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KLARtext 25.05.14 "Partwitzer Hof" im Lausitzer Seenland

in Konzertberichte 2014 29.05.2014 21:42
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Der 25. Mai war ein schöner Frühlingstag, die Sonne schien und ich war nachmittags wieder mal im Herzen des Lausitzer Seenlandes unterwegs. Lausitzer Seenland? Da war doch schon mal was mit Kundi? Ja, das stimmt sogar Es war nicht meine erste Fahrt in diese Gegend und vermutlich wird es auch nicht meine letzte gewesen sein.
Wir erinnern uns an einen Beitrag von mir dazu an anderer Stelle und ich zitiere mich einfach mal selbst, weil mir diese Gedanken wichtig sind:
"Hier versucht der Mensch die Schäden, die durch den jahrzehntelangen Braunkohleabbau verursacht worden durch Rekultivierung und Umgestaltung zu minimieren. Aus den Löchern der Tagebaue entstanden und entstehen zwischen Dresden und Berlin künstliche Seen, die die größte von Menschen geschaffene Wasserlandschaft Europas darstellen. Eine neue Urlaubsregion ist im Entstehen und man kann schon viele Erfolge sehen. Die Zukunft des ehemaligen Braunkohlereviers heißt also Tourismus. Ich fuhr durch Hoyerswerda und weiter durch ein paar Dörfer bis an den Plagwitzer See, der seit 2004 geflutet wird. Ein riesiger See mit einer Fläche von 1120 Hektar und einen Wasservolumen von 130 Millionen Kubikmeter ist hier entstanden. Wo zwischen 1940 und 1977 im Tagebau Skado fast 240 Millionen Tonnen Rohkohle gefördert wurden, werden sich die Menschen bald aktiv erholen können. Erste Angebote können bereits genutzt werden. "

Kurz vor meinem Ziel konnte ich zu meiner linken Seite auf den See schauen. Ich kenne und liebe dieses Panorama, war also auch diesmal darauf vorbereitet. Mich fasziniert diese Aussicht jedoch jedes Mal aufs Neue. Bisher hatte ich auch immer strahlenden Sonnenschein, wenn ich aus meinem kleinen koreanischen Straßenkahn heraus aufs offene Partwitzer Meer schauen durfte. Auch an diesem 24.Tag im Monat Mai des Jahres 2014 meinte es Klärchen am Himmel wieder besonders gut mit uns. Die Sonne ließ das Wasser wie frisch geputztes Silber glitzern. Diese paar Sekunden lösten wieder ein warmes Glücksgefühl in mir aus, eigentlich sind solche Momente unbezahlbar und manchmal sind sie auch selten. Aber ich durfte dieses Gefühl in dieser Woche schon mal erleben als ich die Schönheit unseres Landstriches bei einem Hubschrauberflug aus der Vogelperspektive betrachten durfte. Die Lausitz ist schön und sie ist meine Heimat. Ich finde, dafür darf man auch mal dankbar sein. Für mich ist Heimat(-liebe) definitiv ein Schatz, der das Leben mehr bereichert als Gold, Geld und Aktien.

Eigentlich sind die ganzen künstlichen Seen hier ja nur Narben des jahrzehntelangen Bergbaus, aber es sind schöne Narben und vielleicht hätten sie sogar GUNDI gefallen. Natürlich erzählen diese Stellen in der Landschaft dem Interessierten, aufmerksamen und interessierten Betrachter auch eine Menge Geschichten vom Kampf der Bergleute ums schwarze Gold, von harter Arbeit bei drückender Hitze und bei klirrender Kälte. Einige dieser Bergleute machten damals in ihrer Freizeit auch Musik. Einer von ihnen hieß Gerhard Gundermann und ein anderer hört heute noch auf den Namen Mario "Lakki" Lakotta. Zwischen beiden Männern gab es eine reale Verbindung und das war die gemeinsame Arbeit im Tagebau.

Womit wir schon beim Thema KLARtext gelandet sind, denn Lakki ist Gitarrist und Sänger dieser Band.
An diesem schönen frühsommerlichen Sonntag konnte man im Biergarten vom "Partwitzer Hof" beim Hoffest wieder Livemusik lauschen. Die Betreiber erhoben deshalb einen symbolischen Hofmusikzoll von einem Euro pro Besucher. Diese Hoffeste finden mehrmals im Jahr statt. Brian Bossert, Shawue oder eben auch KLARtext spielen beispielsweise dann zu solchen Anlässen hier. Der Partwitzer Hof" besteht aus Reiterhof, Gaststätte und Pension. Bei schönem Wetter finden viele Ausflügler den Weg dorthin, um mal eine Pause einzulegen. Auf dem Hof ist ein großer Biergarten und es duftete am Sonntag überall nach Kaffee, frisch gebackenen Brot und Kuchen. Das schöne Wetter hatte auch diesmal viele Gäste an die Tische gelockt, eine Familienidylle tat sich vor mir auf. Man hörte die Leute lachen, Kinder tollten umher und das Servicepersonal hatte alle Hände voll zu tun. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Ich freute mich sehr "alte" und neue Fans von KLArtext dort zu treffen. Mit netten Menschen macht so ein Nachmittag mindestens doppelt so viel Spaß.

