#1

DIE SEILSCHAFT am 01.02.13 im Q 24 Pirna

in Konzertberichte 2013 und älter 29.04.2013 01:35
von Kundi | 2.003 Beiträge | 4584 Punkte

Mit Müh und Not sowie dem richtigen Gespür für den Augenblick erhaschten wir noch unsere Plätze vor der Bühne. Viel Bewegungsraum blieb einem da nicht mehr, also musste es so gehen. Konzertnomaden sind in der Hinsicht ja anpassungsfähig und holen aus jeder Situation sowieso das bestmögliche heraus. Es war schon am Bühnenaufbau mit Hockern, Klavier, Cajón, Kontrabass und mehreren akustischen Gitarren unschwer zu erkennen, dass es von der Instrumentierung her ein mehr oder weniger Unplugged-Konzert werden würde. Wie heutzutage üblich wurden Gesang und Instrumente natürlich elektrisch verstärkt. Trotzdem wurde es keine Sitzplatzmugge. Ich fand das natürlich gut, denn so wurde zwischen Künstlern und Publikum keine künstliche Barriere aufgebaut und dadurch konnten auch mehr Fans am Konzert teilnehmen.

Im Q 24 ist es Sitte, dass vor dem eigentlichen Konzert ein Vereinsmitglied einen kurzen Ausblick auf die nächsten Veranstaltungen gibt und anschließend die Band des Abends ansagt. Diesmal fiel dieser Vorspann etwas länger aus, denn die Veranstalter freuten sich sehr über die vielen auswärtigen Gäste und das musste auch entsprechend mit Worten gewürdigt werden. Sonst lebt man im Q 24 nämlich hauptsächlich von den einheimischen Besuchern.
Diese ganzen Einlassungen quittierte das Publikum artig und verhalten.

Als dann aber endlich DIE SEILSCHAFT angesagt wurde, verwandelte sich der ganze Club sofort in eine Wolke der Begeisterung auf der die Band den ganzen Abend über ganz vorzüglich getragen wurde. DIE SEILSCHAFT; das Publikum und Gerhard GUNDERMANN’s Lieder bildeten wieder diese magische Einheit, die man eigentlich gar nicht mit schnöden Worten beschreiben kann. Das ist mehr als eine reine Zweckgemeinschaft, da sind von allen 3 beteiligten Komponenten(Band, Zuhörer, Songs) Respekt, Hingabe und ganz viel Liebe im Spiel. Nein, das hat nichts mit einer verklärenden Rückwendung zur Vergangenheit zu tun, obwohl GUNDI’s Lebenslicht ja auch schon vor 15 Jahren erloschen ist. GUNDERMANN’s Texte sind trotzdem immer noch aktuell, voller Inhalt und Leben. Es macht einfach auch Spaß, sie immer wieder zu hören. Ich für mich habe festgestellt, dass mir auch die melancholischen, traurigen Lieder eine wundersame Kraft und Freude geben können.
Natürlich ist ein Funken Wehmut immer dabei, wenn man an den fehlenden GUNDI denkt. Aber den im Jahr 2007 auch viel zu früh verstorbenen SEILSCHAFT-Bassisten Thomas „Tommy“ Hergert wollen wir dabei ebenso wenig vergessen. DIE SEILSCHAFT lebt seit 2008 (erster Kurzauftritt beim GUNDI-Tribut) bzw. richtig seit 2010/2011 die (ersten kompletten Konzerte) wieder und die Fans sind darüber mehr als glücklich.

Christian Haase kam als erster auf die Bühne, setzte sich auf den mittleren Hocker, nahm die Akustikgitarre und stimmte „Blau und Blau“ (von der 1992er CD „Einsame Spitze“) an. Als dieser Titel damals produziert wurde, gab es DIE SEILSCHAFT noch gar nicht. GUNDI hatte die ganze Scheibe 1992 mit den SILLY-Musikern eingespielt und auch einige Kompositionen der CD tragen ein SILLY(Teil-)Siegel. „Blau und Blau“ wurde zum Beispiel von GUNDI, Uwe Hassbecker und Rüdiger „Ritchi“ Barton gemeinsam komponiert.

