#1

SPLiTT 27.06.14 Stadtfest "Peter & Paul" Senftenberg

in Konzertberichte 2014 29.06.2014 14:46
von Kundi | 1.994 Beiträge | 4566 Punkte

SPLiTT existiert seit Mitte der 80er Jahre und war früher eine Heavy Metal-Band, die auch eigene Titel mit deutschen Texten spielte. Seit damals dabei ist Gitarrist Heinz Großheim. Lissi und meinereiner sind dieser Band seit ein paar Jahren immer wieder mal auf der SPLiTT-Spur. Trotzdem war die Entscheidung an diesem Freitag gar nicht so einfach zu treffen, denn zeitgleich spielten in Freiberg auch DIE OSSIS und die Czerwone Gitary.

SPLiTT wartete wieder mit einem Programm auf, welches die bekanntesten und allgemein beliebtesten Ostrock-Songs enthielt. Viele der Lieder tauchen immer wieder auf den zahlreichen Ostrock-Samplern auf, werden gelegentlich im Radio gespielt und / oder tauchen auch immer wieder in den von verschiedenen Sendern sporadisch durchgeführten Ostrock-Hitparaden auf.
Es ist einfach ein bewährtes und massentaugliches Konzept, wie es andere Ostrock-Coverbands auch fahren. Das kann man persönlich gut finden oder auch nicht. Ich persönlich kann damit auch etwas anfangen. Allerdings nur wenn es handwerklich gut gemacht ist und wenn es glaubwürdig sowie mit Herzblut präsentiert wird. SPLiTT, Die OSSIS oder P 70 begeistern damit auch jedes Jahr in der Stadtfest-Saison tausende Menschen von Kap Arkona bis zum Fichtelberg. Ein- oder zweimal im Jahr schaue auch ich mir diese Bands mit ihren Shows an und ich habe sogar viel Spaß dabei.

Mit SILLY's "Unterm Asphalt"-Intro öffnete SPLiTT die Live-Schatztruhe in der sich genug Lieder für einen ganzen Abend befanden. Ein in blaues Licht getauchter Bühnennebel-Sturm verbarg fast die Überraschung, aber man konnte die Keyboard-Klänge auch ganz deutlich hören. SPLiTT hat sich mit einer jungen Tasten-Frau verstärkt. Ich finde das Intro ja saustark, aber der Gipfel wäre es für mich, wenn endlich mal jemand das ganze Lied und mit kompletten Text spielen würde. Durch die Töne der schwarzen und weißen Tasten wird der SPLITT-Livesound übrigens auch wieder runder und satter.

lEs ging gleich weiter mit der musikalischen Erinnerung an eine der schillernsten weiblichen Rockröhren der DDR, Tamara Danz. Die am 22.Juli 1996 leider verstorbene Frontfrau von SILLY ist unvergessen und in den Herzen vieler Fans fest verankert. "Bataillon d'Amour" wurde von Petra Großheim mit dem notwendigen Respekt, mit viel Gefühl und Ausdruck gesungen. Für meine Begriffe liegen ihr die SILLY-Songs ganz besonders. Übrigens ist die Band SILLY für mich ein ganz explizites Beispiel dafür, dass die Geschichte des Ostrocks eben nicht am 02.Oktober 1990 endete. Die Alben "Hurensöhne"(1993) und "Paradies" (1996) sind für mich auch noch in bester Ostrock-Tradition entstanden. Sie zeigen noch die außerordentliche musikalische Qualität der Band und vor allem das Gespür für Zeitthemen in den Texten und die damit verbundene Unangepasstheit sowie das Widerborstige.

Auf den letzten beiden SILLY-Platten mit Anna Loos sind leider nur noch wenige solcher Lieder zu finden. Anna macht als Frontfrau einen superguten Job bei SILLY.
Aber musikalisch und textlich gleitet die Band seit dem Album "Alles Rot" zu sehr in Richtung Pop und belangloser Lieder. Ich gönne SILLY den jetzigen Erfolg aus tiefsten Herzen, aber ich gehe diesen neuen musikalischen und glattgeschliffenen Weg nicht mit. Meine Seele vibriert bei diesem neudeutschen und glatten Einheitspop einfach nicht. Nur der Song "Vaterland" kann mich noch richtig überzeugen. Das ist wirklich wieder ein Meilenstein aus der SILLY-Schmiede. Egal, wir wollen lieber bei der SPLiTT-Mugge bleiben.

SPLiTT spielte im Verlaufe des Abends noch einige Kracher aus der SILLY-Geschichte wie "So ne kleine Frau", "Bye.bye" oder "Mont Klamott". Aber SPLiTT stellte dem Senftenberger Publikum auch neuere Hits wie "Alles Rot" und "Deine Stärken" vor. Dass SPLiTT auf dem Markt in Senftenberg aus der heutigen Zeit auch von den PUHDYS den "Ohrwurm" und CITY's "Es ist immer noch Sommer" live spielte, finde ich sogar großartig. So bekommen manche Zuhörer wenigstens mit, dass diese Bands überhaupt noch da sind und auch noch neue Lieder zu bieten haben.