Vor dem Eingang zur Reithalle unter einem Sonnendach hatten die Musiker von KLARtext ihre Instrumente aufgebaut. Die Band war bereits seit 12.00 Uhr hier im Einsatz und hatte noch ein ganzes Stück Arbeit vor sich. Für mich war es auch mal eine willkommene Abwechslung schon gegen 13.30 Uhr auf einer Mugge zu erscheinen. das war auch ganz gut so, denn es war Sonntag und außerdem war es meine dritte besuchte Musikveranstaltung an diesem Wochenende. Bis 17.00 Uhr lagen noch rund 3,5 Stunden Mugge vor Enni, Karsten, Cäsar und Lakki. Ich beneidete die 4 Männer von KLARtext nicht gerade, denn sie brutzelten während sie spielten schön in der glühenden Sonne vor sich hin. Da nützte auch das Sonnendach nichts.

Übrigens können das Wetter , KLARtext und ich Geschichten von gemeinsamen Erlebnissen erzählen. Aber unsere Dreierbeziehung verlief nicht gerade harmonisch. KLARtext und ich hatten miteinander keine Probleme, aber das Wetter tanzte oft aus der Reihe. Schon bei unserer ersten Begegnung am 06. Oktober 2007 machte es mächtige Zicken. Damals war es schweinekalt. Ich habe gefroren wie ein Schloßhund und trotzdem bin ich nicht abgehauen. Irgendwas war dran an dieser total unbekannten Band, was mich fesselte. Ich spürte positive Schwingungen, die von der Band und ihrer Musik ausgingen. Dem Wetter gestand ich die Kälte als Ausrutscher zu. Aber da war ich wohl zu gutmütig.
Das Wetter war in der Folge immer wieder ein unzuverlässiger, zuweilen sogar unangenehmer Partner. Regen, Glatteis, glühende Hitze - immer wieder wollte es unsere Beziehung auf schwerste Proben stellen. ich habe es gebeten, ja sogar angefleht es nicht zu übertreiben. Aber das Wetter wollte nicht auf mich hören. Beim Stadtfest Bautzner Frühling im vergangenen Jahr überspannte es dann sogar den Bogen . Es drohte uns sintflutartige Regenfälle an, das muss man sich mal vorstellen. Da blieb als letzte Konsequenz nur die Trennung. Das hat das Wetter aber ganz allein sich selbst zuzuschreiben. Immerhin hatte es noch so viel Anstand, die angedrohte Sintflut beim Bautzner Frühling 2013 in Kälte und einzelne Regentropfen abzumildern.

Aber kommen wir zurück in die Gegenwart und zu KLARtext 2014.
Die Band war ja unlängst im Chemnitzer Studio bei Carsten Zeise und hat einige Lieder für einen neuen Silberling eingespielt. Ich bin schon sehr gespannt auf diese kleine Scheibe. Carsten Zeise ist einigen Musikfans hier sicher als Bassist der Coverrockband Thor und neuerdings auch des Maffay-Coverprojektes Nessaja in Erinnerung.

KLARtext bestritt den Auftritt auf dem "Partwitzer Hof" in mehren Blöcken. Die Band hatte auch eine tolle Setlist aus eigenen Liedern, Songs von GERHARD GUNDERMANN und einigen anderen Coversongs zusammengestellt. Die Musik von KLARtext zeichnet aus, dass sie sich sofort für längere Zeit beim Hörer festsetzt. So etwas nennt sich wohl auch melodiebetont und eingängig. Die Texte sind aus dem Leben gegriffen und man kann mit diesen sofort etwas anfangen. Sie sind leicht verständlich und erzählen für den Zuhörer nachvollziehbare, bildhafte Geschichten. Auf große Umschreibungen oder philosophische Abhandlungen wird dabei verzichtet.

