#1

DR. KINSKI & sein Salonorchester 30.08.14 Leipzig

in Konzertberichte 2014 31.08.2014 20:37
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Wie kommt man nach Leipzig zur Mugge wenn Lissis Auto schon in Leipzig ist und man nachts nicht mit 2 Autos wieder Richtung Heimat fahren will?? man sucht sich für die Hinfahrt eine kostengünstige Alternative. In unserem Fall hat die liebe Lissi das getan und in einem Internetportal nach einer Mitfahrgelegenheit zu passender Zeit von Bautzen nach Leipzig gesucht. Ein netter junger Mann fuhr um 16.00 Uhr an einem Pendlerparkplatz in Bautzen los und der Fahrpreis war mit 10 Euro pro Person wirklich günstig. So entspannt und locker sind wir noch nie zu einer Mugge gefahren.

Am Hauptbahnhof in LE angekommen, warteten Lissi und ich auf meinen Lieblingsneffen mit Lissis fahrbaren Untersatz. Natürlich nutzten wir gleich noch die Gelegenheit um mal durch den riesigen Einkaufstempel mit Gleisanschluss namens Hauptbahnhof zu schlendern. Lissis Sohn wohnt ja in Leipzig und mit seinen Ortskenntnissen kutschierte er uns anschließend durch die City von LE. Wir waren zeitmäßig sehr gut im Plan und konnten auch noch einen Stadtbummel per pedes unternehmen nachdem wir auch schon den Veranstaltungsort aufgeklärt hatten. Die LIVE-Musikkneipe Tonelli's (www.tonellis.de) habe ich schon lange Zeit im Visier gehabt, aber erst an diesem Wochenende schafften wir es endlich mal in diesem Laden einzukehren. Der irre Doktor Kinski und sein ganzes Praxisteam luden nämlich gestern zur öffentlichen Therapiestunde in Leipzigs bekannteste gute Musikerstube und da Dr. Kinski in Sachsen nur sehr selten praktiziert, wollten wir diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Das Lokal liegt auf dem Neumarkt im Zentrum von Leipzig in einem Hinterhof. Zum Glück war am Durchgang von der Straße zum Hof eine Tafel mit dem Hinweis auf das Konzert aufgestellt. So konnten auch wir Ortsfremden den Laden schnell finden. Eintritt kostete nur 5,- Euro. und da wir sehr zeitig erschienen, hatten wir auch noch die Wahl bei den Sitzgelegenheiten. Groß ist das Tonelli's zwar nicht, aber für einem kleinen LIVE-Club reicht das allemal. Ca. 60 Sitzplätze erstrecken sich auf zwei Etagen, dazu kommen noch die Stehplätze und in der Kellerebene findet man dann noch die ordentlichen Sanitärräume. Zusätzlich gibt es vor dem Eingang des Tonellis noch eine Terasse mit weiteren Sitzmöglichkeiten für die Frischluft-Fanatiker und für die Raucher. Außerdem bedient dort noch ein Mitarbeiter des Tonelli's den Grill und die Gäste können sich frisch gegrillte Steak, Bratwurst, Hähnchenspieße und anderes Grillgut schmecken lassen. Das Angebot an Getränken und Speisen ist okay und auch die Preise halten sich in einem vernünftigen Rahmen. Das Servicepersonal ist außerdem angenehm freundlich und hilfsbereit.

Dass im Tonelli's Musik eine große Rolle spielt, weiß man nicht nur aus dem Internet oder vom Hörensagen, sondern man sieht es auch. Da sind Schallplattenhüllen an die Decke geklebt und man sieht Instrumente, zum Beispiel einen Kontrabass auf dem einen Fenster hinter der kleinen Bühne. Die kleine Licht- und Tonanlage spricht natürlich auch eine eindeutige Sprache. Wenn man sich ein wenig in der Leipziger Musikszene auskennt, wird beim Kneipennamen Tonelli's nicht zu Unrecht stutzig. Richtig, der langhaarige Typ, der im Tonelli's schaltet und waltet ist nämlich sonst auch Musiker. Es ist Frank Metz-Tonelli, der Frontmann des Feelmen Soul Orchestra (www.feelmen.de) und der Ostrock-Coverband P70 (www.p-70.de).