Vom ersten Ton an stand das Publikum wie eine geschlossene Wand hinter der SEILSCHAFT. Das war einfach phantastisch Man muss es irgendwann selbst erlebt haben, muss seinen Gefühlen und seiner Begeisterung freien Raum gelassen haben, um das wirklich erfassen zu können. Das SEILSCHAFT-Ensemble und das Publikum verschmolzen
gleich am Anfang der Mugge zu einer Einheit. Die vor Begeisterung und Freude leuchtenden, funkelnden Augen erhellten irgendwie den Saal und strahlten zusätzlich menschliche Wärme aus. So hautnah und intensiv wie bei einem Unplugged-Konzert in so einer kleinen Veranstaltungsstätte kann man DIE SEILSCHAFT nicht so oft erleben. Für mich war es auch das erste Mal, dass ich die Band so ohne fette Drums und E-Gitarren erlebt habe. Aber
dass GUND’s Lieder laut, leise mit Band oder solo zur Gitarre funktionieren, wissen wir ja schon lange. Es sind eben wahre Volkslieder, die einen hohen Wiedererkennungswert haben.

Wir sagen oder schreiben ja oft, dass uns GUNDERMANN’s Lieder viel bedeuten. Das ist richtig und ein klein wenig falsch zu gleich. Natürlich stammen die Texte von ihm und er hat auch viele Melodien geschrieben. Aber viele Kompositionen wurden auch von bzw. gemeinsam mit den Mitgliedern seiner Bands (Die Wilderer, DIE SEILSCHAFT) oder von den SILLY’s geschrieben. Ich werde heute mal bei einigen gespielten Liedern die Komponisten mit angeben, um das mal zu verdeutlichen. Eine Reihe anderer Melodien hatte sich GUNDI aber auch bei Neil Young, Mick Jagger, Tom Waits und Co. ausgeborgt. Die Songs lebten aber besonders durch die GUNDI-Texte, seine Stimme und Dank der musikalischen Bearbeitung durch die beteiligten Musiker ein neues, eigenes Leben.

Zu Christian Haase fällt mir noch ein, dass er als GUNDI starb, zwar schon selber als Musiker auf den Bühnen stand, aber Gerhard GUNDERMANN nie begegnet ist und seine Lieder
Auch nicht kannte. Übrigens sah er in jungen Jahren mit langen zum Zopf gebundenen Haaren und Brille wie ein Bruder von GUNDI aus. Haase wurde dann immer wieder auf GUNDERMANN angesprochen und mit ihm verglichen. Eines Tages fand er dann eine Kassette mit GUNDi-Liedern in seinem Briefkasten. Er hat sich mit den Songs auf seine eigene Art und Weise auseinandergesetzt und sie später auch nach seinen eigenen Vorstellungen live interpretiert. Dass er selbst mal ein SEILSCHAFTer werden würde, hat er sich bestimmt auch nicht träumen lassen. Aber das passt auch wie die Faust aufs Auge, denn HAASE kopiert nicht stumpf GUNDI und die SEILSCHAFT kopiert auch nicht sich selbst.
Eine deckungsgleiche Umsetzung bis in jede letzte Note und ein singender GUNDI-Klon
wären in meinen Augen auch unglaubwürdig. Dazu kommt ja auch noch, dass in allen Musikern unheimlich viel Potential steckt und weiterentwickelt haben sie sich in den letzten Jahren ja auch noch. Die Band klingt heute deshalb immer noch frisch und lebendig. Die Musiker haben Spaß daran und das Publikum auch. Ich denke, so kann man Gerhard GUNDERMANN am Besten ehren.

Apropos GUNDERMANN, es gibt ja auch eine blau-violett blühende Pflanze, mit diesem Namen(auch Gundelrebe genannt), die früher auf Grund der enthaltenen Bitterstoffe und ätherischen Öle zum Verlängern der Haltbarkeit von Bier, als Gemüse und als Heilmittel eingesetzt wurde. Ich sehe da zumindest in der heilsamen Wirkung und in den teils bitteren Texten von GUNDI durchaus Parallelen.

Christian Haase übernahm bei dem Großteil der Lieder den Gesang.
„Hier bin ich gebor’n“ (Komposition: Mario Ferraro und GUNDI), „Herzblatt“(K. Michael Nass und GUNDI) und „Cuba(K. Bruce Cockburn, im Original heißt der Song übrigens „Nicaragua“) waren die nächsten Schmuckstücke, die er interpretierte. Aber auch andere Bandmitglieder stellten ihre solistischen Gesangsfähigkeiten unter Beweis.
Andy Wieczorek tat dies zum Beispiel bei „Grüne Armee“ „Vögelchen“ und „Revolution Nr.10 (alles reine Kompositionen von GUNDI) Gitarrist Mario Ferraro präsentierte uns eine schöne Version von „Niemandsland“(K. Mario Ferraro, Thomas Hergert und GUNDI).
Tastenmann Michael Nass gönnte seinen Kollegen bei „Ruhetag“ (K. Mario Ferraro) etwas Erholung für ihre Stimmen.