Frontmann Lakki „Mario“ Lakotta hatte natürlich als Sänger und zweiter Gitarrist wieder eine Doppelrolle auszufüllen. Das ist bei so einer Dauer-Mugge von 12.00 – 17.00 Uhr natürlich besonders anstrengend und belastend. Wir reden hier ja über 5 Stunden, normale Muggen sind ja schon nach ca 2 bis 2,5 Stunden vorbei. natürlich spielten die Jungs Lieder von ihrer ersten CD "Das Leben ist bunt" ("z.B.: "Supermann", "Biographie", "Die Lust"), aber auch neueres Material wie „Trampen nach Süden“ „Abseits“, Gipfelstürmer“, „Engel aus Eis“,, Schatten“ und „der Rock’n Roll bleibt". "Sehnsucht bleibt" ist ja der aktuellste KLARtext-Titel und auch der fehlte nicht.

Die GUNDERMANN-Songs („Alle oder keiner“, „Herzblatt“, „Wo soll’n wir hin“, „Nach Haus“ kamen im ehemaligen Braunkohle-Revier besonders gut. Da waren meine Gedanken gleich wieder bei dem riesigen Partwitzer See, der aus dem Tagebau entstand. Bei den KT-Konzerten der letzten 2 Jahre hat sich das eher unbekanntere und nie auf offiziellen GUNDERMANN-Scheiben veröffentlichte "Menschenmädchen“ mit der Tom Petty-Melodie von I wan’t back down“ als mein absoluter Favorit herausgeschält. Vielleicht liegt das auch daran, dass es eben kein GUNDI-"Hit" ist und der Text auch eine gehörige Portion Ironie enthält. Jedenfalls haben die KLArtext'ler damit auch eine gute Wahl getroffen.

Besonders gefreut habe ich mich wieder über „Lied für Anja“ von den PUHDYS. Die eigenständige Umsetzung dieses Stückes durch KLARtext mit dem wundervollen, kurz-knackigen E-Gitarren-Solo von„Cäsar“ Gerhard Skirl ist wirklich Klasse. Dass Cäsar eine famose Leadgitarre spielt, wissen wir ja schon lange. Der Junge kann seine 6 Saiten wirklich ausgezeichnet singen lassen.
An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen „Sexy“ von Westernhagen und „Alkohol“ von Grönemeyer sind natürlich ganz bekannte Lieder, die viele Leute auch wieder erkennen. Da gab es auch besonderen Beifall. Mir gefällt aber ausgesprochen gut, dass die KLARtext'ler auch Material der Band Six aus dem Nachbarbundesland Brandenburg für sich entdeckt haben. Six-Fans sind sie ja privar sowieso schon lange. Also haben sie jetzt einfach das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. "Geliebt und verletzt", "Gefallene Engel", "Geiler ist es hier" werden so sicher auch in Sachsen noch bekannter.
Basser Karsten ist bei KLARtext für die tiefen Töne zuständig. Er spielt einen groovigen Bass und hat auch im Soul-und Funkbereich Erfahrung. Seit knapp 2 Jahren gehört er zu KT. Längst ist er richtig in die Band integriert. Karsten ist ein ruhiger Zeitgenosse, aber solider Handwerker. Mir gefällt auch, dass er während der Mugge ordentlich mitdenkt und auch mal Kunstpausen , die bei kleinen Pannen mal enstehen können, geschickt überspielt. Da hört man ihn plötzlich mal "Another One Bites the Dust" von Queen oder "Seven Nation Army" von The White Stripes auf den 4 Saiten zupfen. Bei solchen musikalischen Ausflügen steigt auch der Schlagzeuger Enni gerne mit ein und während die zwei improvisieren, wird von den anderen die Panne beseitigt Die aus Karsten und Enni bestehende Rhythmusgruppe machte ihren Job wirklich nicht schlecht. Die beiden Rhythmiker legten ein unauffälliges, aber sehr solides Grundgerüst für ihre Kollegen an.

Es war ein schöner Nachmittag bei bestem Wetter und KLARtext hat gezeigt, dass sie für die nächsten großen Aufgaben bereit sind. Das wären zunächst die Auftritte am 30.05.14 auf der großen Kornmarkt-Bühne beim Stadtfest Bautzner Frühling und natürlich das "Rock ist die beste Medizin" - am 31.05.14 im Irish Pub "Black Raven" in Hoyerswerda. Ich freue mich darauf und bin besonders auf den zweiten Abend sehr gespannt. Ich weiß nämlich nicht, was dort im Einzelnen passieren wird.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 29.05.2014 21:49 | nach oben springen

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RE: KLARtext 25.05.14 "Partwitzer Hof" im Lausitzer Seenland

in Konzertberichte 2014 29.05.2014 21:53
von Kundi | 2.000 Beiträge | 4578 Punkte

Ich schiebe mal ein paar Bilder nach.

Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
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