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Männer, Bier und Livemusik - DRUGSTORE 09.05.13 Tharandt

in Konzertberichte 2013 und älter 11.05.2013 13:40
von Kundi | 2.015 Beiträge | 4611 Punkte

Christi Himmelfahrt, Männertag, Vatertag, Herrentag. was ist dran an diesem Tag? Auf dem ersten Blick ist das alles ganz schön verwirrend. Dabei sind mögliche Erklärungen eigentlich ganz einfach. Wie immer sind meine Zeilen aber nicht unbedingt DER Stein der Weisen, sondern meine persönliche Auslegung der zu Himmelfahrt vorliegenden Informationen. Das hier wird also schon wieder kein "richtiger" Konzertbericht

An diesem Tag kreuzen sich kirchliche und weltliche Traditionen, daher auch die vielen Bezeichnungen. Christi Himmelfahrt wird immer 39 Tagen nach dem Ostersonntag gefeiert und fällt deswegen auch immer auf einen Donnerstag. Wie der Name schon ausdrückt, stieg Jesus nach dem christlichen Glauben an diesem Tag nach seiner Auferstehung (die wird zu Ostern gefeiert) als Sohn Gottes an die Seite seines Vaters in den Himmel auf. In Deutschland ist Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag. Im Osten Deutschlands war das aber von 1967 an bis zur Vereinigung beider deutscher Staaten nicht mehr so.

Das an diesem Tag in Deutschland auch der Herrentag ( Männertag, Vatertag) begangen wird, liegt wohl darin begründet, dass junge Männer im Berliner Raum um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19.Jahrhundert diesen arbeitsfreien Tag und das schöne Frühlingswetter nutzten, um gemeinsam Ausflüge/Wanderungen zu unternehmen und dabei kräftig einen zu bechern. Diese Tradition griff schnell um sich und auch in der DDR war sie nicht unterzukriegen. Ich erinnere mich noch an meine Jugendzeit / Lehrzeit, da war es offiziell nicht gerade gern gesehen, wenn die Männer für diesen Tag Urlaub einreichten. Aber irgendwie klappte das immer. Notfalls arbeitete man dann an diesem Tag nur bis Mittag und erfand dann einen "wichtigen" Grund warum man dringend weg musste. Natürlich waren das Notlügen. Jeder wusste das auch. Aber so war es damals in der DDR. Da haben wir uns manchmal eben alle in die eigene Tasche gelogen. In Gruppen zogen dann die jungen Männer in landschaftlich schöner Gegend von Kneipe zu Kneipe und da der Weg oft weit war, wurde in einem Bollerwagen auch reichlich trinkbare Marschverpflegung mitgeführt. Das Ende vom Lied waren Horden von Besoffenen, die mit steigender Promillezahl ziemlich planlos durch die Gegend torkelten. Der Brauch wird heute noch gepflegt, mal mehr und mal weniger. Das ist auch vom Wetter abhängig. Aber mittlerweile ist das für viele auch ein Familienausflugstag geworden.

Wenn alle Welt einen hebt, bleibt der Kundi nüchtern Ich nutzte den Feiertag dieses Jahr zu einem Ausflug in die Teichwirtschaft Tharandt. Gemeinsam mit Tina wollten wir uns dort etwas Livemusik gönnen. Die Countryband DRUGSTORE spielte dort den ganzen Tag über für die Besucher des Biergartens. Wie der Cowboy, der einsam in den Sonnenuntergang reitet, ritt ich mit meinen Pferdestärken am Nachmittag auf öffentlichen Straßen dem Ziel entgegen. Die Sonne schien und mir begegneten unterwegs schon viele Gruppen trinkfester und lustiger Wanderer. Ohne Navigationsgerät ist unsereiner heutzutage manchmal ziemlich hilflos. Ich hatte das gute Stück meinem Neffen geborgt und deshalb irrte ich erstmals an falsche Ortsende von Tharandt. Doch der einsame Desperado Kundi erreichte sein Ziel doch noch und dann war er auch nicht mehr alleine.

Im Biergarten an der Teichwirtschaft herrschte schon ein (feucht-)fröhliches Getümmel. Wandergruppen junger Männer und auch Familien genossen das schöne Wetter, Speisen und Getränke und natürlich auch die Livemusik. Als Konzertnomade trifft man bei seinen Streifzügen durch die Republik selbst im entlegenstem Winkel noch liebe Bekannte. Das machte den ganzen Nachmittag gleich noch schöner.

