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JACK BRUCE (14.05.1943 - 25.10.2014) zum Abschied

in Bands, Musiker, Musikstile 26.10.2014 11:23
von HH aus EE | 822 Beiträge | 2006 Punkte

Jack Bruce ist tot, der „Weiße Raum“ trägt schwarz (25.10.2014)

Das gängige Klischee eines Rock-Stars oder Blues-Musikers war wohl lange Zeit das eines singenden Gitarristen. Schlagzeuger, Bassisten und andere Spezies kamen in so einem Bild meist nur am Rande vor. Doch allerspätestens nach dem Tod von JOHN ENTWISTLE, im Juni 2002, ist klar, dass ein Bass spielender Rocker einem flotten Gitarristen locker die Stirn bieten und sein Bass einer Lead-Gitarre den Schneid abkaufen kann. Genau dieses gleichwertige Spiel von Bass und Gitarre, das Verweben der Läufe und die Interaktion der Instrumente bei ausufernden Improvisationen, machten den Reiz und die, bis dahin, Einmaligkeit von CREAM aus. Jetzt ist JACK BRUCE, der Mann, dem wir das zu verdanken haben, mit 71 von uns gegangen.

Dieses Gitarrenriff, dieser aggressive Bass und ein Schlagzeug, das beide spielerisch leicht vor sich her trieb, kam einem Urknall gleich. So wie „Satisfaction“ und „My Generation“ zuvor, steckte „Sunshine Of Your Love“ mein Herz in Flammen. Ich spielte mir, wie tausende andere auch, die Finger auf den Stahlsaiten wund, um sie wie bei CREAM klingen zu lassen. Aber in der genialen Einfachheit von Songs wie „I Feel Free“, „N.S.U.“ oder „White Room“ steckte derartig viel Raffinesse, dass man als Amateur daran verzweifeln konnte.
Was ich damals noch nicht wusste, dieser JACK BRUCE hatte ursprünglich Cello und Kompositionslehre studiert und, wie spätere Einspielungen zeigen werden, ein Faible für die schottische Folklore und den Jazz. Seine Fingerfertigkeit, beim Spiel mit dem Cello erworben, übertrug sich auf den Bass und seine Begeisterung für die Musik von J.S. Bach ließ ihn musikalisch in komplexen Strukturen denken, die er in sein Spiel auf den vier dicken Saiten integrierte. J.S. Bach, so soll er gesagt haben, hätte die besten Bassläufe aller Zeiten geschrieben und diese Einstellung war seinen Kompositionen auch anzumerken.

Gemeinsam mit ERIC CLAPTON und GINGER BAKER schuf er mit CREAM die Blaupause einer Band, in der die Rolle des Lead-Sängers und Bassisten eins wurden und lange ausufernde Improvisationen auf der Bühne zum normalen Standard gehörten, ehe sich ads Trio der drei Individualisten genau darin verlor. Danach war CREAM Geschichte und JACK BRUCE, wie seine Mitspieler auch, ein Musiker, dem der besondere Ruf einer Ausnahmeerscheinung vorauseilte. Da war er gerade einmal 25 (!) Jahre alt.

Von da an ging er seiner eigenen Wege, die ihn näher zum Jazz in unterschiedlichen Konstellationen führten, wenn er live unterwegs war. Er veröffentlichte zahlreiche Solo-Werke, von denen mir „Songs For A Tailor“ (1969) und „Out Of The Storm“ (1974) besonders nahe kommen. Trotz des Scheiterns von CREAM unternahm er 1972 mit LESLIE WEST und CORKY LAING von MOUNTAIN einen zweiten Versuch, als Trio WEST, BRUCE & LAING erfolgreich zu sein. Doch das Blues-Rock-Gebilde konnte nicht annähernd an die Traditionen der jeweiligen Vorgänger anknüpfen und löste sich schon ein Jahr später wieder auf und die drei Alben der Band lagern nur noch in den Regalen ihrer Fans.

JACK BRUCE suchte die Zusammenarbeit mit vielen Musikern und war immer dann am besten, wenn er mit ihnen live auf der Bühne und in seinem eigentlichen Metier, der Improvisation, unterwegs sein konnte. Wer ihn in der All Star Band von RINGO STARR gemeinsam mit CHARLIE WATTS erleben durfte, hat sicher etwas für die Ewigkeit mit nach Hause genommen. Im Jahre 1994 unternahm der Bassist, gemeinsam mit seinem ehemaligen Bandkollegen GINGER BAKER und dem Gitarristen GARY MOORE, einen weiteren Versuch, die Idee vom Power-Trio neu zu aktivieren. Doch auch diesmal blieb eine längere Karriere aus und nur ein einziges, wenn auch über alle Maßen gelobtes, Album „Around The Next Dream“ als Tondokument übrig. Die Idee vom kompakten Blues-Trio schien aufgebraucht.

Ich mir schlummerte mein ganzes bisheriges Leben der Wunsch, wenigstens ein einziges Mal CREAM live auf der Bühne erleben zu dürfen. Doch ich wurde in der DDR geboren und nicht in England. Dort, wo ich aufwuchs, floss die „Schwarze Elster“ durch die Landschaft und nicht die Themse. London war sehr weit weg und auch das Jahr 1989 änderte daran, für mich, nichts. Die Kunde, dass CREAM noch einmal auf der Bühne ihre Musik spielen würden, erreichte mich wohl, aber nicht wunschgerecht. Ein Konzert im Jahre 2005 in Berlin wäre perfekt gewesen. Doch davon ahnten CREAM wohl nichts und so blieb mir nur, die doppelte Live-DVD in mein Regal zu stellen. CREAM waren noch einmal vereint und ich sah den Mann seinen Bass zupfen. Der sang sich die Seele aus dem Leib, während ein entfesselnd aufspielender ERIC CLAPTON mit ihm die alten Improvisationen durchspielte, die GINGERE BAKER am Schlagzeug genüsslich untermauerte. Das also waren CREAM!

JACK BRUCE war sowohl als Bassist, als auch als Komponist, eine Ausnahmeerscheinung. Sein Spiel und seine Stimme waren mehr als nur ein Drittel von CREAM. Vielen aufstrebenden Musikern war er ein Ideal, an dem sie sich orientieren konnten und seine Songs der Ausdruck eines Zeitgefühls, das sie spiegeln. Dem Erfolg und dem Ruhm von CREAM lief er wohl sein ganzes Leben lang, wenn auch stets unbewusst, hinterher. Die Zeiten änderten sich und JACK BRUCE hinterließ seine bleibenden Spuren in ihr. „Die Welt wird ärmer sein ohne ihn“, schreibt seine Familie auf der Homepage des Musikers, „aber er lebt in seiner Musik weiter und für immer in unseren Herzen.“ Das könnten auch meine Worte sein und dabei fühle ich mich, als wäre seit längerem ein Ausverkauf im Gange: „He'll wait in this place where the sun never shines …“ (White Room).

Angefügte Bilder:
Songs For A Tailor.jpg

www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de
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#2

RE: JACK BRUCE (14.05.1943 - 25.10.2014) zum Abschied

in Bands, Musiker, Musikstile 26.10.2014 12:44
von Drachenuli | 677 Beiträge | 1454 Punkte

Auch ich bin neben neben Deep Purple mit Sunshine of your Love und White Room gross geworden, auch das Album BBM besitze ich als grosser Gary Moore Fan. Live habe ich Ihn leider auch nie erlebt. Wieder ein Grosser weniger.
R.I.P.
Uli.

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