Die Rhythmus-Gruppe, bestehend aus Ralph Rainer Clauß an der Schießbude und Paul Posse am Bass, Der Tieftöner Paul hat unter anderem schon bei Blue Stift und bei der Jonathan Bluesband gespielt. Der Schlagzeuger ist von der Berliner Grey Hound Rockband sowie früher unter anderem von Phonolog bekannt Beide passen sehr gut zu SPLiTT und sie bringen frischen Wind auf die Bühne. Der Basser ist sehr beweglich, klebt nicht an einem Fleck und wirkt so sehr lebendig. An einigen Stellen wie den bekannten Bass- Linien bei den Karat-Songs "Der blaue Planet" und "Albatros" konnte man auch sehr deutlich hören, dass Paul sein Handwerk außerordentlich gut versteht. Wenn man den Herrn Clauß mit seinem Kopftuch und dem tiefer gelegten Schlagzeug sieht, fühlt man sich unwillkürlich an Klaus, "das ständige CITY-Geburtstagskind" Selmke erinnert. Ordentlich trommeln kann er dazu auch noch.

Übrigens scheint mir die derzeitige SPLiTT-Besetzung menschlich sehr zu harmonieren. Das gibt und gab der Band auf der Bühne auch noch mal einen Schub. Da ist die ganze Zeit totale Action angesagt und man sieht die Protagonisten in den ca. 3 Stunden Show auch mehr als einmal lachen. Man nimmt sich selbst nicht so ernst und wichti. Ganz im gegenteil, liebevoll wird der Kollege oder die Kollegin auch mal auf die Schippe genommen. Auch der eine oder andere vorlaute Rufer aus der Zuhörerschar bekommt verbal mal eins auf die Mütze. Dass man gemeinsam über sich lachen kann, schafft ja auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Wenn man zwei Frontleute mit sehr unterschiedlichen Stimmen und jeweils eigenem Profil in der Band hat, erleichtert das natürlich die Sache sehr, man kann das Programm abwechslungsreicher gestalten und breiter fächern. Petra Großheim und Frank Käppner wechseln sich als Solisten ständig ab. Das schafft im Klangbild Abwechslung und inhaltlich kann man das programm auch viel breiter anlegen.
Natürlich wurden unter anderem auch noch „Alte Bäume“ gesägt, die schlittschuhlaufenden „Eisbären“ bis zur „Rockerrente“ übers Eis gejagt und der „Schwanenkönig“ versank auch noch in den Fluten.

Unvermeintlich und mich verfolgend klingelte Keimzeit wie „Nie zuvor“ an der Tür meiner „Jugendliebe“, "Melanie" und alle dachten beim „Farbfilm“ Das ist die „Zeit, die nie vergeht“. "Auf der Wiese" gingen wir noch zum "Sommernachtsball" und "Am Fenster" sah ich euch alle "Jede Stunde" über " 7 Brücken" gehen. Die Senftenberger bekamen die volle Ladung Ostrock-Hits und feierten mit der Band eine tolle Party. Ganz ehrlich, als ich hier auf dem Marktplatz anlam, dachte ich noch so bei mir, dass ich bei diesen trüben Tassen hier nicht mal tot über dem Gartenzaun hängen möchte, aber der erste Eindruck täuschte wohl doch ein wenig. Das Publikum tanzte, sang, feierte die Band und erkämpfte sich mit dieser Begeisterung auch mehrere Zugaben.
Kaum war die Mugge vorbei setzte das Helene Fischer - Grauen aus der Konserve ein. Das veranlasste Lissi und mich dann ganz schnell das Weite zu suchen.


Gruß Kundi

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zuletzt bearbeitet 29.06.2014 14:49 | nach oben springen

#2

RE: SPLiTT 27.06.14 Stadtfest "Peter & Paul" Senftenberg

in Konzertberichte 2014 29.06.2014 14:53
von Kundi | 1.994 Beiträge | 4566 Punkte

Fotos Teil 2

Gruß Kundi

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zuletzt bearbeitet 29.06.2014 15:00 | nach oben springen

#3

RE: SPLiTT 27.06.14 Stadtfest "Peter & Paul" Senftenberg

in Konzertberichte 2014 29.06.2014 17:53
von Drachenuli | 706 Beiträge | 1517 Punkte

Mich würde noch interressieren, wie gut die gesanglichen Qualitäten des Frontmanns waren.
Ich habe diese Band erst einmal im Urlaub erlebt, fand die Frontfrau auch, vor allem bei den Sillytiteln überzeugend, er aber hat mich damals nicht überzeugt. Vielleicht hatte er an jenem Abend einen schlechten Tag.
Gruss, Uli.

zuletzt bearbeitet 29.06.2014 18:59 | nach oben springen

#4

RE: SPLiTT 27.06.14 Stadtfest "Peter & Paul" Senftenberg

in Konzertberichte 2014 30.06.2014 04:57
von Kundi | 1.994 Beiträge | 4566 Punkte

Lieber Uli,

das ist schon in Ordnung, was Frank "Käppi" Käppner singt. Ich kann mit seiner Stimme sehr gut leben.
Käppi kommt ja ursprünglich aus der Blues-Ecke. Er war unter anderem Sänger der Passat Bluesband und spielt auch sehr gut Mundharmonika.
Man muss sich als Hörer im Kopf sicher aber erstmal von den Originalstimmen lösen. Das gebe ich zu bedenken.

Gruß Kundi


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