Countrymusik höre ich ganz selten, aber nicht ungern. Damit meine ich nicht unbedingt die deutschen Auswüchse von Country-Schlager oder Schlager-Country wie "Hallo Guten Morgen Deutschland" oder "Take it easy - nimms leicht" eines Tom Astor. Da kommt mir vieles kitschig und verlogen vor. Obwohl ich mir einige ausgewählte Titel davon auch anhören kann. Contrymusik ist aber viel mehr und die Amerikaner machen es uns doch vor, dass diese Musik viel weiter zu fassen ist und genreübergreifend ist. Wenn man so möchte, spielen Bands wie die Eagles, Buffalo Springfield, Beellamy Brothers oder Crosby, Stills & Nash auch Countrymusic. Selbst der Southern Rock der Allman Brothers oder von Lynyrd Skynyrd kann in die große Gruppe dieser Musikrichtung eingeordnet werden. Musiker wie Emmylou Harris, die Dixie Chicks, Keith Urban oder Shania Twain kennt heute die halbe Welt. In Deutschland sorgte zum Beispiel The Boss Hoss mit ihrer Musik für eine modernere Auslegung des Country-Begriffs. Wobei ich gerne zugebe, dass ich in dieser Musiksparte eher weniger bis gar nicht bewandert bin. Das führt mich jetzt endlich zur Band Drugstore aus dem Süden Brandenburgs, die an diesem Tag in Tharandt auf der Bühne stand.

Drugstore gibt es nun schon mehr als 20 Jahre. Über die Band bin ich irgendwann mal gestolpert, weil Ecki Lipske (electra, Crazy Birds) dort in die Saiten greift. Gemeinsam mit seiner Frau Katrin und mit Werner "Lemmo" Lehmann (der leider nur noch selten dabei ist, weil er in Flensburg wohnt) gründete er die Band im Jahr 1990. Katrin hatte ja auch schon umfangreiche Erfahrungen im Musikgeschäft. Sie war unter anderem 1988 Preisträgerin beim bekannten Dresdner Nachwuchsfestival Goldener Rathausmann. Es gibt auch Studioaufnahmen (Rundfunk, Platte) von ihr aus dieser Zeit wie die Titel "Karussell" und "Discohexe". bekannt ist auch, dass sie zeitweise bei Agentur Null war. Außerdem sang sie lange Jahre in der Klaus Fischer Bigband.

Katrin und Ecki bewältigten in Tharandt ein Mammutprogramm Von 11.00 Uhr bis gegen 17.00 Uhr spielten sie insgesamt 6 Musikblöcke. Das geht an die Kräfte, auf die Stimme und bei einem Gitarristen natürlich auch noch auf die Finger. Trotzdem hatten sie Spaß an dem Auftritt. Sie unterhielten das Publikum hervorragend mit einem kurzweiligen und abwechslungsreichen Programm. Dabei legten sie den Countrybegriff auch noch nicht so eng und streng traditionell aus. Natürlich gab es Lieder von Shania Twain, Kathy Mattea oder Wynonna zu hören. Zum Beispiel fand sich mit Garry Moore's "Stil Got the Blues" auch ein echter Blues(-rock)-Klassiker im Programm wieder. An einer anderen Stelle band Ecki kurzerhand das weltberühmte Gitarrensolo von Brian May aus dem Queen-Hit "We will Rock You" in einen Song ein.

"Girls with Guitars" von Wynonna ist mir auch noch erinnerlich, weil Katrin sich da mit Sonnenbrille und Gitarre bewaffnet ein Vermeintliches Gitarrenduell mit Ecki lieferte. Aber das war natürlich nur Show, denn den Herrn Lipske kann man(-n) (in diesem Fall Frau ) natürlich nicht an die Wand spielen. Aber so eine lustige Einlage lockert das Ganze doch auch optisch etwas auf. Vor der Bühne waren ständig Leute, die zur Musik tanzten. Obwohl es Männertag war, waren das in den meisten Fällen aber Frauen. Melodisch brachte Katrin bei einigen Liedern mit der Geige ein paar bunte musikalische Tupfer in das Klangbild ein. Ecki setzte sich in der letzten Runde für 2 oder 3 Songs sogar an die Pedal-Steel-Gitarre.

Hinterher war noch Zeit und Muse für den einen oder anderen Schwatz rund um die Musik. Der Kaffee im Becher dampfte und schmeckte außerdem auch noch gut. So ein ruhiger Ausklang eines Konzertes hat auch mal was. Mir hat dieser musikalische Ausflug jedenfalls total Spaß gemacht.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 11.05.2013 13:45 | nach oben springen

#2

RE: Männer, Bier und Livemusik - DRUGSTORE 09.05.13 Tharandt

in Konzertberichte 2013 und älter 11.05.2013 15:07
von Tina mit Hut | 277 Beiträge | 615 Punkte

So ein Männertag kann auch für Frau etwas schönes sein
DANKE Kundi für deine Zeilen, sehr schön geschrieben!
von mir gibts jetzt noch ein paar Fotos

Angefügte Bilder:

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