--- Bericht wird im 4. Beitrag dieses Themenfadens fortgesetzt----


Gruß Kundi

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zuletzt bearbeitet 02.09.2014 18:22 | nach oben springen

#2

RE: DR. KINSKI & sein Salonorchester 30.08.14 Leipzig

in Konzertberichte 2014 31.08.2014 20:51
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Fotos, Fotos und nochmal Fotos

Gruß Kundi

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zuletzt bearbeitet 31.08.2014 20:58 | nach oben springen

#3

RE: DR. KINSKI & sein Salonorchester 30.08.14 Leipzig

in Konzertberichte 2014 31.08.2014 21:16
von Drachenuli | 706 Beiträge | 1517 Punkte

Ich wäre gern dabei gewesen, war allerdings bei einem runden Geburtstag.
Hoffentlich gibt es eine Wiederholung.
Uli.

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#4

RE: DR. KINSKI & sein Salonorchester 30.08.14 Leipzig

in Konzertberichte 2014 02.09.2014 18:28
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Gegen 21.00 Uhr startete die Show und der vor wenigen Minuten abseits der Bühne noch nette und ruhige Zeitgenosse Lars Sens verwandelte sich augenblicklich in den "irren" Sänger Dr. Kinski. Der ganz in schwarz gekleidete Frontmann des Salonorchesters schien geradewegs der Hölle entstiegen zu sein und als Vorturner / Zeremonienmeister von Luzifer höchstselbst entsandt zu sein, um die Höllenglocken im "Tonelli's" ordentlich läuten zu lassen und so ganz unauffällig eine kleine Rock'n Roll-Hölle in Leipzig zu installieren. Lars Sens ging scheinbar voll in seiner Rolle als Reinkarnation des Irren auf. Man könnte wirklich denken, der Typ ist total irre. Blicke, Sprüche, Gesten, Mimik - alles passt zum Image des durchgeknallten Doktors. Alleine das gelegentliche fiese Grinsen des "Irren" am Gesangsmikrofon und seine Schläge ins eigene Gesicht waren schon wieder eine ordentliche Würze für diese Rock'n Roll-Show-Suppe der etwas anderen Art.

Was wäre als Einstieg für diese augenzwinkernde AC / DC Covershow besser geeignet als "Hells Bells" vom "Back in Black" - Erfolgsalbum der australischen Starkstrom-Hardrock-Götter? Ein ganz düster klingender AC / DC-Song, der unheimlich düster wirkende Dr. Kinski und die grandiosen Musiker an den Instrumenten sind eine tolle Kombination. "Back in Black" erschien übrigens im Sommer 1980. Die Band um die Young-Brüder Angus und Malcolm widmete die Scheibe ihrem am 19. Februar 1980 verstorbenen Sänger Bon Scott (bürgerlicher Name Ronald Belfort Scott) und es war das erste Album mit dem neuen Sänger Brian Johnson. "Back in Black" wurde ein Knaller und verkaufte sich weltweit bis heute fast 50 Millionen Mal. "B. in B." gilt nicht umsonst als Meilenstein und damit als eines der besten und wichtigsten Langrillen der (Hard-)Rockgeschichte.

"Ihr seid doch alle wahnsinnig, ihr Patienten" hätte ich wohl früher gesagt, wenn mir gesagt worden wäre, dass man AC /DC-Hits auch unplugged öffentlich vortragen kann. Da hätte damals wohl meine musikalische Phantasie nicht ausgereicht. Seit meinem ersten Salonorchester-Gig im November 2008 sehe ich das jetzt aber ganz anders. Es gibt sicher AC /DC-Coverbands wie Sand am Meer, aber Dr. Kinski und sein Salonorchester als leise Variante oder die laute Dr. Kinski Schocktherapie gehören sicherlich zu den besten dieser Bands. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass die Kinski's keine reinen AC / DC-Klone sind, sondern wirklich deutlich sicht- und hörbar ihr eigenes Ding durchziehen. Durch ihren extravaganten Frontmann und ihrer eigene Show unterscheidet sich die Band Dr. Kinski sogar sehr deutlich vom Original. Genau das macht die Berliner Formation auch so unverwechselbar.

