART ist heute zwar 70 geworden, zu merken ist davon allerdings nicht sehr viel, hat mir ein Freund verraten, nachdem er ihn bei einem Konzert in Berlin live erlebt hatte. „Rod the Mod“ hat noch immer Saft in den Adern, macht geile Musik und genießt das Leben in vollen Zügen. Schön, auch einmal einen Lebenden huldigen zu können!

Angefügte Bilder:
www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
zuletzt bearbeitet 10.01.2015 11:37 | nach oben springen

#2

RE: ROD STEWART zum 70. Geburtstag

in Bands, Musiker, Musikstile 10.01.2015 19:42
von toms-daddy | 64 Beiträge | 151 Punkte

Danke Hartmut für diese Laudatio! Immer wieder gern sehe ich den Mitschnitt des Konzerts "One Night only!" aus der Royal Albert Hall 2004, als er Chrissie Hyndes von den Pretenders, die noch unbekannte Amie Bell und seinen alten Kumpel Ronnie Wood als Gäste begrüßen konnte. Danke 3sat ;-) Und einen Whisky auf das Geburtstagskind!

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#3

RE: ROD STEWART zum 70. Geburtstag

in Bands, Musiker, Musikstile 10.01.2015 23:37
von Fällsäge | 682 Beiträge | 1467 Punkte

Nu ist der och schon 70.
Saling war ein Hit meiner Jugend.
Wurde ja auf jeder Disko gespielt, meistens zum Schluß. Wenn du bis dahin kein Mädel im Arm hattest, bist meistens allein nach Haus gegangen.
Ich kann mich auch noch dran erinnern, das viele Mädels die Frisur von Rod Stewartkopiert haben, fand ich immer cool.

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