Eigentlich müsste man jedes gespielte Lied hier nennen, denn jedes war für sich ein kleiner Höhepunkt. Die Setlist war schon super zusammengestellt. Ich möchte aber nur noch ein paar Besonderheiten besonders schöne Stücke herausgreifen.

„Vater“ (Komposition: Tori Amos, Originaltitel heißt „Baker, barer“) ist für mich immer wieder ein ergreifendes Lied. Manche Verluste überwindet man wohl nie. Es schmerzt mich dieses Lied zu hören und trotzdem liebe ich es auch. Haase interpretiert das Stück aber auch einfach sensationell und gefühlvoll

„Sieht nach Regen aus“ ist der erste Song, den DIE SEILSCHAFT in der Neuzeit geschrieben hat. Der Titel zeigt, dass die Band durchaus auch ohne GUNDI kreativ sein kann und dass das Publikum auch akzeptiert. Das Lied stieß auf breite Zustimmung bei den Zuhörern. Lassen wir uns überraschen, ob es in Zukunft noch mehr neues Material geben wird. Es gibt beispielsweise ja auch noch einige Texte von GUNDI, die nie vertont wurden.

Bei „Wenn ich wär“( hier hat GUNDI Folklore-Elemente in der Komposition verarbeitet) startete die Band eine genialen ausgedehnten und improvisierten Instrumentalteil, der deutlich zeigte, welches Feuer in der SEILSCHAFT immer noch steckt. Das war einfach großartig! HAASE schmierte in der Zeit hinter der Bühne Brote mit Pflaumenmus und weil DIE SEILSCHAFT wirklich nicht auf die Uhr beim Improvisieren sah wurden das eine Menge Brothappen. Was sagt das dem findigen GUNDI-Fan? Genau, „Der siebente Samurai“ (K. GUNDI) war der nächste Titel und der beginnt ja mit der Textzeile „ein Samurai sitzt an euren Tischen bei Kaffee, Brot uns Pflaumenmus…). Der reichlich gefüllte Brotkorb wanderte dabei durchs Publikum. So etwas habe ich auch noch nicht bei einer Mugge erlebt, dass die Band die Gäste passend zum Lied verköstigt.

Krieg“ (K. Michael Nass), „Einsame Spitze“(K.: Jörg Wilkendorf von Die Wilderer), „Soll sein“(K.:GUNDI und Uwe Hassbecker) und natürlich auch „Alle oder Keiner“(K.: Neil Young, Original heißt „Rockin' In The Free World“) möchte ich auch noch nennen.

Der Zugabenteil wurde auf Grund des euphorisch feiernden und stürmisch mehr verlangenden Publikums sehr ausgedehnt. Selbst nach „Gras“(K.: GUNDI) war keine Ruhe und so legte die Band GUNDi’s „Keine Märchen“ noch nach. Das ganze Konzert war von Inhalt, Ablauf und Stimmung her einfach grandios – besser geht es nicht!

Gruß Kundi

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zuletzt bearbeitet 29.04.2013 01:48 | nach oben springen

#2

RE: DIE SEILSCHAFT am 01.02.13 im Q 24 Pirna

in Konzertberichte 2013 und älter 29.04.2013 01:55
von Kundi | 2.003 Beiträge | 4584 Punkte

Weitere Fotos.

Gruß Kundi

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#3

RE: DIE SEILSCHAFT am 01.02.13 im Q 24 Pirna

in Konzertberichte 2013 und älter 29.04.2013 19:56
von Tina mit Hut | 277 Beiträge | 615 Punkte

Seilschaft in Pirna, das war ein schöner Abend! Das besondere an den Konzerten ist, das das Publikum immer wieder lautstark mitsingt. "Gänsehaut"

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#4

RE: DIE SEILSCHAFT am 01.02.13 im Q 24 Pirna

in Konzertberichte 2013 und älter 29.04.2013 19:57
von Tina mit Hut | 277 Beiträge | 615 Punkte

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