Die Dr.Kinski-Musiker sind allesamt Könner ihres Fachs und sie sprühten in der Heldenstadt LE wieder alle vor Spielfreude. Was Michael Linke und Frank Wellfair alleine mit den Akustikgitarren anstellten und welche Töne sie fabrizierten, war wieder unbeschreiblich. Ich bin sogar geneigt zu sagen, das war wieder sensationell. Bei Dr. Kinski zeichnet Michael "Pitti" Pflüger sich für die die Erzeugung tiefer Töne verantwortlich. Die akustische Bassgitarre und seine Verkleidung als Mexikaner waren am Anfang sicher etwas gewöhnungsbedürftig. Wer jedoch Spaß versteht und dazu noch ein halbwegs gutes musikalisches Gehör hat, wird sich schnell darauf einlassen können. Zusammen mit Dicki Grimm am Schlagzeug bildete Pitti eine treibende, rhythmische Einheit, die den beiden Gitarristen ein perfektes Fundament lieferte. "Dragomir" Grimm, wie ihn der Doktor dem Leipziger Publiikum vorstellte, beherrscht auch die bei der Salonorchester angezeigte seichtere Spielweise mit Besen und /oder verhaltenen Schlägen bestens.

"Hoch die Patschhändchen", manchmal auch "hoch mit den schmutzigen Fingern" rief der Doktor. Die folgsamen "Patienten" kamen der Aufforderung natürlich nach und je länger die Mugge lief, umso mehr Fans spielten das Spiel mit. So entwickelte sich ein stimmiger und lustiger Konzertabend. Das Salonorchester mit dem Dr. Kinski an der Spitze spielte insgesamt 3 Blöcke und die Fans bekamen einige Hits und einige Überraschungen geboten. Damit meine ich das besondere Schmackofatzo des augenzwinkernden Verknüpfen von AC / DC - Hits mit Schlagern, Filmusiken und weiteren Gassenhauern.
Da geht beispielsweise der Song "Have a Drink on me" plötzlich in den Peter Alexander-Schlager "Die kleine Kneipe in unserer Straße" über. "Sin CIty" verknüpfen die Musiker "mit Kung Fu Fighting" der Discohit-Perle aus den siebziger Jahren von Carl Douglas. "Shot down in Flames" wird zur "Polonaise Blankenese" und "Mein Freund Herbert" von Stimmungsmusiker Gottlieb Wendehals. Der Zuhörer konnte im Laufe des Abends einige solcher Überrschungen erleben und auch das macht das Besondere des Salonorchesters aus. Wer spielt denn sonst noch "Beating around the Bush" akustisch und baut da auch noch die besonders in Dänemark und Ostdeutschland populäre Filmusik der Olsenbanden - Filme ein? "Highway to Hell" endete musikalisch auf der Bonanza-Farm.
Auch fürs Auge gab es hier und da etwas zu entdecken. Da wären zum Beispiel die beiden Stehlampen als Bühnendekoration, die plüschigen Fedeboas an Mikrofonständern oder kleine Pyro-Effekte während der Show. Der Doktor kam nach der Pause sogar im Elvis-Look und Frank Wellfair setzte sich bei der Katjuscha- Volksliedmelodie eine sowjetischer Militärpelzmütze auf. Micha Linke hatte seinen Zylinder auch nicht vergessen , das dürfte ja klar sein.

Dass der Frontmann Lars Sens auch ein guter Dieter Thomas Heck -Imitator ist, konnte man im Zugabenteil erleben. Da wurde " The Jack" einfach umgedichtet zu "Ich bin der Heck" und endete als Walzer. An dieser Stelle sollte laut Plan das Konzert eigentlich beendet sein, aber das Publikum erklatschte und ertrampelte sich eine weitere Zugabe. Nach kurzer Beratung entschieden die Musiker sich für "You Shook Me All Night" und baten als Gesangsverstärkung für den Refrain noch Frank Metz-Tonelli auf die Bühne. Das begeisterte das Leipziger Publikum natürlich noch mal sehr.
Nach der Mugge beglich ich am Tresen schnell unsere Rechnung und kurze Zeit später wanderten Lissi und ich schon per pedes zu unserem fahrbaren Untersatz. Vor uns lagen dann noch ca. 170 Kilomter Fahrt. Gegen 03.00 Uhr rollten wir dann endlich in unserem Heimatdorf ein.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 03.09.2014 04:41 | nach oben springen

#5

RE: DR. KINSKI & sein Salonorchester 30.08.14 Leipzig

in Konzertberichte 2014 02.09.2014 21:16
von PMausM | 1.524 Beiträge | 3211 Punkte

Es ist immer wieder eine Freude, deine Konzertberichte zu lesen, lieber Kundi.


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